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Kritiker behaupten, Impfungen bewirken Hirntumore und MS

Nationalrat Ignazio Cassis, FDP-TI, laesst sich am Parlamentartier Grippeimpftag impfen, am Dienstag, 25. November 2014, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Der Arzt und Bundesrat Ignazio Cassis lässt sich demonstrativ impfen.Bild: KEYSTONE
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«Weitere Symptome: Masturbation» – die irren Argumente der Impfgegner

Masern breiten sich wegen Impfmüden wieder aus, die Weltgesundheitsorganisation warnt vor neuen Epidemien. Das Misstrauen gegenüber Impfungen wird vor allem von Esoterikern, Heilern und Vertretern der Alternativmedizin geschürt.
28.01.2019, 15:38
Hugo Stamm
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Die Weltgesundheitsorganisation WHO schlägt Alarm. Überraschenderweise geht es ums Impfen. In ihrem Bericht von dieser Woche bezeichnet sie die mangelnde Impfbereitschaft zu den gegenwärtig grössten Gesundheitsrisiken der Welt. Sie führe dazu, dass die Fortschritte bei der Bekämpfung von Krankheiten zunichte gemacht würden, die durch Impfen vermeidbar wären.

Laut WHO verhindern Impfungen jährlich 2 bis 3 Millionen Todesfälle weltweit. Ausserdem müssten 1,5 Millionen Menschen nicht sterben, wenn die Impfrate höher wäre.

Dabei ist die mangelnde Gesundheitsversorgung nur eine Ursache, ein gewichtiger Grund ist auch die Impfmüdigkeit, die in vielen entwickelten Ländern zunimmt. Eine wesentliche Rolle spielt auch das Misstrauen gegenüber Impfungen und Schulmedizin.

Die Argumente der Impfkritiker:

Bericht über die Impfkritiker.Video: YouTube/Antiinfokriegerin

Das Misstrauen wird vor allem von Esoterikern, Heilern, Heilpraktikern und Vertretern der Alternativmedizin geschürt. Diese impfkritischen Kreise sind in der Schweiz, aber auch in vielen westlichen Ländern, gut organisiert, veranstalten Vorträge und führen in den sozialen Medien Desinformationskampagnen durch.

Obwohl ihnen das Fachwissen fehlt, warnen sie in schrillen Tönen vor den angeblichen Gefahren des Impfens. Diese Gesundheitsmassnahme stelle eine grosse Gefahr für den Einzelnen und die gesamte Menschheit dar.

ARCHIV - 29.10.2018, Thüringen, Erfurt: Eine Patientin lässt sich in einer Polyklinik gegen Grippe impfen. (zu dpa "WHO: Impfmüdigkeit gefährdet die globale Gesundheit" am 20.01.2019) Foto:  ...
Impfen ist nicht beliebt, aber für die Ausrottung gefährlicher Krankheiten wichtig.Bild: keystone

Sie streiten rundweg ab, mitverantwortlich zu sein, dass gefährliche Krankheiten nicht ausgerottet werden können. Oder dass vermeintlich ausgerottete Krankheiten wieder zu grassieren beginnen.

Sie ignorieren auch konsequent Studien von medizinischen Experten und Gesundheitsorganisationen, die klar nachweisen, dass nichts die Sterblichkeitsraten so rasch senken konnte wie das Impfen. Die Erfindung der Impfstoffe war einer der wichtigsten Durchbrüche der Medizin.

Masern breiten sich wieder aus

Welche Folgen diese Ignoranz haben kann, zeigt die WHO am Beispiel der Masern: Weltweit sei die Zahl der Fälle im Jahr 2017 um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Auch in einigen Ländern, die bereits kurz vor der Ausrottung der Krankheit gestanden hätten, gebe es wieder mehr Fälle.

Konkret: 2016 wurden in Europa 5273 Fälle registriert, 2017 erkrankten bereits 23'927 Menschen an Masern. Eine Zunahme von über 400 Prozent. Die Verblendung der Impfkritiker geht so weit, dass sie Masernpartys veranstalten, wenn ein Kind die Krankheit bekommen hat.

«Weitere Symptome der Impfkrankheit: Masturbation.»
Aussage einer Heilpraktikerin

Man kann es auch als Impfaktion der gröberen Art bezeichnen. Denn Masern sind für Kinder eine Tortur, die traumatische Spuren hinterlassen kann. Und in schweren Fällen kann sie tödlich verlaufen.

In den Chor der Impfkritiker stimmen aber immer wieder Wissenschafter und Ärzte ein, die oft esoterisch angehaucht sind. Zu ihnen gehört der St.Galler Arzt Alexander Ilg. Er hält Vorträge und macht schauerliche Aussagen: Impfungen hätten Multiple Sklerose ausgelöst, oder Geimpfte würden Lähmungserscheinungen erleiden. Behauptungen, die sich nicht belegen lassen.

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Arzt behauptet, Impfung löse Autismus aus

Von den Impfgegnern wird auch gern eine Studie des englischen Arztes Andrew Wakefield angeführt. Diese weise nach, dass die Mumps-Masern-Röteln-Impfung Autismus auslösen könne. Nur: Die Studie war gefälscht.

Als Impfexpertin spielte sich auch die Heilpraktikerin Zita S. aus Uznach auf. In ihrer Praxis legte sie ein Flugblatt auf, das vor Impfungen warnte, wie lokale Medien berichteten. Diese könnten bei Kindern Schlafstörungen, Legasthenie, Stottern, Autismus und Hirntumore bewirken. Wörtlich: «Weitere Symptome der Impfkrankheit: Masturbation.»

Kommentar überflüssig.

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Hugo Stamm; Religionsblogger
Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
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366 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Stichelei
26.01.2019 09:30registriert Oktober 2015
. . . und was für gesundheitliche Folgen dann das Masturbieren auslöst, wissen wir ältere Semester ja noch ganz genau aus unserem Religionsunterricht. 🤦‍♂️
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Ironiker
26.01.2019 10:01registriert Juli 2018
Ich sehe es in etwa so...
«Weitere Symptome: Masturbation» – die irren Argumente der Impfgegner
Ich sehe es in etwa so...
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Palpatine
26.01.2019 09:34registriert August 2018
Und das Oroblem dabei (neben anderen): Mit Impfgegnern kann man nicht diskutieren. Wer logischen und sachlichen Informationen kommt, wird sofort als Teil des bösen Systems oder als Ungläubiger, der noch nicht aufgewacht ist, benannt.

Impfgegner sind Verschwörungstheoretiker. Und da habe ich - leider - durchaus meine Erfahrungen beim Diskutieren gemacht.
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