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Uriella und ihr Ehemann Icordo im Zwiegespräch mit Jesus.
Uriella und ihr Ehemann Icordo im Zwiegespräch mit Jesus.Bild: keystone
Sektenblog

So konstruieren Sekten Fake News auf der Glaubensebene

Wie aus Fake News plötzlich ein Fake Faith wird.
26.02.2018, 15:56

US-Präsident Donald Trump sieht sich umzingelt von Journalisten und Politikern, die ihn kritisieren. Seine Twitter-Tiraden gegen seriöse Medien sind legendär.

Alle Informationen über ihn, die seinen vermeintlichen Heldenstatus schmälern, qualifiziert er pauschal als Fake News ab. Sachliche Argumentation scheint für ihn reine Zeitverschwendung. 

Dieses narzisstische Verhalten erinnert stark an das Weltbild von Sekten. Bei ihnen muss man aber nicht von Fake News sprechen, sondern von Fake Faith. Von erfundenem Glauben. Und wie Trump halten sie an ihren erfundenen Heilslehren fest, ohne sich zu fragen, ob diese auch nur ansatzweise plausibel sind.

Uriellas Unterweisungen.Video: YouTube/PlacidC

Natürlich müssen sektenhafte Gruppen keine wissenschaftlichen Hinweise erbringen, um ihre Heilslehre zu legitimieren, schliesslich geht es um Glauben. Und glauben bedeutet, eine religiöse Idee für wahr zu halten. Trotzdem sollte man von Glaubensgemeinschaften erwarten dürfen, dass sie eine Heilslehre verkünden, die wenigstens der Spur nach nachvollziehbar und wenigstens entfernt mit unseren Erfahrungen kompatibel ist.

Denn die Auswirkungen eines Fake Faith können verheerend sein. Er kann die Gläubigen in eine Scheinwelt locken, ihr Bewusstsein vergiften, zu Realitätsverlust führen und Wahrnehmungsverschiebungen bewirken. Dies löst oft psychische Probleme aus. Oder kann zu Massenpsychosen führen, wie die kollektiven Sektendramen und manche Religionskonflikte zeigen.

Die Idee vom bösen Fürst Xenu

Doch was kann man zu Fake Faith zählen? Ein paar Beispiele sollen klar machen, wie absonderlich erfundene Heilslehren sein können. Das Verrückte dabei: Sektenführer können noch so hirnrissige Ideen verkünden, es finden sich immer Menschen, die ihnen Glauben schenken.

Scientology-Gründer Ron Hubbard
Scientology-Gründer Ron HubbardBild: EPA/DPA

Weltmeister im Erfinden von Fake News auf dem religiösen Tummelfeld ist nach wie vor Scientology-Gründer Ron Hubbard. Er hat verkündet, dass der kosmische Fürst Xenu vor 75 Millionen Jahren auf einem fernen Planeten eine Wasserstoffbombe gezündet und überzählige Thetanen, eine Art Seelen, auf unsere Erde geschossen hat. So entstand die Menschheit auf unserem Planeten.

Dumm nur, dass die Thetanen bei der Explosion Schaden genommen haben und sich nicht mehr an die früheren Leben erinnern können. Mit Dianetik, der scientologischen «Therapiemethode», soll der kapitale Schaden behoben werden.

«Offenbar brauchen manche Menschen Fake News und Fake Faith, um sich besser zu fühlen und das Jammertal besser zu ertragen.»

Das Auditing macht uns Menschen dann angeblich wieder zu göttlichen Wesen, die Ursache über Leben, Raum und Zeit werden. Schöne neue Welt, die mit den astronomischen Erkenntnissen so wenig zu tun hat wie Kühe auf dem Mond.

Auch die Tranzendentale Meditation (TM) des Yogis Maharishi Mahesh gehört ins Reich von Fake Faith. Seine Anhänger glauben, mit Hilfe ihrer Meditation die Schwerkraft überwinden und fliegen zu können.

Die yogischen Flieger bei ihren Hüpfern auf der weichen Matte.
Die yogischen Flieger bei ihren Hüpfern auf der weichen Matte.Bild: KEYSTONE

Ähnliche Ideen vertrat auch der Guru Sri Chinmoy. Er behauptete unter anderem, einarmig 3500 Kilogramm stemmen zu können. Mit Hilfe seiner spirituellen Energien.

Uriella, die angeblich noch leben soll, vertrat ebenfalls Fake-Faith-Ideen. Sie behauptete, mit Jesus sprechen zu können. Dieser hatte ihr angeblich mehrfach das Ende der Welt angekündigt und Raumschiffe zur Erde geschickt, um die Kinder der Rechtgläubigen abzuholen und sie vor den Endzeitstürmen zu bewahren.

Auch die Mormonen sind nicht frei von spekulativen Heilsvorstellungen. Sie glauben, der Engel Mormon habe ihrem Gründer Joseph Smith an einem abgelegenen Ort goldene Tafeln mit göttlichen Offenbarungen gezeigt, die er abschreiben konnte.

So fliegen die Yogi-Anhänger.Video: YouTube/Voja Dimitrijevic

Ähnlich kuriose Vorstellungen von unserer Existenz haben die Anthroposophen. Rudolf Steiner verkündete, wir würden auf unserem Weg zur Erde mehrere Entwicklungsstufen auf verschiedenen Planeten durchlaufen, um schliesslich hienieden zu inkarnieren.

Getopt werden diese Ideen von radikalen Esoterikern. Sie glauben zum Beispiel, mit Avataren kommunizieren und quasi das aktuelle Evangelium empfangen zu können. Diese Disziplin nennt sich Channeling. Dabei wird angeblich ein geistiger Kanal benutzt, um die Durchsagen der göttlichen Wesen zu erhalten.

Ein Metallgitter soll Erleuchtung fördern

Noch schräger ist die Vorstellung vieler Esoteriker, ihre geistigen Helfer würden ein Metallgitter um die Erde konstruieren, damit die Schwingungen erhöht und wir Menschen erleuchtet würden.

Eine besondere Art Fake Faith kultivieren die Verschwörungstheoretiker. Ihre Behauptung, die Erde sei eine Scheibe, hat schon fast religiösen Charakter.

Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.

Offenbar brauchen manche Menschen Fake News und Fake Faith, um sich besser zu fühlen und das Jammertal besser zu ertragen. Ein Segen für die Menschheit ist es aber definitiv nicht.

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Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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