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12 Jahre alt und seit drei Monaten im Gefängnis: Das Schicksal der Palästinenserin Dima al-Wawi

14.04.2016, 16:3714.04.2016, 17:00
Ismail al-Wawi, 54 und Ghayda al-Wawi, Vater und Schwester der inhaftierten 12-Jährigen.
Ismail al-Wawi, 54 und Ghayda al-Wawi, Vater und Schwester der inhaftierten 12-Jährigen.Bild: Nasser Nasser/AP/KEYSTONE

Würde Dima al-Wawi in Israel leben, hätte sie die letzten drei Monate nicht im Gefängnis verbracht. Die 12-Jährige hatte das Pech, als Tochter von Palästinensern im Westjordanland zu leben – und damit dem israelischen Militärgesetz unterstellt zu sein. 

Der Fall Dima al-Wawi ist einer der traurigen Höhepunkte der Gewaltwelle, die Israel von September 2015 bis zu Beginn dieses Jahres überzogen hatte. Palästinenser töteten 28 Israeli und zwei Amerikaner, israelische Sicherheitskräfte erschossen im gleichen Zeitraum 188 Palästinenser. Viele der Angreifer sind minderjährig.

Absicht «Juden zu töten»

Die 12-jährige al-Wawi soll sich am 9. Februar mit einem unter ihrem T-Shirt versteckten Messer der Siedlung Karmei Tzur genähert haben, offenbar in der Absicht, «Juden zu töten», wie sie in einem Amateurvideo ihrer Verhaftung auf eine entsprechende Frage zu Antwort gab. Später bekannte sie sich zum Vorwurf des versuchten Totschlags schuldig und wurde zu viereinhalb Monaten Gefängnisstrafe verurteilt.

Ihre Eltern haben gegen den Entscheid des Gerichts Beschwerde eingelegt. Es sei unklar, ob sich der von den Behörden skizzierte Tathergang so ereignet habe, und falls ja, könnte sie sich nicht erklären, was ihre Tochter dazu motiviert hatte, sagte ihre Mutter. Ihre Tochter stelle keine Bedrohung dar, weder für einen bewaffneten Soldaten noch für sonst jemanden.

Nächste Woche soll al-Wawi wieder freikommen, sechs Wochen vor dem Entlassungstermin, wie ABC schreibt. Für das Mädchen hat die Leidenszeit ein Ende. Der Fall al-Wawi illustriert aber die völkerrechtlich bedenkliche Ungleichbehandlung von israelischen Siedlern, die in illegal errichteten Siedlungen im besetzten Gebiet leben und von palästinensischen Bewohnern des Westjordanlands. Bei letzteren liegt die Altersgrenze für Gefängnisstrafen bei 12 Jahren, zwei Jahre tiefer als für die restlichen Einwohner Israels. 

437 minderjährige Palästinenser im Gefängnis

Gemäss den jüngsten Zahlen befinden sich 437 minderjährige Palästinenser in israelischen Gefängnissen, 12 von ihnen sind weiblich. Vier Knaben sind unter 14 Jahre alt.

Über die Ursachen der Gewaltbereitschaft unter jugendlichen Palästinensern herrscht Uneinigkeit: Während viele israelische Kommentatoren das Problem in der Instrumentalisierung durch radikale politische Kräfte und aufwieglerische Medienbeiträge sehen, weisen Palästinenser auf die anhaltende Besetzung und apartheidähnliche Zustände hin. (wst)

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