Interview
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BERLIN, GERMANY - MAY 07:  In this photo illustration a young girl licks a lollipop in which a scorpion is suspended on May 7, 2014 in Berlin, Germany. An increasing numbers of advocates worldwide are promoting insects as a viable source of food for humans, citing the high protein value, abundance and low cost.   (Photo Illustration by Sean Gallup/Getty Images)

Lollipop mit Scorpion. Bild: Getty Images Europe

Food der Zukunft: «Die Forscher züchten Fleisch, für das keine Tiere mehr sterben müssen»

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Wie lange gibt es noch Fleisch? Essen wir bald gar keine richtige Nahrung mehr? Gibt es in der Lebensmittelforschung Grenzen? Antworten darauf hat Konsumforscherin Mirjam Hauser. Eines vorweg: Restaurants verschwinden auch im Jahr 2030 nicht.

Was haben Sie als Letztes gegessen? 
Mirjam Hauser:
 Ein Sandwich im Zug. Ein Thun-Sandwich. Das mache ich sonst nie. 

Werden wir in 20 Jahren immer noch Sandwichs essen?
Ja, das Sandwich wird überleben. Inhalt und Form ändern sich jedoch. Allenfalls auch die Art, wie wir es essen. Das Sandwich ist sinnbildlich für unsere immer schnellere, mobilere Gesellschaft. Weil das Sandwich meistens kalt ist, kann ich eine Hälfte essen, einen Termin wahrnehmen und die andere Hälfte danach zu mir nehmen. Es ist nicht die beste Form von Essen, aber die praktischste für unterwegs. 

«Branchenfremde drängen auf das Feld. Es sind diese Foodtech-Startups aus dem Silicon Valley.»

Sie sagen, das Sandwich werde sich verändern. Wie denn?
Früher hatte es im Sandwich Käse, Schinken, Salami. Schon heute gibt es eine breite Palette. Das Sandwich kann viele Trends aufgreifen. Es kann gesund, bio, vegan, saisonal oder gar alles zusammen sein. Heute gibt es zum Beispiel Avocado- oder Hummus-Füllungen und in Zukunft immer neue Varianten davon. Das Brot könnte sich Richtung Wrap verändern, damit die Füllungen weniger tropfen.

Gleich geht's weiter mit dem Interview, vorher ein kurzer Hinweis:

Die Zukunft gibt es schon zu kaufen

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Mirjam Hauser

Mirjam Hauser. bild: zvg

Forscherin auf allen Ebenen 

Mirjam Hauser ist Senior Research Managerin bei der GIM Suisse Gesellschaft für innovative Marktforschung. Hier erforscht sie Konsumverhalten mit innovativen qualitativen und quantitativen Ansätzen. Davor hat Hauser am GDI (Gottlieb Duttweiler Institute) über sieben Jahre Megatrends und Gegentrends beobachtet und Zukunftsszenarien entwickelt. (feb) 

20 Jahre sind ein bisschen gar weit weg. Worauf dürfen wir uns in näherer Zukunft bereit machen? 
Wir werden noch mehr unterwegs sein, noch mehr pendeln und unser Essen wird sich noch stärker darauf ausrichten. Nach 2020 könnte es dann allerdings kippen. Dann werden wir wirklich mobil sein und von überall aus auf unsere Arbeit zugreifen können. Folglich werden sich in diesem Sinne auch die Essgewohnheiten wieder zurück entwickeln. 

In Zukunft sind wir noch mehr in Bewegung. Früher war das anders – wie die Bildstrecke «Pendeln früher und heute» zeigt:

Womit beschäftigt sich die Food-Forschung der Zukunft aktuell?  
Zuerst möchte ich erwähnen, dass nebst den traditionellen Forschungsstellen wie den Universitäten und den Hochschulen Branchenfremde auf das Feld drängen. Es sind diese Foodtech-Startups aus dem Silicon Valley. Diese tüfteln an neuen Produktionsverfahren, an Technologien für die Zubereitung oder die Lieferung von Essen. Natürlich investieren auch Firmen wie Nestlé viel in die Forschung. Alle diese Gruppen haben verschiedene Interessen. Das macht den Markt dynamisch. 

BERLIN, GERMANY - MAY 09:  In this photo illustration dried grasshoppers, mealworms and crickets seasoned with spices and bought at a store selling insects for human consumption lie presented in dishes on May 7, 2014 in Berlin, Germany. An increasing numbers of advocates worldwide are promoting insects as a viable source of food for humans, citing the high protein value, abundance and low cost.  (Photo Illustration by Sean Gallup/Getty Images)

Insekten könnten schon bald auch bei uns als ganz normale Lebensmittel angesehen werden. Bild: Getty Images Europe

Was genau kreieren diese Foodtech-Startups?
Was sie tun, ist vergleichbar mit Uber oder AirbnBb Eigentlich liefern sie nur Plattformen. Sie übernehmen damit die Kommunikation zwischen dem Händler – zum Beispiel einem Restaurant – und dem Kunden. Dazu kommt die Auslieferung. Aber auch schon die Auslieferung lassen sie andere erledigen. Sie vernetzen mit ihren Food-Plattformen lediglich und kassieren dafür eine Gebühr. Die Arbeit übernehmen andere; wie bei Airbnb, wo Private ihre Wohnungen und Häuser anbieten. Doch wer vermittelt, hat die Macht. In den USA gibt es in Ballungszentren wie New York oder Los Angeles bereits solche Plattformen. Die Grösse einer Stadt ist ein wichtiger Faktor. Zürich ist schon fast zu klein.

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Woran forschen die anderen?
In der Produktion gibt es in Zukunft ganz neue Ansätze. Die Fleischproduktion zum Beispiel. Da sind die Forscher schon daran «Fleisch» zu züchten, wofür keine Tiere mehr sterben müssen. Dafür werden Zellen gezüchtet. Noch ist es teuer, doch das könnte sich rasch ändern. Diese Forschung haben keine Lebensmittelunternehmen vorangetrieben, sondern Firmen aus dem medizinischen Bereich. 

Verschwindet Fleisch ganz von unserem Speisezettel?
Das denke ich nicht. Zumindest nicht so rasch. Nebst der Zellenzüchtung wird auch nach Protein-Ersatz geforscht, beispielsweise auf Basis von Insekten. Zudem ist das Züchten von Algen für Öl-Ersatz interessant und ein grosses Thema.Sie sind reich an Omega-3 und Docosahexaensäure (DHA). 

«Die Technik verschmilzt mehr und mehr mit unserem Körper.»

Können Sie Megatrends voraussagen? 
Vorhersagen kann ich leider nicht. Aber die grossen Firmen forschen intensiv am personalisierten Essen. Schon heute kann jede und jeder relativ günstig eine Gen-Analyse von sich machen lassen. Diese zeigt die Veranlagungen für Krankheiten auf. So kann zum Beispiel ein erhöhtes Risiko von Krebs festgestellt werden. Aufgrund dieses Vorwissens steuert man dann die Nahrung. Mehrere Firmen sind daran, Food gegen chronische Krankheiten zu entwickeln. Nestlé ist daran, Essen zu erfinden, das Alzheimer vorbeugt. Darin sehen die grosses Potenzial. 

Gibt es noch etwas für uns noch weiter in der Zukunft liegendes als Food gegen Krankheiten?
Man kann das Ganze weiterspinnen. Grundsätzlich ist es ja so, dass wir immer mehr Daten sammeln über uns selber; mit Smartphones oder Wearables – diesen Armbändern etwa. Die Technik verschmilzt mehr und mehr mit unserem Körper und wir wissen immer mehr über unsere Essgewohnheiten und Vorlieben. Irgendwann haben wir am oder im Körper einen Chip mit diesen Daten. Diese kommunizieren dann direkt mit dem Restaurant oder dem Supermarkt und liefern ein auf uns persönlich zugeschnittenes Essen. Nehmen wir an, wir beide würden das tun und beide Schnitzel und Pommes Frites bestellen. Dann bekämen sie vielleicht ein Schnitzel mit weniger Fett und ich eines mit mehr Vitamin D – personalisiertes Essen halt. 

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Wann kommt der Astronauten-Food für die Massen? Die Vitamin-Kapsel, die Nährwert für den ganzen Tag enthält?
Nie, denn wir hätten das schon lange tun können. Wir Menschen essen auch wegen des sozialen Aspektes. Und wir essen, weil es uns schmeckt, wir neue Geschmackskombinationen mögen. Auf diese wollen wir nicht verzichten. Deshalb denke ich nicht, dass wir uns je mit einer Vitamin-Kapsel pro Tag abspeisen lassen.

Restaurants verschwinden also nicht?
Wir essen immer noch am Liebsten in Gesellschaft. Unsere Kultur ist dem Essen verbunden. In den USA etwa ist essen im Auto normal, ganz im Gegensatz zu Europa. Das wird sich nicht so rasch ändern. Und es wird immer zu Gegenbewegungen kommen. Durch das rasche Zwischenverpflegen wird der Wunsch nach «reinem» Essen wachsen. Das heisst, Orte, Restaurants, die nur Essen anbieten, die das Essen in diesem Sinne zelebrieren, werden wieder gefragter sein.

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27
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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Raembe 22.09.2016 17:38
    Highlight Highlight Hab keinen Bock auf Laborfleisch. Lieber frisches Fleisch aus der Metzg und noch warmes Brot vom Beck. Käse ist nicht so meins, aber auch das ist mir noch lieber wenns aus der Käserei kommt.
    • Jan. 23.09.2016 11:09
      Highlight Highlight Woher weisst du das? Ist momentan noch ganz schön teuer, wo konntest du probieren?..
    • Raembe 23.09.2016 12:16
      Highlight Highlight Ich hab mehr ein Problem mit der Laborzucht.
    • Jan. 23.09.2016 15:22
      Highlight Highlight welches denn? Ich finde die Idee grossartig.
    Weitere Antworten anzeigen
  • tzhkuda7 22.09.2016 17:26
    Highlight Highlight Heuschrecken kann ich empfehlen. Sieht extrem unappetitlich aus ich weiss, aber ich hätte es auch nicht gedacht dass das so gut schmeckt. Reichlich Protein haltig. Haut noch Paprika drüber oder Salz und uhr habt fast schon ZweifelChips xD
    Skorpion empfehl ich weniger, ist von der Konsistenz her wie "Bäredreck" und schmeckt fast noch so...
  • boexu 22.09.2016 13:42
    Highlight Highlight Da lese ich doch viel lieber die Food-Artikel von Herrn Baroni und hoffe, dass das Essen auch zukünftig seine Seele behält und nicht einfach zu einem notwendigen Übel verkommt. Schon heute hat man das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen, wenn man sich mal was Gutes (ungesundes) gönnt.
  • Blackfoxx 22.09.2016 09:06
    Highlight Highlight Ja das iSandwitch soll schon in der Entwicklung sein mit eigener foodOS...
  • Jol Bear 21.09.2016 19:01
    Highlight Highlight Gut möglich: Für Fastfood, Sandwiches, Verpflegung unterwegs und anderes preisgünstiges Essen gibts Fleisch aus Zellkulturen, Insektenfood usw. Das traditionelle Fleisch aus herkömmlicher Tierhaltung bekommt man in Restaurants oder wird fürs "bewusste" Kochen zuhause eingekauft und hat einen hohen Preis. Dafür verschwindet die Massentierhaltung, weil diese im Vergleich zur Produktion von Zellkultur- u. "Insektenfleisch" unrentabel wird . Die Tierhaltung für konventionelle, "echte" Fleischproduktion wird "tierfreundlicher" sein und rentiert dank hohen Verkaufspreisen.
  • dracului 21.09.2016 17:20
    Highlight Highlight Wow! Ich kann mir nur eine Zukunftsvision vorstellen, die noch schlimmer wäre! You are who you eat!
    User Image
    • ottonormalverbraucher 23.09.2016 08:02
      Highlight Highlight Google mal nach "soylent". Es gibt bereits heute eine Bewegung, vor allem in Amerika, die pulverisierte Produkte normalem essen vorziehen. Weil es schneller geht.
  • pun 21.09.2016 15:48
    Highlight Highlight Ein eingepflanzter Chip, der mir im Restaurant automatisch ein Vitamin D Schnitzel bestellt? Sozusagen ein maschinelles gutes Gewissen unter der Haut? Am besten noch mit Connection zum medizinischen Computernetzwerk der Krankenkasse, die alarmiert wird, wenn man mogelt und die Prämie für diesen Monat automatisch anhebt. Gruslig.
    • ottonormalverbraucher 23.09.2016 08:04
      Highlight Highlight Dass man massenweise private Daten an unbekannte Firmen freiwillig übermittelt hat man auch mal für gruslig befunden. Heute machts jeder. Und dann schieben sie noch Babyfotos nach. Ist ja nicht schlimm, denken sie.
  • C0BR4.cH 21.09.2016 14:37
    Highlight Highlight Der Tweet verwirrt... Insekten sterben ja trotzdem : P
    User Image
  • Sämuu 21.09.2016 13:51
    Highlight Highlight Igitt, sowas verdirbt einem den Appetit!🙊
  • Texup 21.09.2016 12:40
    Highlight Highlight Ein Thun-Sandwich?
    • Felix Burch 21.09.2016 13:11
      Highlight Highlight Fehlt dir "fisch"?
    • Die verwirrte Dame 21.09.2016 14:36
      Highlight Highlight Nein, ein O fehlt ihm. ThOn-Sandwich =) =) =)
    • Felix Burch 21.09.2016 14:57
      Highlight Highlight In der Schweiz gehen beide Varianten.
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