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Die älteste Rockband der Geschichte ist viel älter (und härter), als du denkst

28.02.2021, 16:3601.03.2021, 11:05

Überleg mal – welche war wohl die erste Rockband der Musikgeschichte?

Elvis Presleys erste Combo mit Scotty Moore und Bill Black anno 1954, vielleicht?

Bild: Michael Ochs Archives

Gerne wird sie von Musikhistorikern als wichtiger Faktor für den Crossover von schwarzem Rhythm'n'Blues zum weissen Teenie-Markt zitiert.

Oder Little Richards Tourband The Upsetters, die ab 1953 Nacht für Nacht alles, aber wirklich auch alles platt machten, was ihnen in den Weg gestellt wurde?

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gif: giphy

Aber, halt! Bekanntlich nahmen Ike Turners Kings of Rhythm ja bereits 1951 den Song «Rocket 88» auf. Mit seiner verzerrten Gitarre wird dieser Track gemeinhin als erster Rocksong identifiziert.

Nope, wir suchen etwas älteres. Viel älter.

Aus welcher Epoche wohl stammt die wohl älteste Rockband der Musikgeschichte?

Na?

...

...

...

...

...

...

...

Antwort: Die erste Rockband war bereits in den 1880er-Jahren unterwegs. Ladies and Gentlemen, wir präsentieren:

The Till Family Rock Band

Annie, Daniel, William, Daniel Jnr. und Lizzie Till (v.l.) um 1880.
Annie, Daniel, William, Daniel Jnr. und Lizzie Till (v.l.) um 1880.
Bild: The Met

YEAH.

So genannt, weil sie ausschliesslich Instrumente aus Stein benutzten. «Rock» = Fels ... tschäggsch?

Die Familie Till stammte aus der Gegend von Keswick im nordenglischen Lake District, wo man auch den Skiddaw-Stein findet, eine Art Hornfels, der für seine Klangqualität und Resonanz geschätzt wurde. Gestimmte Klangstäbe aus diesem sonoren Gestein wurden auf einem hölzernen Ständer gelagert und ähnlich wie ein modernes Xylophon aufgebaut.

Eines der Rock Harmonicons der Till Family Rock Band. Heute im Met Museum in New York.
Eines der Rock Harmonicons der Till Family Rock Band. Heute im Met Museum in New York.
Bild: Public Domain

Es wurden verschieden grosse Instrumente in verschiedenen Tonlagen benutzt. Die grössten produzierten Instrumente umfassten sieben Oktaven und wogen über eineinhalb Tonnen (... womit The Till Family technisch gesehen Hard Rock spielten und damit eine der heaviesten Bands der Musikgeschichte war ...). Rock Harmonicons nannte man solche Instrumente.

Dieses spätere Foto zeigt den inzwischen pensionierten William Till mit einem seiner Instrumente zuhause in East Orange, New Jersey.
Dieses spätere Foto zeigt den inzwischen pensionierten William Till mit einem seiner Instrumente zuhause in East Orange, New Jersey.

Zeitgenössische Zuhörer beschrieben den Klang als

«[...] ein Instrument, dessen obere Töne süss wie silberne Glocken sind und dessen untere die Tiefe und Resonanz einer Orgel haben.»
(Konzertkritik in «The Edinburgh Courant», 29. August 1882)

Die Ur-Besetzung der Till Family Rock Band bestand aus Daniel Till (Senior) Annie Till, William Till, Daniel Till (Junior) und Elizabeth «Lizzie» Till. Die Band erlebte aber einige Besetzungswechsel während ihrer rund 20-jährigen Tournee-Karriere ab 1870. Während den ausgedehnten Konzertreisen der Till Family kam das Publikum in ganz England, Wales, Schottland und Europa in den Genuss der Klänge der Rock Harmonicons.

Diverse Konzertplakate und -tickets.
Diverse Konzertplakate und -tickets.
bild: the met

In den späten 1880er Jahren begab sich die Familie auf eine Konzertreise durch die USA und Kanada und liess sich später für fünf Jahre in Bayonne, New Jersey, nieder. Während ihrer Zeit in Nordamerika sollen sie über eintausend Konzerte gegeben haben.

Visitenkarte während der nordamerikanischen Konzerttätigkeit.
Visitenkarte während der nordamerikanischen Konzerttätigkeit.
Bild: michaeltill.com

Nein, leider existieren keine Tonaufnahmen der Till Family Rock Band. Auch gibt es keine Informationen, welche eindeutigen Aufschluss über ihr musikalisches Repertoire geben könnten. Annehmen darf man, dass Arrangements beliebter Musical-Hall-Hits der Ära vorgetragen wurden.

Lithophone, Idiophone und Steinklang-Musik:
Die Rock Harmonicons der Till Family sind so genannte Lithophone – Instrumente, deren Klangkörper aus Stein bestehen und die durch Anschlag oder Reibung in Schwingung versetzt werden und so Klang erzeugen. Damit gehören sie entsprechend Sachs-Hornbostel-Klassifizierungsmethode zur Gruppe der Idiophone = ‹Selbstklinger›, ergo Instrumente, die als Ganzes schwingen und nicht etwa gespannte Saiten oder Membrane besitzen (OOH YEAH BABY ich habe Musikethnologie studiert und bin ein Nerd).
Nicht jede Gesteinsart ist gleichermassen klangvoll – etwas, das der Schweizer Förderverein für Steinklang-Musik 1991 erfahren durfte, als man sich anschickte, eine Steinorgel für die Ausstellung Heureka zu konstruieren. Bester Schweizer Granit, etwa, klingt nach nichts.
Lithophone sind eine der ältesten Formen von Musikinstrumenten und existieren auf der ganzen Welt in vielen verschiedenen Formen. In China werden aus Jade kostbare Glockenspiele hergestellt, in der westafrikanischen Savanne werden Basaltsteine gespielt, um das Ende der Regenzeit zu markieren, und in ganz Amerika und Europa wurden verschiedene Beispiele von Musiksteinen gefunden.

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