DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
<em>«Was zum Geier macht er da? Er macht einen Kuchen?!»</em>
«Was zum Geier macht er da? Er macht einen Kuchen?!»bild: youtube

So reagieren italienische Köche auf Jamie Oliver und Co. – es ist wunderschön!

15.04.2020, 20:1516.04.2020, 15:09

Bekanntermassen ist die italienische Küche eine der beliebtesten der Welt. Doch eine Diaspora-Küche hat in sich, dass sie sich den historischen, kulturellen und kulinarischen Aspekten ihres Gastgeberlandes etwas angepasst hat. So gibt es in den USA spaghetti with meatballs, während man in der Schweiz Schweins-Piccata mit Tomatenspaghetti serviert. Dagegen gibt es nichts einzuwenden. Bloss soll niemand behaupten, dass man in Italien so isst.

Hier ist der YouTube-Channel Italia Squisita zur Stelle, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Küche, wie sie in Italien selbst gepflegt wird und wurde, der Welt näherzubringen. Oder anders gesagt: Genug verhunzt! Jetzt kommen die Italos!

Italia Squisita bietet zig Rezept-Videos, Porträts diverser Köche und Hersteller, Mini-Docs unvm. Doch die bei weitem unterhaltsamste Video-Serie ist «Italian chefs' reactions to the most popular videos worldwide». Das Konzept ist einfach: Man nehme die beliebtesten Rezept-Videos auf YouTube zu einem italienischen Gericht und lasse diese von Meisterchefs aus der Region, wo das jeweilige Gericht herkommt, kommentieren. Hier etwa «La Carbonara»:

Ist natürlich hart. Gleich das erste Video hat Zwiebeln als Zutat – was die drei Römer mit gehörigem Gelächter quittieren.

Oder hier, live aus Napoli, «Aglio e olio»:

«Aus dieser Pasta könnte man eine schöne Omelette machen.»

Und selbstverständlich äussern sich drei Bolognesi zu Ragù:

«Rosmarin? Rauch' das lieber!»

Weiter wären da noch die drei Chefs aus Amatrice, welche die Pasta Amatriciana kommentieren, die drei lustigen Napoletani, welche über Pizza-Rezepte herziehen, die Michelin-Köche zu Cacio e Pepe, dasselbe zu Pesto alla Genovese, Pasta e Fagioli, oder – grossartigst! – die Betreiber des Ristorante Alfredo alla Scrofa (die ihren Nonno als Bonus mitbringen), wo Fettuccine Alfredo erfunden wurden, zu ebendiesen Alfredo-Rezepten. Und wer es ganz nerdig mag, sollte mal in den Zweiteiler zu «Perfect Pasta», wo unter anderem der Präsident der italienischen Pasta-Hersteller über Geschichte und chemischen Prozess des Pastakochens sinniert:

Aber wisst ihr was? Nebst grossem Unterhaltungswert lernt man auch einiges dabei.

Learnings:

  • In Italien isst man imfall gar nicht so krass viel Knoblauch. Immer wieder staunen die italienischen Köche darüber, dass das Ausland offenbar der Meinung ist, je mehr Knoblauch, desto italienischer sei das Gericht. Ist nicht so. Selbst bei spaghetti aglio e olio nicht.
  • Das Bestehen auf eine einzig richtige Zubereitungsart ist nicht stures Dogma, sondern hat stets sehr praktische Gründe. Etwa: Frische Eierteigwaren funktionieren für Carbonara nun mal nicht. Und zwar nicht weil irgendein Carbonara-Imam dies befohlen hätte, sondern weil Eierpasta in Kombination mit der Eiersauce ein viel zu schweres, deftiges Gericht ergäben. Was schlicht weniger fein wäre.
  • Weniger ist mehr. Es geht um die Balance der Geschmäcker. Bleiben wir beim Beispiel Carbonara: Der Grund, weshalb Zwiebeln oder Knoblauch dort nicht rein gehören, ist, dass mit Guanciale und Pecorino bereits zwei sehr starke Geschmacksnoten gegeben sind. Diese harmonisieren zusammen dank des Eigelbs. Knoblauch oder Zwiebel würden diese konkurrenzieren; zu viele Geschmacksrichtungen führen zu einer Egalisierung – führen zu einem langweiligeren Taste.
  • Gennaro Contaldo mag man. Auch wenn er ab und an den einen oder anderen Fehler begeht, attestiert man ihm am Ende immer, dass das Gericht fein aussieht.
  • Sie sind durchaus kritikfähig. «Wir Italiener selbst haben aber auch nie diesem Klischee [des übermässigen Knoblauchgebrauchs] entgegengewirkt. Wir sind mitschuldig, dass diese falschen Sichtweisen über die italienische Küche im Ausland fortbestehen.» Auch sind sie nicht per se ablehnend gegenüber ausländischen Interpretationen italienischer Gerichte. Die meiste Kritik ist geschmacks- und zubereitungsbedingt (siehe oben).
  • Variety is King. «Hier in Lucca haben wir 17 verschiedene Arten von Borlotti-Bohnen.»
  • Man ist offen für Veränderungen. Da ist ein schöner Moment, wo der eine Koch von «Ragù-Mudschaheddin» spricht, die auf ein einzig richtiges Rezept pochen. Er selber hätte aber stets eine Abwandlung vom historischen Rezept gekocht. Italia Squisita bietet zu allen Kritik-Videos auch das jeweilige Koch-Video der entsprechenden Gerichte. Dabei wird immer die traditionelle Zubereitungsart gezeigt, gefolgt von einer Neuinterpretation – und Letzteres kann mitunter durchaus abgespaced sein.
  • Aber Authentizität ist wichtig. Ist nun mal so: Das Argument, «Ich mach's auf meine Art, mir schmeckt das so», zählt nicht. Klar kannst du Scampi und einen halben Liter Rahm über deine Fettuccine schmeissen – aber dann darfst du sie nicht Fettuccine Alfredo nennen. Die verschiedenen regionalen Kochtraditionen Italiens bilden den Rückgrat ihrer nationalen Identität; mehr als in jedem anderen Land auf der Welt. Mit gutem Grund sind die Italiener stolz auf die Geschichte und Herkunft ihrer Rezepte. Und sie haben alles Recht auf der Welt, eine Art Gralshüter-Position einzunehmen. In Jamie Olivers 2005er-Dokuserie «Jamie's Great Italian Escape» gibt es eine schöne Episode, in der er an einer alljährlichen Pasta-Meisterschaft in Le Marche teilnimmt. Dort tritt er gegen ortsansässige Nonnas an. Und verliert. Und er liebt es. Hillbilly-Grossmütter lesen dem erfolgreichsten Koch der Welt die Leviten. Und dieser hört zu – und lernt.
  • Es gibt nichts Schöneres, als Italienern dabei zuzuhören, wenn sie über Essen reden. Nichts. I'm in love.
<em>«No!»</em>
«No!»Bild: youtube

#ItaliansDoItBetter

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Streetfood aus aller Welt – weil man sich sonst nichts gönnt!

1 / 97
Streetfood aus aller Welt – weil man sich sonst nichts gönnt!
quelle: shutterstock / shutterstock
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Corona-Quarantäne-Cuisine – Oliver Baronis Carbonara

Video: watson

Abonniere unseren Newsletter

62 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Nelson Muntz
15.04.2020 20:59registriert Juli 2017
Wobei Jamie‘s letztes Italien-Buch fast ausschliesslich Rezepte von Italienischen Nonnas beinhaltet (und auch sein bestes Buch ist)
22411
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ylene
15.04.2020 22:15registriert Januar 2016
Mein Italienischlehrer war ein liebenswürdiger, verständnisvoller älterer Herr (also knapp über 50, ich war ja ein Teenie) - ein absoluter Schatz und wir mochten ihn alle sehr. Ausser es ging um die italienische Küche, dann... ach herrjeh. A) es gibt keine wahre Pizza ausser Pizza Margherita. Ev. darf man noch mit einer weiteren Zutat in die Nähe kommen, aber dann basta!! B) Man trinkt Bier zu Pizza, aber niemals Rotwein!! Tomaten und Rotwein hat beides Säure, die Kombination geht gar nicht! Barbari! Er kam aus Umbrien, die Region mit der anscheinend besten Küche Italiens und eh weltweit... 😂
1604
Melden
Zum Kommentar
avatar
sweeneytodd
15.04.2020 23:04registriert September 2018
Klar, das Ganze ist ja nur Spass. Aber die Hauptsache ist doch, ob es schmeckt oder nicht? Da ist es mir doch egal wie eine Carbonara oder Curry oder was auch immer zubereitet wird, hauptsache meinem Gaumen mundet es. 🙌
7116
Melden
Zum Kommentar
62
Schluss nach vier Ehejahren: Martina Hingis trennt sich von Harald Leemann
Die Schweizer Tennisspielerin Martina Hingis trennt sich nach vier Ehejahren von ihrem Mann, dem Zuger Sportarzt Harald Leemann. Sie und die gemeinsame Tochter Lia sind bereits aus dem Haus im Kanton Zug ausgezogen.

Die zwei hatten sich kennen gelernt, als Harald Leemann der Teamarzt des Schweizer Fedcup-Teams war, in dem Hingis spielte. 2018 gaben sie sich schliesslich das Jawort. Kurz darauf wird das Familienglück mit der Geburt einer Tochter komplett. Vier Jahre später hat sich das Paar nun getrennt, wie der «Blick» berichtet.

Zur Story