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Stefan Mandel

Clever, aber gern am Rand der Legalität – oder auch darüber hinaus: Stefan Mandel.  Bild: Youtube/Shutterstock/watson

Wie dieser Mann 14 Mal im Lotto gewann



Wie immer waren es sechs Kugeln, die am 15. Februar 1992 bei der Ziehung der Lotto-Zahlen der Virginia State Lottery aus der Maschine rollten. Die Gewinnzahlen lauteten: 8, 11, 13, 15, 19, 20. Soweit nichts Besonderes. Doch in den Tagen danach stellte die Lottogesellschaft fest, dass die Person, die den Jackpot – 27'036'142 Dollar – geknackt hatte, noch weitere Gewinne abgeräumt hatte: Sechs zweite Preise, 132 dritte Preise und 135 kleinere Preise, alles in allem nochmal rund 900'000 Dollar. 

Der Mann hinter diesem Riesengewinn hiess Stefan Mandel. Und es war nicht das erste Mal, dass der rumänische Ökonom das grosse Los gezogen hatte. Millionen Menschen träumen vergeblich davon, den Lotto-Hauptgewinn einzustreichen – Mandel schaffte das gleich 14 Mal.  

Ein Händchen für Zahlen

Zum Lotto kam Mandel aus purer Not. In den 60er Jahren verdiente er im kommunistischen Rumänien umgerechnet rund 85 Franken im Monat, gerade genug, um seine Frau und seine zwei Kinder knapp zu ernähren. Sein Heil in einem Glücksspiel wie Lotto zu suchen, ist in dieser Situation eigentlich nicht klug – doch Mandel war nicht irgendwer. 

Als Mathematiker und Ökonom hatte Mandel ein Händchen für Zahlen. Und er machte sich zusätzlich schlau, indem er sich jahrelang in die Theorie der Wahrscheinlichkeitsrechnung einarbeitete. Seine Bemühungen krönte er damit, dass er einen eigenen Algorithmus schrieb, mit dem er angeblich fünf von sechs Gewinnzahlen vorhersagen konnte. Dies reduzierte die Anzahl der möglichen Zahlenkombinationen von mehreren Millionen auf mehrere Tausend. 

Mit Hilfe von vielen Freunden und Bekannten kaufte Mandel darauf tausende von Lottoscheinen und trug die Kombinationen ein, von denen er glaubte, dass sie die gössten Gewinnchancen hatten. Sein Wagemut lohnte sich: Mandel holte den Hauptgewinn von umgerechnet knapp 19'000 Franken, von dem ihm 4000 blieben – genug, um Beamte zu bestechen und so seiner Familie die Ausreise aus Rumänien zu ermöglichen. 

Zwölfmal die australische Lotterie geknackt

Nach verschiedenen Stationen in Europa und Israel liess sich die Familie in Australien nieder. Und Mandel machte weiter mit Lotto. Der Mathematiker sah etwas, was andere übersahen: Bei einigen Lotterien war die Anzahl Kombinationen niedriger als der Betrag im Jackpot. Waren beispielsweise 40 Zahlen im Spiel, betrug die Chance auf den Gewinn des Jackpots 1:3'838'380. Kostete ein Zettel einen Dollar und hatte der Jackpot eine Höhe von zehn Millionen Dollar, dann konnte Mandel auf jede Kombination setzen und einen fetten Gewinn einstreichen. Genau das tat er. 

Allerdings nicht allein, immerhin benötigte er nicht wenig Startkapital, um seine Pläne zu verwirklichen. Mandel suchte Investoren und fand sie. Zwölfmal knackte er mit ihnen in den 80er Jahren die australische Lotterie – dann war Schluss. Denn die Gegenseite blieb nicht untätig. Man passte die Gesetze an, um das lukrative Schlupfloch zu schliessen, das Mandel ausnutzte.

Anzeige zur Suche von Investoren von Stefan Mandel

Investoren gesucht: Anzeige von Mandel.  Bild: «The Age» via «the hustle»

So wurde verboten, dass eine Person allein alle Zettel einer Lottoziehung aufkaufen durfte. Mandel fand fünf Partner und umging damit das Gesetz. Als auch Personengruppen ausgeschlossen wurden, gründete Mandel eine Lotto-Firma. Aber nach dem zwölften Mal fand auch Mandel keine Gesetzeslücke mehr. Ausserdem hatten Steuern und Auszahlungen an seine Investoren Mandels Reserven arg geschmälert. Nun richtete er sein Augenmerk auf andere Länder.

Unterdessen hatte er seine Arbeitsweise modernisiert. Er hatte ein automatisiertes System entworfen, das aus Algorithmen, Computern und einem Raum voller Drucker bestand. Damit konnte er unzählige Lottozettel effizient ausfüllen, ohne Gefahr zu laufen, eine Kombination mehrmals zu verwenden. 

Stefan Mandel

Algorithmen, Computer, Drucker: Mandel an der Arbeit. Bild: Youtube

«Nur» 7'059'052 Lottozettel

Anfang der 90er Jahre fand Mandel in den USA, wonach er suchte: Lotterien mit einem Jackpot in mindestens dreifacher Höhe der Anzahl möglicher Kombinationen. Nachdem er zuerst die Lotterie von Massachusetts und jene von Arizona ins Auge gefasst hatte, konzentrierte er sich schliesslich auf die Lotterie von Virginia. 

Dieses Gewinnspiel war für Mandel besonders attraktiv, denn Teilnehmer durften dort eine unbegrenzte Anzahl von Lottozetteln kaufen und diese auch selbst ausdrucken. Zudem wurden in Virginia nur 44 Zahlen gezogen, was «nur» 7'059'052 Kombinationen ermöglichte. Und ein weiterer Vorteil: Die Zettel waren vergleichsweise billig. 

«Wir dachten, die seien verrückt, aber wenn jemand 700'000 Lottozettel kaufen will, jagt man ihn nicht weg.»

Mandel gründete den «International Lotto Fund» und fand etwas mehr als 2500 Investoren, die mit mindestens 3000 Dollar einstiegen – insgesamt standen ihm neun Millionen Dollar zur Verfügung. Drei Monate lang arbeiteten nun 16 Mitarbeiter mit 30 Computern und zwölf Druckern in Melbourne daran, die gut sieben Millionen Zettel mit je einer Kombination auszudrucken. Dann wurden sie in die USA verschickt – wobei Versandkosten von 60'000 Dollar anfielen. 

Stefan Mandel, Drucker in Mandels Büro

Automatisches Lottozettel-Ausfüllen.   Bild: Youtube

Jetzt musste Mandel darauf warten, dass der Jackpot hoch genug war. Im Februar 1992 war es soweit: Mehr als 27 Millionen Dollar warteten nun auf einen Gewinner. Was jetzt ablief, war ein logistischer Alptraum: Sieben Millionen Lottozettel mussten innerhalb von 72 Stunden an Hunderten von Annahmestellen abgegeben werden. «Wir dachten, die seien verrückt», sagte der Besitzer einer Annahmestelle später, «aber wenn jemand 700'000 Lottozettel kaufen will, jagt man ihn nicht weg.» 

Panik vor Annahmeschluss

Und doch ging etwas schief. Kurz vor Schluss gab eine Annahmestelle, die eine riesige Menge von Zetteln verarbeiten musste, überfordert auf. Statt sieben Millionen Zetteln kamen nur 5,5 Millionen an – eine Katastrophe. Plötzlich waren Mandel und seine Investoren von sicheren Gewinnern zu beinahe normalen Lottospielern geworden, deren Gewinn vom Glück abhing. 

Am Abend des 15. Februars durchwühlten Mandel und seine Mitarbeiter Millionen von Belegen, um festzustellen, ob die Gewinnkombination dabei war. Sie war dabei. Und sie waren die einzigen, die sie angekreuzt hatten. Hätte es nämlich mehrere Gewinner gegeben, wäre der Gewinn bedeutend magerer ausgefallen. 

Heute lebt Mandel zurückgezogen auf der Pazifikinsel Vanuatu. Von seinem Vermögen dürfte nicht mehr viel übrig sein; 1995 musste er Konkurs anmelden. Seine Methode war zwar zum Zeitpunkt, da er den Jackpot knackte, nicht illegal – dennoch musste er deswegen einen langen Rechtsstreit überstehen.

Auch die Investoren sollen nicht so gut weggekommen sein: Sie bekamen angeblich weniger als versprochen. Dass Mandel es in Fragen der Legalität nicht so genau nahm, zeigt sich auch daran, dass er einmal in Israel wegen eines Anlagebetrugs 20 Monate hinter Gittern sass. 

Stefan Mandel

«Ein Mann, der Risiken eingeht»: Mandel.  Bild: Youtube

Ein Risiko zu viel

Vermutlich war er dort ein zu grosses Risiko eingegangen. Risiken weicht er jedenfalls nicht aus, wie er selber sagt. Im Jahr 2012 stellte er in einem Interview mit der rumänischen Zeitung «Bursa» fest: 

«Ich bin ein Mann, der Risiken eingeht, aber kalkulierte Risiken. Meinen Bart schneiden ist eine Lotterie: Es besteht immer die Möglichkeit, dass ich mich schneide, eine Infektion bekomme und sterbe – aber ich tue es trotzdem. Die Wahrscheinlichkeit spricht für mich.»

Wer jetzt Investoren suchen will, um mit ihnen Mandels Coup zu wiederholen, sollte sich das zweimal überlegen. Die Mandelsche Methode zieht nicht mehr. Die Anzahl der Kombinationen ist mittlerweile zu hoch. Bei Euro Millions und der deutschen Lotterie  liegt die Gewinnchance beispielsweise bei 1 : 139'838'160. Das wären ein paar Lottozettel zu viel. 

(dhr via «The Hustle» und News.com.au)

Hast du schon mal im Lotto gewonnen?

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Mandels Story. Video: YouTube/paulwherbert

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