DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
1 / 26
Eine gewaltige Anschlagsserie erschüttert Paris
quelle: epa/epa / jack taylor
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Warum es den IS zur Weissglut bringt, wenn Hollande und Obama ihn «Daesh» nennen

18.11.2015, 07:53

«Es ist ein Kriegsakt, der von einer terroristischen Armee, Daesh, einer dschihadistischen Armee, gegen Frankreich begangen wurde.» Das sagte der französische Präsident François Hollande nach den Anschlägen in Paris. Er meinte damit die Terrormiliz, die wir unter dem Namen «Islamischer Staat» (IS) kennen.

Die US-Führung tat es ihm gleich. Verteidigungsminister John Kerry sagte bei einem Auftritt in Wien: «Ich möchte betonen, dass die Vereinigten Staaten die Unterstützung im Kampf gegen Daesh Willkommen heissen.» Auch Präsident Barack Obama benutzte den Ausdruck an einem G20-Treffen in der Türkei.

Wie nennst du die Organisation?

Das Wort hat seinen Ursprung im arabischen Namen der Terrormiliz. Der IS heisst im Original «al-Dawla al-Islamiya fi Iraq wa al-Sham», was das Akronym DAIISH ergibt. Im Englischen wird dies meistens «Daesh» geschrieben.

Die Terrormiliz hasst den Ausdruck. Denn die englische Schreibweise ähnelt dem arabischen Wort «dahes», was soviel heisst wie «derjenige, der Zwietracht sät.» Auch erinnert es an «daes» – «derjenige, der etwas zertrampelt». Der Gebrauch des Wortes «Daesh» ist im IS-Gebiet mittlerweile verboten. Wer es trotzdem ausspricht, riskiert, dass seine Zunge herausgeschnitten wird, berichtet NBC.

Teil des Propagandakrieges

Es ist kein Zufall, dass die grössten Feinde der Islamisten-Miliz sich des verhassten Wortes bedienen, denn es herrscht ein Propagandakrieg. Die Terroristen sind sehr auf ihr Image bedacht, das zeigen medienwirksame Videos und eine hohe Social-Media-Affinität. Es ist für sie entscheidend, um potentielle neue Kämpfer auf der ganzen Welt für sich zu gewinnen.

Das Argument ihrer Gegner: Wir wollen den IS nicht als Staat legitimieren, indem wir ihn so bezeichnen. Im Juni forderten 120 britische Parlamentarier die Medien auf, die Miliz als Daesh statt als IS bezeichnen. «Ich wünschte mir, BBC würde aufhören, vom Islamischen Staat zu sprechen, denn es ist kein islamischer Staat. Es ist ein fürchterliches, barbarisches Regime», sagte Premierminister David Cameron in einem Interview mit BBC 4.

Dennoch halten sich BBC und die meisten anderen Medien (auch watson) an den Begriff IS (bzw. ISIS oder ISIL). Erstens, weil es die Bezeichnung ist, die am weitesten verbreitet und somit am besten bekannt ist. Es gibt aber einen weiteren Grund, wie Vox schreibt: Dass sich der «Islamische Staat» so nennt, sagt etwas über sein Selbstverständnis aus. Er sieht sich als Staat, nicht einfach eine weitere Terrorgruppe. Das sei wichtig, um die Organisation zu verstehen.

Viele Namenswechsel

Nicht erst seit heute sorgt der Name für Verwirrung. Das hat vor allem mit der Organisation selbst zu tun, die den Namen immer wieder wechselte.

Der Vorgänger der Gruppe, gegründet 1999, nannte sich «al-Tawhid wal-Jihad», was soviel heisst wie «Einheit und Dschihad». 2004 schloss sich die Gruppe al-Kaida an und nannte sich fortan «Tanzim Qaidat al-Jihad fi Bilad al-Rafidayn», zu Deutsch «al-Kaida im Irak».

Nachdem die Organisation 2006 grössere Gebiete im Irak erobert hatte, deklarierte sie sich als Staat und nannte sich «Islamischer Staat im Irak». Als 2013 auch ein Teil Syriens erobert wurde, gab es auch im Namen eine Erweiterung – auf «Islamischer Staat im Irak und al-Sham» (ISIS).

Al-Sham ist ein schwierig zu übersetzender Begriff, der ein geografisches Gebiet am östlichen Mittelmeer bezeichnet, das auch Syrien umfasst. Einige Übersetzer bezeichnen die Region auf deutsch als Levante, beziehungsweise Levant auf Englisch. So wurde aus ISIS der «Islamische Staat im Irak und der Levante» (ISIL) – wie das Weisse Haus und viele Medien die Organisation nennen. (rey)

[viw,21.03.2016] Anschläge in Paris

Alle Storys anzeigen

Solidaritätsbekundungen in Blau-Weiss-Rot

1 / 28
Solidaritätsbekundungen in Blau-Weiss-Rot
quelle: keystone / lukas lehmann
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Kurdin, Jesidin, Deutsche: Warum Düzen Tekkal nicht mehr schlafen kann

Düzen Tekkal (41) ist derzeit die wichtigste Stimme der Kurden in Deutschland. Im Interview sagt sie, dass es noch nicht zu spät ist, Rojava zu retten. «Aber jetzt muss schnell gehandelt werden.»

Wenn Düzen Tekkal einmal loslegt, dann gleich richtig. Die Deutsche mit kurdisch-jesidischen Wurzeln nimmt kein Blatt vor den Mund. Seit Wochen kritisiert sie den türkischen Angriffskrieg in Rojava öffentlich und in einer scharfen Deutlichkeit: dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan völkerrechtswidrig handelt, dass er eine ethnische Säuberung vornimmt, dass er mit seinem Handeln dem Islamischen Staat zu neuer Kraft verhilft.

Tekkal ist derzeit die wichtigste Stimme der Kurden in …

Artikel lesen
Link zum Artikel