
Trump und seine Maga-Bewegung zeigen klare Sektenmerkmale
Beginnen wir mit der Frage: «Was ist eine Sekte?» Um die Frage zu beantworten, listet man am besten die Merkmale auf.
Ein paar der Wichtigsten lauten folgendermassen: An der Spitze sektenhafter Gruppen und Bewegungen steht eine Führungsfigur, die von Allmachtsfantasien getrieben ist und einen ausgeprägten Machtwillen besitzt. Eine Person, die sich als Guru, Messias oder Erlöser präsentiert.
Wundersame Heilslehre
Weiter indoktrinieren Sektenführer ihre Anhänger, indem sie sie mit einer wundersamen Heilslehre in eine Parallelwelt entführen, ihnen die Geborgenheit in einer auserwählten «Familie» und die Erlösung versprechen.
Ausserdem stellen sie ihren Anhängern die Aussenwelt als Bedrohung und Gefahr dar, vor der sie sich hüten müssen. Das führt zur Isolation, zum Realitätsverlust, zu Wahrnehmungsverschiebungen, unheilvollen Einbildungen und zur Abhängigkeit.
Früher assoziierte man Sekten mit radikalen religiösen oder spirituellen Bewegungen. Heute wissen wir, dass auch politische und weltanschauliche Gruppen sektenhafte Phänomene entwickeln können.
Zum Beispiel der US-Präsident Donald Trump und seine Maga-Bewegung. Maga steht kurz für «Make America Great Again». Speziell dabei ist, dass viele Maga-Anhänger nicht nur radikale politische Ziele verfolgen, sondern auch eine fanatische religiöse Schlagseite haben. Dabei handelt es sich um evangelikale Christen und christliche Nationalisten. Eine gefährliche Gemengenlage.
Dieses Phänomen bringt der Amerikaner Rich Logis in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» auf den Punkt. Er war glühender Anhänger von Trump und aktiver Propagandist für die Maga-Bewegung. Als Influencer und Aktivist machte er Podcasts und schrieb Artikel in rechten Medien.
Mit der Zeit realisierte Logis, dass er auf dem Holzweg war. Er brauchte ein Jahr, um die unheilvolle Entwicklung der Maga-Bewegung zu realisieren und sich von ihr zu befreien. Inzwischen hat er die Aussteigerorganisation Leaving Maga gegründet.
Logis spricht nicht von Sektenmerkmalen, doch er beschreibt sie treffend. So hatte er in der Bewegung ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickelt und enge Beziehungen zu anderen Anhängern geknüpft. «Manchmal war diese zweite Familie mir sogar wichtiger als meine eigene leibliche Familie», beschreibt er seine frühere Gefühlslage.
Es sei schmerzhaft gewesen, zu erkennen, dass er jahrelang Lügen und Unwahrheiten aufgesessen sei. Er habe «eine ganze Identität geschaffen, die auf Lügen und Verschwörungstheorien basierte», sagte Logis. Der Aussteiger konsumierte früher nur noch rechte Medien und liess sich von der Idee der Maga-Bewegung anstecken, wonach die Präsidentschaftskandidatin von 2016, Hillary Clinton, und die Demokraten eine existenzielle Bedrohung darstellten. Er betrachtete sie als böse und als inländische Terroristen.
Dieses Schwarz-Weiss-Denken ist ebenfalls ein sektenhaftes Phänomen. In der eigenen Bubble ist alles gut, im gegnerischen Lager alles schlecht. Innen herrscht das Heil, aussen lauert die Gefahr. Diese Gruppendynamik schürt Angst und fördert den Fanatismus. Die eigene Gruppe wird zum Sehnsuchtsort.
Apropos Sucht, die ebenfalls ein Sektenmerkmal ist: Logis erzählte, die rechten Medien, die die Maga-Bewegung befeuerten, sorgten mit ihren Berichten für Empörung, Wut und Angst.
Heute wisse er, dass nur sehr wenige Informationen, die er täglich konsumiert hatte, korrekt waren, erzählte er im Interview.
Mir haben in meiner 45-jährigen Beratungstätigkeit Hunderte von Sektenaussteigern erklärt, dass die Erkenntnis, einem Scharlatan auf den Leim gekrochen zu sein, sehr schmerzhaft gewesen sei. Schambehaftet sei auch der Umstand gewesen, dass sie die unglaubwürdige, mit angeblichen Wundern gespickte Lehre verinnerlicht und andere Leute missioniert hätten.
All dies habe den Ausstieg erschwert, zumal die Angst vor der Isolation gross gewesen sei. Der Einbruch des ohnehin angeknacksten Selbstwertgefühls habe die Wiedereingliederung in die Gesellschaft behindert.
Ähnliche Erfahrungen machte auch der Maga-Aussteiger Logis. Etwas hat er nur am Rand erwähnt: Die Rolle von Donald Trump.
Der Präsident legt das Gebaren eines veritablen Sektenführers an den Tag. Dabei erfüllt er eine Doppelrolle. Für die christlichen Nationalisten ist er der Gesandte Gottes, der einen messianischen Auftrag erfüllt, für die restlichen Maga-Anhänger verkörpert er den genialen politischen Führer, der Amerika in ihrem rechtsradikalen Sinn umpflügt.
Beide Rollen füllt der übersteuerte, selbstverliebte Narzisst Trump lustvoll aus. Er demonstrierte es mit den selbst veröffentlichten Fotomontagen, die ihn als Papst und König zeigen.
Mehr Sektenhaftigkeit geht kaum.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.
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