Im heutigen Medienzeitalter mit Internet und sozialen Medien werden Stars und Sternchen bejubelt wie nie zuvor. Die Flughöhe muss über den Wolken im Promihimmel sein, was heute selbst Influencer schaffen.
Doch die meisten Promis sind stinknormale Menschen. Sie haben ähnliche Ängste, Sehnsüchte, charakterliche Defizite, narzisstische Störungen. Sie sind arrogant, überheblich, unsozial. Die einen mehr, die anderen weniger. Wie wir alle halt.
Als Promis sind sie vor allem für junge Leute Vorbilder und Idole. Deshalb haben sie bei ihren öffentlichen Auftritten und Äusserungen viel Einfluss und eine grosse Verantwortung. Besonders, wenn sie soziale, politische oder religiöse Botschaften aussenden.
Auf diesen Effekt zielt vor allem die amerikanische Psychosekte Scientology. Sie fischt gezielt und erfolgreich im Promiteich von Hollywood und zieht immer wieder Topshots aus der Filmindustrie an Land.
Um nur ein paar Namen zu nennen: Tom Cruise, John Travolta, Nicole Kidman (inzwischen ausgestiegen), Priscilla Presley, Penelope Cruz (ausgestiegen) und viele mehr. Die Sekte stellt die Stars aus Film, Sport und Musik gern ins Schaufenster und lockt damit ihre Fans an.
Gleichzeitig sendet sie eine wirkungsvolle Botschaft an die breite Bevölkerung aus: «Seht her, wir sind eine seriöse Kirche, die allen Leuten helfen will. Wären wir eine Sekte, wie die Medien behaupten, würden uns die Promis nicht die Türen einrennen.»
Was Scientology verschweigt: Auch Stars fallen gelegentlich auf die unrealistischen Versprechen der Sekte herein.
Da sie unter einem immensen Erfolgsdruck leiden, sind sie vielleicht besonders anfällig. Inzwischen haben viele Promis nach jahrelangen Scientology-Kursen und gezielter Indoktrination realisiert, dass sie in der Sekte nicht unsterbliche Genies werden und ihr den Rücken gekehrt.
In den letzten Jahren ist ein anderes pseudoreligiöses Biotop gewachsen, von dem sich viele Promis - aber auch Millionen Nicht-Promis - Heil und Heilung versprechen: Buddhismus und Esoterik. Während die Zuwendung zum Buddhismus - Angelina Jolie, Richard Gere, Sharon Stone, Tina Turner usw. - meist unproblematisch ist, sieht es bei der Esoterik anders aus. Denn in dieser überzogenen spirituellen Disziplin liegen Mission und Vermarktung in der DNA.
Ein klassisches Beispiel sind einzelne Mitglieder der norwegischen Königsfamilie, die mit ihren esoterischen Eskapaden in letzter Zeit international für Schlagzeilen sorgten. Die schillerndste Einhorn-Reiterin und Elfen-Anbeterin ist Prinzessin Märtha Louise, Tochter von König Harald.
Die royale Dame glaubt, früher eine ägyptische Königin gewesen zu sein. Ihr neuer Ehemann Durek Verrett, ein afroamerikanischer Sex-Schamane aus Kalifornien, trägt noch dicker auf. Er ist bisexuell und behauptet, einst ein ägyptischer Pharao gewesen zu sein und Märtha Louise schon damals seine Frau.
Dazu muss man wissen, dass die Esoterikszene das alte Ägypten als diejenige Epoche in der Menschheitsgeschichte verehrt, in der die Priester und Könige das höchste Level der spirituellen Entwicklung erreicht haben sollen.
Ausdruck davon seien die Pyramiden und die religiösen Monumente im Tal der Könige. Als ultimative Ikone gilt in der Esoterikszene Kleopatra.
Verrett behauptet weiter, er sei so genial wie Albert Einstein, könne Menschen verjüngen und sei von den Toten auferstanden. In einem Buch schreibt er, wer an Krebs erkranke, habe die Krankheit selbst gewählt. Seine eigene Mutter nennt ihn in Interviews gefährlich, manipulativ und verlogen. Sie hat den Kontakt zu ihm abgebrochen.
Märtha Louise ist überzeugt, schon als Mädchen über besondere spirituelle Fähigkeiten verfügt zu haben. Sie sprach bereits als Kind mit Blumen und Bäumen. Heute kommuniziert sie besonders gern mit Verstorbenen und Engeln. Die übermittelten Botschaften kann sie gut vermarkten. Ausserdem ist sie als Geistheilerin unterwegs.
So weit, so schlecht. Ganz übel wird es, wenn die beiden in der Mottenkiste der Verschwörungsideen kramen. Dabei holt Verrett die Reptiloiden aus der Science-Fiction-Welt in die Realität.
Diese Aliens sind vermeintliche Mischwesen, können angeblich ihre Gestalt ändern und sich auch in Menschen verwandeln. Als solche bemächtigen sie sich mancher Staatsoberhäupter und Wirtschaftstycoons, um die Menschheit zu versklaven.
Millionen von Schwurblern glauben wie Verrett, dass die reptiloiden Fabelwesen die weltweite Machtübernahme anstreben, um die Bevölkerung zu dezimieren. Dagegen wollen sich die Verschwörungstheoretiker mit diktatorischen Methoden und antisemitischen Konzepten wehren.
Man kann über dieses geistig beschränkte Paar aus dem Königshaus lachen und zur Tagesordnung übergehen. Doch viele Medien aus der Boulevard-Fraktion buhlen um Interviews und Homestorys mit den königlichen Promis und geben ihre hirnverbrannten Ideen unkommentiert und unhinterfragt wieder.
So erhalten die beiden international eine grosse Plattform und infizieren die Fans von Könighäusern mit ihrem toxischen geistigen und esoterischen Schrott. So trat Märtha kürzlich an einer esoterischen Konferenz in Bad Ragaz auf und gab dem «Blick» ein Interview.
Da sie bei dem Event den Titel «Prinzessin» nicht für kommerzielle Zwecke brauchen durfte, trat sie schlicht als Märtha Louise auf. Doch die ganze Szene kennt natürlich ihren royalen Hintergrund, was ihr einen besonderen Status verleiht.
Deshalb hat das Duo Infernale einen beträchtlichen und unheilvollen Einfluss auf die Esoterikszene und auf die seit Corona massiv gewachsene Gemeinschaft der Verschwörungstheoretiker.