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Bischöfe entschieden, dass Jesus ein göttliches Wesen ist.

Erstes Konzil von Nicäa (325) mit Kaiser Konstantin (Mitte).
Erstes Konzil von Nicäa (325) mit Kaiser Konstantin (Mitte).Bild: Wikipedia
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Bischöfe entschieden, dass Jesus ein göttliches Wesen ist

Die Teilnehmer des Konzils von Nicäa bestimmten per Mehrheitsentscheid, dass Jesus kein menschliches Wesen war, sondern ein göttliches.
01.10.2022, 08:0302.10.2022, 12:49
Hugo Stamm
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Die Bibel ist das Fundament der christlichen Lehre und aller christlichen Kirchen, Denominationen und Gemeinschaften. Früher galt das «heilige Buch» als das authentische Wort Gottes.

Als dann wissenschaftliche und historische Erkenntnisse unser Weltbild und unser Bewusstsein erweiterten, begann der Glaube an das unverrückbare Wort zu bröckeln. Doch christliche Traditionalisten aus Freikirchen glauben immer noch, dass Gott die Welt in sechs Tagen geschöpft hat.

Was aber auch liberale oder moderate Christen meist nicht wissen: Viele Riten, Dogmen und Lehrmeinungen haben ihren Ursprung nicht in der Bibel, sondern wurden von den Kirchenvätern im Lauf der Geschichte kreiert. Man kann auch sagen: erfunden. Nicht Gott oder Jesus haben sie bestimmt, seine selbst ernannten Stellvertreter legten sie fest.

Die Rolle des «Heiden» Kaiser Konstantin

Wichtige Weichen für die Zukunft der christlichen Lehre und kirchlichen Gepflogenheiten wurden beispielsweise beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 gestellt. Dabei spielte auch der «Heide» Kaiser Konstantin I. eine zentrale Rolle, hatte er doch die Versammlung der Bischöfe aus politischen Gründen einberufen.

Er wollte die christlichen Kaderleute auf seine Seite ziehen, um seine Macht weiter auszubauen. Er sicherte sich damit die Unterstützung der Christen und sah sich als ein von Gott legitimierter Kaiser. Seine Anerkennung des Christentums als offizielle Religion begründete gleichzeitig den Aufstieg und die rasche Verbreitung.

Wer war Jesus? Gab es ihn überhaupt?Video: YouTube/Terra X

Seine weltlichen und politischen Bedürfnisse und Forderungen flossen in manche Konzilsbeschlüsse ein. Die Bibel spielte bei der Entscheidungsfindung oft keine Rolle.

Unter den Bischöfen entbrannte damals ein fundamentaler Streit. Es ging um die Frage, ob Jesus tatsächlich der Sohn Gottes sei und somit als göttliches Wesen verehrt werden dürfe.

Die Gruppe der Arianer zum Beispiel vertrat die unteilbare monotheistische Lehre. Für ihren Anführer Arius war Gott das einzige göttliche Wesen. Dabei kam es zu verbalen Auseinandersetzungen und tumultartigen Szenen. Die Arianer unterlagen schliesslich, und Jesus behielt den göttlichen Status.

Das Konzil entschied über den Status von Jesus

Um trotzdem als monotheistische Religion zu gelten, wurde die Idee von der Trinität geschaffen und auch der Heilige Geist ins göttliche Konstrukt integriert. Eine Kuriosität der christlichen Lehre. Der unterlegene Arius wurde als Ketzer gebrandmarkt und mit einem Bann belegt.

Fazit: Die Bischöfe entschieden per Mehrheitsentscheid, dass Jesus der Sohn Gottes sei. Auch hier war nicht die Bibel die Richtschnur.

Der Streit um den Status von Jesus ging beim Konzil von Chalkedon im Jahr 451 weiter. Kaiser Markian und der Papst übten Druck auf die Konzilsväter aus, sich auf eine gemeinsame Position zu einigen.

Die Bischöfe entschieden beim 4. Laterankonzil von 1215, dass der Teufel und die Dämonen ursprünglich gutmütige Wesen waren, später aber aus sich heraus böse geworden seien.

Die Mehrheit schloss schliesslich einen Kompromiss: Jesus sei in seiner Gottheit und Menschheit vollkommen, und die zwei Naturen seien «unvermischt und unveränderlich, ungetrennt und unteilbar». Damit waren aber manche Konzilsväter nicht einverstanden, weshalb es zu Abspaltungen kam.

Auch hier entschieden Geistliche den Status von Jesus.

Es gab später noch weitere einschneidende Entscheide bei Konzilen, die den menschlichen Einfluss der katholischen Würdenträger auf die christliche Lehre dokumentieren.

So bestätigten die Teilnehmer beim 4. Laterankonzil von 1215, dass der Teufel und die Dämonen ursprünglich gutmütige Wesen waren, später aber aus sich heraus böse geworden seien.

Bestätigt wurde auch die Lehre von der Transsubstantiation. Diese besagt, dass beim Abendmahl der Leib und das Blut von Jesus im verwandelten Brot und Wein enthalten seien.

Die meist alten Herren im Vatikan halten heute noch an vielen Dogmen ihrer Vorgänger in grauer Vorzeit fest. Deshalb wundert es wenig, dass die katholische Kirche zunehmend ein Glaubwürdigkeitsproblem hat.

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Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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649 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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frereau
01.10.2022 08:34registriert Januar 2019
„Man kann auch sagen: erfunden.“
Dieser Satz bringen Religionen recht gut auf den Punkt
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Skunk42
01.10.2022 08:31registriert Februar 2022
Nehme auch nicht an, dass Gott (wenn es so was denn gibt) Kärtchen mit "It's a boy!" verschickte
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Hösch
01.10.2022 08:18registriert März 2022
Theologie war wie Jurisprudenz noch nie eine Wissenschaft sondern eine Disziplin der Selbstdefinition.

Aber hey, deos lo vult. Da war sich auch Papst Urban II ganz sicher.
🤪
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Dass man in Zürich nur mit viel Glück oder guten Beziehungen eine bezahlbare Wohnung findet, ist kein Geheimnis. Das gilt auch für andere Grossstädte. Eine 3,5-Zimmer-Wohnung kostete 2020 in Zürich oder Zug mit einem Mittelwert von 2500 Franken doppelt so viel wie in La Chaux-de-Fonds. Kann man deshalb in der Schweiz von Mietenwahnsinn sprechen? Markus Streckeisen, Leiter des Studiengangs Master of Advanced Studies in Real Estate Management an der HWZ, ordnet ein.

Markus Streckeisen, gibt es Mietenwahnsinn in der Schweiz?
Markus Steckeisen: Es kommt darauf an, was man unter Mietenwahnsinn versteht. Wenn Sie es wahnsinnig finden, dass ein Schweizer Haushalt im Schnitt gut ein Viertel des Einkommens fürs Wohnen ausgibt, dann ja. Das ist im europäischen Raum aber keine Besonderheit. Es sind höchstens einige wenige, bestimmte Einzelfälle, die den Begriff «Wahnsinn» rechtfertigen würden.

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