International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bude bietet «Erdogan-Burger» an – nun muss der deutsche Staatsschutz ermitteln



epa05299165 A so-called Erdogan Burgers is displayed on a table at the Urban Burgery in Cologne, Germany, 11 May 2016. The Urban Burgery is reopening with increased security measures in place after the turmoil surrounding its Erdogan Burger. After the owner introduced the dish, the place closed temporarily following threats via social media.  EPA/OLIVER BERG

Der Burger des Anstosses aus Deutschland.
Bild: EPA/DPA

Die Böhmermann-Affäre hat die Gastronomie erreicht. In Köln erfindet ein Laden den «Erdogan-Burger» – und macht danach zeitweise dicht. Zu heftig seien die Anfeindungen gewesen. Jetzt ist der Polit-Burger zurück. Er erzählt auch etwas über die Blüten der Böhmermann-Debatte.

Saftig ist der «Erdogan», er schmeckt nach Rucola und nach Ziegenkäse. Jörg Tiemann greift ihn sich, ein wenig Sosse tröpfelt auf den Pappteller. Noch lieber wäre ihm gewesen, wenn auch noch die Version ohne Rindfleisch auf dem Teller wäre – Tiemann ist Vegetarier, was man kurios finden kann, denn er betreibt einen Burger-Laden in Köln. Aber hier geht es um mehr als ein belegtes Brötchen. Es geht um Politik.

Tiemann hat in seinem Laden einen «Erdogan-Burger» kreiert. Das hat ihm ziemlich viel Aufmerksamkeit eingebracht. Die sogenannte Böhmermann-Affäre war zuletzt Thema bis hoch ins Kanzleramt. Das vom deutschen Satiriker Jan Böhmermann Ende März mit derben Formulierungen vorgetragene Gedicht auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan machte die Runde.

In dieser Gemengelage schob Tiemann den Burger auf den Tisch – mit Ziegenkäse als Anspielung. In dem Gedicht kommt der Begriff «Ziegenficker» vor. Richtig turbulent wurde es aber erst Ende vergangener Woche. Da machte Tiemann den Laden nämlich dicht, weil er sich von Erdogan-Anhängern bedroht fühlte.

epa05299163 Urban Burgery owner Joerg Tiemann poses with a so-called Erdogan Burger in his restaurant in Cologne, Germany, 11 May 2016. The Urban Burgery is reopening with increased security measures in place after the turmoil surrounding its Erdogan Burger. After the owner introduced the dish, the place closed temporarily following threats via social media.  EPA/OLIVER BERG

Eins steht fest: Jörg Tiemann hat mit seinem Burger für Aufmerksamkeit gesorgt.
Bild: EPA/DPA

Staatsschutz eingeschaltet

«Es waren mehr als 1000 Kommentare mit Tausenden Antworten auf Kommentare», berichtet er. Es sei mit einem «Besuch» gedroht worden. Und es seien «vier Herren» aufgetaucht, die sich stumm und breitbeinig vor dem Laden aufgebaut hätten. Mittlerweile ist der Staatsschutz eingeschaltet.

Seit Mittwoch hat er nun wieder geöffnet und in Sicherheitstechnik investiert. Hochauflösende Videokameras sind montiert. Zudem musste beim Personal getauscht werden – drei türkischstämmige Mitarbeiter hätten aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr weitermachen wollen, unter anderem wegen der Anfeindungen.

Dass das alles irgendwie auch eine geschickte Werbestrategie sein könnte, steht natürlich im Raum. «Was die genaue Motivation war, muss natürlich der Inhaber erklären. Dass ihm bewusst war, dass er damit grosse Bekanntheit erzielen wird, das glaube ich schon», sagt etwa der Marketing-Professor Marc Fischer von der Uni Köln.

epa05299184 Flyers promoting the so-called Erdogan Burger lie on a table at the Urban Burgery in Cologne, Germany, 11 May 2016. The Urban Burgery is reopening with increased security measures in place after the turmoil surrounding its Erdogan Burger. After the owner introduced the dish, the place closed temporarily following threats via social media.  EPA/OLIVER BERG

Erdogan wird der Burger nicht so schmecken.
Bild: EPA/DPA

Motto «politisch essen»

An Tiemann prallt derlei weitestgehend ab. Das Motto der noch recht jungen Bude sei schliesslich von Anfang an «politisch essen» gewesen. Ursprünglich vor allem mit Blick auf Massentierhaltung. Viel Vegetarisches steht auf der Karte, auf dem Tisch wird «Veggie Currywurst» empfohlen.

Für Tiemann hat das Klopsebraten höhere Bedeutung. Endlich werde über Erdogans Politik diskutiert. «Im Grunde genommen sind wir nichts anderes als Presse, Film und Fernsehen auch. Wir sind ein Transmissionsriemen, um das Thema auch mal irgendwie in die Diskussion zu bringen.»

Der «Erdogan-Burger» sei Kritik an der Politik des türkischen Präsidenten und gleichzeitig ein Bekenntnis zur Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland. «In Form eines Burgers.»

Erdogan geht gegen Springer-Chef in Revision

Der Rechtsstreit zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Springer-Chef Mathias Döpfner geht weiter. Erdogan werde sofortige Beschwerde beim Oberlandesgericht Köln einlegen, berichtet Focus Online.

(sda/dpa)

Satire, Politik & Pressefreiheit

Keine einstweilige Verfügung gegen Springer-Chef: Gericht lässt Erdogan abblitzen

Link zum Artikel

Geheimnisverrat: Fast sechs Jahre Haft für den türkischen Journalisten Dündar 

Link zum Artikel

Erdogan lässt Chefredaktor pro-kurdischen TV-Senders wegen Tweets verhaften

Link zum Artikel

Böhmermann attackiert Merkel: «Hat die Bundeskanzlerin eigentlich die ganze Nummer gesehen?»

Link zum Artikel

Satiriker Böhmermann meldet sich zu Wort: «Frau Merkel hat mich filetiert»

Link zum Artikel

Erdogan-Angriff prallt ab: «Genf wird sich von gar keinem Land beeinflussen lassen. Das Foto bleibt»

Link zum Artikel

Jetzt wütet Erdogan auch in der Schweiz: Türkei will Erdogan-kritisches Foto aus Genfer Ausstellung entfernen lassen

Link zum Artikel

Türkischer Chefredaktor wegen Beleidigung Erdogans verurteilt

Link zum Artikel

Ankara ruft Türken in Holland auf, Erdogan-Kritik zu denunzieren – Amsterdam is not amused

Link zum Artikel

Böhmermann für Thiel unter der Gürtellinie: «Dass er dort ausgerechnet auf Merkel trifft, das ist Real-Satire»

Link zum Artikel

«Erdogan, wenn du so viel Angst vor Spott hast, benimm dich nicht so, dass jeder sehen will, wie du auf die Eier kriegst.»

Link zum Artikel

Einreise verweigert – ARD-Korrespondent twittert aus Istanbuler Flughafen

Link zum Artikel

«Massiver Druck»: «Neo Magazin Royale» abgesagt – Böhmermann unter Polizeischutz

Link zum Artikel

«Ist Böhmermann schon in der Botschaft von Ecuador?» – So reagiert das Netz auf den Merkel-Entscheid

Link zum Artikel

FCZ-Schläger (16) stellt sich

Link zum Artikel

Fall Böhmermann: Gutachten sieht keine strafbare Handlung im Erdogan-Gedicht

Link zum Artikel

Fall Böhmermann: Türkischer Fake-Bericht, deutsches Fake-Interview und Promis, die (echt) Stellung beziehen

Link zum Artikel

#FreeBoehmi: Petition fordert «Freiheit für Böhmermann»

Link zum Artikel

«Es hat ja einen Grund, dass wir so scharf reagieren»: Darum regen sich Transmenschen so über «Giacobbo/Müller» auf 

Link zum Artikel

Trump würde gerne Grönland kaufen 

Link zum Artikel

Petition gegen «Giacobbo/Müller»: Transmenschen fordern öffentliche Entschuldigung 

Link zum Artikel

Satanische Erdogan-Verse: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Jan Böhmermann

Link zum Artikel

Satiresendung legt nach: «Extra 3» spottet über Erdogans «Chefdramatürk»

Link zum Artikel

«Giacobbo/Müller» kassiert eine Rüge wegen harmloser Kirchen-Witze? OMG!

Link zum Artikel

Erste Sendung nach #ErdoWahn: «extra 3» legt nach

Link zum Artikel

#Erdogans Eigengoal sorgt für Häme im Netz und Solidarität in Europa

Link zum Artikel

Lieber Onkel #Erdogan, schau mich nicht so böse an – Twitter war's

Link zum Artikel

Weil 2 Diplomaten den Journalisten-Prozess mitverfolgten: Erdogan tickt aus

Link zum Artikel

USA fordern von Türkei Achtung der Pressefreiheit

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Zwei Brüder (4/6) verwüsten Ort in Bayern: Brandstiftung, Vandalismus, Sachbeschädigungen

Zwei kleine Brüder im Alter von vier und sechs Jahren haben auf einer Verwüstungstour im bayerischen Kulmbach rund 15'000 Euro Schaden angerichtet – und gleich mehrere Polizeistreifen auf den Plan gerufen.

Die beiden Jungen büxten am Montagnachmittag von zu Hause aus und zündelten auf ihrem schadensträchtigen Ausflug im Ortsteil Ziegelhütten zunächst an einem Carport, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Dabei legten sie mit einem Gasbrenner und brennbaren Flüssigkeiten einen Brand, der aber …

Artikel lesen
Link zum Artikel