International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

So geht Europas Rechte auf Frauenfang

Sie tragen Rock und lieben Tiere, sie können schiessen und Zöpfe flechten und hassen alles, was von links kommt: Dies sind die neuen Poster-Girls der Rechten.



Die Rechte setzt jetzt auf Frauen. Deutschlands AfD auf Frauke Petry und Beatrix von Storch. Frankreichs Front National auf Marine Le Pen und ihre Nichte Marion. Italien auf Mussolinis rechtsextreme Enkelinnen Alessandra und Rachele. Die Schweiz hat Magdalena Martullo-Blocher. Aber wieso will die Rechte mit aller Macht ihre Weiblichkeit demonstrieren?

Marion Marechal Le Pen, deputy of Vaucluse, delivers a speech as she kicks off her National Front (FN) electoral campaign for the presidency of Provence-Alpes-Cote d'Azur Regional Council (PACA) in Le Pontet next to Avignon, France July 5, 2015. REUTERS/Philippe Laurenson

Marion Le Pen.
Bild: PHILIPPE LAURENSON/REUTERS

France's far-right National Front party leader Marine Le Pen waves to her supporters as part of a May Day party lunch in Paris, France, Sunday, May 1st, 2016. Jean-Marie Le Pen, a founder and the decades-long leader of France's far-right National Front, declared Sunday that his daughter, Marine Le Pen, the party president who has expelled him, will lose next year's presidential race if she fails to unify the party. (AP Photo/Kamil Zihnioglu)

Marine Le Pen.
Bild: Kamil Zihnioglu/AP/KEYSTONE

Es ist ganz einfach: Was die Rechte beklagt, nämlich Bedrohung und Niedergang des weissen Mannes, wird gerade produktiv umgekehrt. Wenn der weisse Mann nicht mehr fähig ist, die weisse Überlegenheit Europas aufrecht zu erhalten, ist jetzt eben die weisse Frau an der Reihe. Mit deren Hilfe man auch gleich noch den altbackenen männerbündischen Mief zugunsten einer emanzipierten Aura ablegen kann.

Die grossen Patriarchen von einst klingen in den Namen der Töchter und Enkelinnen immerhin noch nach: Mussolini, Le Pen, Blocher. Da dürfen sich ein paar ältere Herren noch in Nostalgie suhlen.

Recent picture of Rachele Mussolini, grand-daughter of the late fascist dictator Mussolini, who was pre-qualified to be a contestant in the Miss Italy beauty contest, officilas of a jury of photo-reporters said 02 January 1996. The 21-year-old sociology student, half sister of the neo-fascist member of parliament Alessandra Mussolini, has not yet decided whether she will enter the final competition due in September. (KEYSTONE/EPA PHOTO/ANSA/Str)

Rachele Mussolini.
Bild: EPA ANSA

Alessandra Mussolini, the granddaughter of Italian Fascist dictator Benito Mussolini, answers  questions during a press conference, together with Italian Premier Silvio Berlusconi (not seen in the picture), in Rome Friday, Feb. 17, 2006.  (KEYSTONE/AP Photo/Plinio Lepri)

Alessandra Mussolini.
Bild: AP

Viel wichtiger ist jedoch die Frage: Wie fängt man sich junge Wählerinnen und macht damit die Basis zukunftstauglich? Bloss mit ein paar Frauen an der Spitze? Wie soll die Propaganda für die Generation «Europe's Next Topmodel» aussehen, dass sie trotz konservativer Botschaft auch wirklich greift? Natürlich über Bilder. Natürlich über Social Media. Und wer hat's erfunden? Zum Beispiel Belgien

Eine 20-jährige Psychologiestudentin und ihr Bruder gründeten da vor zwei Jahren via Tumblr und Facebook die rechtsextreme Bilderschleuder «Just Nationalist Girls». Sie zeigen völkische Beauties von Schweden bis Italien, von Belgien bis in die Ukraine. Und was sie wieso propagieren, haben wir für euch in sieben Typen zusammengefasst.

Die Kriegerin

Sie suggeriert Kampfgeist, Kraft, Macht, Selbstbestimmtheit. Und im Bild der Königin, die einen Mann zum Ritter schlägt und ihn in den Krieg schickt, sogar Macht. Träume von Eroberung und Ruhm. Nieder mit der Ohnmacht. «Game of Thrones»-Fantasien. Eigentlich alles Insignien der feministischen Bewegung.

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Die Antifeministin

Doch gerade der Feminismus ist böse. Weil er von links kommt. Weil er eine Modernisierung der Gesellschaft will. Deshalb muss er auf seinen Platz verwiesen werden. Indem «Familie» und «Tradition» über ihn gestellt werden.

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Die Traditionalistin

Die Sache mit der Tradition, dem Erbe, der Urverbundenheit mit der Scholle der Vorväter, zieht sich durch alles, auch durch Mode und Liebe (gleich Ehe gleich Familie), zwei Themen, die in der Geschichte besonders vielen Neudefinitionen ausgesetzt waren und sind. Es zählen: lange Haare, Röcke statt Hosen, das monogame Mann-Frau-Modell.

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Die Tierfreundin und Antifa-Feindin

Nun haben Tiere und Antifaschismus auf den ersten Blick natürlich gar nichts miteinander zu tun. Aber mit nichts lässt sich ein Thema derzeit so erfolgreich emotionalisieren wie mit Tieren. Selbst wer das Wort «Antifa» noch nie gehört hat, muss es hassen, wenn es durch ein herziges Kätzchen oder ein schönes Pferd antagonisiert wird.

Und die Gleichsetzung von Gollum, dem habgierigen, degenerierten Halb-Mensch-halb-Tier-Wesen aus «Lord of the Rings» ist zwar inhaltlich komplett falsch, aber in seiner assoziativen Stärke ziemlich genial.

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Die generelle Linken-Hasserin

Man kann es auch ganz direkt und ohne metaphorische Umwege auf den Punkt bringen: Alt-68er sind doof, linke Ideen (und Männer und damit auch Sex) komplett langweilig, und Flüchtlinge sind alles andere als willkommen. Letzteres auch noch in einer schicken, zeitgemässen Banksy-Optik. So.

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Die Revolutionärin

Oje. Revolution heisst hier nicht nur gesellschaftlicher Umsturz, sondern auch Re-Evolution, also ein Zurück zu alten Ordnungen. Sehr schön abzulesen am stockkonservativen, geordneten Studentenball, der so gar nichts mit Jugend zu tun hat, und an der neugotischen Maid, die auf einen Brand blickt. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um ein Stück brennende Stadt. Weil eine Stadt der Ort ist, wo sich Identitäten vermengen wie brünstige Ratten.

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Die Zopfflechterin

Der Zopf, zumal der alte, gehört zu den neurechten Mädels wie die ordentliche Tracht. Weil? Hitler Zöpfe liebte? Im Mittelalter alles besser war? Wahrscheinlich. Hauptsache, die Eitelkeit des Weibes beschränkt sich auf sowas Einfaches und Sparsames wie das Zopfflechten.

Bild

Bild: justnationalistgirls

Bild

Bild: justnationalistgirls

Das könnte dich auch interessieren:

Showbusiness heisst nicht Sexgewerbe! Der Sturz des Fotografen Terry Richardson 

Link zum Artikel

Im Fall Weinstein gibt's vor allem eins zu sagen: «Fuck you!» – an mehrere Adressen

Link zum Artikel

FOMO, Squish & Vanilla: Das grosse Sex- und Gefühls-ABC der Generation Z

Link zum Artikel

«Es gibt kein Geschlecht. Es gibt keine Regeln. Es gibt nur mich.»

Link zum Artikel

WTF? 23 vergenderte Produkte, die keiner braucht 

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

«American Apparel»-Gründer so: «Mit Mitarbeiterinnen zu schlafen, ist unvermeidlich»

Link zum Artikel

Wütende Österreicher fordern Tod und Zwangssterilisation für die «Katzentreterin»

Link zum Artikel

Fast alle ungenügend, aber auf gutem Weg: Disney-Prinzessinnen im Gender-Check

Link zum Artikel

Hinter dem Film übers Schweizer Frauenstimmrecht steckt ein Skandal-Baby

Link zum Artikel

12 sexistische «Perlen» aus dem SRF-Archiv – muss man sehen, um es zu glauben

Link zum Artikel

Lügen-Quellen! Frauen erobern ihren wahren Platz in der Weltgeschichte zurück

Link zum Artikel

Die keltische Kriegerkönigin Boudica, die tausende Römer niedermetzelte

Link zum Artikel

Absätze, Lippenstift und neutrale Unterwäsche – darf man Frauen das vorschreiben?

Link zum Artikel

Frauen, die Geschichte schrieben, Teil I: Die ägyptische Traumfrau Kleopatra

Link zum Artikel

«Fleisch» – Lehrer mit teigigen Figuren und Kopflesben sollten dieses Buch nicht lesen

Link zum Artikel

Kaiserin Agrippina: Das herrschsüchtige Teufelsweib, das ganz Rom verführte und die Männer zu Sklaven machte

Link zum Artikel

#SchweizerAufschrei: 21 Tipps gegen den ganz alltäglichen Sexismus

Link zum Artikel

Sie haben genug: 22 Schweizerinnen erzählen, wie sie sexuelle Gewalt im Alltag erlebten

Link zum Artikel

Diese Frau steckt hinter der Aktion #SchweizerAufschrei

Link zum Artikel

Du bist jung, weiblich und in deine beste Freundin verliebt? Dies erwartet dich <3

Link zum Artikel

Diese 15 genialen Bilder beschreiben perfekt, wie es ist, die Mens zu haben

Link zum Artikel

In 6 Schritten zum Stalker: Der Aktionsplan für die Frauen-mit-Kopfhörer-Anmache

Link zum Artikel

Du wirst bald 30? Freu dich, jetzt wird dein Leben echt fantastisch!

Link zum Artikel

Der BH als Spiegel unserer Gesellschaft: Ist es wieder mal Zeit für eine Befreiung der Brüste?

Link zum Artikel

«So nicht, liebe Männer!» Tinder-Knigge zweier watson-Userinnen macht aus Eseln Hengste

Link zum Artikel

Stefanie gegen die rechte Welt: Was der Spruch «Feministinnen sind hässlich» wirklich bedeutet 

Link zum Artikel

Auf der Tür zur Hölle der Frau stehen 3 Buchstaben: PMS. Prämenstrueller Supergau

Link zum Artikel

«Voll zwischen die Beine» – «Habe ich schon x-mal erlebt» – «Man hat sich daran gewöhnt»: Wie Frauen im Ausgang sexuell belästigt werden

Link zum Artikel

«Und was ist mit den Männern?!» Das Schreckgespenst Feminismus geht wieder um 

Link zum Artikel

Das Fazit von Köln: Frauen müssen lernen, nicht vergewaltigt zu werden

Link zum Artikel

Es ist ganz einfach: Feminismus ist das neue Cool

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Polizei wird zu Einbruch gerufen – der vierpfötige Täter ist stadtbekannt

Wenn es am Abend wieder länger dunkel ist, haben Einbrecher Hochsaison. Als die Polizei Darmstadt am Dienstagabend einen Routineanruf wegen eines ausgelösten Alarms erhielt, eilten die Beamten sofort vor Ort, um den Einbrecher bei frischer Tat zu ertappen.

Zur Durchsuchung des betroffenen Supermarktes hatten sie sogar einen Hund mitgebracht. Vor Ort fanden sie aber keinen gewöhnlichen Täter auf, sondern Einstein, den stadtbekannten Kater. Dieser schlich seelenruhig zwischen den Regalen umher …

Artikel lesen
Link zum Artikel