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Das «stärkste Mädchen der Welt» trifft den ehemals «stärksten Mann der Welt»: Bankdrückerin und Kreml-Botschafterin Mariana Naumowa auf Tuchfühlung mit Arnold Schwarzenegger.
bild: screenshot/twitter

Russlands stärkste Propaganda-Maschine? Eine Weltmeisterin im Gewichtheben. Sie rührt im Netz kräftig die Werbetrommel

Sie ist jung, sie ist hübsch und sie ist Moskaus muskulösestes Propagandainstrument. Die 16-Jährige Gewichtheberin Mariana Naumowa betreibt auf sozialen Medien Imagepolitur von in Verruf geratenen russischen Verbündeten.



Mariana Naumowa scheint sich nicht ganz wohl zu fühlen: Umringt von Bekannten und Verwandten von Bachar al-Assad singt die 16-Jährige halbherzig ein Geburtstags-Ständchen. Zuerst auf arabisch, dann auf Englisch. In der Hand hält sie einen Kranz mit dem Konterfei des syrischen Präsidenten.

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Happy Birthday, Mr. President: Mariana Naumowa singt Baschar al-Assad ein Ständchen zum Fünfzigsten.
bild: screenshot/facebook

Dass Naumowa nicht in die Szene passt, ist kein Wunder. Sie ist eigentlich auf der Flachbank zuhause. Die 16-Jährige hält über 15 Weltrekorde in ihrer Altersklasse im Bankdrücken. Als erster weiblicher Teenager durfte sie an professionellen Gewichtshebe-Meisterschaften teilnehmen. Sie stellte an der Arnold Classic, einem jährlichen Bodybuilding-Wettbewerb, ins Leben gerufen von Arnold Schwarzenegger, einen neuen Rekord bei den Frauen auf.

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150 Kilogramm Hantelmasse: Mariana Naumowa gilt als stärkster weiblicher Teenager der Welt.
bild: facebook

In letzter Zeit machte Naumowa aber vor allem mit aussersportlichen Aktivitäten Schlagzeilen: Die 16-Jährige lächelt mit der syrischen Präsidentengattin Asma al-Assad um die Wette, schickt Schülern im Donbass Youtube-Grussbotschaften aus Moskau und lässt sich in Nordkorea mit Schülerinnen in adretten Unifromen ablichten.

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Selfie mit der syrischen Präsidentengattin Asma al-Assad.
bild: screenshot/facebook

Dass es sich bei Syrien, Nordkorea und der Ostukraine nicht nur um Staaten mit zweifelhaftem Ruf, sondern auch um Verbündete Russlands handelt, dürfte kaum Zufall sein. Naumowas Besuche, ihre Fotos und Videos auf Facebook und Instagram dienen vor allem einem Zweck: Der Imagepolitur der in Verruf geratenen (selbsternannten) Staaten.

Die Auftritte der 16-Jährigen sind dabei meist ähnlich gestrickt: Mit dem Smartphone posiert sie neben Regimevertretern, Schulkindern oder Staatshelden. Anschliessend werden die Fotos und Videos ins Netz gestellt und mit kurzen, bewegenden Textchen versehen. Zum Beispiel:

«Asma al-Assad. First Lady of Syria. Real lady !!!»

Naumowa in Syrien

Wie die Imageverbesserung konkret vonstatten geht, zeigt das Beispiel Syrien: Baschar al-Assad, der syrische Machthaber, hat nicht gerade den besten Ruf in der westlichen Welt: Despot und Diktator sind noch zwei der freundlicheren Bezeichnung. Massenmörder, Schlächter und Totengräber des syrischen Volkes sind andere, weniger schöne Titulierungen. Assad hat dringend gute Schlagzeilen nötig.

Mariana Naumova mit Asma al-Assad

Möglicherweise dreht der Wind aber gerade. Die westlichen Staaten, die Assad bisher als eines der Haupthindernisse im syrischen Bürgerkrieg betrachtet haben, scheinen langsam zur Einsicht zu kommen, dass es nicht ohne, sondern nur mit Assad geht. Spanien und Österreich fordern mittlerweile offen, mit dem Regime zusammenzuarbeiten, um eine breite Front gegen den IS zu bilden und nähern sich damit der russischen Position an, die Assad immer als Bollwerk gegen den islamistischen Terror im Nahen Osten betrachtet hat.

Hier kommt Naumowa ins Spiel: Die 16-Jährige spielt bei den Bemühungen Russlands, die syrische Herrscherfamilie Assad wieder salonfähig zu machen, eine nicht unbedeutende Rolle. «Das stärkste Mädchen der Welt», wie Mariana Naumowa in Medien betitelt wird, war offiziell auf Einladung der syrischen Herrschergattin, Asma al-Assad zu Besuch im umkämpften Land.

Auf ihrem Facebook-Profil sind zahlreiche Selfies der Junioren-Weltmeisterin im Gewichtheben zu sehen: Arm in Arm mit der Präsidentengattin, mit dem Präsidenten von Syriens olympischen Komitee, mit dem Generalsekretär der syrischen Baath-Partei und mit dem Grossmufti von Syrien. Die Botschaft, die Naumowa dabei vermittelt: Das syrische Regime sorgt sich rührend um sein bedrängtes Volk, kämpft heldenhaft gegen Terroristen und andere destabilisierende Kräfte. Kurz: Einzig Assad ist in der Lage, das Land vor dem völligen Zusammenbruch zu bewahren. Bezeichnend dafür ist die Glücksbotschaft, die Naumowa auf Facebook anlässlich des 50-Jährigen Geburtsstags Baschar al-Assads verbreitete:

«Terroristen verbreiten Furcht und Schrecken in Syrien und wollen Ihr Land zerstören, so wie sie es mit Libyen, Irak und Afghanistan gemacht haben. Das syrische Volk und die syrische Armee kämpfen heldenhaft unter ihrer Führung für das Heimatland und die Unabhängigkeit. Ich wünsche Ihnen, Mr. President, eine gute Gesundheit und Mut im Kampf. Ich wünsche dem syrischen Volk den Sieg. Happy Birthday <Syrischer Löwe>. Big Hello aus Russland. »

Naumowa in der Ukraine

Auch im Ukraine-Konflikt ist die 16-Jährige präsent. Ob mit Kussmund und lokal produziertem Obst im Donbass...

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bild: screenshot/facebook

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bild: screenshot/facebook

...oder mit einem Rebellen-Führer in der völkerrechtlich nicht anerkannten Volksrepublik Luhansk: Naumowa präsentiert die Lage in den umkämpften Regionen der Ostukraine als schwierig, aber überwindbar und schürt mit ihren Botschaften gezielt emotionale Reaktionen. Die Ambivalenz des Konflikts bleibt dabei sekundär. Ihre Sympathien für die Separatisten verhehlt die 16-Jährige nicht, wie eine Videobotschaft an Schüler im Donbass exemplarisch zeigt: 

«Einen grossen Dank an alle, die an eurer Seite waren, in erster Linie an eure Lehrer, eure Eltern und eure heldenhaften Verteidiger, die Soldaten der Armee von Donbass. Manche von Euch haben sogar zur Waffe gegriffen, um Seite an Seite mit den Erwachsenen die eigene Heimat zu verteidigen. Ihr seid Patrioten eures Landes, und ich bin mir sicher, dass eure Grosseltern und Eltern sehr stolz auf Euch sind!»

Ihre kriegerische Rhetorik, untermalt mit martialischen Bildern, scheint in den sozialen Medien gut anzukommen. Unter ihren Einträgen finden sich massenhaft Kommentare, die den Einsatz der «Russischen Heldin» für das «Vaterland» und die «Freiheitlich-Demokratische Syrische Republik» preisen ...

«From Russia with love»

sc

«From Russia with love» lautet der Kommentar zu diesem Bild auf Naumovas Facebook-Profil.
Bild: facebook/naumova

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bild: screenshot/facebook

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bild: screenshot/facebook

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bild: screenshot/facebook

Naumowa in Nordkorea

Auch dem international isoliertesten Staat stattete Naumowa schon einen Besuch ab: 2014 schrieb sie Kim Jong Un einen Brief – weil sie «neugierig war, wie es in Nordkorea wirklich aussieht», und «weil sie einen Ort besuchen wollte, an dem keiner ihrer Freunde je war».

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Naumowa mit nordkoreanischen Schulkindern in Pyöngjang: «Das Leben dort ist vielleicht nimmer immer einfach, aber fair.»
bild: mariananaumova

Nach ihrer Rückkehr aus Nordkorea huldigte sie dem mausearmen Land, dessen Bevölkerung unter der eisernen Knute der Führungsriege um Kim Jong Un darbt: «In Pyöngjang habe ich Leute Eis essen und Limonade trinken sehen. Arme Leute könnten sich das nicht leisten.» Kein Wort über die Hungersnöte, denen seit Beginn der kommunistischen Herrschaft mutmasslich bis zu drei Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. 

Sport und Propaganda

Der Sport bot der Politik schon immer einen unverdächtigen Rahmen, um ihre Botschaften unter das Volk zu bringen. Hitlerdeutschland war führend darin, wobei die Blut-und-Boden-Ideologie des dritten Reiches eine Verzahnung von Politik und Körperbeherrschung nahelegte. Der Boxer Max Schmelling wurde zum Archetyp des muskulösen germanischen Mannes erklärt und sein Sieg gegen den schwarzen «Untermenschen» Joe Lewis 1936 lieferte Nazideutschland den Beweis für die rassische Überlegenheit des Ariers.Ein anderes Beispiel ist das Schachduell zwischen Boris Spassky und Bobby Fischer auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges 1972. Den Kampf um die Weltmeisterschaft, zum Duell zwischen Ost und West hochstilisiert, gewann der US-Amerikaner Fischer. Vielleicht haben ihn die Worte von Henry Kissinger, damals nationaler Sicheitsberater der USA, inspiriert: «America wants you to go over there to beat the Russians». (wst)

«Two Terminators»

«Ein besseres Vehältnis zwischen den USA und Russland»

Dr. Joseph Goebbels, Adolf Hitler, Hans von Tschammer und Osten, von Blomberg als Zuschauer bei den Olympischen Spielen in Berlin, August 1936. (KEYSTONE/AP Photo/Str) ===  ===

Auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions: Göbbels, Hitler und Adolf von Tschammer und Osten. Der Sieg des Schwarzen Leichtathleten Jesse Owens brachte die Nazi-Rassenideologie in Erklärungsnot.
Bild: AP

Eine der jüngsten Charmeoffensiven startete Naumowa beim ehemals stärksten Mann der Welt: Arnold Schwarzenegger. Den Bodybuilder (240 Kilogramm), Schauspieler und ehemaligen Gouverneur von Kalifornien traf die Sportlerin anlässlich ihres Rekords im Bankdrücken (150 Kilogramm). Bei dem Treffen standen aber nicht Hantel und Bank im Vordergrund, sondern ungleich gewichtigere Themen: «Ich habe ihm gesagt, dass ich davon träume, dass er US-Präsident werde und danach die Beziehungen zwischen den USA und Russland verbessere», zitiert der russische Nachrichtensender RT die 16-Jährige. «Er versprach mir, daran zu arbeiten.» Naumowa händigte Schwarzenegger auch einen Umschlag mit Briefen und Fotos von Kindern im Donbass aus. «Ich hoffe, er wird mir antworten», schrieb Naumowa später auf einer russischen Social-Media-Seite.

Propaganda und Sport

Dass sich mit Naumowa ausgerechnet eine Kraftsportlerin in den Dienst des Kremls stellt, ist kein Zufall: Gewichtsheben und Bankdrücken sind seit Sowjetzeiten äusserst populär unter Russen, zahlreiche Medaillen an internationalen Wettkämpfen widerspiegeln die Dominanz von russischen und Ex-Sowjetrepubliken wie der Ukraine, Moldawien oder den Kaukasus-Republiken. Ob Naumowa dabei eine Überzeugungstäterin oder blosse Opportunistin ist, bleibt offen. Eine offizielle Funktion als Sport-Botschafterin des Kremls hat die 16-Jährige jedenfalls nicht, auch wenn sie sich schon mal mit dem russischen Aussenminister ablichten lässt.

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Mariana Naumowa mit dem russischen Aussenminister Sergei Lawrow (rechts) und dem Vorsitzenden der russischen kommunistischen Partei Gennadi Sjuganow.
bild: facebook/naumova

Dass es auch umgekehrt geht, zeigt Wladimir Putin. Der russische Staatschef inszeniert sich gerne als kraftstrotzender Verkörperung des russischen Mannsbilds. Hoch zu Ross, auf der Jagd oder auf den Kufen: Die Bilder sollen die Führungsstärke und Kompromisslosigkeit des russischen Präsidenten illustrieren. Politik im Sport, Sport in der Politik: In Russland sind das nicht selten zwei Seiten der gleichen Medaille.

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