Zeit: Jeden Donnerstag, 16:00 Uhr – ca. 18.00 Uhr
Sehr richtig: Plot-Twist. Das Wochenende beginnt eigentlich schon am Donnerstag. Wie der Prolog eines gut geschriebenen Epos, führt dich die Prolog-Phase des Wochenendes gefühlsmässig seicht und gleichwohl packend in den magischen Kosmos des Wochenendes ein.
Erste Endorphine werden ausgeschüttet, Gedanken kommen auf, was sich alles vor dir befinden könnte, Neugier und Entdeckungslust keimen auf.
Zeit: Jeden Freitag, bis 13:00 Uhr
Mit einem Ziel, das weniger als zwölf Stunden entfernt ist, setzt unverhofft nochmals eine Art Fokus auf potenziell relevante Dinge ein. Ein leichter, positiver Fokus. Dem süssen Duft der Belohnung nacheifernd, werden letzte Arbeiten mit ausreichender Genauigkeit erledigt.
Das letzte Aufbäumen einer Art Arbeitsmotivation, Funkeln kehrt in die Augen zurück, Lebenswille durchtreibt den Körper.
Zeit: Jeden Freitag, ab 15:00 Uhr
«Tailgating» ist ein Begriff aus dem US-Sport, vornehmlich bekannt in Verbindung mit American Football. Es bezeichnet das Zusammensein der Fans vor dem Spiel, wobei sich die Stimmung exponential nach oben schraubt, Herzlichkeiten grosszügig ausgetauscht werden und Vorfreude zur Religion wird. Deine Arbeitskollegen und du erleben ab 15:00 Uhr genau das.
Plötzlich säumen lächelnde Gesichter das Arbeitsumfeld, eine vollumfänglich positive Grundhaltung wird deutlich spürbar, intensiv glückliche Blicke werden ausgetauscht.
Zeit: Jeden Freitag, nach dem Arbeiten
Hormonell durchlebst du noch einmal den Gefühlscocktail, den du vom Moment kennst, als Roger Federer den Matchball gegen Mark Philippoussis im Wimbledon-Final von 2003 verwertet hat. Alles scheint möglich, du bist frei und unbesiegbar.
Alles Gute, was ab jetzt passiert, scheint komplett verdient, Träume dürfen per sofort wie wild ausgemalt werden, Sorgen verlieren unverzüglich ihre Existenzberechtigung.
Zeit: Jeden Samstag, morgens
Ob nun gefeiert, geruht oder genossen wurde, ist in dieser Phase völlig nichtig. Verkatert, erholt, leer oder immer noch voll – egal. Zufriedenheit ist das dominierende Prinzip, das dich morgens (oder auch erst mittags) mütterlich aus dem Bett geleitet. Das Erlebte im Kopf, das Ungewisse vor dir. Vielleicht die tröstlichste Phase des gesamten Wochenendes.
Der Kaffee riecht besser, schmeckt besser, der Blick aus dem Fenster offenbart eine augenscheinlich farbigere, fröhlichere Aussenwelt, Geh-Tempo (oder Geh-schwindigkeit, hehe) wird besten Gewissens nach unten korrigiert.
Zeit: Jeden Samstag, nachmittags
Nach ausgiebigem Kosten der Zufriedenheit, setzt gesteigertes Glücksempfinden ein. Dies ist vermutlich auf den Ausblick auf den sich anbahnenden Abend zurückzuführen. Während Phase 5 hauptsächlich im status quo begründet ist, gesellt sich in Phase 6 zusätzlich eine vage Zukunftsvision zu dieser Wahrnehmung.
Dankbarkeit für die Existenz des Wochenendes macht sich breit, Pläne für den Abend werden geschmiedet oder ausgefeilt, die Zufriedenheit paart sich mit Zuversicht und resultiert in Glück.
Zeit: Jeden Samstag, abends
Obacht! Ekstase heisst nicht zwingend Rambazamba-Trallalla. Genau so gut kann Ekstase eine warme Ovomaltine und ein paar Folgen Staffeln Netflix-Serie XY bedeuten. Hauptsache ist, dass der Sweetspot deines Befindens getroffen wird, was kaum zu einer Zeit so einfach zu bewerkstelligen ist, wie es am Samstagabend – der Gottheit aller Wochentage – ist.
Gefühl der Vollkommenheit wird angepeilt, wohliges Gefühl umschliesst den Geist, das Leben wird für gut befunden.
Zeit: Jeden Sonntag, morgens
Ein weiterer freier Tag liegt unberührt vor einem. In einem Akt törichter Naivität, werden Gedanken-Luftschlösser produziert. Den Tag einfach so geniessen, von A bis Z, ganz unvoreingenommen. Ist ja immerhin ein freier Tag. Eigentlich ist ja erst etwas mehr als die Hälfte des Wochenendes vorüber. Kein Grund zur Sorge also.
Illusionen werden aufrecht erhalten, positive Gedanken semi-krampfhaft festgehalten, es scheint alles gut.
Zeit: Jeden Sonntag, nachmittags
Eigentlich hast du es gewusst und doch trifft er dich wie ein Lastwagen in voller Fahrt. Der Sonntags-Blues. Machtlos gibst du dich der in Melancholie getränkten Trauer hin. Was du für einen Schimmer Hoffnung gehalten hast, entpuppt sich nun als ein milchiges Geschmier aus Selbstlügen und Fehleinschätzungen.
Bedauern durchströmt den Körper, die positiven Geister scheinen längst verflogen, Leere nimmt den Platz in deinem Herzen ein.