Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05955906 FIFA president Gianni Infantino during a FIFA soccer tournament in Manama, Bahrain, May 10, 2017, a day ahead of the 67th FIFA congress.  EPA/Ahmed AlFardan

Kicken statt Auskunft geben – Gianni Infantino wollte sich gestern nicht zur Absetzung der FIFA-Ethiker äussern. Bild: Ahmed AlFardan/EPA/KEYSTONE

Das politische Eigentor der FIFA – hatte Infantino die Absetzung der Ethiker geplant?

Die Reaktionen auf die Absetzung der beiden Chefs der Ethikkommission sind heftig. Welche Rolle FIFA-Präsident Gianni Infantino spielt – darüber lässt sich nur spekulieren.

Rainer Sommerhalder / Nordwestschweiz



Und er hat es doch getan! Der von FIFA-Präsident Gianni Infantino geleitete Council wirft die zwei Chefs der Ethikkommission raus. Trotz klarer Verlautbarung der FIFA-Medienstelle auf eine Anfrage: «Herr Infantino hat Cornel Borbély und Hans-Joachim Eckert kennen- und schätzen gelernt. Er denkt sicher nicht daran, an ihren Positionen irgendetwas zu ändern».

German judge Hans-Joachim Eckert, left, and Swiss prosecutor Cornel Borbely speak after a FIFA ethics press conference in Manama, Bahrain, Wednesday, May 10, 2017. Hundreds of prosecutions of suspected wrongdoing by soccer officials will be affected by President Gianni Infantino firing FIFA's top judge and prosecutor. (AP Photo/Rob Harris)

Eckert und Borbély müssen ihre Posten räumen. Bild: Rob Harris/AP/KEYSTONE

Trotz deutlichen Worten von FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura in der «NZZ» auf die Frage, ob sie die beiden weiterbeschäftigen würde: «Ja, denn ich bin sehr zufrieden mit ihnen. Das ist, glaube ich, auch die Meinung des Präsidenten». Und trotz eindeutigem internen Statement von Präsident Infantino, der sich zwar öffentlich nie zu den Spekulationen über eine geplante Absetzung von Chefermittler Borbély und Richter Eckert äusserte, gegenüber Vertrauenspersonen solche Pläne aber stets negierte.

» Hier gibt's den Kommentar zur Absetzung der Ethikkommission.

Und nun das. Borbely und Eckert sind weg. Der Verantwortliche für diesen Handstreich ist schnell gefunden: «Gianni Infantino als Totengräber der FIFA-Reformen», schreibt der Tages-Anzeiger, «Infantino setzt oberste Ethiker ab», titel das St.Galler Tagblatt, «der sportpolitische Coup trägt die Handschrift von Gianni Infantino», weiss die Süddeutsche Zeitung.

Von Infantino geplant oder nicht?

Doch welche Rolle spielte Infantino tatsächlich? Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder plante der Italo-Schweizer diese Entmachtung von langer Hand und führte in den letzten Wochen alle in seinem Umfeld an der Nase herum. Für diese These spricht, dass verschiedene Zeitungen das nun eingetroffene Szenario exakt so prognostizierten.

FIFA President Gianni Infantino gives a press conference at the National Palace in Port-au-Prince, Haiti, Saturday, April 29, 2017. Infantino is in Haiti for a one day visit, and will travel to Cuba in the evening. (AP Photo/Dieu Nalio Chery)

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich seit seinem Amtsbeginn nicht viele Freunde gemacht. Bild: Dieu Nalio Chery/AP/KEYSTONE

Oder Infantino wurde vom Manöver des Councils selbst überrascht. Dagegen spricht, dass die FIFA am Mittwochabend von einer «einstimmigen Entscheidung» schreibt. Neben den Ethikern wurde auch der bisherige Chef des Governance-Komitees, der Portugiese Miguel Maduro, nach nur einem Jahr abgewählt. Maduro sorgte vor wenigen Wochen für Schlagzeilen, weil er dem mächtigen russischen Politiker Witaly Mutko die Wiederwahl ins FIFA-Council verwehrt hatte.

Kein Diktator

Traf Mutkos heiliger Zorn nun neben Maduro auch Infantino oder spannten die beiden gar zusammen? Gianni Infantino wird sich am Donnerstag nach Kongressende zur Angelegenheit äussern. Der 47-Jährige wird sagen, dass er kein Diktator sei und sich in der neuen FIFA auch ein Präsident an die demokratischen Spielregeln halten müsse. Und er wird die Qualitäten der neu gewählten Kommissionsmitglieder hervorheben.

Zurück von den Thesen zu den Fakten und deren Konsequenzen. Tatsache ist, dass aus den Mitgliedsverbänden für die Positionen in der Ethikkommission auffällig viele Last-Minute-Kandidaten gemeldet wurden. Tatsache ist auch, dass die Sitzung des Councils zwei Stunden länger dauerte als geplant. Und Tatsache ist, dass Präsident Infantino die Diskussion über die Besetzung der Kommissionen damit einleitete, dass es Beschwerden über zu viele Europäer in diesen geben würde.

epa05926909 FIFA Secretary General Fatma Samoura of Senegal attends a press conference during the Russia 2018 LOC Board meeting with FIFA participation at the Krestovsky Island in St. Petersburg, Russia, 25 April 2017. The FIFA Confederations Cup 2017 will take place in Russia from 17 June to 02 July 2017.  EPA/ANATOLY MALTSEV

FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura war mit den FIFA-Ethiker sehr zufrieden – bis vor kurzem ... Bild: ANATOLY MALTSEV/EPA/KEYSTONE

Der Entscheid des Councils hat auch FIFA-intern viele hochrangige Mitarbeiter überrascht. Ob Generalsekretärin Fatma Samoura dazu gehört, ist nicht überliefert. «Es ist eine Katastrophe», klagt ein frustrierter Mitstreiter von Infantino. «Das ist kein guter Tag für die FIFA», sagt der abgewählte Hans-Joachim Eckert. Vor allem ist es ein herber Rückschlag für die Reformbemühungen, weil das neue, auf den ersten Blick durchaus hochkarätige Team der Ethiker Monate brauchen wird, um sich in die unzähligen pendenten Fälle einzulesen.

«Mehrere hundert Fälle»

Das sagt Cornel Borbély zu seiner Absetzung:
«Das ist ein klarer Bruch, ein Rückschritt im Kampf gegen die Korruption. Die Nicht-Nomination ist unnötig, der Entscheid deshalb offensichtlich politisch motiviert, um die Arbeit der Ethikkommission zu schwächen und den Reformprozess zu untergraben.

Ohne funktionierende Ethikkammer ist der Ethikcode ein totes Blatt Papier. Wir waren ein Dorn im Auge jener, die sich die alten FIFA-Zeiten zurückwünschen. Insofern ist die Abwahl auf gewisse Art und Weise sogar ein Lob für unsere Unabhängigkeit, Hartnäckigkeit und Konsequenz.

Die erfahrenen Richter und Ermittler sind weg – es gibt keine Garantien, dass die laufenden Verfahren fortgesetzt werden. Es hat mehrere hundert pendente Korruptionsfälle. Wir haben derzeit viele laufende Untersuchungen. Das wirft den Reformprozess um Jahre zurück, die FIFA wird darunter leiden.»

US-Justiz sorgt für Spektakel

Damit übergibt die FIFA den Lead bei den Ermittlungen gegen korrupte Fussball-Funktionäre definitiv an die zivilen Strafbehörden. Was durchaus willkommen ist. Die eigenwillige US-Justiz wird weiterhin für die eine oder andere Überraschung sorgen. Und wenn die Zahlen des abgewählten Chefermittlers Cornel Borbély stimmen (siehe oben), werden die verschiedenen FIFA-Gremien in Zukunft noch weitere unerwartete Mutationen erleben. Dann aber nicht durch die Macht des Councils.

Alle FIFA-Präsidenten seit Gründung des Weltverbands 1904

Das ist der moderne Fussball

Oh Mäzen, mein Mäzen – wie der Schweizer Fussball ums finanzielle Überleben kämpft

Link zum Artikel

«Hunderte Dinge haben mich genervt» – dieser Fan boykottiert seit einem Jahr Fussball

Link zum Artikel

Nur noch 7 Profis im Kader – Traditionsklub Bolton droht der totale Kollaps

Link zum Artikel

Wir würden als Sportchefs für 100 Millionen diese Teams zusammenstellen – und du?

Link zum Artikel

Marcel Reif zum St.Galler VAR-Drama: «Das ist nicht die Idee des VAR, so schadet er»

Link zum Artikel

Barça patzt, Real profitiert – das ist der «japanische Messi» Takefusa Kubo

Link zum Artikel

Der ÖFB-Cup als Fundgrube für jeden mit einem Herz für grossartige Klubnamen

Link zum Artikel

Falschen Jallow verpflichtet: Türkischer Klub leistet sich Transfer-Blamage des Sommers

Link zum Artikel

4 Fussball-Stars erstreiken sich den Wechsel – und immer soll es zu Barcelona gehen

Link zum Artikel

11-Jähriger trifft Messi im Strandurlaub – und spielt eine Runde mit ihm

Link zum Artikel

Kein Witz! Darum heisst Juventus Turin im neusten FIFA-Game «Piemonte Calcio»

Link zum Artikel

Warum es besser wäre, wenn jeder Klub nur noch drei Transfers tätigen dürfte

Link zum Artikel

Rassismus-Vorwürfe gegen einen FCSG-Spieler – was geschah im Testspiel gegen Bochum?

Link zum Artikel

Psychologe analysiert Tattoos von Fussballprofis – mit klarem Ergebnis

Link zum Artikel

Kevin-Prince Boateng haut neuen Rapsong raus – aber was macht das Pferd da eigentlich?

Link zum Artikel

Die teuersten Teenager der letzten 25 Jahre – so krass sind die Transfersummen explodiert

Link zum Artikel

Topklubs haben schon fast 1 Milliarde für Transfers ausgegeben – die Übersicht

Link zum Artikel

Liga gibt zu, dass der VAR in St.Gallen nicht hätte eingreifen dürfen

Link zum Artikel

Vier Gründe, warum Bayern München einfach keinen Topstar abkriegt

Link zum Artikel

Ein Problem namens Wanda – wie Torjäger Mauro Icardi bei Inter in Ungnade gefallen ist

Link zum Artikel

Ausländer-Trios, werbefreie Trikots oder das Nasenpflaster – 16 Dinge, die aus dem Fussball verschwunden sind

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Football Porn

Football Porn Teil XI – hereinspaziert zum Budenzauber!

Football Porn – das Format für Bilder aus der Welt des Fussballs, die unmöglich im Archiv verstauben dürfen. Heute mit einem Special zu den Hallenturnieren, die kurz vor der Jahrtausendwende in der Schweiz und in Deutschland ihre populärste Zeit hatten. Anders als in der Gegenwart gab es damals noch eine rund zwei Monate lange Winterpause.

Der FC St.Gallen wird 1998 Schweizer Hallenmeister, Hakan Yakin präsentiert lässig den glänzenden Pokal für den Sieg im Qualifikationsturnier in der heimischen Kreuzbleichehalle. Goalie Jörg Stiel trägt ein Feldspielertrikot, denn das Tor hütet unterm Dach die etatmässige Nummer 2, Thomas Alder. Alleine daran erkennt man, dass selbst die Sieger den Anlass nicht für den wichtigsten des Jahres halten. Einige Monate später steht das Team im Cupfinal, im Sommer 2000 feiern viele dieser …

Artikel lesen
Link zum Artikel