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epa05568835 President of FIFA Gianni Infantino (R) of Fifa Legends in action against Carlos

Gianni Infantino (r.), hier bei einem Benefizspiel in Bogota mit der kolumbianischen Legende Carlos Valderrama, will die Anzahl WM-Teilnehmer erhöhen. Bild: EPA/EFE

Kommentar

Warum nicht gleich 211 WM-Teilnehmer? Bhutan und Co. würden es Infantino danken

Fifa-Boss Gianni Infantino träumt von einer WM mit 48 Teams. Können wir uns endlich auf Bhutan, Zypern und Amerikanisch-Samoa freuen?

andreas bock



Man muss sich Fussball-Funktionäre als alte, einsame Männer vorstellen. Um sie herum verändert sich die Welt in einem Tempo, dass ihnen Angst und Bange werden kann. Menschen, die sie gestern noch auf Kutschenwagen zur Arbeit fahren sahen, sausen heute auf Segways und Hoverboards an ihnen vorbei. Menschen, die eben noch verloren in Telefonzellen standen, navigieren sich heute per Virtual-Reality-Brille durch die Strassen.

Von der Kutsche zum Segway mit nur einem Mausklick – so muss sich der Fussball-Funktionär fühlen

Ein Artikel von

Nur dieser verdammte Fussball ist noch so, wie er einst war, zumindest was die groben Koordinaten betrifft: 90 Minuten, 22 Spieler, zwei Tore. Es gibt nationale Ligen, Welt- und Europameisterschaften. Dazu noch internationale Pokalwettbewerbe. Und das war’s im Grunde schon.

Action during the International match between England and World Cup Champions Italy at Arsenal Football ground, Highbury, London, on Nov. 14, 1934. Italian goalkeeper Carlo Ceresoli is seen right. (AP Photo)

Ob 1934 (England gegen Italien im Highbury) oder 2016, der verdammte Fussball ist noch derselbe. Bild: AP NY

Hotpants-Pflicht bei Fussballerinnen

Kein Wunder, dass es in regelmässigen Abständen aus den Funktionären herausbricht: Lasst uns den Fussball verändern, rufen sie, alles neu, alles anders. Und dann parlieren sie in Interviews oder auf Pressekonferenzen über ihre vermeintlichen Innovationen, schliesslich wollen sie als Visionäre in die Geschichte des Fussballs eingehen.

Sepp Blatter plädierte mal für grössere Tore oder eine Hotpants-Pflicht bei Fussballerinnen. Karl-Heinz Rummenigge träumt seit Jahren von Setzlisten und exklusiven Superligen. Und Michel Platini wünschte sich einst eine EM mit Wildcards für Teams ausserhalb Europas, damit auch Brasilien oder Argentinien teilnehmen könnten.

epa05538841 Former UEFA President Michel Platini  delivers his speech during UEFA elections, at 12th Extraordinary UEFA Congress in Athens, Greece, 14 September 2016. Michel Platini has been given permission by Fifa's ethics committee to address the Uefa congress in Athens despite his four-year ban from all football-related activity.  EPA/YANNIS KOLESIDIS

Europameister Brasilien? Für Michel Platini tönt das ganz normal. Bild: EPA/ANA-MPA

Kurzum: Ideen aus dem Fifa-Elfenbeinturm klingen oft wie Teile eines Simpsons-Drehbuchs. Da darf ein erwachsenes Kind sein Traumauto bauen, und nach ein paar Wochen präsentiert es einen Wagen mit Heckflossen, Riesenspoiler und drei Hupen, die «La Cucaracha» spielen.

Homer Simpson präsentiert den «Homer»

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Video: YouTube/Mostly Simpsons

Gianni Infantino, seit Februar Fifa-Chef, mag dieses Heckflossen-Riesenspoiler-Drehbuch ebenso gern wie seine Vorgänger. Seit einiger Zeit wirbt er jedenfalls für ein Turnier mit 40 Teams. Nun hat er seine Idee leicht modifiziert: eine WM mit 48 statt wie bisher 32 Teilnehmern.

«Fussball ist unser Leben» in Dauerschleife

Konkret sieht Infantinos Plan so aus: Die besten 16 Mannschaften der WM-Qualifikation sind für die WM-Gruppenphase gesetzt. Die nächstbesten 32 Teams würden «drei Tage vor dem Beginn der Gruppenphase in einem Playoff die weiteren 16 Starter ermitteln».

Mehr Mannschaften, mehr Spiele, mehr Fussball – und der junge, nimmersatte Fan springt fortan vor Freude per Flugkopfball durch die Büroflure, während er am Schreibtisch «Fussball ist unser Leben» in Dauerschleife intoniert.

Das deutsche Fussball-Kultlied vorgetragen von Kaiser Franz und seinen Nationalmannschaftkollegen von 1974

abspielen

Video: YouTube/MUSIC LEGENDS

Bloss: Hat nicht gerade erst die EM in Frankreich gezeigt, dass der gemeine Fussballfan gar nicht so nimmersatt ist, wie die Herren in ihren Funktionärspalästen annehmen?

Michel Platini stockte die EM bekanntlich auf 24 Teams auf. Die Folge: Das aufgeblähte Turnier zog sich, und man durfte berechtigte Sorge haben, dass Spieler, die als junge Nachwuchshoffnungen ins Turnier gestartet waren, am Ende des Turniers als Fussballgreise in Rente gehen würden.

Fan-Lethargie?

Aber die Kasse klingelte trotzdem. Zumindest spiegelten sich der viel diskutierte Fussball-Überdruss und die angebliche Fan-Lethargie nicht in den TV-Statistiken wider. So lockten etwa Deutschlands Spiele gegen Frankreich, Italien und die Slowakei jeweils mehr Zuschauer vor den Fernseher als das EM-Finale 2008 zwischen der DFB-Elf und Spanien. Und selbst ein Spiel wie Polen gegen Nordirland sahen über zehn Millionen Zuschauer. Insgesamt stiegen die Einschaltquoten um rund fünf Prozentpunkte im Vergleich zur EM 2012.

Den deutschen Nationaltrainer Jogi Löw interessiert so was eher weniger, er hat sich unlängst gegen Infantinos Vorschlag ausgesprochen. Das wiederum ist dem Fifa-Chef herzlich egal. Sein Argument für die XXL-WM lautet: «Wir können 16 weiteren Mannschaften die Qualifikation für die Endrunde ermöglichen.»

The Bhutanese team, in yellow, and the Montserrat team hold the cup in Thimphu, Bhutan,  Sunday, June 30, 2002. The two tiny nations played in this Himalayan Kingdom for a different title, the world's worst team.  Bhutan defeated Montserrat 4-0, just hours before Brazil and Germany played in Yokohama, Japan. (AP Photo/Kike del Olmo)

In Bhutan wird tatsächlich Fussball gespielt, wie hier 2002 beim 4:0-Sieg im Länderspiel gegen den Karibikstaat Montserrat. Bild: AP

Warum nicht mal 211 Teilnehmer?

Er hätte auch sagen können: So haben endlich auch Fussballverbände aus Usbekistan, Panama und Zypern zumindest eine kleine Hoffnung auf eine WM-Teilnahme. Und wenn auch die 48er Runde nicht reichen sollte, könnte man das Teilnehmerfeld noch weiter ausbauen. Auf 211 Teilnehmer zum Beispiel. Dann wären auch Amerikanisch-Samoa und Bhutan dabei. Verbände, die es Infantino danken werden. Spätestens bei der nächsten Wahl des Fifa-Präsidenten.

Alle FIFA-Präsidenten seit Gründung des Weltverbands 1904

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spi 06.10.2016 09:54
    Highlight Highlight Ich sag's gerne nochmals: von Panini geschmiert! Für 20.- gibt's dann das leere Paninibuch (nicht mehr Album), dafür mit Einband, der zudem eine Collage von 5x4 Bildli ermöglicht.
  • leu84 06.10.2016 09:29
    Highlight Highlight Warum nicht eine WM-Quali im Playoff-Modus weltweit. Die letzten 8 oder 16 Spielen im Turniermodus um die Trophäe. So gibt es 4-5 Qualirunden mit Hin und Rückspiel. Dann gibt es Schweiz - Jamaika oder Argentinien - Mongolei. Ökologisch ein Unsinn, na und ;)
  • Gsnosn. 06.10.2016 06:49
    Highlight Highlight "11 Freunde" kritisieren auf einer Seite, das der Fussballverband sich nicht ändert und dann wiederum wird kritisiert das äs er sich ändert. Das ist mein Empfinden nach diesem Artikel
  • Funny 06.10.2016 02:24
    Highlight Highlight Lieber mal neue Technologien wie Videobeweis und Zeit anhalten beibunterbrüchen anstatt solche schnapsideen ausdenken. Aber immerhin ist der Unterhosenwahnsinn seit anfang saison vorbei
    • maxi #sovielfürdieregiongetan 06.10.2016 05:29
      Highlight Highlight geb hockey schauen... schnapsidee zeitstoppen 🙄
  • ThePower 05.10.2016 23:18
    Highlight Highlight Da hat wohl jemandem mein 128er Vorschlag gefallen von vorgestern und ihn noch etwas weitergesponnen😄Finde ich gut. Was auch noch cool wäre bei 211 Delegationen: Man könnte eine ewig dauernde Eröffnungsfeier machen und Beni könnte zu jedem Land irgendetwas verzapfen wie bei Olympia. Bleibt nur noch die Frage nach dem Modus. Vorschläge?
  • Amboss 05.10.2016 22:55
    Highlight Highlight (2) Alle wollen Fussball - lasst sie doch. Lasst die Weltmeisterschaft doch wirklich eine sein - wo viele Nationen mitmachen können.
    Nicht nur 32 Nationen, weil es immer so war, wobei 2/3 davon immer die gleichen sind und die kleineren kaum eine Chance haben, dabei zu sein.

    So eine Grössenordnung zwischen 48 und 64 Nationen können es ruhig sein.

    48 Länder wäre eigentlich gut, aber Infantinos Modus ist Quatsch. Besser so: in Dreiergruppen, Gruppenerster und -zweiter kommen in den 16telfinal.
    Gibt 80 Spiele - nicht soo viel mehr als bisher und es wäre für alle ein echtes Turnier.
    • Ketchum 06.10.2016 00:37
      Highlight Highlight Ein Vorteil hätte der Modus: Die Quali würde aufgewertet. Aber eine WM, wo ein Drittel nach einem Spiel ausscheidet? Und so eine WM lebt doch von der sich anbahnenden und im Vorfeld sukzessive steigernden Verheissung - was ausfällt, wenn die Gruppengegner nicht bekannt sind. Und viele nicht mal wissen, ob ihr Team dabei ist.
      Das Postkutschen-Segway-Bild erklärt perfekt, was von dieser Idee (und allen Fifa-Einfällen) zu halten ist
    • Amboss 06.10.2016 07:29
      Highlight Highlight Klar ist diese Modus-Idee von Infantino Unsinn.
      Der Ansatz, die WM mit 48 Teams durchzuführen, ist aber richtig.

      Und bezüglich Postkutschen-Segway-Bild : Dieses passt auch für alle diejenigen, die wollen, dass einfach alles so bleibt, wie es ist und wie es immer war.
      Globales Big Business in Strukturen aus der Amateurzeit - das ist Unsinn.
  • Amboss 05.10.2016 22:45
    Highlight Highlight (1) Irgendwie finde ich das ein bisschen ein komischer Artikel, aber ich hoffe, ich habe die Kernaussage richtig erfasst: Soll gefälligst alles so bleiben wie es ist und immer war.

    "der verdammte Fussball ist noch derselbe" Leute, habe ihr Tomaten auf den Augen, oder wollt ihr es einfach nicht sehen?
    Der Spitzen-Fussball 2016 ist global, Big Business, hoch professionel, ein quasi unbeschränkt grosser Honigtopf - der in Strukturen aus der Amateurzeit vom frühen 20. Jahrhundert stattfindet.

    Absurd. Man sollte unbedingt die Strukturen an die neue Zeit anpassen.
  • Marcs 05.10.2016 21:59
    Highlight Highlight Es geht wohl eher darum dass Infantino seine Spuren hinterlassen kann - aber das könnte er auch, wenn er endlich anfängt einen anständigen Job mit effektiver Corporate Governance zu machen. Aber dazu ist er zu sehr Funktionär und zu wenig visionärer Macher.

Kommentar

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