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Zocken für den FC Basel: Luca Boller schiesst im FCB-Dress Tore im Videospiel «FIFA». bild: instagram/lucaboller

Luca Boller spielt FIFA für den FC Basel: «Für mich ist es ein Job»

Luca Boller ist beim FC Basel als virtueller Spieler unter Vertrag. Er sieht Parallelen zu seinem Hauptberuf als Banker.

08.08.17, 20:20

Sébastian Lavoyer / Nordwestschweiz



Ganz Basel graute vor dem Gedanken, dass man Sofa-Meister werden könnte. Sie kennen nichts anderes. Wie ist es?
Luca Boller: (lacht) Ich spiele gar nicht auf dem Sofa. Das unterscheidet mich von einem «normalen» Gamer, der mal am Abend gerne spielt. Vielleicht noch in Trainerhose vor dem Grossbildschirm. Ich hätte grosse Nachteile, wenn ich so spielen würde.

Wie spielen Sie denn?
Ich sitze am Schreibtisch, habe die Konsole an einen Monitor mit schneller Übertragungszeit angeschlossen. Da muss man das Maximum rausholen, sonst hat man ein Handicap.

In was?
Der Monitor ist zentral, vor allem die Übertragungszeit. Da muss das Beste vom Besten her. Ein grosser Bildschirm wäre nur von Nachteil, man muss alles auf einen Blick sehen. Auch ein guter Controller ist wichtig und ein Gamer-Stuhl.

Ein Gamer-Stuhl?
Ja, die sind ähnlich wie Rennsitze für ein Auto. Es muss ein Stuhl sein, der möglichst verhindert, dass man Rückenschmerzen bekommt bei einer längeren Session.

Ein Beitrag geteilt von LUBO (@lucaboller) am

Der 22-jährige Luca Boller.

Jetzt mal ehrlich, Sie drücken ein bisschen am Controller rum. Das ist doch kein Job!
Schauen Sie, ich arbeite zu 80 Prozent bei einer Bank im Backoffice, auch da könnte der Eindruck entstehen, ich würde nur irgendwelche Knöpfe auf der Tastatur drücken. Es ist immer die Frage, was man damit macht. In der Bank verarbeite ich etwas. Beim FIFA spielen auch. Die Augen sind auf dem Spielfeld, ich analysiere, treffe innert Kürze Entscheidungen. Ich sehe keinen Unterschied, für mich ist es ein Job.

Wie in einem normalen Job stehen auch Sie unter einem gewissen Druck. Basel erwartet den Meistertitel von Ihnen. Sonst könnten Sie den Job schnell los sein. Wie gehen Sie damit um?
Der FCB hat mich bewusst ausgewählt, weil ich während der letzten fünf Jahre konstant vorne mit dabei war. Aber auch bei uns gehören Niederlagen dazu, es gibt keine Erfolgsgarantie. Die aktuelle FIFA-Schweizer-Meisterschaft könnte spannender werden als der echte Fussball in manchen Ligen. Die Szene in der Schweiz ist klein, aber ganz vorne, unter den Topspielern, sind die Unterschiede minim. Es gehört auch Glück dazu.

Inwiefern?
Man kann vieles steuern, die Taktik, die Aufstellung, die Wechsel. Aber letztlich kontrolliere ich einen von elf Spielern, den Rest steuert der Computer. Aber ich mache mir keine Sorgen. In den letzten Jahren hat es immer geklappt.

Und Sie haben ja nun auch mehr Zeit zum Trainieren?
Natürlich. Aber für mich stellt sich auch die Frage, wo ich den Schwerpunkt lege: Bei der Schweizer Meisterschaft im Oktober mit einem Preisgeld von 15'000 Franken oder bei der WM, wo es um 300'000 Dollar geht.

Warum spielt das eine Rolle?
Weil in unterschiedlichen Modi gespielt wird. Da bereitet man sich unterschiedlich vor.

Wie sind Sie eigentlich zum Gamen gekommen?
Durch meinen Vater. Ich war fünf Jahre alt, als ich ihn beim Gamen sah und auch mitspielen wollte. Er hat es nie vor mir verborgen, aber anfänglich gab er mir einen Controller, steckte ihn aus und spielte gegen den Computer. Das hat er mir Jahre später erzählt (lacht).

Und wann haben Sie ihn erstmals weggefegt?
Ich war wohl acht oder neun Jahre alt. Ich habe bei Papi erstmals gespielt und dann meine Mutter genervt, ich wolle auch eine Playstation. Bis ich eine kriegte. Dann übte ich. Ich war zehn, als sich mein Vater fragte: Warum ist denn der so gut?

Wie kam das?
Ich spielte an einem Turnier während der WM 2006 in einer Videothek bei uns in der Gegend. 32 Leute nahmen teil, ich war zehn, alle anderen zwanzig und älter. Aber ich gewann. Danach rief ich meinen Vater an und sagte ihm, ich hätte eine Xbox gewonnen, die Siegprämie dieses Turniers.

Und Ihre Mutter?
Sie hat mir immer gesagt, dass zuerst die Schule komme. Es kam schon mal ein «Das gibt viereckige Augen». Aber die Konsole hat sie mir eigentlich nie weggenommen.

Was muss man denn mitbringen, wenn man das Gleiche machen möchte wie Sie?
Ein gewisses Talent hilft immer. Und dann ist es vor allem eine Frage der Übung. An Turnieren muss man auch mental stark sein, darf nicht nervös werden. Muss die Zuschauer ausblenden können, die Emotionen im Griff haben.

Sind Sie impulsiv?
Zum Glück nicht. Mein Controller flog bisher erst einmal durch meinen Trainingsraum.

Sie haben einen Trainingsraum?
Ja, den teile ich mit meinem besten Kollegen. Er ist E-Sportler beim FC St.Gallen und mein Trainingspartner.

Sie haben keinen Trainer?
Nein, wir trainieren uns gegenseitig. Geben uns Tipps. Tüfteln.

Und wo gehen Sie ins Trainingslager?
Bei mir ist Trainingslager angesagt, wenn das neue FIFA im September rauskommt. Dann nehme ich eine Woche Ferien und gehe in den Trainingsraum.

Warum?
Jedes Jahr verändern sich kleine Dinge. Letzten Herbst zum Beispiel kam die Möglichkeit hinzu, flach zu schiessen. Gute Spieler erzielen heute fast 90 Prozent der Tore mit Flachschüssen.

Und dann zocken Sie 24 Stunden am Tag?
Nein, fünf, sechs Stunden. Mehr bringt es nicht. Im Schnitt komme ich wohl so auf drei Stunden pro Tag.

Bewegen Sie sich eigentlich auch?
Ja, ich spiele selbst Fussball. In der vierten Liga, bescheidenes Niveau. Aber ich brauche auch Bewegung und Abwechslung. Genauso wie ich auch darauf achte, was ich esse.

Wie bitte?
Ich gehe am Turniertag nie zum Chinesen. Weil ich weiss, dass mein Magen sonst durchdrehen könnte.

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Brikne, 20.7.2017
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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • winglet55 09.08.2017 10:22
    Highlight Nur ein Job? Keine BERUFung?
    1 0 Melden
  • derEchteElch 08.08.2017 21:48
    Highlight Ich missbillige diese Praxis des FCB. Zocken hat nichts mit Sport zu tun und es ist mir unverständlich, wieso der Vorstand solche Finanzierungen tätigt.

    Fussball ist Fussball, Zocken ist Zocken.

    Beides sollte nicht miteinander vermischt werden. Noch dazu kommt, dass dieser Zocker nicht in das von Streller ins Leben gerufene "Für immer Rot-Blau" Konzept passt.

    Und das sage ich als FCB-Vereinsmitglied.
    24 104 Melden
    • jjjj 08.08.2017 22:13
      Highlight Mimimimi
      61 14 Melden
    • Bruno S. 88 08.08.2017 22:36
      Highlight Deswegen ist es auch ein e-sport und nicht sport.
      45 11 Melden
    • derEchteElch 08.08.2017 23:15
      Highlight und genau weil es E-Sport und nicht Sport ist hat es bei einem Verein, welcher Sport treibt (FCB) nichts zu suchen. Dafür gibt es E-Sport Vereine.
      16 40 Melden
    • Bruno S. 88 09.08.2017 08:16
      Highlight So hat haben die damaligen oberbünzlis wohl auch über Berufssportler gesprochen. Genau gleich! "Sport ist keine Arbeit, dafür sollte man keinen Lohn erhalten!"
      Es fliesst soviel Geld im Fussball. Jeder Vollzeit-Bankdrücker kriegt mind. 10'000.- Monatlich. Die Gage für den e-sportler wird sich der FC Basel locker leisten können. Beruhig dich also wieder, das treibt den FCB sicher nicht in den Ruin.
      6 4 Melden
    • Mia_san_mia 09.08.2017 09:55
      Highlight Keine Angst, der FCB kann sich das schon leisten 😄
      5 1 Melden
    • derEchteElch 09.08.2017 09:59
      Highlight Über das "sich leisten" können braucht man nicht zu diskutieren. Sondern ob es sich der FCB leisten SOLL und ob der Verein (die Mitglieder, nicht die Holding) dies auch will.
      4 8 Melden
  • Sonokowitsch 08.08.2017 21:36
    Highlight Schade, daß man ihn nicht nach Energie-Drinks etc im Wettbewerb gefragt hat, daran krankt doch mehr oder weniger die sogenannte e-Sport-Szene ein bißchen, oder?

    Naja, ansonsten soll halt jeder so glücklich werden wie er möchte ..
    27 10 Melden
    • Luca Boller 09.08.2017 16:54
      Highlight Ich trinke an Wettbewerben meist Wasser. Höchstens bei langen Sessions greif ich selten mal zu einem Energie-Drink. :)
      2 0 Melden
  • BLCNY 08.08.2017 20:40
    Highlight Mein absoluter Traumjob!!😉 schade, bin ich nicht 20 Jahre jünger😫
    43 6 Melden

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Neymar hat in der Nacht nach dem Spiel gegen die Schweiz wohl noch von Valon Behrami geträumt: So intensiv wurde er vom Tessiner während des Matchs betreut.

Als Erinnerung bleiben ihnen die Schmerzen – und uns dieses ikonische Bild:

Dabei hätte alles so anders kommen können, wären die beiden nur in anderen Situationen aufeinander getroffen. (Wobei: So richtig angenehm wäre auch das für den Brasilianer nicht geworden.)

Wir haben da mal was gebastelt: 

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