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Trump und die christlichen Fundis wollen die Demokratie abschaffen

MIAMI FL - JANUARY 03: Pastor Paula White-Cain and US President Donald J. Trump remark at the Evangelicals for Trump coalition launch Miami at The King Jesus International Ministry on January 3, 2020  ...
Trump und seine Pastorin Paula White (links von ihm) während der Vorstellung der Koalition «Evangelicals for Trump» in Miami, 3. Januar 2020. Bild: www.imago-images.de
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Trump und die christlichen Fundis wollen die Demokratie abschaffen

Die Evangelikalen können Donald Trump zum Wahlsieg verhelfen und träumen von einem Gottesstaat.
16.03.2024, 08:0020.03.2024, 09:34
Hugo Stamm
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Nun beginnt auf der politischen Weltbühne die schlimmste Zeit des Jahres: der Machtkampf Biden gegen Trump. Ein Battle, das lang dauert. Quälend lang. Bis zum November. Dann wissen wir, ob die Welt, die ja heute schon aus den Fugen geraten ist, endgültig zum Tollhaus wird.

In dieser Zeit rücken die christlichen Fundamentalisten aus den Tausenden Freikirchen in den Brennpunkt des politischen Interessens. Denn rund 30 Prozent der Amerikaner zählen sich zu den Evangelikalen. Diese bekommen von den rechtskonservativen Katholiken Unterstützung.

Christen verehren Trump als Heilsbringer

Die Mehrheit der Gottesfürchtigen schlägt sich erfahrungsgemäss auf die Seite des begnadeten Sünders Donald Trump, der Frauen als Freiwild betrachtet und dem mehr als 10'000 Lügen nachgewiesen werden konnten. Und der sich plötzlich als von Gott gesandter Heilsbringer gebärdet.

Dieses Etikett schreit förmlich zum Himmel, was eigentlich auch die christlichen Fundis realisieren müssten. Denn von christlicher Demut, Nächstenliebe und Barmherzigkeit ist bei ihm nichts zu spüren.

Statt die andere Wange hinzuhalten, nennt er seine politischen Gegner Ungeziefer. Selbst Parteikollegen, die kritische Fragen stellen, macht er zur Schnecke. Mehr Egozentrik geht nicht.

Reportage zum Thema Trump und christliche Fundamentalisten.Video: YouTube/DER SPIEGEL

Dieses narzisstische, menschenverachtende Gebaren ihres Idols kümmert die Evangelikalen nicht. Lieber bemühen sie die Geschichte von Saulus, der nach seinem Erweckungserlebnis zum Paulus mutierte. Und der dafür sorgte, dass die kleinen urchristlichen Gemeinden nicht als Sekten einen kurzen Auftritt in der Weltgeschichte hatten, sondern sich zur grössten Kirche aufschwingen konnten.

Dabei übersehen die heutigen Evangelikalen, dass Trump bestenfalls ein Wahlkampf-Christ ist, der sich aus taktischen Gründen einen Heiligenschein über seine voluminöse Frisur stülpt. Es ist ihnen auch egal, dass Trump nach der Wahlniederlage den Mob aufgefordert hat, das Capitol zu stürmen, um die Einsetzung von Biden zu verhindern.

Trump steckte die christlichen Fundis beim Wahlkampf vor acht Jahren mit drei taktischen Kniffs in seine Tasche. Er schlüpfte in die Rolle des frommen Christen, outete sich als beinharter Abtreibungsgegner und verlegte in seiner Amtszeit die amerikanische Botschaft von Tel Aviv in die heilige Stadt Jerusalem, in der sich die Heilsgeschichte vollenden soll.

Sieg dank der Stimmen der Evangelikalen

Seine wundersamen Wandlungen kosteten ihn so gut wie nichts, brachten ihm aber die nötigen Stimmen, um über Hillary Clinton zu triumphieren. Ganz abgesehen davon, dass es dem Narzissten schmeichelte, von den christlichen Hardlinern als Nachfolger von Jesus verehrt zu werden.

Was vor acht Jahren funktionierte, soll sich nun wiederholen. Die frommen Christen müssen es wieder richten. Diese unheilige Allianz könnte dieses Mal weit gravierendere Folgen haben, denn Trump hat heute eine klare Agenda, auf die seine Vasallen akribisch hinarbeiten: die Abschaffung der Demokratie.

Er macht kein Geheimnis daraus, und die hart gesottenen Evangelikalen freut's – träumen sie doch schon lang von einem Gottesstaat, in dem die religiösen Ideen und Ziele über der Verfassung stehen.

Dank Trump bekommen die Evangelikalen politische Macht.Video: YouTube/Timo Hoffmann

Auf seiner politischen Mission hat Trump bereits die republikanische Partei handstreichartig übernommen. Seine parteiinternen Kritiker Liz Cheney und Mitt Romney konnte er schon abservieren.

Kürzlich erwischte es auch Ronna McDaniel, die Vorsitzende des einflussreichen Parteiarms Republican National Committee. Zum Verhängnis wurde ihr unter anderem der Umstand, dass sie die Nichte von Mitt Romney ist. An ihrer Stelle wurde der Trump-Fan Michael Whatley installiert, als Vice inthronisierte Trump seine Schwiegertochter Lara.

Auch bei der Wahl des Speakers im Repräsentantenhaus gelang es Trump und seinen Helfershelfern, den treuen Begleiter Mike Johnson auf den Schild zu heben. Mit diesem Schachzug holte er viele fromme Christen ins Boot, ist Johnson doch ein strammer Evangelikaler. Er bezeichnete die Abtreibungen als «amerikanischen Holocaust».

Die christlichen Nationalisten und evangelikalen Leader scheuen sich nicht mehr, die Idee vom Gottesstaat und dem christlichen Nationalismus öffentlich zu proklamieren.

Trump hat auch schon verraten, wie er seine Macht als neuer alter Präsident untermauern und Amerika umbauen will: Indem er die Ämter säubert und seine treuen Adlaten als Chefbeamte einsetzt. Unter ihnen werden mit Sicherheit fromme Christen sein.

Der Einfluss von Trump und seinen christlichen Lakaien geht so weit, dass sich die evangelikalen Leader nicht mehr scheuen, die Idee vom Gottesstaat und dem christlichen Nationalismus öffentlich zu proklamieren.

Der rechtsradikale Hardliner Jack Posobiec sagte beispielsweise an der Konferenz der Conservative Political Action Conference: «Wir müssen die Demokratie begraben und zu Ende führen, was am 6. Januar 2021 begonnen hat. Aller Ruhm gebührt nicht der Regierung, aller Ruhm gebührt Gott.»

Bezeichnend für die von Trump geprägte radikale Atmosphäre ist der landesweite Kampf der frommen Christen gegen die Abtreibung. Mit dem Rückenwind des Präsidentschaftskandidaten starten sie neue Aktionen.

Befruchtete Eizellen gelten als «Personen»

So hat Tom Parker, der oberste Richter des Bundesstaates Alabama, entschieden, dass befruchtete menschliche Eizellen als «Personen» gelten. Wer diese vernichte, könne juristisch verfolgt werden.

Der Hintergrund: Bei der In-Vitro-Fertilisation entstehen überzählige Zellen, die nun nicht mehr entsorgt werden dürfen. Parker fügte bei seiner Begründung Bibelzitate an, wonach menschliche Wesen Ehrfurcht vor Gott haben müssen, der uns nach seinem Ebenbild geschaffen habe.

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Die amerikanischen Fundamentalisten, die einen Gottesstaat anstreben, verraten die Ideale ihrer Ahnen. Diese waren aus Europa geflüchtet, weil sie wegen ihres Glaubens verfolgt worden waren.

Um als Minderheit besser geschützt zu sein, kämpften sie erfolgreich für die Religionsfreiheit. Nun sind sie dank Trump zu einem politischen Machtfaktor geworden und wollen ihre einstigen Errungenschaften auf der Abfallhalde der Geschichte entsorgen.

Wenn Trump und die Evangelikalen Hand in Hand in den Wahlkampf steigen, wird es zappenduster. Die Kommunisten Putin und Xi Jinping reiben sich bereits erwartungsfroh die Hände und überschwemmen die USA mit Fake News. Sollte der «Christ» Trump gewinnen, gehen in der halben Welt die Lichter aus.

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Hugo Stamm, Sektenblog
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Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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724 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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benn
16.03.2024 09:03registriert September 2019
religion brachte schon immer leid und verderben!
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Dr. Abed-Nego Roberts
16.03.2024 08:16registriert November 2020
Wenn Trump gewinnt, wäre das ein Desaster sondergleichen.

Ein extremer Niederschlag.
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Don't look up!
16.03.2024 09:01registriert Juni 2021
Besten Dank für diesen Beitrag, Herr Stamm. Dieses Thema erscheint mir zurzeit das absolut wichtigste - man stelle sich vor, diese Leute würden die USA zur Theokratie umbauen und hätten Zugriff auf den roten Knopf.

Diese Isolationisten haben bereits die Rückschläge in der Ukraine auf dem Gewissen umd lügen täglich in die Kamera.
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724
Nicht Pimmel. Polyamorie!
Ich dachte immer, ich sei gefeit vor Gesprächen über unkonventionelle Beziehungsformen. Falsch. Sie sind aktuell der Kern jeder Diskussion.

Es ist ja nicht so, dass das Miteinander immer nur einfach ist, wenn man gegen ein offizielles Miteinander ist.

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