Beinahe acht Jahre nach der Veröffentlichung von «Civilization 6» mussten die Fans auf die Ankündigung des nächsten Teils der legendären Strategie-Reihe warten. Kürzlich liess Publisher 2K die Katze aus dem Sack: schon am 11. Februar 2025 soll «Civilization 7» parallel für PC und alle aktuellen Konsolen an den Start gehen. Entwickler Firaxis feilt dabei aber nicht nur an bekannten Features rum, sondern dreht die Globalstrategie quasi auf links – mit Erfolg!
Während ihr in der von den Fans liebevoll «Civ» genannten Reihe bislang mit der Wahl des Anführers auch gleichzeitig die Zivilisation bestimmt habt, gibt «Civ 7» euch erheblich mehr Freiheit. Wenn ihr wollt, könnt ihr hier den Römischen Kaiser Augustus etwa mit den Ägyptern kombinieren oder den indischen Herrscher Ashoka mit der ostafrikanischen Zivilisation des Aksumitischen Reichs. Die Mischung gewährt dann entsprechend Zugriff auf kombinierte Forschungszweige, die je nach Auswahl völlig andere Herangehensweisen ermöglichen. Das allein erhöht die spielerischen Freiheiten und die Spieltiefe so ungemein, dass man jetzt schon auf eine deutlich höhere Langzeitmotivation spekulieren kann. Mehr noch: Im weiteren Verlauf einer Partie können die Spieler die Zivilisationen nun sogar mehrfach wechseln!
Damit das nicht aus dem Ruder läuft, gibt Entwickler Firaxis den Partien eine festere Struktur, die aus den drei kapitelartig unterteilten Zeitaltern Antike, Zeitalter der Eroberungen und der Moderne besteht. Der Wechsel von einer Zivilisation auf eine andere ist dabei nicht beliebig. Wer etwa beim Übergang vom ersten ins zweite Zeitalter die Maurya-Dynastie gegen die Mongolen austauschen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Um das nordost-asiatische berittene Volk nutzen zu können, müsst ihr im vorherigen Zeitalter passende Schwerpunkte gewählt und unter anderem ausreichend Pferde-Ressourcenfelder erschlossen haben. Die mögliche Auswahl bleibt entsprechend immer nachvollziehbar und wird nicht unnötig überkomplex.
Trotz diesen komplexen neuen Kombinations- und Wechselmöglichkeiten steigert Firaxis die Zugänglichkeit. Egal, ob ihr euren Fokus stärker auf die kulturelle oder militärische Entwicklung, die Forschung oder die Wirtschaft legt, für jeden Zweig gibt es nun so etwas wie ein Questlog, mit dem ihr eure Richtung gezielter verfolgen könnt, während ihr bestimmte «Meilensteine» in den genannten Kategorien erreicht. Entschlackt wurde auch die Stadtentwicklung, die nun stärker automatisiert erfolgt. Gerade auch beim Bau bestimmter Einrichtungen, bei denen ihr nun nicht mehr mühselig Handwerker-Kolonnen über die Karte schicken müsst. Es gibt zudem keine Distrikte mehr, sondern eine eingängige Unterteilung und in urbane und ländliche Hexfelder.
Während etwa mit den Handwerkern ganze Einheitentypen komplett wegfallen, kommt mit den Kommandanten auch ein neuer, besonders wichtiger hinzu. Der verdient bei Aktionen XP und kann im Skilltree aufgewertet werden. Einheiten führt er geschlossen ins Feld, was wahlweise die Abwehr eines Angriffs als auch Eroberungsfeldzüge besser handhabbar macht oder auch spezielle andere Vorteile gewährt. Absolut sinnvoll ist auch das stark veränderte Diplomatie-System, bei dem ihr nun nicht mehr stumpf irgendwelche Ressourcen tauscht, sondern gemeinsame Projekte vereinbart, von denen beide Seiten profitieren oder einander militärische Unterstützung zusagt. Greift euch jemand an oder ihr erklärt einem anderen Herrscher den Krieg, können derartige Vereinbarungen Gold wert sein.
So manches neue oder veränderte System in «Civilization 7» hat durchaus Spaltungspotenzial. Denn gerade Fans könnten auf den ersten Blick weggefallene Einheitentypen oder die stärker automatisierte Stadtentwicklung als Simplifizierung empfinden. Tatsächlich wächst gerade mit dem neuen Zeitalter-System, der freien Kombination von Anführer und Zivilisation und der Wechselmöglichkeit die Spieltiefe eher sogar an, während gleichzeitig die Zugänglichkeit wächst. Deshalb spricht derzeit sehr vieles dafür, dass «Civ 7» alteingesessene Fans und Genre-Quereinsteiger gleichermassen abholen könnte.