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Bitte like mich! Wie ein Instagrammer die Ästhetikdiktatur auf die Schippe nimmt

Was tun wir da eigentlich? Der Instagram-Account «Satiregram» hat eine Antwort.



Schönheit ist im Internet zu einer Karikatur verkommen: Eindimensional, oberflächlich, repetitiv und vor allem unehrlich.

Die Kaffeetasse hockt zwischen den nackten Beinen, ein nachdenklicher Blick glotzt leer aus dem Fenster (schwarz/weiss-Filter, versteht sich), die Liebe zu Pizza wird gebetsartig mit Boommerangs belegt und alles was mehr als zwei Monate her ist, muss mit dem Gütesigel #tbt versehen werden. Und einem Vintage-Filter.

#throwbackthursday

Wer viele Likes auf Instagram will, braucht viele Follower. Und Follower sind Leute, die dein Leben toll finden. Oder es sind deine Freunde. Aber weil niemand 16K Freunde hat, braucht man eben so ein tolles Leben. Man muss dem Kaffeetrinken huldigen, das Fitnessstudio als seine Kirche stilisieren (Motivationssprüche sind dabei die Bibelverse), Yoga im Park praktizieren und meeeega nostalgisch sein. Kurz gefasst: Man muss sich inszenieren.

Daran ist nichts verwerflich. Wer seinen Narzissmus mit Likes bewirtschaften will, soll das tun. Ganz nach dem zeitgenössischen schweizerdeutschen Sprichwort: «Jede cha mache was er will, well jede stod dezue, was er macht.»

Das findet auch Euzcil Geslani Castaneto. Trotzdem – oder gerade darum – nimmt der 26-jährige US-Amerikaner die instagramsche Ästhetikdiktatur extrem pointiert auf die Schippe. Auf dem Account «Satiregram» sieht man denn auch keine malerischen Bilder von Parkspaziergängen, exotischen Reisen oder pornografischer Nahrungsfotografie. Man sieht Zettelchen, auf denen handschriftlich steht, was zu sehen wäre. Aber nicht nur das: Der Zyniker Castaneto notiert bei fast allen «Sujets» noch die Motivation oder den Entstehungsprozess, der hinter einem solchen Bild stehen könnte. Extrem stereotypisch, aber auch sehr, sehr witzig.

Bild

screenshot: satiregram

In einem Interview mit dem Internetportal «doublie» erklärt der Online-Comedian, dass er mit seinen Zettelchen niemanden vor den Kopf stossen wolle. Das ganze fing damit an, dass Castaneto sich ein Profil auf Instagram einrichtete und sofort begriff, welche Art von Bildern auf dieser Plattform gefragt sind. Da er aber nicht mit einer Kamera, dafür umso besser mit Worten umgehen kann, entschied er sich, aufzuschreiben, was er wieso und wie vor die Linse bringen würde.

Hier ein paar Beispiele:

Ein Schwarz-Weiss-Selfie von der Hälfte meines Gesichts mit einem passenden Songtextauszug um meine aktuelle Stimmung zu untermalen.

« … and that's just the half of it. You saw just the half of it …»

Irgendsowas. 

Ein Foto von all meinen Büchern auf einem Bücherregal, um den Eindruck zu erwecken, dass ich gerne lese. Obschon ich das eigentlich gar nicht tue. Wirklich nicht. Um ehrlich zu sein, ziehe ich Verfilmungen von berühmten Büchern den Originalen weitaus vor.

Einfach so ein Bild von mir, wie ich gerade Yoga in einer pittoresken Parkanlage praktiziere. Ich war nur etwa zwei Sekunden in dieser Pose. Das reicht ja für einen tollen Schnappschuss, den ich dann auf Instagram posten kann. 

Ein Foto von mir und ein paar Freunden, auf dem wir eines dieser Wir-sind-am-Strand-und-springen-in-die-Luft-Bilder machen, während dem die Sonne untergeht. Es brauchte etwa sieben Versuche, bis wir endlich ein brauchbares Bild hatten …

«Ich mache mich über niemanden lustig. Ich interpretiere und lasse mich inspirieren. Ich hoffe, dass auch ich jemanden inspiriere.»

Wie Castaneto sagt, ist es nicht schlimm, dass wir alle dasselbe posten. Trends seien seiner Meinung nach etwas Natürliches. Das einzige, das ihn aufrege, seien die Leute, die das nicht erkennen und sich so unglaublich ernst nehmen. Denn Selbstironie, so Castaneto, sei die einzige Rettungsweste im Meer des wahnsinnigen Zeitgeists. 

Das zeigt sich auch auf seinem privaten Instagram Account. Dort gibt sich der selbst ernannte Künstler nämlich genauso, wie die Leute, die er auf @satiregram parodiert. 

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