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Die Versicherung Bâloise verlangt neu erst ab dem elften Krankheitstag ein Attest. (Symbolbild) Bild: shutterstock

Arztzeugnis erst ab dem 11. Krankheitstag – diese Firma will Gesundheitskosten senken



Mitarbeiter der Versicherung Bâloise müssen künftig erst ab dem elften Krankheitstag ein Arztzeugnis einreichen. Das hat laut Mediensprecher Roberto Brunazzi zwei Gründe: Einerseits werde das Vertrauen in die Mitarbeiter gestärkt. Andererseits will das Unternehmen einen Beitrag zur Senkung der Gesundheitskosten leisten.

Laut dem «TagesAnzeiger» kommt der Beschluss bei den Angestellten gut an. Für Achim Elfering, Arbeitspsychologe an der Universität Bern, ergibt die Massnahme durchaus Sinn: «Wenn wir in der betrieblichen Gesundheitsförderung mit Erfolg das selbstgesteuerte Gesundheitsverhalten verbessern wollen, ist es ein Widerspruch, von mündigen Mitarbeitern bereits nach zwei oder drei Tagen ein Arztzeugnis einzuverlangen.»

Krank zur Arbeit

Ein Arztzeugnis würde den Druck verstärken, möglichst schnell wieder am Arbeitsplatz zu erscheinen, sagt Elfering. So steigt nicht nur die Gefahr, dass andere Mitarbeiter angesteckt werden. Die Arbeitsleistung ist ebenfalls beeinträchtigt und könne zu Fehlern führen.

Aus einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz geht hervor, dass immer mehr Arbeitnehmer halb krank an den Arbeitsplatz zurückkehren. Laut der Befragung im Jahr 2014 tat dies jede zweite Person einmal – und jede zehnte Person gab an, mehr als zehn Tage am Stück in diesem Zustand gearbeitet zu haben.

Gemäss dem Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen ist der Präsentismus – krank zur Arbeit gehen – ein ernst zu nehmendes Problem für die Volkswirtschaft. Konkrete Zahlen gibt es zwar nicht. Jedoch geht man davon aus, dass dadurch Schäden in Milliardenhöhe verursacht werden.

Bestimmt hast auch DU einen dieser kranken Typen im Büro:

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Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Wird dadurch die Fürsorgepflicht verletzt?

Felix Schneuwly von Comparis begrüsst das Vorgehen bei der Versicherung Bâloise. Er hofft, dass weitere Firmen dem Beispiel folgen werden, wie der «TagesAnzeiger» berichtet.

Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte Comparis praesentiert die Resultate der juengsten Gesundheitsausgabenprognosen vom Herbst 2018 an einer Medienkonferenz in Zuerich am Dienstag, 20. November 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Felix Schneuwly Bild: KEYSTONE

Auch Daniella Lützelschwab vom Schweizerischen Arbeitgeberverband unterstützt die neue Regelung: «Insbesondere bei unproblematischen kurzen Krankheitsabsenzen erachten wir es als sinnvoll, dass nicht in jedem Fall ein Arztzeugnis eingefordert wird.»

Lützelschwab befürchtet aber, dass Arbeitgeber ihre Fürsorgepflicht vernachlässigen könnten, sollte auf ein Arztzeugnis bei längerer Abwesenheit verzichtet werden.

Unia-Zentralsekretärin Corinne Schärer ist gleicher Meinung: «Gleichzeitig müssen die Arbeitgeber auch ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen, sich für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter interessieren und allenfalls auch dazu anhalten, einen Arzt aufzusuchen.»

Keine gesetzlichen Regelungen

Wann ein Attest als Nachweis über einen krankheitsbedingten Ausfall vorgelegt werden muss, ist je nach Unternehmen unterschiedlich. In der Regel wird dies nach drei bis fünf Abwesenheitstagen verlangt – in einigen Betrieben bereits nach einem Tag.

Jedoch gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen. In den meisten Fällen wird das im Arbeitsvertrag geregelt. Klar ist jedoch eines: Durch das Einholen von Arztzeugnissen entstehen hohe Gesundheitskosten.

Ruth Humbel, CVP-AG, spricht zur Vorsorgedebatte an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 13. Maerz 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Ruth Humbel Bild: KEYSTONE

2014 hat der Nationalrat einen entsprechenden Vorstoss von Ruth Humbel ans Parlament überwiesen – passiert ist aber nichts. Die Gesundheitspolitikerin der CVP will deshalb in der kommenden Frühlingssession nachhaken. (vom)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Judge Dredd 21.02.2019 19:38
    Highlight Highlight Das Thema Arztzeugnis anhand eines Witzes erklärt:

    Ein Angestellter geht zum Arzt: „Herr Doktor, ich brauche ein Artzeugnis, zum zeigen, dass ich krank bin.“
    Arzt: „Was fehlt Ihnen denn?“
    Angestellter: „Ein Arztzeugnis.“

    Die Aussagekraft eines Arztzeugnisses ist gelinde gesagt sehr beschränkt.
  • Jean de Bolle 20.02.2019 17:42
    Highlight Highlight Sehr grosszügig und sozial. Das köönnte die Kosten senken. Aber dafür bei Mitarbeitern, die es ausnützen und mehrmals jährlich Krank sind rigoros durchgreifen!
  • Janis Joplin 20.02.2019 10:25
    Highlight Highlight Solang man's nicht ausnutzt und freitags und montags jeweils krank macht - warum nicht?
    • ChiliForever 20.02.2019 14:47
      Highlight Highlight Der "Montagskranke" bekommt das aber auch mit Arztbesuch hin. Allen Ernstes, kein Arzt kann Erkennen, ob jemand simuliert oder nicht, wenn er mit "Stress/schlecht geschlafen/erschöpft/Kopfschmerzen" zu ihm kommt.
  • Madison Pierce 20.02.2019 08:22
    Highlight Highlight Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber (Kleinfirma) war es ganz pragmatisch geregelt: Arztzeugnis erst nach 30 Tagen (weil dann die Taggeldversicherung eines will). Es sei denn, der Mitarbeiter hat sich in der Vergangenheit verdächtig gemacht, dann auch schon früher und von einem Vertrauensarzt. (Über die Hotline der Krankenkasse per Telemedizin ausgestellte Arztzeugnisse sind ja nicht brauchbar.)

    Gleichzeitig galt ein Verbot, krank zur Arbeit zu kommen. Schon bei einer Erkältung wurde man für zwei Tage nach Hause geschickt (wegen "Du steckst mir noch das ganze Team an!").
  • HPOfficejet3650 20.02.2019 06:44
    Highlight Highlight Ich arbeite bei einem Betrieb der Zürcher Behörde und wir müssen erst ab dem 7. Krankheitstag ein Zeugnis bringen.

    Mit gutem Beispiel voran 🤗
    Wäre schön, wenn andere Arbeitgeber nachziehen
  • Süffu 20.02.2019 06:38
    Highlight Highlight Schwieriges Problem, einfache Lösung mit vielen positiven Nebeneffekten - ich finde es Top!
  • Sam139 20.02.2019 06:36
    Highlight Highlight Super von der Baloise! Ich bin Spitalapotheker und rege mich jedes Mal auf, dass alle Mitarbeitenden (auch Medizinalpersonen wie Ärzte und wir Apotheker) nach 3! Tagen Krankheit ein Arztzeugnis bringen müssen... Dabei braucht man nicht studiert zu haben um zu wissen, dass man bei einer Erkältung am Besten im Bett bleibt. Aber Vertrauen ist halt eine andere Geschichte
  • ChiliForever 20.02.2019 05:21
    Highlight Highlight "Gleichzeitig müssen die Arbeitgeber auch ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen, sich für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter interessieren und allenfalls auch dazu anhalten, einen Arzt aufzusuchen."

    Der letzte Teil der Aussage verdeutlicht wie nichts anderes die allgemeine Lebensunfähigkeit in unseren Gesellschaften, wenn ein Kranker nicht mehr selbst entscheiden kann, zum Arzt zu gehen sondern der "Arbeitgeber in der Pflicht ist, ihn dazu anzuhalten"...
    • Sandro Lightwood 20.02.2019 05:39
      Highlight Highlight Naja, es leitet sich ganz einfach aus der gesetzlichen Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Arbeitnehmern ab. Taxiere ich mal als gesellschaftlichen Fortschritt und nicht als Bankrotterklärung an die Menschheit, wenn der Arbeitgeber nicht einfach zuschaeun darf, wenn einer dahinsiecht.
    • ChiliForever 20.02.2019 06:51
      Highlight Highlight Wie gesagt, allgemeine Lebensunfähigkeit, wenn man das nicht selber kann... Ist ja nicht das einzige, bei dem andere in der Pflicht sind (auch wenn sich das von D zu CH z.T. unterscheiden mag).
      Und, ja, es ist genau die Bankrotterklärung der Gesellschaft.
    • ChiliForever 20.02.2019 06:56
      Highlight Highlight Und genau diese Lebensunfähigkeit erklärt genau, warum sich so viele Menschen nach stärker Führung sehnen (Gott, König, Diktator, Putin, Erdogan oder wer/was auch immer...).
      Dann muß man nämlich weniger denken/selbst entscheiden. "Führer" nimmt's einem halt ab. Deshalb funktioniert das chinesische System auch so gut.
    Weitere Antworten anzeigen
  • jaähä 20.02.2019 03:09
    Highlight Highlight Man erhält ja sowieso ein Arztzeugniss, ob krank oder nicht. Bei kurzen Krankheiten ist das also völlig unnötig: zum einen verursacht es Kosten, zum andern ist es für tatsächlich Kranke mühsam. Man muss sich, total geschwächt, noch aufraffen und zum Arzt gehen, obwohl man die Krankheit auch problemlos zuhause auskurieren hätte können.

Kranke sollen mehr bezahlen – 5 Fragen und Antworten zum Franchisen-Streit

Wer zum Arzt geht, soll sich in Zukunft stärker an den Behandlungskosten beteiligen müssen. Was bedeutet das für die Versicherten konkret? Und können mit der Massnahme die Gesundheitskosten überhaupt gesenkt werden?

Die Gesundheitskosten steigen, das ist eine Tatsache. Wie allerdings dieses Problem gelöst werden soll, daran scheiden sich die Geister. Die einen finden, die Ärzte mit ihren immer höheren Salären seien Schuld am Schlamassel. Andere sagen, es sei wegen den Versicherten, die bei jedem Husten gleich zum Doktor rennen. Dritte wiederum sehen das Problem bei den Krankenkassen selber, die sich gegenseitig konkurrieren und so die Prämien in die Höhe treiben.

In der laufenden Frühjahrssession ist …

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