Native

Vom gelangweilten Drucker zum gefeierten Entertainer: Die grosse Karriere des Roli B.

bid: zvg

Präsentiert von

Wie aus einem unscheinbaren Offsetdrucker aus dem Thurgau einer der besten Bauchredner der Welt wurde.

23.10.17, 10:59 26.10.17, 17:32

«Ab nächster Woche komme ich dann nicht mehr vorbei», sagt Roli Berner eines Donnerstagmorgens zu Fräulein Hofstetter. Sie war die ehemalige Gemeindesekretärin von Rolis Heimatort und verteilte jeden Dienstag und Donnerstag den arbeitslosen Romanshornern einen Stempel. «Ich mache mich jetzt selbstständig», erklärt er zurückhaltend, aber auch ein bisschen stolz. Ein halbes Jahr ist es her, seit er seinen Job aus Frust niedergelegt hat und nun zweimal die Woche bei der Hofstetter Anwesenheit zeigt.

Sie habe es bereits vernommen, zickt die Dorfadministratorin zurück: «Aber mit Ihrem Baby-Zeugs, das Sie da machen, haben Sie dann keinen Anspruch mehr auf den Arbeitslosenbatzen, gell?!» Hofstetter knallt das Milchglas am Gemeindeschalter – der Pforte zwischen dörflichem Staat und Kleinbürgertum – hämisch zu.

Roli ist nun abgetrennt, auf sich selbst gestellt, lebt mit der Konsequenz seiner Bauchentscheidung – auf eigenen Beinen. Beziehungsweise auf der Stabilität seiner Magengrube. Denn Roli Berner schimpft sich von diesem Zeitpunkt an einen professionellen Bauchredner. Und Fräulein Hofstetter ist die Erste, die das offiziell erfahren hat.

bild: zvg

Vom Offsetdrucker zum Bauchredner – vom Amateur zum Profi

Das war 1985. Inzwischen sind viele stempellose Donnerstage vergangen. Und Roli hat es mit seinem «Babyzeugs» zu internationalem Erfolg geschafft. Wir treffen den Mann, der trotz multipler Persönlichkeiten kerngesund wirkt, auf einen Kaffee und sprechen über Berufswechsel, freischaffendes Künstlertum und – naja – aussergewöhnliche Kehlkopflappen. 

35s

Bauchredner

Video: watson

Bevor das alles geschah, hatte Roli eine Lehre als Offsetdrucker gemacht. Die Stelle bekam er auf den letzten Drücker. Bei den KV-Plätzen war nichts mehr frei, und so probierte man ihm im Berufsbildungszentrum den Drucker aufzuschwatzen. Diese Lehre wollte nämlich niemand wirklich machen, weswegen es auch so kurz vor Schulbeginn noch freie Ausbildungsplätze gab. Roli willigte ein. Und langweilte sich drei ganze Jahre lang zu Tode.

Gleich geht's weiter mit Roli Berners Geschichte, vorher ein kurzer Hinweis:

#StepOut auf Instagram

Du bist in der Alltagsroutine gefangen und tust dich schwer, dich selbst aus der Komfortzone zu holen? Dann solltest du unbedingt beim Instagram-Channel stepoutnow.ch vorbeischauen! Dort findest du nämlich täglich neue Inspirationen und Challenges für einen #StepOut aus der Komfortzone: instagram.com/stepoutnow.ch

Und nun zurück zum Porträt ...

«Erstens war der Job unanspruchsvoll. Dann war mein Chef ein autoritärer Blödmann. Und zu guter Letzt hatte diese Branche im Zuge der Digitalisierung eh keine Zukunft mehr.»

Wie Roli so als junger Erwachsener acht Stunden am Tag einer Maschine zuguckte, wie sie unzählige Exemplare von Skischuh-Prospekten auskotzte, merkte er: 

«Zuschauen darf einen nicht an den Tod erinnern, sondern soll die Freuden des Lebens erwecken.»

Schon während seiner Ausbildung gab er wohl aus diesem Grund Wochenende für Wochenende komödiantische Auftritte mit seiner Raben-Puppe Gerry. Dies jedoch zum Graus seines Lehrmeisters, der ihm ständig verbieten wollte, nebst der Arbeit so öffentlich aufzutreten.

bild: zvg

Für Roli waren diese Verbote zum einen bloss leere Worte und zum anderen die Kraftquelle seines Durchbruchs ins Showgeschäft.

«Wäre mein Chef nicht so ein Dubbel gewesen, hätte ich niemals so eine krasse Aversion gegen Autoritäten und Obrigkeiten entwickelt. Dann hätte ich vielleicht eine Weiterbildung im grafischen Bereich gemacht und würde jetzt als frühpensionierter Layouter in den Ruhestand treten. Auf jeden Fall habe ich so das starke Bedürfnis entwickelt, mein eigener Chef zu werden.»

So steht er also vor dem Kabäuschen im Gemeindehaus von Romanshorn und teilt dem schnutigen Fräulein Hofstetter mit, dass er ab nun sein Hobby zum Beruf macht.

Denn die Entscheidung, mit einem sprechenden Bauch Leute zum Lachen zu bringen, war für Roli Berner keine spontane Selbstvermarktungsidee, sondern bereits eine langjährige Leidenschaft. Mit 14 hatte er sich in einem Zauberladen für Trickmagier das Buch «Einführung in die Künste der Bauchrednerei» gekauft. Alles was Roli heute kann, hat er sich selbst beigebracht.  

«Mit dem Körperteil, mit dem die meisten Leute nur kotzen und rülpsen, kann ich sprechen. Aber ich musste ab und zu mal rülpsen und auch kotzen, um das zu lernen.» 

Berner über sein wertvollstes Organ: seine Kehlkopflappen. 

Voll im Schuss und ohne Unsittlichkeiten: Ein Auftritt Roli Berners Ende der 80er-Jahre.  Video: YouTube/poldivision

Doch dass es im Showbiz nicht nur um Talent und beim «Sich-selbständig-Machen» nicht nur um kreative, romantische Vorstellungen geht, davor will Roli jeden jungen Menschen warnen. Immer wieder hätte es in seinem Leben Situationen gegeben, die ihn in seinen Annahmen überraschten und in denen er sich als freischaffender Künstler auf die verschiedensten Weisen herausgefordert fühlte.

Über die Leiden eines Kreativen

Kreativität beispielsweise, sei nie auf Knopfdruck abrufbar. In einer Leistungsgesellschaft wie dieser hier müsse sie jedoch regelmässig innert einer bestimmten Frist geleistet werden. «Und dann kommt immer wieder das bürgerliche Pflichtbewusstsein ins Spiel: Wenn du bis am Morgen um vier Uhr an einem Programm schreibst, darauf am nächsten Tag aber halt auch bis um zwei Uhr Nachmittags im Bett liegst, fühlst du dich schuldig. Man muss sich einfach immer wieder bewusst machen, dass man ja auch arbeitet. Und das ist manchmal schwierig, wenn es einem so viel Spass bereitet», erklärt Roli grossväterlich.

Was bei seinem Werdegang ebenfalls nicht vernachlässigt werden darf, sagt Roli, ist seine Herkunft. Als junger Entertainer vom Lande hatte er sich in der Schweizer Medienmetropole Zürich immer wieder beweisen müssen. Zwar fühlte er sich als Komödiant und Landei in der Schlager- und Volksmusikszene relativ schnell wohl, trotzdem trat er mit seiner eckigen Art immer wieder ins eine oder andere Fettnäpfchen.

Gleichzeitig errang er in seiner ländlichen Heimat den Status eines Cervelat-Promis und wurde zum permanenten Spassvogel stigmatisiert. Die Aufforderung «Hei Berner, sag mal was Lustiges, hopp!» ist ihm beim Betreten seines Stammspunten nicht nur einmal entgegen geprescht. Nicht zuletzt wurde diese Zuschreibung auch auf dem Rücken seiner Kinder ausgetragen.

«Ein Lehrer sagte mal zu meinem Sohn, es sei ja kein Wunder, dass er so schlecht rechnen könne, wenn sein Vater ständig nur den Clown mache.»

Nebensächliche Tribute

Auf solche «Menscheleien» reagierte Roli stets direkt, bestimmt und mit Humor. Wurde er von einem Maurer aufgefordert, einen Witz zu erzählen, stimmte er zu, falls dieser ihm in der Beiz ein Mäuerchen hochziehen würde. Die Reaktion darauf war nur selten befremdet, meistens lachten die Menschen und die Sache war damit gegessen.

Und auch wenn sich Roli oft über solche Kleinigkeiten nervte, war ihm immer klar: Stünde er jetzt noch in einer Druckerei, passiv-aggressiv einer ratternden Maschine zuguckend, die millionenfach Skischuh-Prospekte ausspuckte, dann hätte er niemals China gesehen, eine Meute Amerikaner in Las Vegas zu Heulkrämpfen verführt oder mit einem Basler Professor eine Technik entwickelt, mittels derer Halskrebs-Patienten auch ohne Stimmbänder noch sprechen können.  

In keinem Moment bereut Roli Berner den unangenehmen Moment vor Fräulein Hofstetters Schaltertheke.

«Manche Leute steigen lieber frühzeitig aus, um dort einzusteigen, wo sie hingehören. Dazu braucht es Mut, das ist klar. Den wünsche ich allen, die ihn brauchen können.»

Wage mit Karma etwas Neues

Begib dich auf eine kulinarische Weltreise und mache neue Entdeckungen von Coop Karma. Tauche ein in die Welt von vegetarischen Gerichten aller Art! Salate, Sandwiches, süsse und salzige Snacks, Aufstriche, Tofus oder fertige Menüs: Coop Karma lässt keine Wünsche offen! Entdecke mehr: www.coop.ch/karma

Nicht nur Roli Berner trickst sein Publikum aus – 50 überwältigende Strassenillusionen:

Mehr Klein- & Grosskunst gibt's auf unseren Social-Media-Kanälen ...

Mehr abgefahrene Kunst mit Mund und Bauch:

27s

Beifang: Das Internet hat einen «neuen König» in Sachen Rauch- und Dampfkunst

Video: watson

Mehr mint gibt's hier:

Für einen friedlichen Filmabend – die liebsten Feel-Good-Movies der watson-User

Gamer aufgepasst: «Super Mario» hüpft vielleicht schon bald durch unsere Kinos

«Einmal die Mandeln raus, danke!»: Tagebuch einer Überlebenden

Wie eine Kommunisten-Cam zum Kultspielzeug für Hipster wurde

«Glupschgeister» – ein Spiel, das Menschen mit Wurstfingern zur Verzweiflung treibt

Tagebuch eines Landeis, Teil II: Was passiert, wenn du als «Stadtkind» dein Kaff besuchst

Auch wenn die Schweiz als teuer gilt: Diese Dinge kannst du gratis erleben!

«Bis ich merkte, dass Le Parfait aus Leber besteht» – 9 Kinderträume und was daraus wurde

«Wie kriege ich einen Sugar Daddy?» – 111 Fragen, die sich Post-Teenies stellen

Es gibt tausend gute Gründe, warum sich Paare auf Social Media nicht vernetzen sollten

Von A wie Apfelpfannkuchen bis M wie Makkaroni-Auflauf: Das sind unsere Lieblingsrezepte!

9 Serien, die einfach viel zu früh abgesetzt wurden ... schnief

Komplimente im Zeitalter des Likes: Wieso wir europäische Amis werden sollten

Jeden Tag ein Türchen: 13 aussergewöhnliche Adventskalender zum Nachbasteln

Die schrägsten Dinge, die Menschen im Internet gebeichtet haben

Jetzt gibt's eins auf den Helm: Wir spielen «Arena for the Gods!»

Mit diesen 10 Tipps kannst du ein winziges Bad gemütlich und effizient einrichten

Auf einen feuchtfröhlichen TV-Abend! 9 Filme und Serien und die passenden Drinks dazu

12 schnelle Rezepte, für die du nur eine Pfanne schmutzig machen musst

Liebe Kopfmenschen, auch euer Bauch hat etwas zu sagen

11 simple Rezepte für deine veganen Gäste (und dich selbst) 🌱

15 Filme für jeden Grusel-Typ. (Ja, auch für so richtige Angsthasen)

So machst du ganz einfach deine eigene Tee-Mischung (inklusive Teebeutel)

7 gruselige (und wahre) Geschichten, die du besser nicht alleine im Dunkeln liest

Kinomonat November: 10 Filme im Check (es ist auch ein dämlicher dabei)

JUHU, ES REGNET! Diese 9 coolen Dinge finden sowieso drinnen statt

Schaurig-schöner Halloween-Spass: 5 gruselige Rezepte zum Nachmachen

Herbstwetter! Filmwetter! 13 Film- und Serientipps für dein Weekend

Liebe geht bekanntlich durch den Magen: 7 Rezepte für deine Date-Nacht

«Stranger Things» geht wieder los! Wem das gefällt, dem gefallen auch diese 5 Serien

Jetzt heisst es stark sein: In diesem Spiel verlierst du gegen Kinder

8 Bilder von androgynen Männern und die Geschichten dahinter

#Finalfack – Chantal und ihre Assi-Klasse sorgen ein letztes Mal für Chaos

Vom gelangweilten Drucker zum gefeierten Entertainer: Die grosse Karriere des Roli B.

Nach diesen 10 Filmen fühlst du dich so richtig gut. Versprochen!

11 Gerichte für Leute, die nicht kochen können (sie sind wirklich bubieinfach)

Warum mein Freund R. erst glücklich wird, wenn er Tinder endlich gelöscht hat

Vergiss das normale «Schiffe versenken»: Bei dieser Version kommst du ins Schwitzen!

«GOT», «Walking Dead» & Co.: Die Drehorte dieser Serien kannst du besuchen!

Ein Filmabend für Leseratten: Bei diesen Werken spielen Bücher die Hauptrolle!

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
5
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • alana 26.10.2017 04:33
    Highlight Ist das jetzt der Typ von Kliby und Karoline oder nicht? Chume ned drus. Gehe zwar wegen dem Hauptbild davon aus, aber muss mir die Info wohl ergoogeln.
    6 0 Melden
  • Hüendli 25.10.2017 12:52
    Highlight Leider zuvor noch nie von ihm gehört, schöne Geschichte, danke! Dass ihn das erste Bild mit Caroline zeigt und er Kliby zudem noch ähnlich sieht, trägt aber eher zur Verwirrung bei.
    9 0 Melden
  • Dan Rifter 23.10.2017 18:12
    Highlight Aha. Achso. OK.
    5 16 Melden
    • Evan 23.10.2017 19:54
      Highlight Was willst du uns mitteilen?
      11 1 Melden
    • Tornado Joe 24.10.2017 19:38
      Highlight @Dan genau das habe ich in etwa auch gedacht als ich den Beitrag fertig gelesen habe.
      6 3 Melden

17 Grotti, die man einmal im Leben besucht haben muss

Bei einem Ausflug ins Tessin darf der Besuch eines Grotto nicht fehlen. Ursprünglich handelte es sich dabei um natürliche Felshöhlen, in denen die Landbevölkerung Wein, Wurst und Käse aufbewahrte. Die heutigen Grotti sind nur noch selten Felskeller – stattdessen handelt es sich um einfache traditionelle Steinhäuser mit Tischen und Bänken aus Granit, in denen man lecker essen kann. Wir haben eine Liste mit 17 Grotti, die bei Besuchern und der watson-Redaktion hoch im Kurs stehen.

(viw)

Artikel lesen