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Sektenblog

Wenn Gott und der Satan eine Wette eingehen, müssen 10 Kinder sterben

25.06.2018, 16:21

Die Bibel ist voll von eigenwilligen Geschichten. Die Phantasie ihrer Autoren – den Frauen war es damals noch vergönnt, die vermeintliche Heilsgeschichte zu dokumentieren – trieb die wildesten Blüten.

Hauptfigur einer dieser sonderbaren Episoden war der tapfere Hiob. Er hatte das Pech, Opfer einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zu werden. Nur wusste der arme Kerl nichts davon.

Der Satan darf im Namen Gottes Hiob quälen.
Der Satan darf im Namen Gottes Hiob quälen.Bild: keystone

Man muss sich die Situation bildlich vorstellen. Gott sitzt mit dem Teufel am Stammtisch, und sie prahlen über ihren Einfluss auf die Menschen und ihre seherischen Kräfte. Und so schliessen sie eine Wette ab. Ob sie dabei Bier oder Wein getrunken und einen Joint geraucht haben, ist nicht überliefert.

Konkret: Hiob war fromm und reich. Das ärgerte den Teufel masslos, was man verstehen kann. So behauptete er, Hiob sei nur deshalb gottesfürchtig, weil Gott ihn reich beschenkt habe.

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Der Theologe und Historiker Karsten Jung äussert sich in diesem Video zum Buch Hiob.youtube

Das wiederum liess Gott nicht auf sich sitzen. Er sagte dem Teufel, Hiob sei aus Überzeugung sein treuer Diener. Das könne er ihm, dem Teufel, beweisen. Hiob werde auch dann zu ihm halten und an ihn glauben, wenn er Schicksalsschläge erleiden müsse. Der Teufel lachte Gott aus, doch dieser liess sich nicht lumpen und erlaubte dem Satan, Hiobs Glauben und Standhaftigkeit zu prüfen.

Repertoire an Graumsamkeiten

Der Satan packte sein ganzes Repertoire an Grausamkeiten aus, um Hiob zu quälen. Der Antichrist schickte Hiob förmlich durch die Hölle.

Zuerst raubte er seinen ganzen Reichtum und liess seine 11'000 Nutztiere verenden. Doch Hiob nahm das Schicksal stoisch hin und verfluchte Gott nicht, sondern lobte ihn weiterhin.

Dann liess Gott es zu, dass der Satan Hiobs Haus einstürzen lassen konnte. Dabei kamen seine 10 Kindern um. Und was tat der fromme Mann? Er schluckte leer und betete unbeirrt weiter. Und weil der Satan die Wette noch immer nicht gewonnen hatte, quälte er ihn mit schweren Krankheiten. Dies alles wegen einer idiotischen Wette.

Zehn Kinder wegen einer Wette in den Tod zu schicken ist ein Ereignis, das nicht als Metapher benutzt und somit verharmlost werden kann.

Das Schlimmste aber: Zehn unschuldige Kinder mussten wegen der Eitelkeit Gottes sterben. Da ist es ein kleiner Trost, dass der Schöpfer Hiob nach der gewonnen Wette mit neuem Reichtum und zehn neuen Kindern beschenkte. Dieser Kuhhandel ist Zynismus pur.

Soll niemand sagen, die Geschichte von Hiob müsse als Gleichnis verstanden werden. Zehn Kinder wegen einer Wette in den Tod zu schicken ist ein Ereignis, das nicht als Metapher benutzt und somit verharmlost werden kann.

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Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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174 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Thadic
23.06.2018 08:25registriert Mai 2016
Man könnte meinen die Wette sei immer noch am laufen. An zu vielen Orten auf der Welt geschehen mit Kinder und anderen wehrlosen Menschen schreckliche Sachen und niemand schreitet ein. Ich denke zum Beispiel an Lybien wo Migranten, darunter viele Kinder, für eine Weile lang gequält werden und dann nach einer Weile weiter können bislang nach Italien. Praktisch alle sind schwer traumatisiert. Warum lassen wir das zu? Warten wir auf Gottes Hilfe und lassen einige teuflische Menschen weiter wirken. Wir müssen unser Leben in die Hand nehmen und nicht auf Gott hoffen.
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Ökonometriker
23.06.2018 08:43registriert Januar 2017
Im alten Testament gab's noch viel schlimmeres. Da liess Gott mal ebenso einen Grossteil der Menschheit ertrinken weil die seiner Meinung nach schlecht drauf waren.
Aber man muss garnicht so weit zurückgehen - die relativ jungen Geschichten von Willhelm Busch trichterten Kindern die Moral auch noch stets über Tod und Leiden ein.

Die pazifistische Moral konnte sich erst nach den Schreckrn im 2. WK entwickeln - und auch fast nur in Europa.
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Oxymora
23.06.2018 10:59registriert August 2016
Es war einmal ein Gott,
dem war so langweilig,
dass er sich einen Feind schöpfte.
Und ernannte ihn Satan.

Wusste dieser Gott von bereits von Hiob?

Nein:
Dann ist er nicht Allwissend.

Ja:
Dann ist er gar nicht so lieb und
barmherzig wie oft behauptet.
Wenn Gott und der Satan eine Wette eingehen, müssen 10 Kinder sterben
Es war einmal ein Gott, 
dem war so langweilig, 
dass er sich einen Feind schöpfte.
Und ernannte ihn Satan.

Wusste dieser Gott von bereits von Hiob?

Nein:
Dann ist er nicht Allwissend.

Ja: 
Dann ist er gar nicht so lieb und 
barmherzig wie oft behauptet.
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