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Die Sterne lügen nicht. Und wie steht es mit den Astrologen?

Die Sternzeichen sollen uns die Zukunft prognostizieren.
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Die Sterne lügen nicht. Und wie steht es mit den Astrologen?

Zum Jahresende haben Astrologen Hochbetrieb. Viele Menschen wollen wissen, was die Sterne zum neuen Jahr sagen. Die Frage ist nur: Wie sprechen sie?
30.12.2023, 07:5730.12.2023, 07:59
Hugo Stamm
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Wenn sich das Jahr zu Ende neigt, kommt die Zeit der guten Wünsche. Wir hoffen oft, dass der neue Kalender-Jahrgang besser wird, weil der vergangene uns übel mitgespielt hat. Deshalb konsultieren viele Zeitgenossen Astrologinnen, die sinnbildlich in den Himmel schauen und die Sterne befragen, um ein Horoskop zu erstellen.

Da es den Sternguckern angesichts der Millionen von Himmelskörpern in der Milchstrasse schwindlig wird, extrapolieren sie ein paar wenige Gestirne, die besonders hell leuchten und optisch irgendwie zusammenpassen. Diese wahllos konstruierten Gebilde nennen sie dann Sternzeichen, die ihnen helfen sollen, in die Zukunft zu schauen.

Wie kommunizieren die Astrologen mit den Sternen? Per Megaphon?

Grossartig. Da wünscht man sich doch glatt, auch ein Stern zu sein und im Konzert mit den Nachbargestirnen den lieben Menschlein auf der weit entfernten Erde zukünftige Ereignisse vorherzusagen.

Als neugieriger Beobachter fragt man sich, wie denn die Gestirne mit den Astrologen kommunizieren. Oder die Astrologinnen mit den Sternen. Ein Megaphon reicht da wohl nicht aus. Und mit Morsezeichen kommen die optischen Signale trotz Lichtgeschwindigkeit etwas gar spät auf der Erde an.

Die Lösung haben unsere Urahnen im Fernen Osten schon vor rund 3000 Jahren gefunden. Sie definierten Tierkreiszeichen und schauten, wie Sonne, Mond und Planeten an ihnen vorbeiwanderten. Dann massen sie den Konstellationen Bedeutungen zu.

Die Astrologin Antonia prophezeit schauerliche Entwicklungen schon für den Januar.Video: YouTube/Antonias Sterne

Wie sie dabei genau vorgegangen sind, entzieht sich unserer Erkenntnis, denn Originalschriften sind nicht bekannt. Die Geheimsprache der Sterne wurde mündlich überliefert.

Doch solche Ungereimtheiten kümmern die heutigen Astrologinnen wenig. Und ihre Kundinnen erst recht nicht. Für sie ist die Astrologie ein ähnlich schwer erfassbares Mysterium wie das schwarze Loch.

Aber das spielt für sie keine Rolle, Hauptsache, sie bekommen schwarz auf weiss prognostiziert, dass sie im Januar einen Lottogewinn machen, im Februar einen neuen Job bekommen, im März ihrem Traummann begegnen, im April beim Zürcher Marathon eine neue Bestzeit aufstellen, im Mai auf eine Weltreise gehen, im Juni eine grössere und günstige Wohnung im trendigen Kreis 5 in Zürich finden, und, und, und.

Der ganze Kosmos schaut auf uns und verrät uns die Zukunft. Schliesslich sind wir Menschen die Krone der Schöpfung. Was natürlich alle Himmelskörper wissen und respektvoll akzeptieren.

Das ist doch wunderbar. Der ganze Kosmos schaut auf uns und verrät uns die Zukunft. Schliesslich sind wir Menschen die Krone der Schöpfung. Was natürlich alle Himmelskörper wissen und respektvoll akzeptieren.

Und falls die Sterne doch nicht lügen und die chinesischen Astrologen in grauer Vorzeit ihre Konstellationen richtig interpretierten? Dann liegen unsere modernen Sterndeuter trotzdem falsch. Dies können Astronomen mit wissenschaftlichen Mitteln beweisen.

Zum Beispiel: Die Erdachse torkelte in den letzten 3000 Jahren ordentlich umher, und die Gestirne verschoben sich erheblich. So stand die Sonne vor 4000 Jahren im Sternbild Stier, vor 2000 Jahren im Widder und heute in den Fischen. Doch die Grundlagen der Astrologie wurden nicht an die veränderten Positionen der Sternzeichen und Planeten angepasst.

Die ersten Astrologen kannten nicht einmal alle Planeten

Deshalb stimmen die Horoskope nicht, selbst wenn die Himmelskörper tatsächlich einen Einfluss auf die Erde und uns Menschen hätten. Weiter muss man wissen, dass die astronomischen Erkenntnisse der Astrologen vor 3000 Jahren sehr rudimentär waren. Sie kannten weder Uranus noch Neptun oder Pluto. Diese Planeten wurden erst 4800 und mehr Jahre später entdeckt.

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Es gibt aber auch praktische Überlegungen, die die Horoskope ins Reich der Märchen bugsieren. So nehmen wir die Sternbilder zweidimensional wahr und glauben, sie stünden irgendwie in einer Verbindung zueinander. In Wirklichkeit liegen sie in der Tiefe teilweise sehr weit auseinander und ergeben rein zufällig für uns aus der Froschperspektive ein Bild, das wir als Sternzeichen interpretieren.

Man kann aber auch psychologische Aspekte heranziehen, um aufzuzeigen, dass Horoskope höchstens zum geistlosen Smalltalk dienen. Gene, Milieueinflüsse, Elternhaus, Bildung, Freunde, Chefs, Lebenserfahrung, Schicksalsschläge usw. haben einen wesentlich grösseren Einfluss auf uns als ein paar Gestirne am Himmel, denen es völlig egal ist, ob wir lieber ein neues Cabriolet oder einen attraktiven Boyfriend möchten.

Im Aberglauben suhlen

Fazit: Es gibt nichts Schöneres als den Aberglauben. Er lässt uns in eine wohlige Scheinwelt abdriften, in der Einhörner weiden, Feen im Wald tanzen und Sterne sprechen.

PS: Der französische Psychologe Michel Gauquelin führte eine nette Untersuchung durch. Er erstellte das Horoskop für 150 Personen. 94 Prozent von ihnen bestätigten hinterher, dass es auf sie zutreffe. In Wirklichkeit gab der Psychologe allen das gleiche Horoskop: das Horoskop eines Massenmörders.

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Hugo Stamm, Sektenblog
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Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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1208 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Raketenwissenschaftler
30.12.2023 08:43registriert Januar 2023
Der Mensch misst sich eine Bedeutung zu, die er im Universum nicht hat. Es kann ja nicht sein, dass Milliarden Sterne nicht für uns leuchten.
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Macca_the_Alpacca
30.12.2023 08:31registriert Oktober 2021
Hugo Stamm, geboren 29. März 1949 im Sternzeichen Widder:

Hugo ist energisch, leidenschaftlich und zielgerichtet und hat eine starke Persönlichkeit, ist enthusiastisch und liebt Herausforderungen. Hugo ist von Natur aus abenteuerlustig und entschlossen.

Na passt doch bestens. Dafür braucht es übrigens nicht mal einen Astrologen. ChatGPT geht auch.
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Berner in Zürich
30.12.2023 08:32registriert August 2016
Die Sterne lügen ganz sicher nicht. Weil sie nichts zu sagen haben.
Das lügen fängt dort an, wo jemand das Gefühl hat das leichten von Sternen interpretieren zu können. Teils leuchten da ja Sterne, welche schon seit Jahrmillionen nicht mehr existieren 🤭
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1208
Der Ort, an dem die Frauen baggern
Ich war für ein Wochenende in Davos und habe eine kleine Analyse und eine Nummer für euch mitgebracht.

Wer in Zürich jemanden kennenlernen will, so im echten Leben, in einer Bar oder einem Club, ich rede hier nicht von den ganz verrückten Dingen, die nur in Filmen passieren, wo sich Leute am helllichten Tag auf dem Trottoir kreuzen und so verzaubert sind, dass sie umdrehen und einander auf der Stelle ehelichen, nein, ich rede hier vom billigbanalen, promillebedingten Ansprechen an Orten, wo man sich kaum sieht und hört, davon rede ich, und auch das passiert in Zürich nie. Mir nicht, meinen Freundinnen und Freunden nicht und dir ganz bestimmt auch nicht. Ausser vielleicht, du siehst aus wie Jennifer Lawrence. Aber wer sieht schon aus wie Jennifer Lawrence? Eben.

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