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Ja, es ist ein Augenschmaus, das Game «Horizon: Zero Dawn».
Ja, es ist ein Augenschmaus, das Game «Horizon: Zero Dawn».
Review

Wie gut ist «Horizon: Zero Dawn»? Der erste Schein trügt gleich doppelt

05.03.2017, 15:0125.07.2017, 13:05

Letzten Mittwoch sass ich hier an gleicher Stelle im Büro und schrieb meine Replik zu «Horizon: Zero Dawn». Ich schrieb von verschenkten Chancen, von katastrophalen Dialogen und von einem Game-Setting wie 30 Jahre Eheleben. Ja, ich war enttäuscht.

Wie sehr hatte ich mich auf dieses Spiel gefreut: Maschinen jagen in einem dystopischen Zukunftszenario – was für eine Ausgangslage. Und dann diese vielversprechenden Screenshots. Ich war hin und weg. Ich antizipierte einen Ridley-Scott-Moment. 

Der britische Hollywoodregisseur schuf in seinen Filmen «Alien» (1979) und «Bladerunner» (1982) bis heute unvergessene Charaktere: Ripely in «Alien» und Roy Batty in «Bladerunner». Und dem Briten gelang es, diese Figuren perfekt in wunderschön-düstere Zukunftsvisionen einzubetten.

Ich wusste, dass die Stimmung in «Horizon» nicht so bedrückend wie in «Bladerunner» sein würde. Heidiland hatte ich aber nicht erwartet.
Ich wusste, dass die Stimmung in «Horizon» nicht so bedrückend wie in «Bladerunner» sein würde. Heidiland hatte ich aber nicht erwartet.bild: screenshot «Bladerunner»

Mein erwarteter Ridley-Scott-Moment blieb allerdings aus. Komplett.

Der Test
Wir haben «Horizon: Zero Dawn» ca. 10 Stunden auf einer PS4 Pro gespielt. Patrick Toggweiler spielt seit über 30 Jahren Videospiele. Zu seinen Favoriten gehör(t)en «Populous», «Bubble Bobble», «Mortal Kombat II» «Total Annihilation», «God of War 3» und «The Last of US».

«Horizon: Zero Dawn» skort bei metacritics mit 88 und 8.7 Punkten. (Stand: 1.3.2017).

Ja, das Spiel ist wunderschön. Wie der Mond durch die Fichten scheint, der Nebel aufsteigt und die Herden von Maschinen langsam am Horizont vorbeiziehen. Ein Augenschmaus. Nie sah ein Open-World-Game derart gut aus. Vielleicht in «The Witcher 3». Aber nur vielleicht.

Ja, die Landschaften sind toll gemacht. Doch statt in einer unwirtlichen Zukunftsvision wähne ich mich im Heidiland. Zu brav, zu nett, zu kitschig ist mir das alles.

Dystopie in knuddelbunt – das kindliche Design von Landschaft und Charaktere steht im Widerspruch mit den knallharten Kämpfen, die eine ausgewachsene Taktik erfordern.
Dystopie in knuddelbunt – das kindliche Design von Landschaft und Charaktere steht im Widerspruch mit den knallharten Kämpfen, die eine ausgewachsene Taktik erfordern.bild: «Horizon: Zero Dawn»

Und dann diese Charaktere. Die Protagonisten von «Horizon: Zero Dawn» erwecken nicht den Anschein, als wären sie von einem jahrelangen Überlebenskampf gezeichnet: keine Narben, keine fehlenden Gliedmassen, dafür rosige porenreine Haut. Sogar bei «SRF bi de Lüt» findet man mehr Ecken und Kanten – und spannendere Dialoge.

Ich dachte, die Zeiten der wirklich schlechten Dialoge in Grossproduktionen wären vorbei. Nach diesem hier war ich derart genervt, dass ich die PS4 ausschalten musste. Video: YouTube/Kek Kekkles

Der Auftritt der Maschinen war für mich eine weitere Enttäuschung. Die grosse Stärke von Ridley Scotts «Alien» ist, dass sich das ausserirdische Monster während dem gesamten Streifen nur wenige Sekunden zeigt. Sparsamkeit als Qualität und als Stilmittel für Spannung und Drama. Den Machern von «Horizon: Zero Dawn» scheint dieses Konzept fremd. Die Maschinen sind derart zahlreich, dass Begegnungen mit ihnen keine Highlights, sondern Routineangelegenheiten sind. Was im Überfluss existiert, ist nicht spannend. Der Reiz des Spiels wird fahrlässig verschenkt.

Keine Narben, keine Unreinheiten. Sieht so eine vom jahrelangen Training in der Wildnis gestählte Kriegerin aus?
Keine Narben, keine Unreinheiten. Sieht so eine vom jahrelangen Training in der Wildnis gestählte Kriegerin aus?Bild: AP/Sony Computer Entertainment America, LLC

Langweilige Charaktere in einer Heidilandschaft kombiniert mit einem verschenkten Spannungsbogen – das Bild mit 30 Jahren Eheleben sollte nun verständlich sein.  

So war mein Gemütszustand am letzten Mittwoch.

Weil ich aber an diesem Tag noch diverse Sitzungen hatte, konnte ich mein ernüchterndes Fazit nicht ganz beenden und die Publikation wurde verschoben.

Es muss ein Wink der Game-Götter gewesen sein, denn aus unerfindlichen Gründen gab ich dem Game am Donnerstag-Abend nochmals eine Chance. Und ich muss meinen ersten Eindruck revidieren.

Das wird nicht gut gehen: Wer ohne Taktik kämpft, ist schnell am Ende.
Das wird nicht gut gehen: Wer ohne Taktik kämpft, ist schnell am Ende.bild: «Horizon: Zero dawn»

Man muss dazu wissen, dass ich bei Rollenspielen stets versuche, zu Beginn möglichst alle Sidequests zu erledigen – um für spätere Hürden gut gewappnet zu sein. Dementsprechend bedächtig gehe ich vor. So auch bei «Horizon: Zero Dawn».

Die eigentliche Qualität dieses Spiels zeigt sich aber erst nach ein paar Stunden. Dann, wenn die ersten richtig deftigen Kämpfe anstehen.

Spoiler Alert: der zweite grosse Kampf

Mit diesem Kampf hatte mich das Game endgültig in der Tasche.Video: YouTube/MELOO

Meine Güte sind die gut. Unendlich gut. Dass die Figuren flach, die Dialoge dröge und die Story etwas langatmig ist, vergisst man schnell.

Nahkampf, Fernkampf, aus dem Hinterhalt mit Hinterlist – Heldin Aloy hat alles auf dem Kasten – ausser hirnlosen Frontalkampf. Der endet zwingend in einer Niederlage und das ist gut so. Durchpowern kann man bei «Horizon» vergessen. Ohne Berücksichtigung der geschickt gepflanzten Flora und des cleveren Leveldesigns lebt es sich nicht lange.

Spoiler Alert: schöne Landschaften und ein schöner Kampf

Und dann diese Dynamik! Fast schon Tekken-Style. Im Vergleich zur jungen Alloy wirkt der Witcher wie ein zahnloser Rentner. Die Steuerung ist präzis, die AI aggressiv. Es bleibt keine Zeit zum Durchatmen.

Die Kampfsequenzen sind derart herausragend, dass ich mir in «Horizon: Zero Dawn» etwas angewöhnt habe, was mir in meiner Gamekarriere noch nie passiert ist: Nach gewonnenen schwierigen Kämpfen sprinte ich nicht wie Usain Bolt zum Speicherpunkt, nein, es kommt vor, dass ich die Szene erneut spiele, versuche eine noch elegantere Taktik zu finden, noch souveräner zum Sieg zu kommen.

Da kann das Game auf der Charaker- und Storyebene noch so enttäuschen (es wird aber auch in dieser Hinsicht mit der Zeit besser), diese Duelle gegen wirklich interessante Gegner mit einer überraschenden AI macht viele der Mängel wieder wett. Nicht ganz alle. Aber doch viele.

Und so ist «Horizon: Zero Dawn» wie ein Buch, das erst nach 50 Seiten in Fahrt kommt. Werde ich es weiter spielen? Ja. Mit ziemlicher Sicherheit. Das Schlimmste liegt ja bereits hinter mir.

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33 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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corona
05.03.2017 18:04registriert November 2014
10h gespielt... Hab dann aufgehört zu lesen...
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NurFuerDeComment
05.03.2017 21:24registriert März 2017
"Wir haben «Horizon: Zero Dawn» ca. 10 Stunden auf einer PS4 Pro gespielt."

10 Stunden. Damit ist auch alles gesagt und diese Meinung / dieser Artikel leider nicht wirklich ernst zu nehmen.
Tja schade :)
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Lord_ICO
05.03.2017 17:13registriert März 2016
Horizon ist meiner Meinung nach grandios und ich verstehe das Gemecker von vielen nicht, dass es nichts neu macht. Der Kampf gegen einen Thunderjaw, gewinnst du nur, wenn du ihn langsam zerpflückst und seine Schwachstellen ausnutzt, habe ich bisher noch in keinem Spiel mit dieser Konsequenz gesehen.
Die Story geht etwas zaghaft los, ist aber sehr gut erzählt und wirkt absolut glaubhaft.
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