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Interview

Weil Verliebte auf Fotos nicht automatisch kitschig aussehen müssen

02.06.2018, 17:47

Träumt nicht jedes Pärchen irgendwo davon, schöne Fotos von sich zu besitzen, die nicht vom betrunkenen Onkel auf der Weihnachtsfeier stammen? Fotos, auf denen die Liebe zwischen zwei Menschen so ehrlich und echt eingefangen wird, wie sie sich anfühlt?

Sophie und Max sind zwei Fotografen aus Wien, die sich genau das zur Aufgabe gemacht haben. Sie bilden Pärchen so ab, dass später weder fremde Betrachter noch die Protagonistinnen selbst das Browserfenster schliessen müssen, weil zwei Verliebte mit der Selbstdarstellung auf Instagram mal wieder zu weit gegangen sind.  

Das sind Max und Sophie:

Wir haben mit ihnen über ihre Arbeit gesprochen.  

Liebe Sophie, lieber Max. Wer eure Fotos betrachtet, kann es sich denken: Da muss eine grosse Unzufriedenheit geherrscht haben, mit der gängigen Pärchenfotografie im Netz. Könnt ihr mir ein bisschen was zu eurer Gründungsstory erzählen?
Sophie: Das Ganze war wohl mein Verschulden. Max hat mich gefragt, ob ich mit ihm gemeinsam fotografieren möchte. Meine Bedingung war daher, «etwas Anderes» zu machen. 

Wir sind beide keine grossen Romantiker im klassischen Sinne, haben aber dennoch viel für die Liebe übrig.

Es hätte sich irgendwie komisch angefühlt, etwas zu fotografieren, was gar nicht zu uns passt. Irgendwann kam mir dann auch der Name «unkitschig» in den Sinn und die Idee war geboren.

Max: Meine Hauptmotivation war hauptsächlich etwas Neues zu starten, weil ich Hochzeiten nicht mehr alleine fotografieren wollte und den Account von meinen anderen Fotoprojekten trennen wollte. Zu zweit macht es eben einfach mehr Spass und man kann sich auch viel besser austauschen, unterstützen und weiterentwickeln.  

«Juliane & Christoph»
«Juliane & Christoph»

Mit welchem Anspruch geht ihr an eure Shootings ran?
Wir verbringen schon davor ganz viel Zeit damit, uns einen Hintergrund für jedes Shooting zu überlegen, regen die Paare dazu an, Ideen zu sammeln, uns ein Bild zu malen von sich selbst. Wir wollen keine Massenabfertigung und nehmen uns mindestens einen halben Tag Zeit für das Paar. Wir versuchen nicht gleich mit der Kamera in der Hand auf die Leute zu zugehen, sondern erst Mal die Menschen kennen zu lernen.

Unser Ziel ist es, die Paare so natürlich wie möglich in gewohnten Situationen zu portraitieren.

Das Schöne im Alltäglichen, Einfachen. Viele Paare haben keine Fotos von sich gemeinsam, die jemand anderes von ihnen gemacht hat, die sie auch wirklich gut finden. Wir versuchen das Ganze zu einer schönen gemeinsamen Erfahrung zu machen, ein Nachmittag, bei dem es sich mal nur um die zwei Menschen dreht. Mal eine andere Art von «Date» eben.  

«Raffaela & Simon»
«Raffaela & Simon»

Wie schafft man es, Pärchen zum Knutschen zu bringen?
Ich denke für das Paar ist es angenehmer, wenn man zu zweit «hinter der Kamera» steht anstatt alleine. Es fühlt sich dann vielleicht ein bisschen wie ein «Doppeldate» an. Meistens hilft dann während dem Fotografieren ein «Tut einfach so, als wären wir nicht da ...» und ein paar Witze und Fragen zwischendurch, zum Auflockern.

«Luise & Mo»
«Luise & Mo»

Was ist das Geheimrezept, um als Paar verliebt, aber nicht kitschig auf Fotos auszusehen? Gerne auch ein Tipp fürs «zum Zuhause nachmachen».
Spass? Ein blöder Witz oder ein «Ich hab Lust auf Pizza ...» das der eine dem anderen ins Ohr flüstert wirken oft Wunder. Fühlt sich eine Pose nicht gut an, dann macht sie nicht, nur weil ihr sie irgendwo gesehen habt. Nicht jeder fühlt sich super wenn er Huckepack getragen wird oder sich in einer dramatischen Bewegung nach hinten fallen lässt.

Musik ist auch ein guter Eisbrecher, wer am schlechtesten tanzt, hat am meisten Spass.

Kleidung macht auch viel aus beim Fotografieren. Nicht nur was den Look der Fotos angeht, sondern auch das eigene (Körper) Gefühl. Nicht jeder hat alle Tage eine Kamera vor dem Gesicht, das kann schon mal ein ziemlicher Aufregungsfaktor sein. Das Lieblingsshirt oder -Kleid anzuziehen hilft da meistens, da man selber am besten weiss, worin man sich gut fühlt. 

«Denise & Kayhan»
«Denise & Kayhan»

Warum würdet ihr keine Selfie-Knutschfotos in den sozialen Netzwerken teilen?
Natürlich posten wir selber auch ab und zu Fotos von uns gemeinsam, wenn man sich gern hat, passiert das schon mal. Vielleicht ist auch mal eins mit Bussi dabei. Viele verwechseln Kitsch oft mit Liebe. 

Liebe ist gut. Liebe ist schön. Und leider aber noch viel zu oft missverstanden und viel zu selten vorzufinden. Deswegen: mehr Liebe, weniger Kitsch.

Die Frage, die sich uns dabei stellt: ist man nur verliebt, wenn man knutscht? Kann man das Knutschen geniessen, wenn man selber eine Kamera in der Hand hält? Wie sieht man überhaupt aus, wenn man knutscht und ein Selfie macht und will ich das überhaupt herzeigen? 

Was waren die schönsten Rückmeldungen eurer Protagonistinnen?
Viele kennen sich selbst nicht aus so einer Perspektive. Viele haben Angst und Scheu davor, fotografiert zu werden, weil sie vielleicht nur die unvorteilhaften Fotos, die der Onkel bei der Weihnachtsfeier macht, kennen.

Die «Stellt euch mal dort hin»-Bilder mit direktem Blick in die Kamera und einem verklemmten Lächeln, weil man sich einfach nicht wohl fühlt in dieser gezwungenen Situation. Am meisten freuen wir uns über Dinge wie:

 «Ihr habt es uns einfach gemacht uns wohl zu fühlen, das bin ich! Das sind wir!»

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