Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05455485 Beitar Jerusalem supporters cheer for their team during the UEFA Europa League third qualifying round second leg match Beitar Jerusalem vs FK Jelgava at Teddy Stadium in Jerusalem, Israel, 04 August 2016. Israeli Police on 26 July 2016 arrested 56 people associated with the violent 'La Familia' football hooligan group following undercover operation.  EPA/ABIR SULTAN

Die La Familia-Ultras von Beitar Jerusalem haben dafür gesorgt, dass kein einziger Araber mehr für den Klub spielt.  Bild: EPA/EPA

Ultra-Hass in Israel – wie Rassismus einen Verein gespaltet hat

Von wegen ewige Treue zum Verein: Eine araberfeindliche Gruppe von Ultra-Fans in Israel vertreibt mit ihrem Rassismus treue Anhänger von Beitar Jerusalem. Diese haben eine passende Antwort.



Die Rufe des Hasses schallen durch das Stadion in Jerusalem. «Jigal Amir, König von Israel!», schreien mehrere Ultras. Sie stören damit das Gedenken an den ehemaligen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin. Jigal Amir ist der jüdische Rechtsextremist, der den Friedensnobelpreis-Träger Rabin 1995 ermordete.

Die Zwischenrufe liegen einige Jahre zurück. Doch noch immer machen die Ultras von Beitar Jerusalem, die sich La Familia nennen, mit rassistischen Provokationen auf sich aufmerksam. Und sie haben die Fans gespalten.

epa05455482 Beitar Jerusalem supporters cheer for their team during the UEFA Europa League third qualifying round second leg match Beitar Jerusalem vs FK Jelgava at Teddy Stadium in Jerusalem, Israel, 04 August 2016. Israeli Police on 26 July 2016 arrested 56 people associated with the violent 'La Familia' football hooligan group following undercover operation.  EPA/ABIR SULTAN

«La Familia» hat bei Beitar Jerusalem die Kurve vergiftet. Bild: EPA/EPA

Eigenen Klub gegründet

Vor den Toren von Jerusalem begrüssen an einem Sportplatz rund 50 Fans ihre Mannschaft mit Gesängen zum Trainingsauftakt. Nur schwer sind ihre Flaggen von denen der Familia zu unterscheiden. Doch hier zählt nur die Liebe zum Fussball. Männer und Frauen, Juden und Araber, verbindet eines: Sie haben wegen La Familia ihrem Lieblingsverein den Rücken gekehrt und einen eigenen Club gegründet. Er trägt den Namen Beitar Nordia.

Nach seiner Gründung im Jahr 2013 stieg der Verein im folgenden Jahr in den Spielbetrieb ein. Heute spielt Beitar Nordia in der semi-professionellen dritten israelischen Liga. «Ich hoffe natürlich, dass wir es in die 2. Liga schaffen, aber es gibt keinen Druck», sagt Uri Kotlarski aus dem Vorstand des Vereins. Wichtiger sei es, unabhängig von Beitar Jerusalem zu bestehen.

epa05455483 Beitar Jerusalem supporters cheer for their team during the UEFA Europa League third qualifying round second leg match Beitar Jerusalem vs FK Jelgava at Teddy Stadium in Jerusalem, Israel, 04 August 2016. Israeli Police on 26 July 2016 arrested 56 people associated with the violent 'La Familia' football hooligan group following undercover operation.  EPA/ABIR SULTAN

Eine klare Ansage. Bild: EPA/EPA

Laut Uri Levi von der israelischen Fussballplattform Babagol haben die rassistischen Ultras von La Familia in den letzten zehn Jahren immer stärker die Kontrolle über die Anhängerschaft von Beitar Jerusalem übernommen. «Beitar Jerusalem war früher der Klub der einfachen Leute. Auch wenn sie schon immer eher politisch rechts waren, fanden sich Fans im ganzen Land», sagt Levi.

Spieler und Anhänger geächtet

Der endgültige Bruch unter den Fans kam 2013, als die Vereinsführung versuchte, zwei muslimische Spieler in der Mannschaft zu etablieren. Rund 20 Prozent der Bevölkerung in Israel sind Araber. Doch auf Druck von La Familia blieb Beitar der einzige Verein im Land, in dem kein Araber oder Moslem aktiv ist. Die Ultras wüteten damals nicht nur gegen die tschetschenischen Neuzugänge Saur Sadajew und Gabriel Kadijew. La Familia ächtete auch jeden, der sich mit den muslimischen Spielern solidarisierte – sogar den eigenen Kapitän.

Der abgespaltene Klub Beitar Nordia schafft es mittlerweile, bis zu 4000 Fans zu den eigenen Spielen zu locken. La Familia versucht, das zu ignorieren. «Ich glaube, insgeheim respektieren sie uns, aber wollen es nicht wirklich zeigen», sagt Kotlarski. Spiele von Beitar Jerusalem anzuschauen, ist für ihn schwierig geworden: «Es ist manchmal, als würde man seine Ex-Freundin mit ihrem neuen Partner sehen.»

epa04857853 Beitar Jerusalem fans cheer for their team during the UEFA Europa League second qualifying round, second leg soccer match between Beitar Jerusalem and RSC Charleroi at Teddy Stadium in Jerusalem, Israel, 23 July 2015.  EPA/ABIR SULTAN

Kommt es eines Tages zur Wiedervereinigung von Beitar Jerusalem und Beitar Nordia? Bild: EPA/EPA

Manchmal werden Spieler des Erstligisten Beitar Jerusalem an Beitar Nordia ausgeliehen, um sich dort zu weiterentwickeln. Beim Ursprungsverein sieht man das als Statement für ein gutes Verhältnis. «Die Vereine sind wie zwei Brüder, die in unterschiedliche Richtungen gegangen sind», sagt Oschri Dudai, Sprecher von Beitar. «Vielleicht kommt man eines Tages ja auch wieder zusammen.»

Auch bei Beitar Nordia hofft man auf jenen Tag – das steht sogar in der Vereinssatzung. Doch für eine friedliche Zusammenführung der Brüder müsste erst noch das Problem der rassistischen Ultras gelöst werden. (pre/sda)

Die heissesten Fussball-Derbys und -klassiker der Welt

Das ist der moderne Fussball

Oh Mäzen, mein Mäzen – wie der Schweizer Fussball ums finanzielle Überleben kämpft

Link zum Artikel

«Hunderte Dinge haben mich genervt» – dieser Fan boykottiert seit einem Jahr Fussball

Link zum Artikel

Nur noch 7 Profis im Kader – Traditionsklub Bolton droht der totale Kollaps

Link zum Artikel

Wir würden als Sportchefs für 100 Millionen diese Teams zusammenstellen – und du?

Link zum Artikel

Marcel Reif zum St.Galler VAR-Drama: «Das ist nicht die Idee des VAR, so schadet er»

Link zum Artikel

Barça patzt, Real profitiert – das ist der «japanische Messi» Takefusa Kubo

Link zum Artikel

Der ÖFB-Cup als Fundgrube für jeden mit einem Herz für grossartige Klubnamen

Link zum Artikel

Falschen Jallow verpflichtet: Türkischer Klub leistet sich Transfer-Blamage des Sommers

Link zum Artikel

4 Fussball-Stars erstreiken sich den Wechsel – und immer soll es zu Barcelona gehen

Link zum Artikel

11-Jähriger trifft Messi im Strandurlaub – und spielt eine Runde mit ihm

Link zum Artikel

Kein Witz! Darum heisst Juventus Turin im neusten FIFA-Game «Piemonte Calcio»

Link zum Artikel

Warum es besser wäre, wenn jeder Klub nur noch drei Transfers tätigen dürfte

Link zum Artikel

Rassismus-Vorwürfe gegen einen FCSG-Spieler – was geschah im Testspiel gegen Bochum?

Link zum Artikel

Psychologe analysiert Tattoos von Fussballprofis – mit klarem Ergebnis

Link zum Artikel

Kevin-Prince Boateng haut neuen Rapsong raus – aber was macht das Pferd da eigentlich?

Link zum Artikel

Die teuersten Teenager der letzten 25 Jahre – so krass sind die Transfersummen explodiert

Link zum Artikel

Topklubs haben schon fast 1 Milliarde für Transfers ausgegeben – die Übersicht

Link zum Artikel

Liga gibt zu, dass der VAR in St.Gallen nicht hätte eingreifen dürfen

Link zum Artikel

Vier Gründe, warum Bayern München einfach keinen Topstar abkriegt

Link zum Artikel

Ein Problem namens Wanda – wie Torjäger Mauro Icardi bei Inter in Ungnade gefallen ist

Link zum Artikel

Ausländer-Trios, werbefreie Trikots oder das Nasenpflaster – 16 Dinge, die aus dem Fussball verschwunden sind

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
11
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Leckerbissen 17.08.2018 13:02
    Highlight Highlight Traurig ist wie die Israelis ihren Islam-Hass öffentlich und ohne gross Gegenwirkung kundtun dürfen. ABER WEHE ich sage mal dass ich Juden und ihr Verhalten störend finde..
    ja wir wissen alle was ich mir dann anhören darf.
  • kloeti 17.08.2018 12:06
    Highlight Highlight Auf Netflix gibt es mit "Forever Pure" eine hervorragende Dokumentation zu Baitar Jerusalem, welche sich um die Geschehnisse von 2013 dreht.
  • Max Dick 17.08.2018 09:57
    Highlight Highlight Dass Rechtsextreme ganze Fussballclubs übernehmen (oder zumindest deren Fankurven) ist ausserhalb der Schweiz leider ziemlich verbreitet. Und das nicht nur bei den üblichen Verdächtigen in Osteuropa. Schön dass man sich in Israel aber immerhin dagegen wehrt.
    • JJ17 17.08.2018 10:25
      Highlight Highlight Leider muss ich dir zustimmenn, aber es gibt auch Linksextreme Ultravereinigungen. Dass jeder Extremismus jedoch schlecht ist, sollte eigentlich nicht zu Debatte stehen.
    • Max Dick 17.08.2018 11:20
      Highlight Highlight Worldtradecenterchoreo oder das bewusste Unterbrechen einer Schweigeminute für gefallene italienische Soldaten ist genauso verachtenswert wie das Huldigen des Rabin-Mörders. All die Vorfälle massiver Grenzüberschreitungen von linksextremer Seite, die mir gerade einfallen, gehen allerdings auf das Konto eines einzigen Vereines - Livorno. Gibt sicher noch andere die mir nicht einfallen, aber linksextreme Problemkurven findest du heute doch massiv weniger als Rechtsextreme.
    • Paul_Partisan 17.08.2018 11:59
      Highlight Highlight Natürlich soll das zur Debatte stehen, denn es ist schlichtweg falsch.

      Selbst in der Extremismustheorie wird die Tatsache anerkannt, dass Linksextremisten aufgrund ihrer Haltung zur Gleichheit aller Menschen (oder gar aller Lebewesen) in einem anderen Verhältnis zur bürgerlichen Mitte stehen als Rechtsextremisten. Diese lehnen den Gleichheitsgrundsatz ab. Auch ist die politische Linke traditionell Demokratie-freundlicher als deren Pendent auf der anderen Seite. Die Aussage, jeder Extremismus sei (gleich) schlecht, ist somit auch wissenschaftlich betrachtet falsch.
  • Signor_Rossi 17.08.2018 09:57
    Highlight Highlight Hier noch etwas vom Guardian zu diesem Thema:
    Play Icon
  • Snowy 17.08.2018 09:50
    Highlight Highlight Danke für die Reportage.

    Allerdings glaube ich nicht an einen baldigen Zusammenschluss: Die Abneigung gegen Moslems ist in Israel (gewisse Teile von Tel Aviv ausgenommen) durch alle Bevölkerungsschichten hindurch extrem. Dass Menschen auch abseits der Fussballstadien* in Israel öffentlich (mit Gesicht in der Zeitung) den Mörder von Rabin verehren, lässt tief blicken...
    * Jigal Amir erfreut sich auch in Siedlerkreisen Beliebtheit.
    Man hasst den Mann, der für Aussöhnung steht.... Unglaublich.

    Das dauert noch mindestens eine Generation - und dann auch nur, wenn kein neuer Krieg ausbricht.
    • Max Dick 17.08.2018 10:35
      Highlight Highlight Das Nationalitätengesetz ist ziemlicher Schrott - aber Israels Überleben als Staat wird kaum davon abhängen. Vielmehr von der Entschlossenheit, seine Aussengrenzen zu schützen. Aber das ist ein Thema, dass sonst genügend diskutiert werden kann. Hier geht es um Rechtsextremismus innerhalb Israels.
    • Hans Mustermann 18.08.2018 16:54
      Highlight Highlight @Astrogator Was ist denn am "Nationalgesetz" das man von Apartheid schreiben kann. Würde mich echt interessieren, denn das was ich gelesen habe impliziert nicht, das was sie schreiben. Haben sie sich auch so aufgeregt udn von Islamasche Apartheid geschrieben, als die Palästinenser 2003 ihre Nationalgesetz verabschiedet haben. Oder ist es nur wieder der übliche Europäische Gutmensch-Judenhass, der durchschlägt?
    • Snowy 18.08.2018 19:53
      Highlight Highlight Warum ist „Gutmensch“ eigentlich ein Schimpfwort?

      (Ernstgemeinte Frage).

      Ich wäre gerne ein Gutmensch - sie etwa nicht?

Hühnerhaut garantiert: Hoarau verabschiedet sich mit Büne-Huber-Duett von den YB-Fans

Nach sechs Jahren in gelb und schwarz ist die Zeit des Abschieds gekommen. Guillaume Hoarau hat die Berner Young Boys nach drei Meistertiteln in Folge verlassen. Just an dem Tag, an dem seine Unterschrift beim FC Sion bekannt wird, verabschiedet er sich in den sozialen Medien von den YB-Fans.

Mit Patent-Ochsner-Frontmann Büne Huber hat der Stürmer ein Duett aufgenommen. «Gäub und Schwarz» heisst die angepasste Version von «Scharlachrot» und richtet sich direkt an die Fans des Schweizer …

Artikel lesen
Link zum Artikel