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FC Barcelona's Lionel Messi talks to the crowd ahead of the Joan Gamper trophy friendly soccer match between FC Barcelona and Boca Juniors at the Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, Wednesday, Aug. 15, 2018. (AP Photo/Manu Fernandez)

Lionel Messi könnte bald regelmässig in den USA zu Gast sein. Bild: AP/AP

Wie der spanische Fussball seine Seele verkauft hat

Trotz der Schwergewichte aus Barcelona und Madrid leidet der spanische Fussball unter einem Komplex. Das soll sich ändern – und zwar um jeden Preis

simon häring / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Die Bilder sind noch frisch, sie füllten die wenigen Wochen zwischen dem Ende der Fussball-WM und dem Start in die Saison in Europas wichtigsten Ligen. 101'254 Zuschauer füllten beispielsweise das Michigan Stadium. Sie sahen, wie Xherdan Shaqiri für Liverpool gegen Manchester United mit einem traumhaften Fallrückzieher das 4:1 erzielte.

Manchester City zog bei seinen drei Testspielen in drei US-Städten gegen Borussia Dortmund, Bayern München und Liverpool 200'000 Zuschauer in die Stadien. Die englische Premier League – sie ist nicht nur die reichste Liga der Welt, sondern auch auf dem ausländischen Markt begehrter als jede andere.

El Clásico bald in den USA?

Nimmt man hingegen Resultate als Massstab, wird nirgendwo erfolgreicher Fussball gespielt als in Spanien. Seit 2013 stellt man den Sieger der Champions League; vier Mal gewann Real Madrid, ein Mal Barcelona. Auch die Europa League beherrschen die spanischen Vereine: Vier der fünf letzten Austragungen endeten mit dem Sieg eines spanischen Klubs. Sportlich macht dem Land des Weltmeisters von 2010 keiner etwas vor.

Doch im Vergleich mit England, aber auch mit der Bundesliga hinkt man in puncto globaler Strahlkraft trotz der Schwergewichte aus Madrid und Barcelona hinterher. Geht es nach den Ligabossen, soll sich das schon bald ändern.

Am Tag des Ligastarts verkündeten sie, dass künftig ein Spiel pro Saison in den USA ausgetragen wird. Ziel: die Erschliessung des Marktes. «Es ist unser Auftrag, die Leidenschaft für Fussball in der Welt zu steigern», lässt sich Ligaboss Javier Tebas zitieren.

Die Fäden zieht das in New York ansässige Unternehmen Relevent, das schon die Testspiele der Premier-League-Vereine in den USA zum Kassenschlager gemacht hat. Die Expansion nach Übersee ist nur die Fortsetzung einer Strategie, die den spanischen Klubfussball aus dem Schatten der Premier League und der Bundesliga katapultieren soll.

Zur Erschliessung des so wichtigen asiatischen Marktes wird seit 2011 ein Spiel am Sonntag bereits um 12.00 Uhr angepfiffen. In einem Land, in dem sich das gesellschaftliche Leben überwiegend nach Sonnenuntergang abspielt, ein Affront. Keine der zehn Partien pro Spieltag, der auf vier Tage von Freitag bis Montag verteilt ist, findet zur gleichen Zeit statt. Das alles geschieht, um den Bedürfnissen der TV-Zuschauer zu entsprechen. Und diese sitzen längst nicht mehr nur in Madrid, Barcelona, Valencia und Sevilla. Sondern auch in Bhutan, Afghanistan, Nepal, Sri Lanka, auf den Malediven, in Pakistan und Indien.

Facebook als neuer Player

Dort, in der Hauptstadt Neu-Delhi, haben die Ligabosse bereits vor zwei Jahren eine Niederlassung eröffnet, um die Expansion voranzutreiben. Im Sommer landete man einen weiteren Coup: In den nächsten drei Jahren überträgt Facebook 380 Partien der Primera División live und gratis. Wer die Spiele mitverfolgen will, braucht weder einen Fernseher noch eine Kneipe, in der die Spiele gezeigt werden. Ein Konto bei Facebook reicht. Die Region zählt 1,7 Milliarden Einwohner. Alleine in Indien zählt Facebook 270 Millionen Nutzer – mehr als in jedem anderen Land der Erde.

Wie viel Facebook für die Rechte bezahlt, ist nicht bekannt. Die Strategie hingegen ist offensichtlich: Einerseits soll das abgeflaute Nutzerwachstum wieder angekurbelt und die Verweildauer auf der Plattform erhöht werden. Verantwortlich dafür ist der frühere Eurosport-Chef Peter Hutton, bei Facebook Direktor für Global Live Sports. «Es ist nichts, was eine grosse Gefahr für die Fernsehwelt wäre», sagt er zur Agentur Reuters.

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Facebook bezeichnet die Partnerschaft als «Experiment und nicht als Zeichen dafür, dass das Unternehmen eine Reihe weiterer Deals ankündigen wird.» In den USA testet der InternetGigant Werbung für Live-Inhalte, es ist denkbar, dass dieses Prinzip auch auf Spiele der Primera División ausgeweitet wird. Daraus, dass die spanische Liga als Testobjekt dient, macht Facebook kein Geheimnis. Man prüfe spezifische Rechte in bestimmten Märkten und versuche, aus diesen Erfahrungen zu lernen, um herauszufinden, was der nächste Schritt ist.

«Wir sind sehr froh, in einem so wichtigen Gebiet wie dem indischen Subkontinent frei empfangbar zu sein», freut sich Alfredo Bermejo, der Leiter der digitalen Strategie bei La Liga. «Eines unserer Ziele ist es, unsere Inhalte einem möglichst breiten Publikum anzubieten, die Partnerschaft mit Facebook ist darum von zentraler Bedeutung.»

Was er dabei vergisst: Mit 2,526 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr ist die spanische Liga bereits heute die drittstärkste nach England und der Bundesliga. Trotzdem schuldeten die Klubs per 1. Januar 2016 alleine dem Finanzamt 500 Millionen Euro. Die Gesamtverschuldung betrug 3,5 Milliarden Euro. Seine Seele hat der spanische Fussball längst verkauft. Am vergangenen Sonntag gewann Barcelona gegen Sevilla den Supercup 2:1. Austragungsort: Tanger in Marokko.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Der Mann im Mond 20.08.2018 05:42
    Highlight Highlight Als ich dem Teufel meine Seele verkaufen wollte, lachte er nur und sagte: "Tut mir leid. Ich bezahle nie für Dinge, die ich umsonst haben kann."
  • neutrino 19.08.2018 20:45
    Highlight Highlight Spitzenfussball ist heute ein globaler Wirtschaftszweig - die hat so wenig eine Seele wie die Pharmabranche, die Musikindustrie, etc. eine Seele hat.

    Ich würde ja das "Gegränne" verstehen, wenn es keine Alternativen gäbe - aber es gibt Challenge League, Regionalliga,..und hundert andere Ligen überall weltweit, wo der wirtschaftliche Aspekt zweitrangig und die globale Vermarktung kein Thema ist.

  • banda69 19.08.2018 19:14
    Highlight Highlight Der nächste Schritt ist eine Weltmeisterschaft auf Klubebene.
  • Jol Bear 19.08.2018 16:54
    Highlight Highlight "... verkündeten sie, dass künftig ein Spiel pro Saison in den USA ausgetragen wird." Könnte man sich auch für den Zürcher Classico überlegen, wenn auch aus anderen Gründen. Anstelle der USA kämen dafür z.B. Austragungsorte in Sibirien in Frage.
  • Don Sinner 19.08.2018 16:33
    Highlight Highlight "Seele verkauft"? Das haben die führenden Verbände und Ligen - und die Fifa - schon längst.
  • losloco 19.08.2018 16:18
    Highlight Highlight Hier wird die Serie A vergessen. Unglaublich wie sich diese in den letzten Jahren in Asien etabliert hat. Auch in den USA ist sie gewaltig auf dem Vormarsch.
  • fabsli 19.08.2018 15:26
    Highlight Highlight "...die den spanischen Klubfussball aus dem Schatten der Bundesliga katapultieren soll." Ist das ein Verschreiber? Welcher Schatten? Der Artikel widerspricht sich irgendwie selbst. Bundesliga schaut man wegen den guten Übertragungen/Fernsehbilder. Nicht aber wegen des Fussballs.
  • Amboss 19.08.2018 15:19
    Highlight Highlight Und wo rsp weshalb soll der spanische Fussball da seine Seele verkauft haben?
    Mit der Vermarktung in Spanien und Europa hat man Grenzen erreicht, also sucht man neue Märkte, das ist doch nur logisch und tut doch niemandem weh...
    • Beggride 19.08.2018 18:41
      Highlight Highlight Du siehst auch nur die Zahlen, oder?
    • Amboss 19.08.2018 20:44
      Highlight Highlight Nein, ganz und gar nicht sehe ich nur die Zahlen.
      Und genau deshalb frag ich mich, was so schlimm daran sein soll, wenn halt ein Spiel pro Saison in den USA stattfindet. Oder wenn man die Spiele über Facebook in Indien sehen kann.
      Deswegen verliert der spanische Fussball doch nicht seine Seele.

      PS: Die Seele des Fussballs findet man sowieso nicht in der obersten, durchkommerzialisierten Liga. Sondern in den unteren Ligen. Und die würden sicb dort schon noch über den einen oder anderen Zuschauer freuen...
    • Beggride 19.08.2018 21:03
      Highlight Highlight Ich finde im zweiten Abschnitt hast du total Recht. Aber ein Spiel der spanischen Liga im Ausland auszutragen geht für mich dennoch gar nicht. Von mir aus sollen sie sich überall auf der Welt vermarkten, aber nicht auf Kosten der treuen Fans in den spanischen Stadien. Aus einem Grubd heisst es ja SPANISCHE Liga und nicht Superliga (wie das ja schon vorgeschlagen wurde)
  • w'ever 19.08.2018 14:38
    Highlight Highlight was im bericht untergeht ist, dass es nicht nur um die rechte und den verkauf des fussballs wegen der quote geht, sondern dass mit FB ein riesiger player ins live-tv geschäft einsteigt. was ein spiel bei FB kosten wird ist sicher noch offen. aber es wird eine gute konkurrenz sein für swisscom und cablecom
    • Drank&Drugs 19.08.2018 18:35
      Highlight Highlight FB, ernsthaft? Und das soll gut sein? Na dann gute Nacht...
  • Luca Regnipuzz 19.08.2018 13:25
    Highlight Highlight Zuerst Trikotwerbung, dann Bosman-Urteil, dann Champions Leageu statt Meistercup, dann Signal Iduna Park statt Westfahlenstadion. Die USA-Spiele der Primera Division sind nur ein nächster logischer Schritt im Wahnsinn des Kommerzes, der schlussendlich auch nur ein Abbild des Gesellschaftswandels und eine Konsequenz unseres Finanzsystemes ist. Wann und wo ist nun die Seele verloren gegangen?
  • Philu 19.08.2018 12:47
    Highlight Highlight Verlierer sind die heimischen Fans, welche über Jahre hinweg immer ins Stadion gehen und kein Spiel verpassten. War aber klar, dass sowas geschieht, wenn man immer mehr Geld für Transfers in die Hände nehmen muss und die Gehälter durch die Decke gehen.
  • namib 19.08.2018 12:45
    Highlight Highlight "Es ist unser Auftrag, die Leidenschaft für Fussball in der Welt zu steigern"....das ist zum Lachen! Es geht einzig und allein um die Milliarden zusätzlicher Werbesubjekte, damit die Clubs im Spiel mit den ins Absurde steigenden Transfersummen nicht abgehängt werden. Die Leidenschaft der indischen Fans ist dem spanischen Verband nur dann nicht egal, wenn sich daraus Profit schlagen lässt.

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