Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa07124500 Liverpool's manager Juergen Klopp reacts with Xherdan Shaqiri (L) during the English Premier League soccer match between Liverpool and Cardiff City at the Anfield in Liverpool, Britain, 27 October 2018.  EPA/PETER POWELL EDITORIAL USE ONLY. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or 'live' services. Online in-match use limited to 75 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications

Jürgen Klopp hat Xherdan Shaqiri nicht nach Belgrad mitgenommen. Bild: EPA/EPA

Kommentar

Ein Jammer, dass der FC Liverpool vor den serbischen Nationalisten einknickt

françois schmid-bechtel / Ch media



Er will doch nur spielen. Egal wo, egal gegen wen. Feindselige Atmosphäre, Beleidigungen von den Zuschauerrängen – zu häufig hat er das alles schon erlebt, als dass es ihn aus der Bahn werfen würde. Deshalb war für Xherdan Shaqiri immer klar: Er wird auch in Belgrad dabei sein, wenn sein FC Liverpool in der Champions League beim serbischen Rekordmeister Roter Stern antritt. Nun aber holt ihn der Doppeladler-Jubel bei der WM-Partie gegen Serbien ein.

Jürgen Klopp, Trainer beim FC Liverpool, verzichtet für das heutige Gastspiel in Belgrad auf Shaqiri. Der Entscheid basiert weder auf gesundheitlichen noch sportlichen Gründen. Denn Shaqiri ist in vorzüglicher Form. Nach seinem Wechsel im Sommer von Stoke zu Liverpool hat er sich erstaunlich schnell in diesem gut funktionierenden Ensemble etabliert. Dabei strandete er mit wenig Kredit in der Stadt der Beatles. Einerseits, weil er vom Absteiger kam. Andererseits, weil er mit 17 Millionen Franken Ablöse für Premier-League-Verhältnisse ein Schnäppchen war. Allein, dass Shaqiris Fehlen in Belgrad in ganz Europa thematisiert wird, beweist seinen Stellenwert beim ruhmreichen FC Liverpool, zeugt aber auch von seiner Fähigkeit, sich gegen Widrigkeiten aufzulehnen.

Liverpool's Xherdan Shaqiri, second right,  celebrates scoring his side's third goal of the game with Sadio Mane,left, Mohamed Salah and Alberto Moreno during the English Premier League soccer match between Liverpool and Cardiff City at Anfield, in Liverpool, England, Saturday, Oct. 27, 2018. (Dave Thompson/PA via AP)

Xherdan Shaqiri hat in Liverpool eingeschlagen. Bild: AP/PA

«Wir wollen den Fokus auf dem Fussballspiel haben, frei von allem anderen.»

Jürgen Klopp

Klopp unterschätzt wohl die mentale Stärke des kreativsten Schweizer Fussballers. Der Deutsche befürchtet einen Spiessrutenlauf für Shaqiri in Belgrad. Aufgrund dessen kosovarischer Abstammung, aber auch wegen des Doppeladler-Jubels an der WM.

«Wir haben von den Spekulationen und vom Gerede gehört, wie Shaq wohl empfangen wird, und auch wenn wir keine Ahnung haben, was passieren wird, wollen wir dahin gehen und uns zu 100 Prozent auf Fussball fokussieren», sagte Klopp. «Wir sind der FC Liverpool, ein grosser Klub, ein Fussball-Team, aber wir haben darüber hinaus keine Message. Keine politische, absolut nicht. Wir wollen den Fokus auf dem Fussballspiel haben, frei von allem anderen.»

epa07143525 Liverpool's manager Juergen Klopp leads his team's training session in Belgrade, Serbia, 05 November 2018. Liverpool FC will face Red Star Belgrade in their UEFA Champions League group C soccer match on 06 November 2018.  EPA/KOCA SULEJMANOVIC

Jürgen Klopp beim Training in Belgrad. Bild: EPA/EPA

Klopps Absicht, Shaqiri zu schützen, in Ehren. Aber erst mit dem Verzicht auf Shaqiri beträufelt Klopp ein normales Champions-League-Spiel mit einer politischen Essenz. Sport und Politik zu mixen, ist – auch wenn dies viele Protagonisten wie Klopp für ein Teufelszeug halten – nicht weiter schlimm. Im Gegenteil. Ohne Politik keine WM in Katar, um nur ein Beispiel zu nennen. Bedenklich an dieser Sache ist aber, dass man beim FC Liverpool vor serbischen Nationalisten, von denen heute viele im Marakana sitzen werden, einknickt.

Shaqiri nicht nach Belgrad fliegen zu lassen, ist weder mutig noch smart noch schlau, sondern basiert einzig auf fehlender Sachkenntnis. Nehmen wir den Doppeladler. Auch in der Schweiz ist ein absonderlicher, seltsam aufgeregter Diskurs darüber entstanden. Warum? Weil er uns fremd ist, wir den Hintergrund nicht kennen und sowieso auf leidenschaftliche Symbolik verzichten. In der Tat ist der Doppeladler aber eine Geste der Zugehörigkeit und nicht der Ausgrenzung. Also weder eine Demütigung gegenüber der Schweiz noch gegenüber Serbien.

ARCHIVBILD --- ZUR DROHENDEN SPERRE WEGEN PROVOKATION GEGEN DIE SPIELER DER SCHWEIZER NATIONALMANNSCHAFT, XHAKA, SHAQIRI UND LICHTSTEINER, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Switzerland's midfielder Xherdan Shaqiri, celebrates after scoring a goal during the FIFA World Cup 2018 group E preliminary round soccer match between Switzerland and Serbia at the Arena Baltika Stadium, in Kaliningrad, Russia, Friday, June 22, 2018. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Sorgte für Diskussionen: Shaqiris Doppeladler-Jubel gegen Serbien an der WM. Bild: KEYSTONE

Entsprechend unaufgeregt hat die serbische Intelligenzija den Doppeladler-Jubel von Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka an der WM zur Kenntnis genommen. Man hat es vielleicht vergessen: Dieses Land hat ein riesiges Spektrum von Intelligenzija, Hochkultur und Bildungsbewusstsein. Aber die Gesellschaft ist durchsetzt von vielen reaktionären Kräften. Dass diese viele wichtige Positionen in Politik, Gesellschaft und Sport besetzen, ist die eigentliche Tragödie Serbiens. Erinnern wir uns nur an die Provokationen des serbischen Aussenministers Ivica Dacic: «Gegen wen spielen wir? Gegen die Schweiz? Gegen Albanien? Oder gegen Pristina?»

Shaqiri büsst nun für eine Geste, die abgesehen von Zugehörigkeit kein politisches Statement beinhaltete. Das ist tragisch. Und der FC Liverpool lässt es zu, dass die Politik den Sport übersteuert. Das ist noch tragischer.

Nun steht der Sieger schon vor dem Anpfiff fest: Es sind die serbischen Nationalisten. Selbst wenn ihre roten Sterne heute Nacht nicht funkeln und eine Niederlage kassieren, werden sich die Nationalisten auf die Schultern klopfen. Schliesslich können sie dem grossen FC Liverpool die Aufstellung diktieren, ohne wirklich aktiv zu werden. Denn auf dem Balkan hat die Begegnung zwischen Roter Stern und Liverpool im Vorfeld nicht die ganz grossen Schlagzeilen produziert. Bis Klopp aktiv wurde und verkündete, er würde in Belgrad auf Xherdan Shaqiri verzichten.

So würden die Nati-Stars in anderen Ländern heissen

Video: watson/Sandro Zappella, Lya Saxer

Shaqiris Erfolge mit Bayern München

Das ist der moderne Fussball

Psychologe analysiert Tattoos von Fussballprofis – mit klarem Ergebnis

Link zum Artikel

Oh Mäzen, mein Mäzen – wie der Schweizer Fussball ums finanzielle Überleben kämpft

Link zum Artikel

Der ÖFB-Cup als Fundgrube für jeden mit einem Herz für grossartige Klubnamen

Link zum Artikel

Die teuersten Teenager der letzten 25 Jahre – so krass sind die Transfersummen explodiert

Link zum Artikel

11-Jähriger trifft Messi im Strandurlaub – und spielt eine Runde mit ihm

Link zum Artikel

Nur noch 7 Profis im Kader – Traditionsklub Bolton droht der totale Kollaps

Link zum Artikel

Wir würden als Sportchefs für 100 Millionen diese Teams zusammenstellen – und du?

Link zum Artikel

Liga gibt zu, dass der VAR in St.Gallen nicht hätte eingreifen dürfen

Link zum Artikel

«Hunderte Dinge haben mich genervt» – dieser Fan boykottiert seit einem Jahr Fussball

Link zum Artikel

4 Fussball-Stars erstreiken sich den Wechsel – und immer soll es zu Barcelona gehen

Link zum Artikel

Ausländer-Trios, werbefreie Trikots oder das Nasenpflaster – 16 Dinge, die aus dem Fussball verschwunden sind

Link zum Artikel

Barça patzt, Real profitiert – das ist der «japanische Messi» Takefusa Kubo

Link zum Artikel

Falschen Jallow verpflichtet: Türkischer Klub leistet sich Transfer-Blamage des Sommers

Link zum Artikel

Topklubs haben schon fast 1 Milliarde für Transfers ausgegeben – die Übersicht

Link zum Artikel

Warum es besser wäre, wenn jeder Klub nur noch drei Transfers tätigen dürfte

Link zum Artikel

Marcel Reif zum St.Galler VAR-Drama: «Das ist nicht die Idee des VAR, so schadet er»

Link zum Artikel

Rassismus-Vorwürfe gegen einen FCSG-Spieler – was geschah im Testspiel gegen Bochum?

Link zum Artikel

Vier Gründe, warum Bayern München einfach keinen Topstar abkriegt

Link zum Artikel

Kein Witz! Darum heisst Juventus Turin im neusten FIFA-Game «Piemonte Calcio»

Link zum Artikel

Ein Problem namens Wanda – wie Torjäger Mauro Icardi bei Inter in Ungnade gefallen ist

Link zum Artikel

Kevin-Prince Boateng haut neuen Rapsong raus – aber was macht das Pferd da eigentlich?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

70 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
superzonk
06.11.2018 11:31registriert March 2015
Ich sehe das völlig anders. Klopp weiss, dass er so diese unerwünschten Einflüsse vom Team eher fern halten kann als wenn er dabei ist. Er muss sich nicht dazu erklären sondern er und seine Spieler können sich auf das Spiel konzentrieren. Keiner muss Shak verteidigen. Das alleine zählt für Liverpool. Und die Mannschaft hat genügend gute Spieler. Alles andere ist Schweizer Optik. Das hat nichts mit Einknicken zu tun, sondern ist intelligentes Schach. Weshalb soll Klopp etwas riskieren? Um Shak die Ehre zu retten? ....
25314
Melden
Zum Kommentar
Amboss
06.11.2018 10:59registriert April 2014
Ich habe so meine Mühe mit Artikeln, die in sich widersprüchlich sind.
Im zweitletzten Abschnitt hat der Doppeladler sei kein politisches Statement. Im letzten Abschnitt heisst es dann, die serbischen Nationalisten hätten gewonnen.
Also hat der Doppeladler ja doch eine politische Bedeutung. Denn hätte er keine, gäbe es für serbischen Nationalisten ja nichts zu gewinnen.
27943
Melden
Zum Kommentar
zellweger_fussballgott
06.11.2018 10:38registriert November 2017
Der Doppeladler ist nunmal ein Nationalzeichen Albaniens und dieses kommt bei serbischen Nationalisten nunmal als Provokation durch. Klar setzt man durch die Nicht-Nominierung des Spielers ein schlechtes Zeichen, aber das sind nunmal die Früchte, die Liverpool für die Krisenbewältigung des SFV erntet. Shaqiri und der SFV haben die "Verfehlung" respektive die Jubelgesten einfach unter den Tisch gekehrt und die politischen Ausmasse völlig unterschätzt. Eine Distanzierung oder richtige Entschuldigung fehlte, sowie auch eine Prise Ehrlichkeit in der ganzen Kommunikation danach
258112
Melden
Zum Kommentar
70

Eine Stadt explodiert – so feiern die Ultras von Hajduk Split ihr 70-Jahr-Jubiläum

Die Torcida Split gilt als die älteste Ultra-Gruppierung Europas. Gestern feierte sie ihren 70. Geburtstag. Das musste natürlich gefeiert werden! Zum freudigen Anlass hatte die Torcida die Einwohner von Split aufgerufen, um Mitternacht die eigenen Kinder zu wecken und auf die Strassen und Balkone zu gehen. Was folgte, war ein riesiges Pyro-Spektakel.

Nicht nur die Innenstadt, ganz Split erstrahlte in Rot. Überall leuchteten Fackeln und explodierte Feuerwerk, rund drei Minuten dauerte das …

Artikel lesen
Link zum Artikel