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«Der dunkle Turm»: An diesem Revolvermann hat Stephen King sicher keine Freude

Stimmungsvoll sieht er aus, der berüchtigte, dunkle Turm. Bild: Sony Pictures

Mit «Der dunkle Turm» kommt Stephen Kings wohl umfangreichstes literarisches Werk in die Kinos. Kann der Film seiner epischen Vorlage gerecht werden?

08.08.17, 12:12 09.08.17, 11:38

«Der dunkle Turm» basiert auf der gleichnamigen Romanreihe von Stephen King und gilt eigentlich für viele als unverfilmbar. Doch das Gleiche sagte man vor 2001 auch über «Der Herr der Ringe» und so hat sich Regisseur Nikolaj Arcel an die unmögliche Aufgabe gemacht.

Die Fantasy-Saga von Stephen King umfasst acht Bände, welche in einem Zeitraum von drei Jahrzehnten entstanden. Bild: derdunkleturm.net

Der 11-jährige Jake Chambers hat Träume von einer anderen Welt, in welcher sich ein Mann mit Revolver und ein Mann in Schwarz ein Katz-und-Mausspiel liefern. Sein Umfeld erklärt Jake für verrückt, doch bei seinen Nachforschungen stösst er auf ein Portal, welches ihn in besagte Welt führt.

In Mid-World angelangt, trifft er auf Roland, den Mann mit dem Revolver. Dieser ist der letzte der sogenannten Revolvermänner und jagt den Mann in Schwarz, Walter O'Dim. Walter will den Schwarzen Turm zu Fall bringen und so Mid-World und alle mit ihr verbundenen Welten, die Erde mit eingeschlossen, in die Dunkelheit stürzen.

Jake Chambers (Tom Taylor) muss zum Psychiater, weil niemand ihm glaubt. bild: sony pictures

Ich habe den Titelgebenden Zyklus nie gelesen und dennoch wurde mir im Vorfeld schnell klar, dass das einer dieser Filme ist, der von den Fans der Vorlage argwöhnisch beäugt wird. Da machte es natürlich selbst mich als Nichtkenner der Romane etwas stutzig, dass der Stoff von rund 5500 Seiten in gerade einmal 95 Minuten abgehandelt wird. 

Lasst euch eines sagen: Dieser Film hat mich enttäuscht und ich will gar nicht wissen, wie die ganzen Fans der Vorlage sich nach dem Kinobesuch von «Der dunkle Turm» fühlen werden. Was Regisseur Nikolaj Arcel uns hier präsentiert, ist ein Fantasy-Film, der sich ganz klar an ein jugendliches Publikum richtet, das sich eine sehr einfache Handlung gewöhnt ist.

Die Figuren Roland und Walter haben zu Beginn zwar durchaus interessante Ansätze, müssen sich dann aber schnell dem vor Klischees triefenden Drehbuch beugen. Die Rollen sind hier ganz klar in Schwarz und Weiss unterteilt. Roland, der Gute jagt den abgrundtief bösen schwarzen Mann. Zwar versucht Regisseur Nikolaj Arcel Roland noch ein paar Facetten zu verpassen, indem er ihn den schwarzen Mann zuerst aus den falschen Motiven jagen lässt, doch das überzeugt nicht wirklich.

Roland (Idris Elba, links) jagt den schwarzen Mann (Matthew McConaughey). bild: sony pictures

Am langweiligsten ist aber die Hauptfigur Jake: Ein Junge träumt von einer Fantasy-Welt. Natürlich kann er super zeichnen und hält darum alles auf Papier fest, was er träumt. In der Schule wird er tyrannisiert. Von der Mutter missverstanden, muss er zum Psychiater. Dieser deutet seine Träume als Ventil über seinen verunglückten Vater. Als Jake schon fast glaubt, er fantasiere wirklich nur herum, findet er ein Portal, dass ihn in die Welt seiner Träume führt. «Eragon» gekreuzt mit «Narnia». (Ich könnte euch hier jetzt noch mehr Klischees aufzählen, aber dann würde ich heftig spoilern).

«Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.» Stephen King hat einmal gesagt, dass das der beste Satz ist, den er je geschrieben hat. Auch im Film ist diese Zeile vorhanden, doch scheint sie da nur drin zu sein, um King seinen verdienten Tribut zu zollen. Denn im Film hat man ganz und gar nicht das Gefühl, dass der schwarze Mann vor Roland auf der Flucht ist. Vielmehr ist in den meisten Fällen der Revolvermann vor Walter auf der Flucht.

Natürlich dürfen auch die ganzen Helferlein nicht fehlen, die dem schwarzen Mann zur Hand gehen und von ihm umgebracht werden, wenn sie was verbockt haben. Sie alle sind natürlich immer total eingeschüchtert und können kaum selbstständig denken.

Erinnern ohne Maske etwas an Orks: die Handlanger von Walter.

Bild: Sony Pictures

Ich habe mir von diesem Film wirklich erhofft, positiv überrascht zu werden, nachdem mich der Trailer nicht überzeugte. Und tatsächlich ist das Setting richtig cool und erinnerte mich fast etwas an die Serie «Firefly». Doch leider bleibt die Geschichte schlussendlich eine 08/15-Story, in welcher der gute Typ gegen den bösen Typen kämpft, um den auserwählten Jungen seiner Bestimmung zuzuführen und die Welt zu retten. Da hilft natürlich auch kein cooles Setting weiter und man kann nur hoffen, dass es die angekündigte Serie besser macht.

Etwas Abzug gibt es auch für die visuellen Effekte. Vor allem gegen den Schluss merkt man, dass der Film mit einem Budget von 60 Millionen US-Dollar eben doch sehr bescheiden ausgestattet war – zumindest für eine Hollywood-Produktion.

Wenn ihr euch also eine spannende Fantasy-Geschichte mit Türmen anschauen wollt, guckt lieber noch einmal «Der Herr der Ringe».

PS: Falls du die Bücher gelesen hast und dir auch den Film angeschaut hast, darfst du gerne dein Fazit mit uns in der Kommentarsektion teilen.

Schweizer Kinostart: Donnerstag, 10. August 2017

Meine Wertung:
4 von 10 Revolvermännern

Hier kannst du dir trotzdem noch den Trailer anschauen:

1m 28s

Der dunkle Turm Trailer deutsch

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Brikne, 20.7.2017
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  • Susannah 17.08.2017 22:22
    Highlight Man nehme: den Titel, die Namen der Protagonisten und eine vollkommen aus den Fingern gesogene Story. Kinderseelen, die den Turm zerstören? Shining? Walter auf der Jagd nach Jake? Öhm nein, in den Büchern die ich gelesen habe, kam sowas nicht vor. Und noch ganz viel anderes auch nicht. Ausserdem haben die Charaktere im Buch eine Tiefe, die im Film nicht mal oberflächlich angekratzt wurde.
    Also, losgelöst von der 'Vorlage' (sofern man das überhaupt so nennen darf), kann man sich den Film anschauen. Man darf nur nicht allzu viele Parallelen erwarten.
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  • Sorbitolith 09.08.2017 05:13
    Highlight Bereits beim Trailer wird klar, dass der Film nichts mit dem Buchzyklus zu tun hat. Ich erspare mir den Schmerz, eine weitere, missglückte King-Verfilmung ertragen zu müssen.

    21 2 Melden
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  • Butzdi 08.08.2017 21:30
    Highlight Auf Twitter hat King Werbung für den Film gemacht, aber wohl nur weil das mehr Bücher verkauft. Es gibt - bis auf Dolores, Carrie und The Running Man - leider keine guten King-Verfilmungen.
    8 2 Melden
    • Nausicaä 08.08.2017 22:51
      Highlight Also mir hat die Verfilmung von 'The Stand' auch gut gefallen. King spielt sogar eine kleine Nebenrolle :).
      7 1 Melden
    • Ravel 08.08.2017 23:19
      Highlight Ähem...The Shining?!?!
      28 1 Melden
    • Sufflavus 09.08.2017 00:11
      Highlight Was ist mit "The green Mile" oder "The Shawshank redemption"?
      Waren doch auch ziemlich gute King-Verfilmungen - auch wenn ich die Bücher vorziehe.
      37 0 Melden
    • Miss_Anthrope 09.08.2017 09:15
      Highlight Wie könnt ihr Banausen Misery vergessen? :-p
      14 0 Melden
    • Gren-D 09.08.2017 09:26
      Highlight The Running Man?!?... Die Verfilmung hat ja so in etwa 0.1% mit dem Buch zu tun
      4 0 Melden
    • Nausicaä 09.08.2017 10:28
      Highlight ...scheint als hätten wir alle partielle Frühdemenz :))
      4 0 Melden
    • stef2014 09.08.2017 12:56
      Highlight @Butzdi, ich finde jetzt keines der von dir genannten Verfilmungen überragend. Am wenigsten Running Man. Die Verurteilten, Stand by Me oder eben, The Shining (wobei King selbst diesen Film m.W. nicht mag) wären m.M.n. eher erwähnenswert. Ich denke auch, dass Der Nebel unterschätzt wird (verdammt cooles Ende!).
      4 0 Melden
    • CasRas 10.08.2017 07:40
      Highlight Under the Dome ist auch gut.
      1 3 Melden
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  • dath bane 08.08.2017 20:21
    Highlight "Herr der Ringe" wollten sie zuerst auch in nur einen Film packen. Gut, haben sie es nicht getan. Mit diesem Film wird das Opus Magnum von Stephen King in den Dreck gezogen. Wie konnte er das nur zulassen?
    23 1 Melden
    • moedesty 09.08.2017 17:27
      Highlight Glaubst du im Ernst sie haben es der Vorlage zuliebe in drei Filmen gemacht? Oder könnte es damit zu tun haben, dass 3 x 1 Milliarde mehr ist als 1 Milliarde?
      2 10 Melden
    • cyclocell 10.08.2017 11:07
      Highlight Tatsächlich war das damals eine riskante Entscheidung, Herr der Ringe in 3 Filmen zu realisieren. Es gab bis dahin noch keine wirklich erfolgreiche Umsetzung des Materials.

      http://www.ageofthering.com/atthemovies/intro.php
      5 0 Melden
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  • Hans Jürg 08.08.2017 19:56
    Highlight Bei Filmen mit Idris Elba geht es mir wie bei Filmen mit Bruce Willis: Egal wir schlecht sie sind, Hauptsache einer von ihnen spielt mit. Der Film selber ist dann unwichtig.

    Wer Idris Elba in Hochform sehen will, unbedingt die Serie Luther schauen.

    Und Bruce Willis' Meisterleistung: die Serie Moonlighting (Das Modell und der Schnüffler).
    15 1 Melden
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  • Sageits 08.08.2017 18:04
    Highlight Ist denn der Streifen wenigstens wegen Idris Elba sehenswert?
    Leider kein Wort über ihn oder McConaughey in dieser Kritik gefunden 🙄
    13 0 Melden
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  • Scaros_2 08.08.2017 15:12
    Highlight Der film geht keine 100min

    Er kann nicht gut sein. Jeder HDR teil mit weniger Inhalt dauert länger
    24 5 Melden
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  • natalie74 08.08.2017 15:10
    Highlight Ich liebe dieses Universum und ich liebe die Figuren darin. Die Geschichte reisst mich mit, sie bringt mich zum Lachen, zum Weinen, lässt mich hoffen und bangen. Manchmal möchte ich die Protagonisten küssen und manchmal zum Teufel jagen.
    Ich habe die Bücher mehrmals gelesen.
    Wie man so eine Sage in einen Film quetschen kann, ist mir ein Rätsel und ich werde mir das nicht anschauen. Alleine schon, weil Rolands blassblaue Kanoniersaugen fehlen (und das hat nichts mit der Hautfarbe zu tun).
    65 4 Melden
    • AL:BM 08.08.2017 15:32
      Highlight Gut geschrieben.
      18 2 Melden
    600
  • Denk nach 08.08.2017 13:48
    Highlight
    Bald kommt "ES" wieder ins Kino und ich weiss nicht ob es mir vor dem Clown oder der Umsetzung grauen soll.
    26 6 Melden
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  • zipfelgrind 08.08.2017 12:51
    Highlight Ich habe die Bücher gelesen und bin vom Film entsetzt. Die Bücher sind Stephen King-typisch sehr düster und tiefsinnig, die Handlung ist komplex und auf einerwachsenes Publikum ausgerichtet.
    62 1 Melden
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  • poga 08.08.2017 12:27
    Highlight Ich habe die Bücher gelesen und kriege jetzt schon ein schlechtes Gefühl. Ich dachte da müssen mindestens 7 Teile her.....
    52 2 Melden
    • Madmessie 08.08.2017 13:47
      Highlight Ich auch. Wieso machen die nicht 7 Teile?!? Ich finde die Bücher eigentlich ganz gut verfilmbar, aber doch nicht in 95 Minuten? Hab mich eigentlich gefreut auf den Film...
      31 1 Melden
    • Niantana 08.08.2017 15:55
      Highlight In verschiedenen Foren wird gesagt, dass der Film noch nicht viel mit den Büchern zu tun hat. Ich habe mich inspirieren lassen und lese lieber nochmals alle Bücher durch und lasse den Film aus. ;-)
      21 0 Melden
    • poga 08.08.2017 17:20
      Highlight Ganz ehrlich, ich glaube nicht dass ich mir die Zeit nochmals nehme. Dauert ja schon etwas. Ich wünsche dir viel Spass dabei.
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