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epa06309518 Media wait in front of Belgian Federal Prosecutor office at the Brussels Justice Palace in Brussels, Belgium, 05 November 2017. Belgian prosecutors will hold a press conference on the international arrest warrant for former Catalan President Carles Puigdemont and members of his cabinet, that was issued by Spain.  EPA/OLIVIER HOSLET

Medienschaffende warten vor dem Justizgebäude in Belgien, wo in Kürze eine Pressekonferenz über den internationalen Haftbefehl gegen den ehemaligen katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont und Mitglieder des Kabinetts gehalten wird.  Bild: EPA/EPA

Ex-Regierungschef Puigdemont stellt sich den belgischen Behörden



Der abgesetzte katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat sich in Belgien den Behörden gestellt. Er und vier Mitstreiter seien vorläufig festgenommen worden, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Brüssel.

Puigdemont und die vier Ex-Minister sollten noch am Sonntag einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Regierung in Madrid hatte einen Europäischen Fahndungs- und Haftbefehl gegen den 54-Jährigen sowie vier Ex-Minister der Regionalregierung erlassen, die sich nach Brüssel abgesetzt hatten.

A woman with an 'Estelada', the pro-independence Catalan flag draped over her shoulder, pastes banners on a wall that read in Catalan:

Freiheit für politisch Gefangene steht auf dem Flyer, der von einer Frau mit katalanischer Flagge über der Schulter auf eine Mauer geklebt wird.  Bild: AP/AP

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gilles Dejemeppe, sagte vor den Medien, zwischen der Ermittlungsbehörde und den Anwälten der katalanischen Politiker habe es «regelmässige Kontakte» gegeben. Dabei sei vereinbart worden, dass sich die Fünf am Sonntagmorgen auf einem Kommissariat stellen. Daran hätten sie sich gehalten.

Puigdemont hatte bereits am Samstag mitgeteilt, er halte sich für die belgischen Behörden zur Verfügung. «Wir sind bereit, vollständig mit der belgischen Justiz zusammenzuarbeiten», schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter auf Niederländisch. Gegen den von Spanien erlassenen internationalen Haftbefehl will er nach eigenen Angaben mit seinem Anwalt vorgehen.

Gemäss dem Sprecher der Staatsanwaltschaft habe der Untersuchungsrichter bis am Montagmorgen Zeit zu entscheiden, ob die Beschuldigten inhaftiert oder unter Auflagen auf freien Fuss gesetzt werden.

Langes rechtliches Prozedere möglich

Das weitere rechtliche Prozedere könnte sich über Wochen hinziehen: Ein Gericht muss innerhalb von 15 Tagen darüber befinden, ob die Haftbefehle vollstreckt werden. Wird der Haftbefehl aufrecht erhalten, hat das Gericht weitere 15 Tage Zeit, über eine Abschiebung zu entscheiden. Die fünf Beschuldigten können der Auslieferung nach Spanien aber auch von sich aus zustimmen.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die betroffenen Personen können Einspruch einlegen. Über den Einspruch muss ebenfalls innert 15 Tagen entschieden werden. Ein weiterer Einspruch ist beim belgischen Revisionsgericht möglich.

Eine endgültige Entscheidung über die am Freitag von Spanien ausgestellten europäischen Haftbefehle muss nach Angaben des belgischen Justizministeriums innert 60 oder - bei Vorliegen «aussergewöhnlicher Umstände» - innert 90 Tagen getroffen werden. In der Regel wird ein europäischer Haftbefehl vollstreckt.

Bereits am Donnerstag hatte ein Gericht in Madrid acht Mitglieder von Puigdemonts abgesetzter Regierung in Untersuchungshaft genommen, darunter seinen Stellvertreter Oriol Junqueras, der die linksnationalistische Partei Esquerra Republicana de Catalunya (ERC, Republikanische Linke) führt.

Puigdemont und die vier Ex-Minister hatten die Vorladung der spanischen Richterin Carmen Lamela missachtet. Sie waren vor der Anklageerhebung nach Brüssel ausgereist.

Puigdemont soll Spitzenkandidat werden

Puigdemont und seinen Mitstreitern drohen in Spanien lange Haftstrafen. Die spanischen Justizbehörden werfen ihnen wegen der Ereignisse rund um das Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober Rebellion, Aufruhr und die Veruntreuung öffentlicher Mittel vor. Rebellion kann in Spanien mit bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft werden, Aufruhr mit bis zu 15 Jahren.

Für den 21. Dezember setzte Rajoy in Katalonien Neuwahlen an. Puigdemonts katalanische Europäische Demokratische Partei (PDeCAT) kündigte am Sonntag an, sie wolle Puigdemont zum Spitzenkandidaten machen. Er solle die «grosse Offensive» für die Wahl im Dezember anführen, sagte PDeCAT-Sprecherin Marta Pascal vor Parteimitgliedern in Barcelona.

Puigdemont rief die nach Unabhängigkeit strebenden Kräfte auf, zu der Parlamentswahl mit einer Einheitsliste anzutreten. Alle Demokraten müssten zusammenstehen, twitterte er am Samstag. «Für Katalonien, für die Freiheit der politischen Gefangenen und für die Republik.» (sda/dpa/reu/afp)

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Rückbauer 05.11.2017 19:53
    Highlight Highlight Tja, soweit hat es Europa gebracht, dass politisch Verfolgte ausgeliefert werden. Sind das die europäischen Werte? Nadann, gute Nacht Europa.
    • einmalquer 05.11.2017 20:35
      Highlight Highlight Das höchste Schweizer Gericht wollte auch schon nach Spanien ausliefern.

      Dazu gekommen war es nicht, weil Spanien trickste um Untersuchungen der Folterparxis zu verhindern.
      https://www.watson.ch/!601910131
    • dä dingsbums 05.11.2017 21:29
      Highlight Highlight Auch wenn ihr es 1000x wiederholt, wird es dennoch nicht wahr.

      Puigdemont ist kein politischer Flüchtling und wird nicht wegen seinen Überzeugungen oder Aussagen von der Justiz gesucht.

    • Der Rückbauer 05.11.2017 23:19
      Highlight Highlight dä dingsbums: Eine Verfassung ist wie eine Ehe n i c h t ein juristisch bindender Vertrag, sondern eine politisch-soziale Vereinbarung, welche jederzeit demokratisch aufgelöst werden kann. Und zwar durch jenen, der raus will. Und dazu muss er nicht noch die Trauzeugen (d.h. das Parlament in Madrid) fragen.
      Puigdemont hat ausschliesslich mit politischen Mitteln agiert. Die Schläger kamen aus Madrid.
    Weitere Antworten anzeigen
  • äti 05.11.2017 19:24
    Highlight Highlight Ich staune: was hat sich der Herr die ganze Zeit gedacht? Spielregeln bekannt, keine Alternativ-Strategien, kein Notfall-Szenario, kein Plan-B. Und falls die Unabhängigkeit eingetroffen wäre: Null Ahnung wie weiter, ausser ein paar vagen Ideen und möglichen Annahmen - nix.
    Vermutlich hätte er gesagt: tschüss.
  • Bär73 05.11.2017 14:24
    Highlight Highlight Der Mann hat Eier in der Hose !!
    Ich wünsche ihm ALLES GUTE für einen allfälligen Prozess 👍👍👍
    • crayy 05.11.2017 17:58
      Highlight Highlight Warum hat er Eier in der Hose? Weil er die Verfassung wissentlich missachtet und sich danach in Belgien absetzt? Nicht wirklich. Ziemlich naiv.
  • Angelo C. 05.11.2017 14:17
    Highlight Highlight Vermutlich ein schlauer Versuch unter Befolgung des Rats seines kompetenten belgischen Anwalts, um durch das selbst aktiv werden, von längerer U-Haft zugunsten eines wesentlich freieren Hausarrests verschont zu bleiben 🤔!

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