International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Westen zögert mit Vergeltungsangriff gegen Syrien



Aus Sorge vor einem offenen Konflikt mit Russland ringt der Westen weiter um eine Reaktion auf den mutmasslichen Chemiewaffenangriff in Syrien. Während zwischen Washington, London und Paris Einigkeit über die Notwendigkeit einer gemeinsamen Reaktion herrschte, stand jedoch eine Entscheidung am Freitag weiter aus.

«Es wurde keine endgültige Entscheidung getroffen», sagte US-Präsident Donald Trumps Sprecherin Sarah Sanders am Donnerstag (Ortszeit) nach einem Treffen Trumps mit seinen Nationalen Sicherheitsberatern. Die US-Regierung werte weiter Geheimdiensterkenntnisse aus und führe Gespräche mit ihren Partnern und Verbündeten.

epa06664910 US President Donald J. Trump speaks about his tax cuts in the Rose Garden of the White House in Washington DC, USA, 12 April 2018. Earlier in the day, President Trump once again taunted Russia in a tweet, saying an attack on Syrian 'could be very soon or not so soon at all' in response to Syria's reported chemical weapons attack against a rebel-held town in Eastern Ghouta.  EPA/JIM LO SCALZO

Nach wie vor ist nicht klar, was Donald Trump bezüglich Syrien konkret vor hat. Bild: EPA/EPA

Trump hatte am Mittwoch zunächst einen Raketenangriff der US-Streitkräfte in Syrien angekündigt, seine Drohung einen Tag später aber relativiert.

US-Verteidigungsminister Jim Mattis sagte vor US-Abgeordneten, die Notwendigkeit, «die Ermordung Unschuldiger zu stoppen», müsse abgewogen werden gegen das Risiko, dass die Lage eskaliere und «ausser Kontrolle» gerate.

In einem Telefongespräch Trumps mit der britischen Premierministerin Theresa May bekräftigten beide ihre Überzeugung, dass es eine Reaktion auf den mutmasslichen Chemiewaffenangriff in Syrien geben müsse.

epa06658997 Britain's Prime Minister Theresa May meets staff at Addenbrooke's Hospital in Cambridge, Britain, 10 April 2018. The Prime Minster announced new funding and research for prostate cancer and spoke to staff about challenges within the National Health Service.  EPA/NEIL HALL / POOL

Die britische Premierministerin Theresa May steht mit Donald Trump in Kontakt. Bild: EPA/EPA POOL

Trump wollte sich zudem mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron beraten. Dieser hatte am Donnerstag erneut eine Reaktion Frankreichs angekündigt, ohne sich auf einen Zeitraum festzulegen. Es gebe Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen durch die syrische Regierung, sagte er.

Deutschland hält sich zurück

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag eine Beteiligung Deutschlands an einer militärischen Aktion ausgeschlossen. Aussenminister Heiko Maas forderte am Freitag in Brüssel eine geschlossene Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf den mutmasslichen Chemiewaffenangriff in Syrien.

epa06666256 German Chancellor Angela Merkel speaks next to Serbian President Aleksandar Vucic (unseen) during a joint press statement before their meeting in the chancellery, in Berlin, Germany, 13 April 2018. Reports state that both head of states will discuss the international situation and the bilateral relations of their countries.  EPA/FELIPE TRUEBA

Hat nicht vor, sich militärisch mit anderen Ländern zu engagieren: Angela Merkel.  Bild: EPA/EPA

Macron seinerseits appellierte in einem Telefonat am Freitag an Präsident Wladmir Putin, gemeinsam «den Frieden und die Stabilität in Syrien wiederherzustellen», wie der Elysée-Palast mitteilte. Anders als der Westen unterstützt Moskau den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Bei dem Gespräch bedauerte Macron das neuerliche russische Veto im Uno-Sicherheitsrat. Dieses habe «eine gemeinsame und deutliche Antwort verhindert». Zum Schutz der Bevölkerung müsse es «so bald wie möglich Verhandlungen über einen glaubwürdigen und umfassenden politischen Prozess geben», fügte der französische Präsident hinzu.

Evakuierung geht weiter

Währenddessen wurde die Evakuierung der lange Zeit von islamistischen Kämpfern kontrollierten Stadt Duma in der Region Ost-Ghuta in Syrien am Freitag fortgesetzt.

Laut der in Grossbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verliessen nach Mitternacht 4000 Menschen die Stadt – darunter Kämpfer der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam und Zivilisten. Sie sollten in von Rebellen gehaltene Gebiete in Nord-Syrien gebracht werden.

epa06643568 Soldiers stand near relatives of people allegedly detained by Jaysh al-Islam fighters as they wait during evacuation of fighters and civilians from Douma, in east Damascus, Syria, 03 April 2018. According to reports, the Islamist militia faction Jaysh al-Islam reached an agreement with Russia to evacuate the group's combatants, their families and other civilians from the besieged city of Douma, the last remaining pocket of opposition-held Eastern Ghouta near the capital Damascus. The fighters were evacuated to Jarablus, a town in northern Syria.  EPA/YOUSSEF BADAWI

Die Lage in Duma ist nach wie vor angespannt. Bild: EPA/EPA

Die Evakuierung von Duma soll gemäss der Beobachtungsstelle abgeschlossen sein, bevor Experten der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) am Samstag in der Stadt mit ihren Untersuchungen zum mutmasslichen Chemiewaffenangriff beginnen. Bei dem Angriff am letzten Samstag wurden örtlichen Ärzten und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge mehr als 40 Menschen getötet.

Gegenseitige Beschuldigungen

Am Freitag kam es derweil zu gegenseitigen Beschuldigungen. Igor Konaschenkow, Sprecher der russischen Armee, sagte, Moskau habe «Beweise» für eine «direkte Beteiligung Grossbritanniens an der Organisation dieser Provokation in Ost-Ghuta». London habe bei der Inszenierung des mutmasslichen Giftgasangriffs «starken Druck» auf die Zivilschutzorganisation der Weisshelme ausgeübt.

Die USA wiederum warfen Moskau vor, den Chemiewaffeneinsatz erst möglich gemacht zu haben. «Wenn Russland seine Verpflichtungen erfüllt hätte, würde es heute keine Chemiewaffen in Syrien geben», sagte die US-amerikanische Uno-Botschafterin Nikki Haley in einer Sitzung des Sicherheitsrats am Freitag in New York.

epa06666844 Russian President Vladimir Putin looks on as he attends a meeting with a regional governor at the Novo-Ogaryovo state residence, outside Moscow, Russia, 13 April 2018.  EPA/ALEXEY NIKOLSKY/SPUTNIK/KREMLIN / POOL MANDATORY CREDIT

Russland schützt Syrien und seinen Machthaber Assad. Bild: EPA/SPUTNIK POOL POOL

Russland habe sein Veto-Recht im Rat zwölf Mal genutzt, um die Regierung von Präsident Baschar al-Assad zu schützen – unter anderem, um Ermittlungen über Giftgasangriffe im Land zu stoppen.

Russlands Uno-Botschafter Wassili Nebensja wiederum bezeichnete einen Militärschlag gegen syrische Truppen als eine «illegale Kampfhandlung gegen einen souveränen Staat». Er beschuldigte die USA zudem, sich fahrlässig zu verhalten und ihrer Rolle als ständiges Mitglied im Uno-Sicherheitsrat nicht gerecht zu werden. Es wirke, als wolle Washington das Bürgerkriegsland «kategorisch» angreifen.

Uno-Generalsekretär António Guterres hatte zu Beginn der Ratssitzung von einem «Chaos im Nahen Osten» und einer Rückkehr des Kalten Krieges gesprochen. (sda/afp/dpa)

13 Gesichter von syrischen Flüchtlings-Kindern: Wo ist meine Zukunft?

Brüssel gedenkt der im Syrienkrieg verstorbenen Kinder

Play Icon

Video: watson

Syrien

Wie die SNB 4 Millionen Dollar mit dem US-Angriff auf Syrien verdiente

Link to Article

Verprellt Trump mit dem Luftschlag in Syrien seine treuesten Anhänger?

Link to Article

Nach den Raketen die Fragezeichen – was will Trump in Syrien?

Link to Article

Nervengift-Angriff: Warum es immer noch Chemiewaffen in Syrien gibt

Link to Article

Autopsie bestätigt Chemiewaffen-Einsatz in Syrien – Erdogan beschimpft Assad als «Mörder»

Link to Article

Trotz US-Angriff: Syrien bombardiert weiter

Link to Article

Was der Fall von Aleppo für den Syrien-Krieg bedeutet

Link to Article

Russland und Iran erobern Aleppo – für Assad 

Link to Article

Kampf um Aleppo: Assads Truppen zerschlagen die Rebellengebiete in zwei Teile

Link to Article

Assad-Luftwaffe tötet offenbar türkische Soldaten – Rebellen für Feuerpause in Ost-Aleppo

Link to Article

Syrien-Krieg: UNO wirft Assad weiteren Einsatz von Giftgas vor

Link to Article

«Humanitäre Tragödie», «gigantischer Friedhof»: UNO über Aleppo

Link to Article

Ost-Aleppo wird ausgelöscht – und die Welt schaut zu

Link to Article

Syrische Weisshelme entschuldigen sich für #MannequinChallenge mit «Bomben-Opfer»

Link to Article

Assad bietet Trump Zusammenarbeit bei Kampf gegen Extremisten an

Link to Article

Russischer Flugzeugträger «Admiral Kusnezow» erreicht syrische Küste

Link to Article

Absurde Forderungen: Was Putin von den Amerikanern verlangt

Link to Article

UNO-Experten über Attacke auf Hilfskonvoi in Syrien: Es waren doch Luftangriffe

Link to Article

«Nicht Sex, sondern Krieg schändet den syrischen Körper»: Ein Flüchtling wird Pornostar

Link to Article

Scharen flüchten aus Aleppo – dieser Mann bleibt und kümmert sich um die verlassenen Katzen

Link to Article

Syrische Stadt Duma von heftigen Luftangriffen getroffen – es droht ein zweites Aleppo

Link to Article

«Ich habe Angst, dass ich heute Abend sterbe» – Siebenjährige twittert aus Aleppo

Link to Article

Ärzte ohne Grenzen fordern Ende des Blutbads in «Todeszone» Ost-Aleppo

Link to Article

Syrien-Gespräche mit Russland «nicht tot, aber auf der Intensivstation» 

Link to Article

Ein herber Rückschlag: USA beenden Gespräche mit Russland über Waffenstillstand für Syrien

Link to Article

#StingerEffect: Die neueste Lösung für den Syrien-Konflikt kommt aus Hollywoods Traumfabrik

Link to Article

Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Kriegsverbrechen in Syrien

Link to Article

Wieder Klinik bombardiert: Luftangriff auf Aleppo trifft eines der letzten Spitäler

Link to Article

Wieder Spitäler in Aleppo bombardiert – UNO-Chef Ban Ki Moon spricht von «Kriegsverbrechen»

Link to Article

Bekannter deutscher Journalist interviewt «Al-Nusra»-Kommandant – alles nur ein Fake?

Link to Article

Eiskaltes Schweigen zwischen Washington und Moskau

Link to Article

Feuerpause für Syrien rückt in Reichweite

Link to Article

Türkische Militäroperation in Syrien: Der «IS» ist der Vorwand, die Kurden sind das Ziel

Link to Article

Krieg? Welcher Krieg? Mit diesem Video will Syrien Touristen an seine Strände locken 

Link to Article

Was hat der Westen mit den Flüchtlingen zu tun? Diese 10 Punkte zeigen es

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

16
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Energia 13.04.2018 23:02
    Highlight Highlight Und die USA legen jedesmal ihr Veto bei der Israel-Palästina Frage ein...
    8 5 Melden
  • rauchzeichen 13.04.2018 20:14
    Highlight Highlight „Es wirke, als wolle Washington das Bürgerkriegsland «kategorisch» angreifen.“

    und die russen wollen assad kategorisch schützen

    aber dass es sowas wie zusammenarbeit geben könnte, kommt keinem in den sinn? ein armutszeugniss für die menschheit. wir sind wohl weniger weit, als ich dachte.
    16 1 Melden
  • blueberry muffin 13.04.2018 20:03
    Highlight Highlight Trumps Agenda sieht schon interessant aus. Handelskrieg mit China, Drohungen an NK und jetzt noch ein Krieg im nahen Osten.

    So sieht wohl Siegen aus.
    13 0 Melden
  • _kokolorix 13.04.2018 19:29
    Highlight Highlight Was für ein jämmerliches Gelabber. Warum schaffen die mächtigen Friedenshüter Russland und USA nicht gemeinsam eine demilitarisierte Zone in Syrien? In dieser von US und russischen Soldaten gemeinsam bewachten Zone hätten weder die syrische, noch die türkische Armee zugang, und auch bewaffnete Islamisten müssten aussen vor bleiben. Alle Menschen welche der Gewalt abschwören hätten hier Zugang und man könnte eine selbstverwaltete Wirtschaft aufbauen indem nur Rohstoffe und Produktionsmittel, aber keine Fertigprodukte liefert. Damit haben die Menschen zu tun und kommen nicht auf dumme Ideen.
    18 1 Melden
    • Laggi 13.04.2018 20:14
      Highlight Highlight Das wäre natürlich die humane Variante. Aber die Friedensförderung ist wohl leider nicht der Kerngedanke der zwei grossen Player... 😣
      15 1 Melden
    • rauchzeichen 13.04.2018 20:18
      Highlight Highlight wenns um humanität ginge, würde genau das geschehen (hoffe ich zumindest). die letzten tage beweisen das gegenteil, ob russen oder westliche nationen, solange die menschen nicht zu ihnen flüchten, ists ihnen scheissegal. es gibt für sie anscheinend wichtigeres als menschenleben.
      11 1 Melden
    • Posersalami 13.04.2018 23:39
      Highlight Highlight Wenn es um Humanität ginge wäre der Krieg gar nie eskaliert. Jede Seite hat ihren Teil dazu beigetragen, darum sind Schuldzuweisungen erstmal fehl am Platz.
      0 1 Melden
  • Valon Behrami 13.04.2018 19:15
    Highlight Highlight Interview zu Macht der Bilder und Propaganda. Der Experte nimmt die Beweisführung des Westens auseinander. Die Weisshelme bezeichnet er als das, was sie sind: eine Propagandaorganisation. Zu Duma und Weisshelmen (Interview im Deutschen Fernsehen):
    Play Icon
    16 4 Melden
    • _kokolorix 13.04.2018 21:31
      Highlight Highlight Und Putin will nur das Beste für die syrische Bevölkerung...
      Auch wenn es klar ist, dass der Westen ausschliesslich an den steigenden Waffenverkäufen interessiert ist, die Saudis ihren kruden Islamismus fördern, der Iran genau das verhindern, und Erdogan am liebsten alle Kurden töten will, was will Russland in Syrien?
      Meine Behauptung ist, dass Putin in erster Linie einen Machtwechsel in Syrien verhindern will.
      Die gegenseitigen Schuldzuweisungen sind einfach lächerlich und können nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Kriegsparteien zivile Opfer bereitwillig in Kauf nehmen
      4 5 Melden
    • Kraken 14.04.2018 00:28
      Highlight Highlight Der Westen hat Milliarden in den Krieg gegen Assad finanziert und Russland war schon immer in Syrien.
      1 0 Melden
    • Valon Behrami 14.04.2018 03:02
      Highlight Highlight Kokolorix: Was sagst du zum Video?
      2 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen

Wahldebakel in Florida: Gouverneur klagt gegen Wahlleiterinnen

Im Streit um die Ergebnisse der US-Kongress- und Gouverneurswahlen im Bundesstaat Florida hat der dortige Gouverneur Rick Scott rechtliche Schritte eingeleitet. Im Zuge der Neuauszählung verklagte er nach US-Medienberichten die Wahlleiterinnen von Broward County und Palm Beach County.

Es geht dabei unter anderem um den Vorwurf, dass ungültige Stimmen fälschlich gewertet worden seien. Gouverneur Scott hatte bei der Wahl vom 6. November für einen Sitz im Senat gegen den derzeitigen …

Artikel lesen
Link to Article