Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ode an den Opa

bild: shutterstock



Als erstes vorneweg: Ja, auch Oma ist grossartig. Sie füllt deinen Bauch mit dem besten Gericht auf Erden und eliminiert damit jegliche Neujahresvorsätze und jagt deine Weight-Watchers-Punkte in die Höhe. Sie kann deine Eltern in Verlegenheit bringen und dir klarmachen, dass diese keine souveränen Übermenschen, sondern auch nur die Kinder ihrer eigenen Eltern sind. Ja, das Grosi verdient alle Schwärmereien, die es bereits über sie gibt.

Dieser Beitrag soll sich aber der oft etwas stilleren Entität hinter der lebhaften Oma widmen: dem Opa. Wie komme ich zum Thema? Auf meiner Reise an der australischen Ostküste habe ich zwei Begegnungen mit grossväterlichen Figuren gemacht.

Begegnung 1: Die graue Sportskanone

Der Wentworth-Park nahe dem Hostel in Sydney hat eine Outdoor-Fitnessanlage. Um etwas Geld zu sparen, geh ich da hin. Nach einer Weile fällt mir ein älterer Herr im Fussballtrikot auf, geschätzt Ende Siebzig. Er kickt alleine einen Ball vor sich hin und rennt ihm nach.

Bild

Wenn ich in dem Alter noch so dribbeln kann, bin ich mehr als zufrieden. bild: gregor stäheli

Nachdem ich mit meinem Programm durch bin, lauf ich auf ihn zu und fordere mit erhobener Hand nach dem Ball. Er spielt ihn mir zu. Wir passen, flanken und jonglieren hin und her ohne ein einziges Wort zu wechseln. Ich male mir seine Geschichte aus. Vielleicht hat er mal in einem Verein gespielt. Vielleicht war er gar ein australischer Profi. Möglicherweise braucht er den Sport aber einfach als Ventil, oder möchte eine Pause von der Familie. Nach über einer halben Stunde des wortlosen Ballwechsels unterbricht er unser Spiel:

«Danke, das hat echt Spass gemacht. Ich muss nun aber den Rest meines Trainings erledigen.»

Ich bin insgeheim froh, denn im Gegensatz zum alten Mann, bin ich komplett aus der Puste. Es stellt sich heraus, dass er gar kein Australier ist. Er ist von New Jersey, USA hierhergezogen, um seinem Sohn mit dem Enkel zu helfen. Der sei jetzt drei, ein niedlicher Junge. Er hüte ihn zwei Tage die Woche.

Bei dem Gespräch fällt mir eine typische Opa-Charakteristik auf: Obwohl er sicher viel von sich zu berichten hätte, spricht er nur über sich selbst, wenn ich ihn spezifisch danach frage. Von seinem Sohn und Enkel aber erzählt er unaufgefordert voller Stolz.

Begegnung 2: Die Historiker

Auf meiner Reise nordwärts besuche ich in Newcastle spontan das Fort Scratchley. Es wurde 1882 gebaut, um die Handelsstadt vor allfälligen russischen Angriffen zu schützen, kam aber erst während dem zweiten Weltkrieg ernsthaft zum Einsatz. Heute ist es ein Museum und wird von Historik-Enthusiasten auf freiwilliger Basis gepflegt.

Einer davon macht gerade eine Pause vom Heckenschneiden, als ich mir eine Infotafel anschaue. Er beginnt, den genauen Hergang des Angriffs eines japanischen U-Boots anno 1942 zu schildern. Danach erzählt er mir, wie sein Lieblingswein von Europa ins nahegelegene Hunter-Valley kam. Dazwischen zeigt er auf Glattwale (Right Whales), die nahe der Küste nach Luft schnappen, und erklärt mir deren Namensherkunft. (Fischer gaben ihm den Namen, da er aufgrund der vergleichsweise langsamen Fortbewegung der richtige Wal «right whale» zum Jagen war).

Sein Kollege stösst nach kurzer Zeit dazu. Die Beine und Hände sind von den Sträuchern blutig gekratzt, doch der liebenswerte Bär hat ein strahlendes Lächeln im Gesicht und steigt mit seinen Anekdoten in härtestem australischen Akzent ins Gespräch ein.

Bild

Die beiden Plauder-Opas fleissig bei der Arbeit. bild: gregor stäheli

Ihr Enthusiasmus lässt mich eine zweite Opa-Eigenschaft erkennen: Die Fähigkeit aus allem, auch blanken Fakten, eine spannende Geschichte formen zu können.

Und das bringt mich schlussendlich zu meinen Opas.

Der eine Opa, der Grosspapi, ist sicherlich älter als unser Fussballer in Sydney, jedoch erstaunlich fit. Mit stolzen 91 wohnt er noch in seinem eigenen Haus und erledigt das meiste selbst. Bis vor kurzem ging er noch auf Weltreisen.

Als ich ihn vor der Australienreise besuchte, erzählte er meinem Bruder und mir, wie sehr er sich beim Einkaufen über «diese Alten» aufregt, die erst an der Kasse ihr Geld rauskramen. Er selbst rechne fortlaufend zusammen, wie viel es kosten würde und bereite an der Kasse dann das nötige Kleingeld vor.

Das war ein amüsanter Gedanke, wenn man bedenkt, dass «diese Alten» wahrscheinlich ein gutes Stück jünger sind. Ich wünsche mir, mich in seinem Alter auch noch so aufregen zu können.

Die Erinnerung an den anderen Opa, das Grossvätterli, verbindet gleich beide meiner Begegnungen in einem: Er war ein Sportfanatiker und Geschichtenerzähler. Auch im hohen Alter spielte er mit mir und meinen Geschwistern im Garten Fussball, wobei er mit seinem Stock das Tor verteidigen musste. Wann immer er uns hütete, war der Fernseher wegen Tennis oder Formel 1 besetzt.

Mein Bruder und ich warteten dann bis er eingeschlafen war, um die Fernbedienung zu stehlen und Horrorfilme zu schauen.

Bild

Mein Bruder hatte die Herrschaft über die Fernbedienung, wenn Opa schlief. Wie unerschrocken ich von Horrorfilmen schon als kleiner Bub war, kann man hier gut sehen. Gähn. bild: gregor stäheli

Wenn er nicht vor dem Fernseher einschlief, brachte er uns zu Bett. Nicht aber ohne die obligatorische Gute-Nacht-Geschichte. Nun, ich kann mich nicht daran erinnern, dass er uns je aus einem Buch vorgelesen hatte. Meist hatte er es einfach auf dem Schoss und erfand die Geschichten spontan selbst. Der häufigste Protagonist darin: «Der Gorilla Blauarsch».

Aus dem mittlerweile wahrscheinlich ausgestorbenen Kraftausdruck machte er kurzerhand eine Fantasiefigur, deren Abenteuer uns regelmässig in den Schlaf wogen. Die Geschichte war jeweils so gut, dass wir sie beim nächsten Mal unbedingt wieder hören wollte. Da Opa sich aber nicht mehr erinnern konnte, was er zuletzt genau erzählt hatte, gab’s dann eben eine neue, die mindestens so gut war.

Bild

Ich kann es scheinbar kaum glauben, was in diesem Buch geschieht. Aber auch nicht prüfen. Heut weiss ich: Was er erzählte, stand gar nicht drin! bild: gregor stäheli

Ich hätte gerne jetzt als Erwachsener nochmals mit ihm geplaudert. Ich bin mir sicher, er hätte ein paar spannende Geschichten ohne Jugendfreigabe aus frühen Tagen gehabt. Doch egal, wie sein Sündenregister wohl ausgesehen hat, vorbei an Petrus kam er bestimmt – mit seinem Charme und Mundwerk und seinen brillanten Geschichten.

Grossvaterfiguren sind gute Geschichtenerzähler – ob erlebt, erfunden oder eine Mischung aus beidem. Ich werde versuchen, in Zukunft besser hinzuhören.

Wahre Liebe ist, wenn man bis ins Alter zusammen rocken kann.

Darum ist Gregor alleine nach Australien:

abspielen

Video: watson

gregor stäheli australien mint perth gregorstaeheli staeheli

Seine Lehrer sagten früher: «Wenn du ständig überall deinen Senf dazugeben musst, wird nie etwas aus dir.» Diese Herausforderung nahm er dankend an. Heute ist Gregor Stäheli als Slam Poet vor allem auf Bühnen anzutreffen. Ein Austauschsemester in Perth zwingt ihn, diese für ein halbes Jahr zurückzulassen. Da er es dennoch nicht bleiben lassen kann, sich ständig mitteilen zu müssen, nutzt er diese Reise, um für mint zu schreiben. Seien dies Erlebnisse, Begegnungen mit Schweizern, Gespräche mit Freunden oder grundsätzliche Themen, die ihm unterwegs in den Sinn kommen. Das ist KEIN Reiseblog. Deshalb solltest du ihn nicht zu ernst nehmen – das tut er nämlich selbst schon nicht.

Stalke Gregor auf Facebook oder auf seiner Homepage.

Mehr von Gregor Stäheli liest du hier:

«Ich gehe nach Australien!» – mit diesem Satz erntet in der Schweiz niemand mehr Beifall

Link zum Artikel

Herzliche Grüsse aus der Zukunft! Die Zeitverschiebung und ihre Tücken ...

Link zum Artikel

WG-Typen from Hell – bis auf den Einen, aber den gibt's vermutlich eh nicht

Link zum Artikel

Diese 6 Typen triffst du garantiert in jedem Hostel (und ich bin einer davon)

Link zum Artikel

Party mit 19-Jährigen? Ich bin zu alt für diesen Scheiss

Link zum Artikel

Ein Trip mit Luxuskindern: Vom Campieren und Resignieren

Link zum Artikel

Über den Wolken... Muss die Blödheit der Menschen wohl grenzenlos sein

Link zum Artikel

11 Schweizer Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie vermissen werde

Link zum Artikel

Wie würde die Welt ohne Internet aussehen? Eine Horrorvision in 10 Teilen

Link zum Artikel

Es hat auch seine Vorteile, der einzige Schweizer auf dem Campus zu sein

Link zum Artikel

Ich und mein betrunkenes Ich – eine Hassliebe

Link zum Artikel

Ich habe Zürich und Singapur verglichen – rate mal, wer gewinnt ...

Link zum Artikel

Eine Nacht mit Fremden – darum liebe ich es, alleine zu reisen

Link zum Artikel

Eine Woche im Leben eines Studenten – während der Prüfungsphase. Ahhh

Link zum Artikel

Auf Umwegen zum Traumberuf – wie wird man eigentlich Reiseleiter?

Link zum Artikel

Aus den Memoiren eines dummen Jungen

Link zum Artikel

Willkommen im Jammertal: Gedanken eines chronischen Singles

Link zum Artikel

Warum wir alle ein bisschen mehr wie Dennis sein sollten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Mehr mint gibt's hier:

16 Bilder, die zeigen, wie lustig die #10YearsChallenge eigentlich sein könnte

Link zum Artikel

Wie dich «The Crown» dazu bringen wird, Margaret Thatcher zu lieben

Link zum Artikel

5 Spiele, die auch Leute mit Wurstfingern spielen können

Link zum Artikel

Künstler verwandelt Figuren aus Horrorfilmen in süsse Tiercomics – erkennst du alle?

Link zum Artikel

«Bestatter»-Fabio über sehr morbide Details, den grossen Mike und süsse Aargauer

Link zum Artikel

So einfach und CO2-neutral kannst du diese 13 europäischen Städte per Zug erreichen

Link zum Artikel

4 filmreife Storys, die sich NICHT Hollywood ausgedacht hat

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Freispruch: Das Kondom heimlich abzustreifen ist keine Schändung

Link zum Artikel

Diese 6 Paare haben (wahrscheinlich) keinen guten Sex

Link zum Artikel

Erste vegane Waldspielgruppe: «Ums Vegane an sich geht es mir gar nicht»

Link zum Artikel

Das sind die besten Drohnenbilder des Jahres 2018

Link zum Artikel

Millionenklage! «Black Mirror»-Film könnte für Netflix ganz schön teuer werden

Link zum Artikel

Dieser neue «Game of Thrones»-Teaser verrät den Starttermin zu Staffel 8

Link zum Artikel

Niemand hat Zeit, den «Slutty Therapist» zu spielen

Link zum Artikel

Wenn du nicht mindestens 5 Fragen richtig hast, darfst du deine Drohne nicht starten

Link zum Artikel

Wie cool waren denn bitte die knalligen Skioutfits der 80er-Jahre?!

Link zum Artikel

Die neue «Game of Thrones»-Serie nimmt Formen an – diese 10 Stars sind dabei

Link zum Artikel

Züri Pest oder Gülä? Erkennst du die 12 verhunzten Musiker der User an einer Zeichnung?

Link zum Artikel

Wenn der Stiefvater zur «Massage» bittet: Hollywoodstar Sally Field über ihr Leben

Link zum Artikel

Voll der süsse... Mörder?! – 11 Gedanken zu Netflix' «You – Du wirst mich lieben»

Link zum Artikel

Auf diese 18 Serienhits darfst du dich 2019 freuen – auf einige zum letzten Mal

Link zum Artikel

15 Filme, die niemand braucht – und 2019 trotzdem ins Kino kommen

Link zum Artikel

Neuer «Game of Thrones»-Clip veröffentlicht (könnte Spuren von SPOILER enthalten)

Link zum Artikel

5 bekannte Fernsehserien, die man auch spielen kann 

Link zum Artikel

7 leichte Rezepte, um dein schlechtes Gewissen zu beruhigen

Link zum Artikel

Bringt die «Conversation Pit» zurück! (oder: Warum quadratische Sofavertiefungen fehlen)

Link zum Artikel

9 Filme und Serien, die du neu in der Schweiz streamen kannst

Link zum Artikel

«Die höchste Form von Gangster ist der Revolutionär»

Link zum Artikel

Ich hab mir eure Kommentare zum Netflix-Film «Bandersnatch» zu Herzen genommen

Link zum Artikel

Super Sex und 17 andere Dinge, die ich mir fürs neue Jahr wünsche

Link zum Artikel

Diese 9 alten Knochen waren die ersten Handys der watsons – und welches hattest du?

Link zum Artikel

Seltsamer Sinn für Humor? Dann werden dir diese 9 Comics gefallen!

Link zum Artikel

«Die Hip-Hop-Szene ist ein fruchtbarer Boden für Verschwörungstheorien»

Link zum Artikel

Orakel-Katze Hader weiss, wie dein neues Jahr aussehen wird

Link zum Artikel

Diese 10 Comics verstehst du nur, wenn du nie rechtzeitig aus dem Bett kommst

Link zum Artikel

Der interaktive «Black Mirror»-Film «Bandersnatch» ist Quatsch. Very bad job, Netflix!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Yelp 15.07.2017 00:35
    Highlight Highlight Deine Erzählweise gefällt mir wirklich sehr gut. Ich hatte nie Grosseltern aber finde die Vorstellung davon sehr schön. Weiter so!
  • Stumopen 14.07.2017 22:37
    Highlight Highlight Ach danke. So lieb. Ich hatte zwar auch keinen Opa, aber mein Papa war ziemlich genau so 🤗 leider ist er viel zu früh verstorben 😥
  • Mia_san_mia 14.07.2017 21:22
    Highlight Highlight Boah da vermisse ich meinen Opa gleich wieder, wenn ich das lese...
  • Jakal 14.07.2017 21:01
    Highlight Highlight Wunderbar!!
  • Der müde Joe 14.07.2017 19:26
    Highlight Highlight Sehr schöner Bericht! Leider hatte ich nie einen Opi.😢 Aber ich hoffe, ich werde in ca. 30 Jahren selber mal einer sein!🙂
  • Ire&ZaES 14.07.2017 16:47
    Highlight Highlight Sehr schöner Bericht. Danke!

Wir haben Uno unser Leben lang falsch gespielt! 😱

Du lebst dein Leben nach deinen eigenen Regeln? Dann wirst du erstaunt sein, was im Regelheft von Uno eigentlich steht.

Sie ist die meistgefürchtete Karte im Uno-Universum:

Der Spieler, der über diese mächtige Karte verfügt, bestimmt nicht nur die darauf folgende Farbe, er zwingt seinen Nachfolger dazu, nicht weniger als 4 Strafkarten aufzunehmen und seinen Zug auszusetzen.

Und das Schlimmste: Er kann die Karte, so wie die Wunschkarte, jederzeit spielen, da sie keine bestimmte Farbe hat.

Oder?

ODER?!

FALSCH! Denn laut den offiziellen Uno-Regeln darf man die +4-Karte nur dann spielen, wenn man keine andere Karte …

Artikel lesen
Link zum Artikel