Leben
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«Wenn du an den Abgrund kommst, dann musst du springen»

Greg Fox. bild: Deidre o'callaghan

Photographin Deirdre O'Callaghan hat die berühmtesten Schlagzeuger der Welt portraitiert. Eine Entdeckungsreise durch eine ganz eigene Sicht auf Musik. 



Wieso ist jetzt alles mint?
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In mint schreiben watson-Autoren und freie Autoren aus aller Welt. Die Geschichten erkennt ihr auf der watson-Startseite an einem «m.» im Bild. So, und nun: Viel Spass. :)

Schlagzeuger sind unterbewertet. Immer. Überall. Dabei steuern sie aus der hintersten Reihe den Kahn, entscheiden über Gelingen oder Versagen jedes Songs, jedes Konzerts. 

O'Callaghan kennt sie alle und hält mit ihren Photos und Interviews eine unvergleichliche Perspektive auf Musik fest. 

«Es fällt mir schwer über Musik zu sprechen. Weil ich Musik mache. Es ist meine Sprache. Und ich spiele, um Dinge auszudrücken, die ich nicht in Worte fassen kann.»

Zach Hill (Death Grips, Hella). The drum thing

Deirdre O'Callaghan

Photographin

O'Callaghan gehörte zum ursprünglichen Team der Zeitschrift «Dazed&Confused» und hatte schon immer eine ausgeprägte Affinität zu Musik. Ihre Passion führte sie automatisch hin zur Gestaltung von Artwork und zu Pressephotographie für alle Major Plattenfirmen (Warner Music, Beggars Group, Domino, Universal Music Group & Warp). Im Anschluss begann sie direkt mit Bands zusammenzuarbeiten wie U2, The National, Laura Marling, Damon Albarn, De La Soul, Peaches, Gang Starr, Alex Turner, Josh Homme, Emeli Sande oder Grinderman.
Zu ihren Arbeiten als freie Künstlerin gehören ausserdem Photobände über das Arlington House, ein Hostel in Camden, London oder das Chelsea Hotel in New York. Dort begleitete sie die schillernde, meist langfristig dort lebende Kundschaft über einen Zeitraum von fünf Jahren. 

PAULi The PSM (Gorillaz/Damon Albarn). Bild: deidre o'callaghan

PAULi The PSM

Gewann einen Preis als Nachwuchs-Schlagzeuger des Jahres. Wenn Damon Albarn einen Perkussionisten sucht, dann ruft er immer PAULi an. Er war daher auch schon mit den Gorillaz und Albarn's Band, den Heavy Seas, auf Tour. Nebenher laufen seine eigenen Projekte.  

«Ein Schlagzeug-Computer hat genauso Seele wie ein echter Schlagzeuger. Traditionell würde man sagen, du weisst schon, ein Mensch hat Energie und ist lebendig und bringt seine Personalität und seine ganz eigene Spielweise mit rein.
Nein, ein Computer ist genau gleich: Es ist ein Instrument. Du programmierst die Maschine genau gleich wie du deinen Körper programmierst. Wenn ich mit einem Schlagzeug-Computer spiele, dann lebe ich das total aus. Ich suche die Grenzen genauso, wie man das mit einer Klarinette oder einem Schlagzeugset oder was auch immer tun würde. Ich finde Schlagzeug-Computer super. Guck dir Jam and Lewis an. Die Jungs haben Rhythmen geschaffen, die physisch schlicht nicht spielbar sind. Guck dir an, was Skrillex grade mit Dance Musik macht. Da kann man einfach nicht mithalten. Questlove, der imitiert Schlagzeug-Computer. Oder was J Dilla damals schon mit Schlagzeug-Computer erreichte.
Das geht weit über das hinaus, was ein Schlagzeuger schaffen kann. Ausser Questlove natürlich, oder Chris Dave. »

PAULi The PSM the drum thing

Julie Edwards (Deap Vally). Bild: deidre o'callaghan

Julie Edwards

Als eine Hälfte des Garage Blues Duos Deap Vally spielt sie tragende, schwere Grooves. Und stellt mit ihren simplen und eingängigen Beats so manchen Indie-Schlagzeuger in den Schatten.

«Ich liebe es, ganz lächerlich schwer zu spielen. So immer ein bisschen zurückzubleiben und allem Glanz zu verleihen – so wie John Bonham.»

Julie Edwards. the drum thing

The Drum Thing, Deirdre O'Callaghan

Stephen Morris (New Order). bild: deidre o'callaghan

Stephen Morris

Verehrt für seine Fähigkeit, es in Sachen Präzision mit den besten Drum machines aufzunehmen. Bekannt für sein Spiel in zwei der berühmtesten Bands, die Manchester je hervorbrachte: Joy Division und New Order.

«Wenn du ausserhalb deines Schlafzimmers Musik hören wolltest, musstest du an Konzerte gehen. Es gab keine Diskos oder sowas. Ich mein', es gab da wohl Diskos aber dafür musste man älter sein und die richtigen Klamotten haben. Also blieben nur Konzerte in der Free Trade Hall und in diesem anderen grossartigen Laden: The Stoneground. Und man guckte sich so Bands an wie Genesis – die habe ich oft gesehen. Phil Collins war ein interessanter Schlagzeuger und ist es vermutlich noch immer. Das war so das, was man sich angehört hat. Und als dann der Punk kam, haben wir diese Platten unter'm Bett versteckt und so getan, als hätten wir die nie gemocht und als wären wir schon immer Riesenfans von den Sex Pistols, den Ramones gewesen!»

Stephen Morris. the drum thing

Questlove (The Roots/D’Angelo/Elvis Costello/Al Green/Jay Z/Jimmy Fallon). Bild: deidre o'callaghan

Ahmir «Questlove» Thompson

Der Fels auf den der zeitgemässe Hip-Hop baut. Sein enzyklopädisches Allgemeinwissen über Musik ist unvergleichbar.

«Ich hatte meinen Bruder so manipuliert, dass er mir eine Vinyl-Single eines Tracks kaufte, den mir unsere Eltern eigentlich verboten hatten. Sie meinten so: ‹Nein, den Song mögen wir nicht, der ist dreckig, den kriegst du nicht.› Drei Wochen lang schmiedete ich Pläne, wie ich an den Song rankommen könnte. Jedesmal, wenn er im Radio lief, hatte ich ihn verpasst und konnte ihn auch nicht aufnehmen ... Es war ‹Juicy Fruit› von James Mtume, der damals als Perkussionist mit Miles Davis spielte. Es wirkt nach heutigen Standards völlig harmlos ... Alle Musiker aus Miles Davis' Gruppe waren schwere Jazz-Profis, aber sie wollten auch Geld verdienen. Also spielten sie auch regulären Pop. Dieser Song war sein grosser Durchbruch und Notorious B.I.G. hat ihn für seine erste Single ‹Juicy› gesamplet.
Damals war ich zwölf und hatte keine Ahnung von Doppeldeutigkeiten. Ich dachte wirklich, es gehe wohl um einen Streifen Kaugummi. ‹Juicy Fruit›. Ich Idiot. Ich dachte es geht um Süssigkeiten. Ich hatte keine Ahnung, dass es eine Metapher für Sex war.»

«Questlove». the drum thing

The Drum Thing, Deirdre O'Callaghan

Jack White. bild: deidre o'callaghan

Jack White

Wächter über den modernen Blues und nie ermüdender Musiker mit schier unglaublichem Output. Die Becken für Dead Weather zu zerdeppern, ist nur eines der vielen, vielen Talente des Multi-Instrumentalisten Jack White.

«Jemand hat mir mal ganz, ganz am Anfang erzählt: ‹Wenn du auf die Bühne gehst, dann musst du wirken als gehörte dir der Laden.› Und das sage ich heute auch zu den jungen Künstlern mit denen ich arbeite. Und wenn wir hier Live-Shows veranstalten, dann antworten die nur so: ‹Das ist einfach für dich, Jack. Dir gehört der Laden wirklich.› Wenn du einen Künstler auf der Bühne siehst und du nimmst auch nur eine Spur Unsicherheit oder Nervosität oder Zweifel wahr, dann verlierst du den Respekt vor dieser Person. Selbst wenn die Musik nix taugt oder deine Show lausig ist – wenn du sicher auf der Bühne stehst, dann kannst du's dem Publikum verkaufen.»

Jack White. the drum thing

The Drum Thing, Deirdre O'Callaghan

Brian Chase (Yeah Yeah Yeahs/John Zorn/Drums and Drones/Alan Licht/The Seconds). bild: deidre o'callaghan

Brian Chase

Lebt den ungezähmten Punk der Yeah Yeah Yeahs. Und fühlt sich ebenso wohl mit den Avantgarde Noise Experimenten Alan Lichts oder John Zorns. Sein energetisches Spiel sticht stets heraus aus den Trümmern des Art Rock Untergrunds von New York. 

«Ich denke oft nach über diese Idee an einen Abgrund zu gelangen und zu springen. Viele der technischen Aspekte von Musik sind genau so konzipiert. Sie bringen uns an diese Grenze des ständigen Bewusstseins – und das ist wichtig. Aber ich glaube trotzdem, dass sie uns nur bis zu diesem Abgrund begleiten können. Damit wir uns wirklich vertiefen können, müssen wir springen. Und um diesen Abschnitt zu schaffen, müssen wir loslassen. Also nutzen wir die Technik zwar, um überhaupt soweit zu kommen, aber dann ist es an uns, uns wirklich auf die Musik einzulassen.»

Brian Chase. the drum thing

Jaki Liebezeit (Can). Bild: deidre o'callaghan

Jaki Liebezeit

Schlagzeuger der Krautrock Legenden CAN. Der erst Ende Januar verstorbene Liebezeit ist verantwortlich für einige der rhythmisch komplexesten und treibendsten Sounds der 70's.

«Es war 1968; es war das Jahr der Revolution. Das fing an mit Studentenrevolten in Berlin. Und da passierte was mit mir. Weltweit, glaube ich, damals. Ebenso in der Musik und in der Kunst und in der Malerei. Pop Art kam und brachte uns alle dazu, was Neues auszuprobieren. Wir hatten die Schnauze voll von diesem alten Nachkriegskram. Wir kamen zusammen und wir hatten alle das gleiche Gefühl. 
Das gab uns die Kraft was völlig Neues auszuprobieren.»

Jaki Liebezeit. the drum thing

Wenig ist Wurst, alles hat ein Ende: Musiker, die an einer Überdosis gestorben sind

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