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Welches das ungesündeste soziale Netzwerk ist und welches uns sogar guttut

bild: shutterstock

Instagram ist das ungesündeste Netzwerk und Youtube wirkt auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen sogar positiv. Eine Datenerhebung aus Grossbritannien hat dies ausführlich geprüft.



Teenager sein war schon immer Scheisse. Egal ob mit oder ohne Facebook, Youtube, Snapchat und Instagram. Nun behaupten britische Forscher in einer aktuellen Studie jedoch, dass mit der zunehmenden Omnipräsenz der sozialen Medien alles nur noch schlimmer wird.

«Social Media wurden zu einem Raum, in dem wir Beziehungen bilden, unsere Identität formen und uns selbst verwirklichen. Er ist wesentlich mit unserer Psyche verbunden. Und das können wir nicht länger ignorieren.»

Shirley Cramer, Studienleiterin

Die umfangreiche Datenerhebung der «Royal Society for Public Health» geht vom Fakt aus, dass momentan jeder sechste Jugendliche unter Angstzuständen leidet. In den letzten 25 Jahren ist diese Zahl um sieben Prozent gestiegen. Britische Teenies sagen durchs Band: Instagram und Co. seien Schuld daran.

Deshalb arbeiteten sie folgende negative, sowie positive Faktoren heraus, die soziale Netzwerke auf die psychische Gesundheit von Menschen in der Adoleszenz ausüben können. Im Nachhinein überprüfte das Forscher-Team das Zutreffen jener Faktoren mittels einer Befragung von 1479 Jugendlicher (14 bis 24 Jahre).

Negative Aspekte

1. Schlaf

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grafik/: rsph/ watson

Gerade im Teenager-Alter spielt Schlaf eine wichtige Rolle für die psychischen Gesundheit. Jugendliche sind aufgrund des Wachstums auf ein bis zwei Stunden mehr Schlaf pro Tag angewiesen als Erwachsene. Die befragten Teenager bestätigten, dass die Bewirtschaftung und der Konsum ihrer sozialen Kanäle, sie vom Schlaf fern hält. 

2. Körperbild

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grafik: watson

An den Befragungen waren hälftig  Jungs und Mädchen beteiligt. 9 von 10 befragten jungen Frauen, gaben an, unglücklich in ihrem Körper zu sein. Gesamthaft äusserten 70 Prozent der Probanden und Probandinnen, dass sie sich einen chirurgischen Eingriff zu kosmetischen Zwecken wünschen würden.

Die Forscherinnen reimten sich auf dem Rücken jener Tatsachte sofort die These: Körperkult im Internet wirkt, wie Gift für das fragile, jugendliche Selbstbewusstsein.

Was eine Gratis-App anstellen kann. Diese Instagrammerin deckt's auf. 

3. Cyber-Mobbing

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grafik: watson

Von 10 jungen Menschen gaben sieben an, dass sie schon Formen von digitalem Mobbing erlebt haben. Dabei behaupten 37 Prozent, dass sie das Erlebnis als hohe Belastung wahrgenommen haben, die ihre Schulleistungen beeinflusst haben oder gar zu Depressionen, Angstzuständen, Selbstverletzung und Einsamkeit geführt haben. Unter den sozialen Netzwerken gilt Facebook als mobbingaffinste Plattform. Junge Menschen werden dort doppelt so häufig gemobbt, wie auf anderen Netzwerken.

4. Angst das Beste zu Verpassen (AdBzV)

Als vierte mediale Negativwirkung stellt die umfangreiche Studie die sogenannte «Fear of Missing Out» (FoMO) fest. Dabei geht es um den permanenten Angstzustand in der möglichkeitsreichen Welt, die Optionssuperlative (das beste Konzert, die tollste Party, den schönsten Ort zum Chillen) zu verpassen. Die ADBzV führt langfristig, so die Studie, zu «Lustlosigkeit und einer generellen Abnahme der Lebenszufriedenheit». Dass sie besonders bei jüngeren Menschen zu untersuchen gilt, rechtfertigt die Studie mit einer Untersuchung aus dem Jahr 2015, in der Kinder und deren Eltern zu diesem Gefühlszustand befragt wurden. Es zeigte sich, dass die Jugendlichen das Gefühl durchaus kannten, während sich 90 Prozent ihrer Eltern verständnislos zeigten.

Positive Aspekte

1. Zugang und Multiplikation von Wissen

Durch Social Media können Inhalte in Form von Texten, Videos oder Veranstaltungshinweisen geteilt werden. Dadurch kann sich ein gesundes Bewusstsein etablieren, dass psychische Krankheiten enttabuisiert. Jugendliche mit psychischen Problemen erhalten somit das Gefühl, nicht alleine zu sein und kommen im besten Fall in Berührungen mit Hilfsangeboten, die sie besuchen können.

2. Emotionale Unterstützung durch Online-Communities

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grafik: watson

Sozialen Netzwerke werden zunehmend Plattformen für digitale Selbsthilfegruppen. Sieben von zehn Jungendlichen geben an, dass sie über Facebook oder andere Netzwerke Hilfe und Zugehörigkeit generieren konnten. Gerade für junge Menschen, die einer Minderheit angehören und sich deshalb vermehrt alleine fühlen und fast keinen Zugang zu realem Austausch mit verbündeten Gleichaltrigen haben, beweisen sich Social Media als wichtig Kontaktbörse. Ein prominentes Beispiel dafür sind Facebook-Gruppen von LGBTQI-Organisationen

3. Selbstentfaltung und Identitätsbildung

Punkto Identitätsbildung gilt der Lebensabschnitt von der späteren Teenie- und die früheren Zwanziger-Jahre als intensivste Phase. Soziale Netzwerke bieten dafür eine Riesenplattform. Durch das Liken und Folgen von kulturellen, politischen und anderen Interessens-Kanälen, können sich junge Menschen eine Art Identitätskatalog aufbauen und selber kennenlernen. Zudem fungiert der eigene Account als eine Art digitale Bühne, auf der man sich ausprobieren darf, in dem man selber produzierte Inhalte, wie Musikvideos, Texte etc. veröffentlichen kann. 

4. Beziehungsfindung

Für schüchterne Menschen oder Personen mit speziellen Interessen können Social Media Freundschaften, romantische Verhältnisse und Interessengruppen generieren. Gleichzeitig tragen sie auch zum Erhalt vieler Verbindungen massgebend bei.

Auswertung

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grafik: rsph/ watson

Diese acht negativen und positiven Aspekte verarbeitete das Forscherteam um Shirley Cramer und Dr. Becky Insker zu einem Fragekatalog. Dabei gaben die Jugendlichen jeweils an, ob sich die Netzwerke Snapchat, Twitter, YouTube, Facebook und Instagram auf einen Aspekt bezogen eher negativ oder positiv auf ihre psychische Gesundheit wirken.

Das Resultat zeigt, dass Instagram das ungesündeste soziale Netzwerk ist. Die Fotoplattform hält Jugendliche anscheinend auf krasse Weise vom Schlaf ab, produziert Minderwertigkeitskomplexe und kultiviert ein fragwürdige Körperbild. Obwohl die Plattform vielen Menschen in ihrer Selbstentfaltung und ihrer Identitätsfindung hilft, ist ihre Gesamtbilanz negativ. Instagram's abschlägiger Einfluss wird gefolgt von Snapchat, Facebook und Twitter.

Das einzige Netzwerk, das in der Umfrage einen grünen Balken verzeichnen kann, ist die Video-Plattform YouTube.

Klicke auf die Smartphones, um genauere Details zu erfahren.

Kommt jetzt die SM-Warnung?

Die Köpfe hinter der Untersuchung scheuen sich trotz der besorgniserregenden Resultate davor, soziale Medien pauschal als schlecht und verwerflich zu stigmatisieren. Viel mehr rufen sie zu einem proaktiven Haltung auf.

«Soziale Medien sind grössere Suchtmittel als Zigaretten und Alkohol. Deshalb dürfen wir ihre Auswirkungen auf die Psyche nicht mehr länger ignorieren.»

Shirley Cramer, Studienleiterin 

Im letzten Kapitel der Standesaufnahme werden deshalb folgende Punkte aufgelistet, die den Umgang mit sozialen Medien und deren Einfluss auf unsere Psyche verbessern sollen:

  1. Die Einführung eines Plugins, das die Verweildauer auf einem sozialen Netzwerk misst und nach einer gewissen Zeit ein Pop-Up-Fenster öffnet, dass darauf hinweist, wie lange man sich schon auf dem bestimmten Portal befindet.
  2. Soziale Netzwerke sollen ein Signal einführen, das darauf hinweist, dass gewisse Bilder manipuliert worden sind. Dies würde dem surrealen Körperkult, der, wie die Studie zeigt, auf fast allen Plattformen kultiviert wird, relativieren.
  3. Schulen sollen das Thema Social Media stärker thematisieren und mit einer kritischen Haltung vermitteln.
  4. Plattformen sollen ihre Datenanalyse dafür verwenden, um Userinnen und User, die potenziell an einer psychischen Krankheit leiden, auf Hilfestellen aufmerksam machen. Dies könnte zum Beispiel über gewisse Hashtag-Verwendungen passieren. Wenn beispielsweise essgestörte Teenager häufiger den hashtag #ana (umgangssprachlich für Anorexie/ Magersucht) verwenden, soll ein Algorithmus  diese auf eine Seite verweisen, auf der Betreuungsarbeit angeboten wird.
  5. Sozialarbeiter sollen sich vermehrt mit Social-Media-Strategien bekanntmachen, um eine stärkere Reichweite zu erlangen.
Schaden Social Media Teenagern mehr als sie ihnen nützen?

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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Hades69
28.05.2017 22:45registriert January 2016
Es braucht ein neues Schulfach: Medienkompetenz. Auch für Erwachsene erwünscht.
558
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_kokolorix
28.05.2017 22:38registriert January 2015
Eigentlich geht es nur darum, dass uns überall 'optimiertes' Material vorgesetzt wird. Am krassesten ist die Werbung. Da wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Entsprechend werden die Menschen ihr Selbstbild auch optimieren und daher für Bildmanipulationen und letztlich kosmetische Operationen Empfänglich sein. Ist ersteres noch spielerisch und unverbindlich, ist letzteres doch sehr bedenklich.
Wir sollten einfach diese offensichtlichen Übertreibungen unter Strafe stellen und die Fehlbaren empfindlich büssen. Das würde die Kleinanzeigen ausmisten und dem Perfektionswahn entgegenwirken
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Wolf2000
28.05.2017 17:45registriert April 2017
Gesundes Mass! Nicht mal Erwachsene haben es im Griff. Verlieben sich und führen eine Onlinebeziehung. Die eigene Familie fahren sie dann an die Wand. Sorry kann nichts dafür. Sehr wohl ihr "Onlinejunkies"...
276
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