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sandro brotz in syrien

«Rundschau»-Journalist Sandro Brotz bei der Arbeit in Syrien. Bild: zvg

Interview

Sandro Brotz über Assad-Interview: «Manchmal sind die Fragen wichtiger als die Antworten»

Sandro Brotz ist einer von wenigen Schweizer Journalisten, die Syrien besucht haben. Der «Rundschau»-Moderator hat vier Tage im kriegsgeschüttelten Land verbracht. Ein Gespräch über Marktgeschenke, kriegsmüde Syrer und Interviews, bei denen die Fragen wichtiger als die Antworten sind. 



Herr Brotz, Sie sind mitten in ein Kriegsgebiet gereist. Hatten Sie Angst? 
Sandro Brotz: Ich war das erste Mal in Syrien unterwegs, doch ich habe natürlich im Vorfeld mit vielen Leuten über die Gefahren im Land gesprochen. Unser Fahrer war eine Person unseres Vertrauens, ein Syrer, der sich auskannte und wir sind nur durch das Territorium von Syrien-Präsident Baschar al-Assad gefahren, der uns ja eingeladen hatte. Richtige Angst hatte ich also keine, aber eine gewisse Grundanspannung begleitet einem bei einem solchen Projekt. 

Wie sind Sie gereist? 
Meine Kollegin Samira Zingaro und ich sind nach Beirut im Libanon geflogen und von da aus noch am gleichen Tag an die syrische Grenze weitergereist. Auf einem Autobahnkorridor konnten wir direkt nach Damaskus fahren.

«Die Leute waren so überrascht über einen Westler, dass sie mir den Einkauf sofort schenkten.»

Was haben Sie auf der Fahrt angetroffen? Wie sieht Syrien aus? 
Auf der Fahrt haben wir wenig gesehen. Wir fuhren durch eine lange Ebene mit wenig Zivilisation. Bis Damaskus dauert es rund zwei Stunden. Natürlich fallen aber die Checkpoints auf. Wir mussten fünf oder sechs davon passieren. 

Was passiert da? 
Wir mussten uns ausweisen, unsere Visa zeigen, die für uns an der Grenze hinterlegt wurden. Mehrmals kontrollierten die Soldaten unseren Wagen und öffneten unser Gepäck.

Wie präsentierte sich die Stadt? 
Es herrscht reger Betrieb. Wenn man nicht wüsste, dass 10 bis 15 Kilometer weiter weg Kriegshandlungen stattfinden, würde man es nicht merken. Wer die arabische Welt schon bereist hat, kennt das Bild: labyrinthartige Altstadt, grosse Souks, Menschengewirr, Verkaufsgeschrei. Ungewöhnlich ist, dass kein einziger westlicher Tourist darin anzutreffen ist. Als ich einmal was kaufen wollte, waren die Leute so überrascht über einen Westler, dass sie mir den Einkauf sofort schenkten. 

Damaskus ist vollständig intakt? 
Nein, es gibt natürlich Kriegsschäden, auf die uns unser Fahrer jeweils hinwies. Sie sind aber nicht so gravierend wie in Aleppo. Dennoch sind einige Gebiete komplett abgeriegelt und bereits nahegelegene Dörfer zerbombt. Dahin sind wir aber nicht gefahren, wir haben uns auf dieses eine Projekt konzentriert. 

Das Interview mit Baschar al-Assad. Sie haben schon alle möglichen Menschen in harten Interviews konfrontiert. Waren Sie vor diesem besonders nervös? 
Nein. Ich war sehr konzentriert, habe kaum mehr wahrgenommen, wieviele Leute um uns herum standen und fokussierte mich vollkommen auf ihn. 

«Als Journalist will ich immer mit den Direktbetroffenen reden.»

Was bringt ein solches Interview überhaupt? Es war schon vorher davon auszugehen, dass Assad nicht zugeben würde, ein Kriegsverbrecher zu sein.
Ja, das war es tatsächlich. Trotzdem ist es wichtig, auch mit solchen Leuten zu reden. Als Journalist will ich immer mit den Direktbetroffenen reden. Das hätte jeder gemacht, der die Möglichkeit dazu erhalten hätte.   

Sie haben es also nicht aus reinen Prestige-Gründen gemacht? 
Natürlich nicht. Manchmal, und gerade in einem solchen Fall, sind die Fragen wichtiger als die Antworten. Wir haben den Präsidenten mit allen gegen ihn geäusserten Vorwürfen konfrontiert und konnten seine Reaktion darauf beobachten. Dass er sie bestreiten würde, war klar. Trotzdem musste er Stellung beziehen.

Ein bisschen stolz sind Sie aber schon? 
Ich bin stolz auf unser Team. Es war eine grosse journalistische, logistische und technische Leistung, dass dieses Interview möglich wurde und wir haben hervorragend zusammen gearbeitet. 

Hatten Sie Zeit, mit einigen Einwohnern reden? Wie geht es den Leuten in Damaskus? 
Ja, es war mir wichtig vor dem Interview mit den Menschen aus Damaskus zu reden und zu spüren, wie sie zum Präsidenten stehen. In Damaskus äussert sich kaum jemand kritisch über Assad. Was man ganz deutlich spürt, ist das sie müde sind. Die Menschen sehnen sich nach Frieden und haben genug von diesem Krieg. 

In Damaskus fühlen sie sich aber sicher? 
Ja, einigermassen. Sie fühlen sich durch den Präsidenten geschützt und kritisieren indirekt jene Syrer, die das Land verlassen und keine Treue zur Heimat gezeigt haben. 

Sie erzählen von Marktständen und Läden. Kauft da auch wirklich jemand ein? 
Das habe ich mich auch gefragt. Die Leute leben natürlich am Existenzminimum. Was es in Syrien zu kaufen gibt, können sich nur wenige leisten. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • silverback 21.10.2016 14:29
    Highlight Highlight «Nun durfte also auch das Schweizer Staatsfernsehen SRF den syrischen Präsidenten Assad befragen und der „Höhepunkt“ des 20 Minuten dauernden Gesprächs war ein denkwürdiger Augenblick der Mediengeschichte, als sich Interviewer Sandro Brotz zum Hanswurst einer „humanitären“ Propaganda machte, die das Gemetzel in Syrien überhaupt erst möglich macht.»

    https://propagandaschau.wordpress.com/2016/10/21/interview-des-srf-mit-syriens-praesident-baschar-al-assad/
  • Spooky 21.10.2016 00:18
    Highlight Highlight Es ist ja eigenartig, dass man einfach so nach Syrien reisen und auf einer Autobahn ohne Gefahr und ohne jegliche Probleme bis nach Damaskus fahren kann. Von Krieg keine Spur in Damaskus! Das ist ja wie in den Ferien in Italien. In Chiasso muss man auch damit rechnen, dass man gefilzt wird.

    Wir werden angelogen, dass es kracht. Wem können wir glauben? Pelda oder Assad? Kann man beweisen, dass Assad lügt? Oder kann man Pelda vertrauen? Wenn ja, wieso?
    • Thomas Binder 21.10.2016 06:17
      Highlight Highlight Jeder einigermassen Neutrale mit Erfahrung vor Ort beschreibt das Leben im "freien" Teil Syriens als vergleichsweise normal, dass Assad den Regime change nur deshalb seit fünf Jahren überlebt weil er die Bevölkerung weitgehend hinter sich hat und Syrien noch weit entfernt ist von einer Generalmobilmachung.

      Es ist nicht erstaunlich sondern selbstverständlich, dass derjenige, der Assad als "pathologischen Lügner" entwertet, selber einer ist.
  • amore 20.10.2016 18:40
    Highlight Highlight Das Interview war Klasse. Nur die Diskussion im Studio war zu einseitig. Schade hat man nicht Experten wie Prof. daniele Ganser dazu eingeladen.
  • forest hill 20.10.2016 17:46
    Highlight Highlight Gutes Interview, well done Rafaela Roth
  • Thomas Binder 20.10.2016 16:24
    Highlight Highlight Wem nicht apriori davon überzeugt ist, immer der Gute zu sein und immer auf der Seite der Guten zu stehen, dem empfehle ich, sich eine knappe Viertelstunde lang das andere Narrativ über Aleppo und Syrien anzuhören, welches unsere USA/NATO/Golfstaaten/Daesh-Medien nicht erzählen, berichtet nicht von Assad oder Putin sondern vom Virginia Staatssenatoren und mit dem "Purple Heart" ausgezeichneten US-Vietnamkriegsveteranen Richard Black, der vor kurzem auch selber in Syrien war...

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    • Binnennomade 20.10.2016 20:34
      Highlight Highlight Das war eine schöne Märchenstunde mit einer tatsächlich sehr anderen Sichtweise als man sie normalerweise hört. Natürlich komplett ohne Beweise, Quellenangaben oder dergleichen. Hauptsache der Feind ist Al-Qaida und man hat noch ein bisschen 9/11 erwähnt.
      Ich bin sicher, dass wir nicht die ganze Wahrheit mitbekommen und es andere Sichtweisen auf den Konflikt gibt, aber ich würde doch gern ein bisschen mehr sehen, als zwei ältere Herren auf der anderen Seite der Erdkugel, die alles ein bisschen umerzählen
  • Thomas Binder 20.10.2016 15:38
    Highlight Highlight Das öffentlich rechtliche Fernsehen eines angeblich neutralen Staates brauchte fünf Jahre, um uns neben dem USA/NATO/Golfstaaten/Daesh-Narrativ über den Syrienkrieg, in dem 400K Menschen umgebracht, Millionen verletzt und aus ihren Häusern gebombt wurden aus reiner Macht-, Erdgas- und Geldgier, endlich das syrische Narrativ zu erzählen - eine Schande!

    Dass dazu auch noch der schwerstgradige eigeninteressierte PRopagandist Pelda, der nicht nur in Syrien sondern auch bei uns den Mythos des"Clashes of civilisations" aus dem Vakuum herbeiredet, immer noch eine Bühne bekommt, ist ein Skandal!
    • äti 20.10.2016 16:14
      Highlight Highlight Sie lesen echt keine Zeitung? Haben über Jahre auf dieses Interview gewartet? Oder habe ich Ihren Text falsch verstanden?
    • Donald 20.10.2016 17:08
      Highlight Highlight Was hat Pelda für ein Eigeninteresse?
    • Thomas Binder 20.10.2016 18:28
      Highlight Highlight Ob Pelda für seine PRopaganda bezahlt wird oder seine Hasspredigten aus reinem schwerem Narzissmus hält, um überall seinen Kopf vor eine TV-Kamera halten zu dürfen, weiss ich nicht, unsäglich und brandgefährlich sind Fundamentalisten jeglicher Couleur wie er alleweil.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ehringer 20.10.2016 14:31
    Highlight Highlight Schön wieviele Leute wissen, was Herr Brotz alles falsch gemacht hat. Ich glaube es ist alles andere als einfach, ein solches Interview zu führen. Assad antwortete wie erwartet, aalglatt und ohne sehr viel Inhalt. Persönlich finde ich, das Team hat gute Arbeit geleistet. Auch Vorwürfe zum Bild ("das ist kindisch") finde ich schwer verständlich. Genau bei dieser Frage war die Antwort von Assad doch sehr interessant. Ich finde Herr Brotz hat das sehr gut gelöst.
  • Sillum 20.10.2016 14:26
    Highlight Highlight Die perfekte Ego-Show mit Gebührengelder der Billag. Der Nutzen dieses ebenso teuren wie peinlichen Auftritts tendiert gegen Unternull. Ein Grund mehr die wichtige kommende Abstimmung nicht zu verpassen.
    • zialo 20.10.2016 15:57
      Highlight Highlight Ich finde die Leistung bemerkenswert. SRF bringt sowohl Game of Thrones als auch einen Interview mit einen Diktator der so ist wie die Könige dort.
    • stalker 20.10.2016 17:11
      Highlight Highlight Ach hört doch auf mit diesem Gebührengeld-Geschwafel. Es ist doch vollkommen logisch, dass die Gelder nicht nur für Sendungen eingesetzt werden können, die Sillum passen. Für mich sind mit einem solchen Interview Gebürengelder jedenfalls bedeutend besser eingesetzt, als mit 1 gegen 100, Landfrauenküche oder was weiss ich. Trotdem spreche ich solchen Gefässen die Berechtigung nicht ab, da es wichtig ist, Inhalte für unterschiedliches Zielpublikum zu produzieren.
  • Pasch 20.10.2016 14:06
    Highlight Highlight Was für ein Schuss in den Ofen mit diesen direkt beschuldigenden Aussagen... Der Westen hat nunmal nur eine Sichtweise und die Objektivität ging grad Bachab...
  • NWO Schwanzus Longus 20.10.2016 14:01
    Highlight Highlight Assad hat viel Unterstützung im Volk ein Sturz (nicht mehr möglich) würde Syrien zu einem Libyen machen wo gar nichts funktioniert da die Rebellen nicht unterstützungswürdig sind. Denen ist das Volk egal und massakrieren es sie wollen nur einen Gottesstaat der Millionen von Syrern in die Flucht treibt.
  • The Box 20.10.2016 13:47
    Highlight Highlight Ich habe mir die Sondersendung angesehen und bin der Meinung man hätte mehr daraus machen müssen.
    Der Informationsgehalt des Interviews tendiert gegen Null und ich denke, das hat vor allem mit der Tatsache zu tun, dass sich die Fragen von Herr Brotz auf dem geistigen Niveau eines Sek-Schülers bewegten.
    Besonders peinlich fand ich, als Brotz Assad das Bild von dem Kind übergab. Selbstinszenierung pur.
    • Richu 20.10.2016 14:10
      Highlight Highlight Dieses Interview hätte Susanne Wille durchführen müssen! Bin auch der Meinung, dass Sandro Brotz überfordert war, "gute" Fragen zu stellen.
    • Ehringer 20.10.2016 14:35
      Highlight Highlight Tut mir leid, Sie ach so gebildeter Mensch, dass Ihnen die Fragen zu einfach waren. Würde mich allerdings interessieren, welche Fagen sie (und vorallem mit welcher Formulierung) gestellt hätten.
      Dass der nformationsgehalt gleich 0 ist hat wahrscheinlich eher damit zu tun, dass Assad ein Politiker ist. Wie bei fast jedem Interview mit Politikern war schön im Vornherein ziimlich klar, was seine Anworten sein werden. Da kann weder Brotz noch das SRF etwas dafür.
    • Maett 20.10.2016 14:41
      Highlight Highlight @The Box: das ist allerdings wahr, das Interview war schlecht vorbereitet und hatte völlig unpassende emotionale um nicht zu sagen unsachliche Inhalte (was aber auch viele andere westeuropäische Journalisten hingekriegt hätten), ausserdem hat Brotz nicht wirklich das Niveau, solche Gespräche zu führen. Aber er wird daran bestimmt wachsen. Dass er das Interview gekriegt hat ist ja schon was.
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