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Thomas Olschewski berät Fussballprofis in Geldfragen. Er ist Mitglied im Vorstand von Fortuna Köln. BIld: thomas olschewski/swiss life

Dieser Finanzberater hilft Profi-Sportlern, damit sie nicht ins Dschungelcamp müssen

Die meisten Fussballprofis verdienen in ihrer Karriere sehr viel Geld. Aber längst nicht alle haben am Ende ihrer Laufbahn ausgesorgt. Was kommt danach? Die negativen Beispiele reichen von Eike Immel bis Ailton: Karriereende, Pleite, Dschungelcamp.

Arne Siegmund / watson.de



«Dass du am Ende der Karriere das Kapital hast, um nie mehr arbeiten gehen zu müssen, schaffst du besonders als Dritt- oder Zweitligaspieler in der Regel nicht. Und dann stehst du da», weiss Thomas Olschewski. 

Er ist 36 Jahre alt und arbeitet als Finanzberater in Köln. «Absicherung, Geldanlage, Kapitalanbau, alles was mit Geld zu tun hat, da kümmere ich mich drum.» Er berät Otto Normalo, aber auch einige Fussballprofis, damit sie gut vorsorgen und genug fürs Ende der Laufbahn beiseitelegen. 

Selber einst ein grosses Talent

Eine Fussballerkarriere dauert in der Regel knapp 15 Jahre. Die Bilderbuchlaufbahn nimmt mit 17, 18 Fahrt auf und klingt dann mit Mitte 30 aus. Oft ist so eine Karriere aber auch viel kürzer. Sie kann früher vorbei sein als es einem lieb ist. Thomas Olschewski hat das am eigenen Leib erfahren.

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Goalie Olschewski (Vordere Reihe, Mitte) war eine Nachwuchshoffnung beim 1. FC Köln. bild: thomas olschewski/privat

Er spielte von 1994 bis 2001 in der Jugend des 1. FC Köln. Im Jahr 2000 steht er auf der Teilnehmerliste eines U17-Lehrgangs des DFB in Leipzig. «Auf Abruf». Ausserdem auf dieser Liste: Christian Tiffert, Markus Feulner und Thomas Hitzlsperger. Diese drei Namen sind noch die bekannteren. Andreas Görlitz und Florian Kringe kennen manche vielleicht auch noch. Aber bei Stefan Beckert, Mathias Dörrich und Michael Pendowski hört es auf, da muss selbst der grösste Fussballkenner passen.

«Bei einem dieser Lehrgänge war auch mal Kevin Kuranyi dabei. Da erinnere ich mich noch sehr gut dran. Aber wenn du den fragst, ob der sich noch an Thomas Olschewski erinnert, hat der bestimmt keinen Schimmer».

Für die Bundesliga reichte es nicht

Er lacht. Für ihn hat es für die grosse Karriere – wie für die Beckerts, Dörrichs, Pendowskis – nicht gereicht. Dabei sei sie bis zu einem gewissen Punkt eigentlich recht erfolgreich verlaufen. 

«Wir waren damals beim 1. FC Köln eine sehr erfolgreiche Mannschaft, sind unter anderem Vizemeister in der A-Jugend-Bundesliga geworden. Aber unterm Strich hat es aus unserer A-Jugendmannschaft damals nur Marcel Ndjeng in die Bundesliga geschafft».

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Olschewski (Nr. 1) mit seinem Kölner Kollegen Marcel Ndjeng (Nr. 6, Kapitän) bei den DFB-Junioren. bild: thomas olschewski/privat

Thomas Olschewskis Karriere erleidet auf der Schwelle zum Profibereich einen Knacks. Er wird damals von einer Verletzung ausgebremst. Leisten-OP. Irgendwann sei ohne Schmerzen kein Training mehr möglich gewesen. Trotz vieler Reha-Massnahmen. Beim 1. FC Köln wird er nach der Jugend aussortiert. Weder bei den Profis, noch bei den Amateuren ist ein Kaderplatz für ihn frei.

«Ich war eh nie der Talentierteste, dafür aber immer sehr ehrgeizig. Mein grösstes Manko war wahrscheinlich meine Grösse: Mit 1,82 Meter habe ich nicht gerade das Gardemass für die Position».

Beim Lokalrivalen Viktoria Köln erhält er für die Saison 2001/2002 in der Oberliga Niederrhein einen Zweijahresvertrag. Es läuft gut. «Mein Berater sagte dann auf einmal zu mir: Du wechselst nach Duisburg in die 2. Liga», erzählt Olschewski. Eine neue Chance ergibt sich.

Plötzlich vereinslos

Sein Vertrag in Köln sei daraufhin aufgelöst worden, der nächste in Duisburg aber noch nicht unterschrieben gewesen, erklärt Thomas Olschewski. «Pierre Littbarski war damals Trainer in Duisburg, wurde dann aber entlassen. Sein Nachfolger hatte keinen Bedarf für mich; ich stand als vereinsloser Spieler da. Das war dann das, was man einen kapitalen Beraterfehler nennt.» 

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Olschewski vor Trikots seiner Klienten. bild: thomas olschewski/swiss life select

Er beginnt daraufhin seine Ausbildung, wird Finanzberater. Währenddessen hat er noch kurze Engagements in unteren Klassen, hilft hier und da als Torwart aus, bis hinunter in die Kreisliga B. Ein Gastspiel als Ersatzkeeper beim KFC Uerdingen in der Regionalliga ist 2004 seine letzte Karrierestation. In der Winterpause löst er dort seinen Vertrag auf. 

«Während andere noch träumten, den grossen Sprung zu machen, habe ich eingesehen, dass der bei mir nicht mehr kommen wird.»

Karriere nach der Karriere

Der Kontakt zur Fussballbranche ist geblieben. Heute vertrauen Olschewski Zweit- und Erstligaprofis sowie ein deutscher NHL-Spieler in Finanzfragen. 

«Du verdienst als junger Mensch in einem kurzem Zeitraum überdurchschnittlich viel. Umso wichtiger, dass da jemand ist, der plant, was du mit dem Geld machst», betont er, «viele werden schlecht beraten. Ich habe einfach gesehen, dass da sehr viel Bedarf an guter nachhaltiger Beratung ist».

Denn wo viel Geld ist, geht immer ein Gespenst um. Ein Erstgespräch mit einem Klienten habe ihn besonders getroffen. Thomas Olschewski erinnert sich: «Es war ein Fussballprofi, er hatte die gängigen Versicherungen, aber keinerlei Ersparnisse, keine grössere Summe Geld, – die ich vermutet hätte. Er hat nie geprotzt, war kein ‹Aubameyang›. Ich hab ihn gefragt, wo das Geld hingegangen ist». Die Antwort: Der Spieler sei an einen windigen Berater geraten, habe eine «beträchtliche Summe» fehlinvestiert. 

Berater verschwunden, Geld weg

Wie kann das sein? «Die wenigsten – nicht nur im Fussball – haben viel Ahnung was Geld angeht, und oft auch wenig Interesse sich damit auseinanderzusetzen», sagt er. Es habe aber nicht nur mit fehlendem Finanzverständnis zu tun: «Du musst dich als Profi ohnehin um wenig kümmern, weil du dich ja auf den Sport konzentrieren sollst. Fussballprofis leben in einer Welt, in der alle viel Kohle haben. Der Lifestyle ist entsprechend, man will überall dabei sein, der Konsum steigert sich» .

Das trifft aber natürlich nicht auf alle Profis zu. Nicht alle tappen in Beraterfallen oder brausen mit dem Lamborghini auf der Überholspur. 

«Es gibt solche und solche. Die einen studieren nebenher, andere wissen nicht mal, wo sie nächsten Sommer spielen werden.»

Die Summen, die Fussballer gezahlt bekommen, hält Thomas Olschewski trotz allem für gerechtfertigt: «Du musst schon in jungen Jahren Entscheidungen treffen, es herrscht ein Leistungsgedanke, man muss sich unter Druck beweisen, auf viel verzichten. Eine Verletzung kann alles zunichte machen. 15 Profijahre kann dir keiner garantieren», sagt Thomas Olschewski – und da spricht der Kölner Fast-Profi-Torwart aus Erfahrung.

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