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Le joueur de l’equipe de football de Challenge League Neuchatel Xamax FCS Raphael Nuzzolo, centre, fete avec une torche l'ascension en Super League avec leurs fans ce mardi 24 avril 2018 au stade de la Maladiere a Neuchatel. Neuchatel Xamax FCS est champion de Challenge League, il jouera la saison prochaine en Super League. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Die Xamax-Spieler feiern mit den Fans den Aufstieg.  Bild: KEYSTONE

«Es gab kein Geld, nicht mal mehr Trikots» – dieser Mann steckt hinter Xamax' Aufstieg

Aus einem Trümmerhaufen innert sechs Jahren in die Super League. Neuchâtel Xamax ist ein Kunststück geglückt. Eine der wichtigsten Personen hinter dem Erfolg ist Präsident Christian Binggeli.



Der definitive Aufstieg war eigentlich schon länger nur noch Formsache. Doch seit dieser Woche darf die Region Neuenburg offiziell jubeln: Neuchâtel Xamax kehrt zurück in die Super League – nur sechs Jahre nachdem der dubiose tschetschenische Präsident Bulat Tschagajew den Klub in den Ruin getrieben hat. 

2. Liga Interregional

Einer der Menschen hinter dem aktuellen Erfolg heisst Christian Binggeli. Binggeli hat den Klub in der zweiten Liga Interregional übernommen. Damals, als der Klub aus den Aschen vom juristischen Inferno unter Tschagajew stieg, versuchte er ihn wieder in geordnete Bahnen zu lenken. «Es war extrem schwierig. Tschagajew hatte so viel zerstört. Es gab kein Geld, nicht mal mehr irgendwelche Trikots», erzählt der Präsident. 

Binggeli hatte sich nicht um die Aufgabe gerissen, er wurde von den Verantwortlichen angefragt, ob er das Präsidentenamt übernehmen könnte. Der Dentalmedizin-Unternehmer zögerte zunächst. Erst als er gemeinsam mit Verwaltungsrat Michel Favre ein Komitee einsetzen konnte, das sich gründlich mit der Rettung des Vereins befasste, sagte er zu. 

L'entraineur Michel Decastel, gauche, et le president Christian Binggeli, droite, celebrent la promotion en Super League apres la rencontre de football de Challenge League entre le Neuchatel Xamax FCS et Servette FC ce lundi 23 avril 2018 au stade de Geneve. (KEYSTONE/Alain Grosclaude)

Christian Binggeli (rechts) hält mit Trainer Michel Decastel immerhin schon mal einen Pokal aus Alufolie hoch. Bild: KEYSTONE

Xamax wurde zum «Familienbetrieb». Binggeli kennt die Stadt und die Region. Nach eigenen Angaben hat er, seit er 15 ist, kein einziges Spiel auf der Maladière verpasst. Seinen Sohn machte er zum Vizepräsidenten und Stadionspeaker. «Wir mussten das Vertrauen der Sponsoren, der Fans und der Region wieder gewinnen», erklärt der Präsident. Transparenz sei das oberste Gebot gewesen.

Mit einem Budget von weit unter einer Million startete Xamax in die erste Saison nach dem Konkurs. Die Neuenburger dominierten gemeinsam mit Concordia die Liga. Nur eine Niederlage mussten sie einstecken. Der Aufstieg gelang sportlich, wäre aber auch sonst gesichert gewesen. Dank der Fusion mit dem FC Serrières spielte Neuchâtel Xamax FCS, wie der Verein neu heisst, ab der Saison 2013/14 so oder so in der ersten Liga. «Das war ein wichtiger Schritt. So konnten wir eine positive Dynamik entwickeln», sagt Binggeli.

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Die Tabelle der Saison 2012/13. Bild: transfermarkt.de

1. Liga

Auch die zweite Saison nach dem Neuanfang und die erste seit der Fusion war eine klare Angelegenheit. Xamax dominierte die 1. Liga und stieg direkt in die Promotion League auf. Der Marktwert des Kaders betrug zu diesem Zeitpunkt bereits wieder über zwei Millionen Franken. Damals begann man zudem mit der Philosophie, frühere Xamax-Spieler wieder zurückzuholen.

Le joueur neuchatelois Mike Gomes celebre le 3eme but lors de la rencontre de football de Challenge League entre le Neuchatel Xamax FCS et FC Vaduz ce dimanche 6 aout 2017 au stade de la Maladiere a Neuchatel. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Verteidiger Mike Gomes kehrte bereits in der 1. Liga zu Xamax zurück. Bild: KEYSTONE

«In der ersten Liga schlossen sich uns beispielsweise Laurent Walthert, Kiliann Witschi, Jérôme Schneider und Mike Gomes an», sagt Binggeli. Alles Spieler mit einer Vergangenheit bei Xamax. Das sei die Basis gewesen, um dann auch weitere Spieler zu einer Rückkehr bewegen zu können. 

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Die Tabelle der Saison 2013/14. Bild: transfermarkt.de

Promotion League

In der Promotion League (früher 1. Liga Promotion) gelang dem Schweizer Meister der Jahre 1987 und 1988 der dritte direkte Aufstieg in der dritten Saison. Erneut setzte Xamax auf Spieler aus der eigenen Jugend und Akteure, die schon früher einst für die Neuenburger gespielt hatten. Charles-André Doudin oder Freddy Mveng stiessen neu dazu.

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Die Tabelle der Saison 2014/15. Bild: transfermarkt.de

Challenge League

Zum ersten Mal seit dem Neuanfang geht es nicht direkt eine Liga weiter. Im ersten Jahr in der zweithöchsten Liga ist Lausanne zu stark. Eine Saison später hat Xamax gegen den FC Zürich keine Chance. Im Sommer 2016 gelingt dennoch ein wichtiger Coup: Raphael Nuzzolo, der zwischen 2001 und 2011 bereits für die Neuenburger gespielt hat, kehrt zurück. 

Ein emotionaler Christian Binggeli spricht über den Aufstieg.

«Ich wusste, dass wir dieses Jahr aufsteigen müssen.»

Christian Binggeli

«Nuzzolo war bei YB unglücklich mit seiner Rolle. Wir konnten ihn dann von unserem Projekt mit einem klaren Ziel überzeugen.» Ein wichtiger Schachzug: Der verlorene Sohn war es denn auch, der in der Aufstiegssaison den Unterschied ausmachte. «Nuzz» schoss in 29 Spielen 23 Tore und war damit klar der beste Torschütze der Neuenburger. 

Neuenburgs Raphael Nuzzolo schiesst aufs Tor im Fussball Challenge League Spiel zwischen Neuchatel-Xamax FCS und dem FC Vaduz, am Freitag, 13. April 2018, im Stadion Maladiere in Neuenburg. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Raphael Nuzzolo ist der beste Torschütze von Xamax. Bild: KEYSTONE

Super League

Nun ist der Traditionsverein also zurück in der höchsten Schweizer Spielklasse. «Das ist nicht nur ein persönlicher Sieg. Es ist ein Sieg des Komitees, der Spieler, der Fans, des Kantons. Sie alle haben viel dazu beigetragen.»

«Unsere Philosophie ist es, mit den Mittel zu arbeiten, die wir haben.»

Christian Binggeli

Nur gerade sechs Jahre hat es gedauert, um aus dem Trümmerhaufen, den Bulat Tschagajew hinterlassen hatte, einen erfolgreichen Fussballverein zu formen. Mit einem derart schnellen Erfolg hat auch Christian Binggeli nicht gerechnet. Dennoch sagt der Präsident: «Ich wusste, dass wir dieses Jahr – unserem dritten in der Challenge League – aufsteigen müssen. Sonst wäre es wohl schwierig geworden, die erfolgreichen Spieler zu halten.»

Grosse Investitionen für die neue Saison sind bei Xamax nicht geplant: «Unsere Philosophie ist es, mit den Mitteln zu arbeiten, die wir haben», erklärt Binggeli. Gegenüber Mäzenen ist man in Neuenburg natürlich skeptisch geworden. «Wenn uns ein lokaler Investor Geld gibt, nehmen wir das unter Umständen natürlich gerne. Aber wir lassen uns deshalb nicht dreinreden.»

L'entraineur Michel Decastel, centre, celebre la promotion en Super League apres la rencontre de football de Challenge League entre le Neuchatel Xamax FCS et Servette FC ce lundi 23 avril 2018 au stade de Geneve. (KEYSTONE/Alain Grosclaude)

Trainer Michel Decastel hat Xamax nochmals einen entscheidenden Schritt weitergebracht. Bild: KEYSTONE

Auch sportlich soll sich die Mannschaft nicht stark verändern. «Drei Viertel der Spieler haben einen Vertrag für die nächste Saison. Wir werden nur noch 4-5 Verstärkungen suchen», sagt Binggeli. Unter dem Trainer Michel Decastel, der vergangene Saison die Mannschaft übernommen hat, sei man professioneller geworden und sportlich gewachsen. Das werde man auch in der Super League spüren. 

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stichelei 28.04.2018 17:08
    Highlight Highlight Auf jeden Fall ist es schön, einen Club mit so langer Tradition im Schweizer Fussball wie Xamax wieder in der obersten Liga zu sehen. Gratulation und willkommen zurück!
  • N. Y. P. D. 28.04.2018 16:03
    Highlight Highlight Das ist so eine tolle Geschichte. Der Herr Binggeli ist bodenständig und in der Region vernetzt. Und er gibt nur Geld aus, das er hat.

    Ich hoffe mit Basel und YB kommen auch wieder mehr Zuschauer auf die Maladière.

    An all die Tschagajews im Eishockey und Fussball : Fahrt ab !
  • Skeletor82 28.04.2018 15:49
    Highlight Highlight Toller Verein, toller Artikel, danke.
  • Barracuda 28.04.2018 15:06
    Highlight Highlight Jetzt fehlen nur noch die Zuschauer ;-) Schade, dass diese Leistung vom Anhang und der Bevölkerung nur mässig gewürdigt wird.
    • Lucernefan 28.04.2018 18:09
      Highlight Highlight ich glaube, xamax wird in der super league wieder mehr zuschauer haben...
    • Barracuda 29.04.2018 16:19
      Highlight Highlight @Hoppla
      Etwa 3'000 Zuschauer im Aufstiegsjahr und dieser überragenden Saison ist jetzt nicht das Mass aller Dinge. Wenigstens kommen in der Super League dann noch ein paar Auswärtszuschauer dazu. Dieser Wert ist jetzt ja auch nicht wirklich überragend, da der FC Aarau mit gerade mal 2'500 Zuschauer am zweitmeisten hat. In der Super League waren es übrigens jeweils auch nicht viel mehr als 4'000.

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