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epa04872655 Visitors try out Microsoft's games console Xbox Elite at the computer and video games fair Gamescom in Cologne, Germany, 05 August 2015. The trade show will run from 05 to 09 August 2015 in Cologne.  EPA/OLIVER BERG

Als Gamer fühlt man sich oft hintergangen.
Bild: EPA/DPA

Kommentar

Sieben Wege, wie die Game-Industrie uns Gamer hinter's Licht führt

Pokémon Go zeigt, was für einen Einfluss Games auf unsere Gesellschaft haben. Seit Jahren erzielt die Spielindustrie Rekordumsätze und hat dabei die Musikindustrie seit längerem abgehängt. Auf Kosten der Gamer. 



Schätzungen zufolge soll die Game-Industrie im letzten Jahr weltweit 71 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt haben. Das entspricht fast dem fünffachen davon, was die Musikindustrie 2015 umgesetzt hat. Tendenz: Steigend. Microsoft hat 2015 mit Videospielen 36 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Vorjahr. 

Diese positive Bilanz ist möglicherweise der Grund, warum man sich als Gamer manchmal wie eine gemolkene Kuh fühlt. Hier sieben Aussagen, die Gamer von Vertretern der Game-Industrie immer wieder zu hören bekommen und was sie wirklich bedeuten:

«Dieses Spiel wird das grösste, schönste und revolutionärste Game, das ihr je gesehen habt!»

Was die Game-Industrie WIRKLICH meint: Wir haben nicht im mindesten das Budget um euch auch nur annähernd zu geben, was wir bisher versprochen haben. Aber da ihr das Spiel eh alle schon vorbestellt habt, spielt das auch keine Rolle.

Im Vorfeld der Veröffentlichung von heiss ersehnten Games werden viele Versprechen gemacht. So wurde zum Beispiel vor dem Release von «GTA 5», einem Multiplayer-Online-Spiel, gross angekündigt, im Spiel könne man knifflige Banküberfälle mit bis zu fünf weiteren Spielern durchführen. 

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Es war eines der am sehnsüchtigsten erwarteten Spiele: «GTA 5». Bild: Nick Ut/AP/KEYSTONE

Nur: Als das Spiel im September 2013 veröffentlicht wurde, fehlte jede Spur davon. Schliesslich wurden die Banküberfälle fast eineinhalb Jahre später in einem Update angefügt. Um sie zu spielen, benötigt man einen Online-Zugang, also ein Playstation-Plus-Abo (ca. 50 Franken pro Jahr) oder eine Xbox-Gold-Mitgliedschaft (ca. 40 Franken pro Jahr).

(Update: In einer früheren Version des Artikels stand hier, die DLC's zu «GTA 5» seien kostenpflichtig. Das stimmte nicht, nur die Online-Mitgliedschaft ist kostenpflichtig.)

«Mit der Herausgabe des Spieles ist es noch nicht getan. Es kommt noch viel, viel mehr!»

Was die Game-Industrie WIRKLICH meint: Wir geben euch nur die Hälfte des versprochenen Spiels. Den Rest, den wir bereits entwickelt haben, verkaufen wir euch dann häppchenweise, so dass ihr am Schluss das Doppelte für ein normales Spiel bezahlt habt.

«Day-One-DLC» ist die kryptische Bezeichnung dafür, dass nicht die gesamten Informationen der Game-CD von Beginn weg zugänglich sind, sondern nur ein Teil. So als würdest du dir ein Musik-Album mit 20 Songs drauf kaufen, aber du kannst nur 10 davon hören. Nun werden im weiteren Verlauf die «Zugangscodes» zum «Zusatzinhalt» als Erweiterungen verkauft. 

«Das Spiel wird durch In-App-Käufe angereichert»

Was die Game-Industrie WIRKLICH meint: Jemand, der bereit ist einen Haufen Geld für das Spiel auszugeben, wird immer besser sein als du. 

epa05447426 An Indian Pokemon Go game enthusiast tries to catch a Pokemon character after locating it, at Connaught Place in New Delhi, India, 29 July 2016. According to media reports, the launch of Pokemon Go is due in India as the game's developers are trying to find ways to make the server stable to release it. But although the game has not yet been officially launched there, many people have found ways to download the game through the Internet. The game that uses GPS to locate the smartphone's location, has gained a huge popularity among smartphone users and added to the value of Nintendo that partly owns the franchise enterprise that makes Pokemon.  EPA/RAJAT GUPTA

Wer die Nase vorne haben will, muss zahlen.
Bild: RAJAT GUPTA/EPA/KEYSTONE

Diese Strategie lässt sich auch bei Pokémon Go beobachten. So kann man sich Items, die das Fangen von Pokémon vereinfachen, erarbeiten oder einfach mit echtem Geld im Shop kaufen. Wer also bereit ist, mehr Geld in das Spiel zu investieren, hat einen klaren Vorteil gegenüber anderen. Dies erzeugt Druck auf andere Spieler, ebenfalls mehr Geld in die Hand zu nehmen. 

Viele Facebook- und Mobile-Games leiden unter diesem «Pay-to-win»-System. Ironischerweise werden sie oft mit «Free-to-play» beworben, obwohl man theoretisch unendlich viel Geld damit ausgeben kann, oder eben einnehmen. 

«Das Spiel wird schon früher erscheinen als angekündigt!»

Was die Game-Industrie WIRKLICH meint: Wir werden das Spiel zwar wie versprochen früher veröffentlichen, doch es wird so voller Fehler sein, dass es praktisch unspielbar ist.

Kann man ein Spiel früher ankündigen als geplant, freuen sich die Spieler, weil sie nicht mehr so lange warten müssen. Doch meistens hätte sich das längere Warten gelohnt. Denn meistens funktionieren dann wichtige Elemente des Spiels nicht so, wie sie sollten. Denn: Die Hersteller des Spieles haben sich einen aufwändigen Test gespart und testen ihr neustes Produkt einfach an den Käufern. Diese werden sie dann schon auf die Fehler des Spiels hinweisen.

So litt das Spiel «Assassins Creed: Unity», in dem man die französische Revolution hautnah miterleben durfte, nach Veröffentlichung unter so vielen Fehlern, dass die Entwickler unter öffentlichem Druck die erste Erweiterung gratis herausgaben. Hier einige Beispiele von Fehlern:

«Die Entwicklung von Spielen wird immer teurer, darum müsst ihr auch bereit sein, mehr zu zahlen!»

Was die Game-Industrie WIRKLICH meint: WIR WOLLEN MEHR GELD.

Grundsätzlich stimmt diese Aussage. Spiele wie Tetris wurden von einem Entwickler alleine hergestellt, die heutigen Blockbuster wie «Battlefield 1» werden von ganzen Teams entwickelt. Doch im Marketing werden so exorbitant hohe Ausgaben getätigt, dass sich mancher Spieler ein wenig hintergangen fühlen mag.

Der Spielehersteller «Electronic Arts» (EA) zum Beispiel hat ein Marketing-Budget von etwa 700 Millionen Dollar. «EA» wird zudem von verschiedenen Online Plattformen vorgeworfen, sich gute Kritiken auf Online-Plattformen einzukaufen.  Dies hat dazu geführt, dass die Firma zwei Mal in Folge zum schlimmsten US-Unternehmen gewählt wurde, 2011 und 2012. 

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Eines von gefühlten Tausend «Why I Hate EA»-Videos. YouTube/Escapist

«Spiele müssen eine breite Masse ansprechen»

Was die Game-Industrie WIRKLICH meint: Weil wir noch mehr Geld wollen, müssen die Spiele so flach und seicht sein, damit sich niemand daran stört und sie alle kaufen.

Dieser Gedanke zerstört die Vielfältigkeit der Games und hinterlässt ein unter- oder überfordertes Publikum. Zum Beispiel erhielt der heiss ersehnte Nachfolger der «Halo»-Reihe, «Destiny», kurz vor der Herausgabe nochmals eine komplette Überarbeitung der Story. Dem Gaming-Portal «Kotaku» zufolge, das sich auf Insider bezieht, war den Investoren die Story «zu linear».

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Es gibt ganze Subreddits, die sich mit der verschollenen Destiny-Story befassen. YouTube/The Game Theorists

Um ein breites Publikum anzusprechen, sollte der Spielverlauf «offen» sein. Dem Spieler soll selbst überlassen sein, wann er wohin will. Das Resultat: Niemand wusste wirklich, in was für einer Geschichte man wirklich steckte. Die Kritiken fielen durchwegs negativ aus.

Auf der anderen Seite gibt es die Spiele, die so viele Tabus wie möglich brechen wollen, um die maximale Aufmerksamkeit zu erfahren. So zum Beispiel «GTA 5». Nach dem Erscheinen ging ein gewaltiger Aufschrei durch die Medien, weil das Spiel eine Folterszene beinhaltet. War diese Szene wirklich notwendig? Nein. Hat das Spiel dadurch noch mehr Aufmerksamkeit erhalten? Definitiv.

«Das Spiel wird exklusiv auf Plattform A früher veröffentlicht!»

Was die Game-Industrie WIRKLICH meint: Das Spiel kommt für alle anderen später, weil wir einen Deal (mehr Geld) mit dem Hersteller der Plattform A haben. Alle anderen sind angeschmiert.

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Die Erweiterung von «The Division» kam zuerst auf Xbox und PC raus. Einen Monat später durften sich auch Playstation-Spieler freuen. YouTube/Ubisoft

Es ist eine Mode, die sich in jüngerer Zeit in die Game-Industrie eingenistet hat: Kurz-Zeit-Exklusivität. Das bedeutet nichts anderes, als dass entweder Microsoft (Xbox und PC) oder Sony (Playstation) dem Game-Entwickler Geld geboten hat, um für kurze Zeit das Spiel exklusiv auf ihrer Konsole zu haben. Die Unternehmen erhoffen sich dadurch, dass mehr Leute ihre Konsole kaufen. 

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102 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
YvesM
04.08.2016 10:52registriert January 2016
Ich warte bei jedem Spiel ein paar Monate mit dem Kauf. Das schont die Nerven. Meist gibts nach dieser Zeit schon Preisnachlässe und diverse Bugfixes.
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mein Lieber
04.08.2016 13:12registriert November 2015
Die Überschrift impliziert, dass ich (m39, Gamer) hinters Licht geführt werde. Zum Glück weiss ich meinen Verstand zu gebrauchen. Eine Tüte Mitleid für Leo Helfenberger und seine Leidensgenossen?
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Joseph Dredd
04.08.2016 10:27registriert July 2014
Sicher mit ein Grund, weshalb viele Gamer absolut keine Skrupel haben, die Spiele nicht zu kaufen, sondern die Piratenversion vom Internet herunterzuladen.
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102

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