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Was ist der hohlste Traumjob der Welt? Influencer!

Was ist der hohlste Traumjob der Welt? Influencer!

Das ist Bibi. Sie ist YouTuberin und hält Dinge in der Hand.Bild: youtube/bibisbeautypalace
Hat das was mit Politik zu tun? Sicher nicht! Geht es darum, dass uns Leute Dinge verkaufen, von denen sie wirklich eine Ahnung haben? Auch nicht? Worum denn dann?
16.08.2017, 14:1517.08.2017, 04:05
Simone Meier
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Es war ein wunderschöner Abend in einer Gartenbeiz. Am Nebentisch sass eine Kleinstfamilie – Mutter, Vater, Teenie-Brut. Pardon, Teenie-Tochter. Es war ihr anzusehen, dass sie jeden Quadratzentimeter ihres Gesichts und ihrer Frisur so hergerichtet hatte, dass ein Selfie jederzeit drinlag. Sie schaute böse. Die Eltern schauten müde und unglücklich.

Das Teenie-Mönsterchen sagte: «Imfall, ich werde YouTuberin.»

Nein, das sagte es nicht. Aber es war der Subtext dessen, was es wirklich sagte: «Mami, echt, YouTuber – kännsch nöd?! Die sind imfall EXTREM wichtig. Die verdienen viel Geld und kriegen alles geschenkt. Hier zum Beispiel, die Dagi Bee ...» Es zückte entschlossen sein Phone. Eine weitere Locke der Mutter färbte sich grau.

Das ist Dagi Bee. Mit ihrem Dasein macht sie ihre Fans vollkommen verrückt.Bild: imago stock&people

Am Fernsehen lief in einer People-Sendung ein Beitrag über die Dagi oder die Bibi, ich kann sie ja nie unterscheiden, sie haben immer gerade blonde Haare, machen Lidstrich-Demonstrationen, halten Produkte in die Kamera und verhashtagen alles auf Instagram. Egal, der Beitrag lief also und darin waren Tausende von Kindern zu sehen, die der Bibidagi zukreischten und kurz davor waren, in Ohnmacht zu sinken. 

Es ist jetzt soweit: YouTuber, Instagrammer und andere Formen von virtuellem Influencer-Tum sind offizielle neue Traumberufe. 

Der «Tages-Anzeiger» brachte einen Beitrag über irgendeine Sylwina, die angeblich ein Insta-Star ist, und ich sah auf Sylwinas Account mit Schrecken: Die Frau und ich waren schon gleichzeitig am gleichen Ort gewesen. Ich privat. Sie mit Profifotograf. Meine Insta-Bilder kriegten höchstens 43 Herzchen. Ihre mindestens 1500. Ich machte Feierabend, sie machte Geschäfte, nahm Einfluss, war ein Influencer.

Hier sehen wir, wie Sylwina das Filmfestival Locarno besucht (im Ernst).quelle: instagram/@_sylwina_

Was wohl das Verfallsdatum für all die klonartigen Influencerinnen ist? 27? 31? Heissen sie danach anders? «Werbeträgerin», «Werbegesicht», «Werbeikone»? So wie einst Verona Pooth geborene Feldbusch die «Werbeikone mit dem ‹Blubb›» für Rahm-Spinat von Iglo war? Ah, sorry, das ist wahrscheinlich schon 785 Jahre her. Da hatte noch niemand Influence und Instagram. Jetzt hingegen! Wow! Und alles selbstgemacht! Mit Fleiss, Talent und geraden Haaren. Und jedes festgehaltene Produkt haben sie enorm genau getestet. Haben sie natürlich nicht. Weiss man ja. So wie Verona den Spinat vielleicht gar nie gegessen hat.

Wozu also sind die Influencer da? Und ist ihr Anhänger-Stamm tatsächlich so wichtig als Reflektor und Konsument eines Produkts?

Kommt da was zurück, wenn man auf dem Selfie eines Insta-Stars vorkommt? Ja? Vielleicht? Nein? In Amerika wird aktuell eine Milliarde Dollar in die Instagram-Influencer reingepumpt. Da darf man ja wohl mal fragen.

Ein suggestives Schaumbad. Auch immer gaaanz wichtig. Hier nimmt es Insta-Model Marie von Behrens.bild: instagram/mvb

Die amerikanische Mediakix-Agentur, die sich um Influencer-Forschung kümmert, hat nun mit zwei Fake-Accounts versucht, Insta-Influence zu gewinnen. Sie nahmen zwei Frauen mit geraden blonden Haaren, die eine wanderte, die andere war einfach ein California-Girl. Der Account des «Wanderingggirl» wurde mit reinen Agenturfotografien von schönen Landschaften bestückt, das «calibeachgirl310» liess sich ein paar Mal ablichten, fertig waren die schönen Bilder.

«Free as the ocean, living in the golden sun» –  so wirbt das falsche Beachbabe für sich.

Ein paar Tage lang kaufte Mediakix Follower, 1000 Stück für 3 bis 8 Dollar, bis das Volumen gross genug war, um sich damit auf Influencer-Plattformen für Werbeaufträge und Sponsoring zu bewerben. Damit die Bilder auch Kommentare hatten, kaufte die Agentur «Fake Engagement». Ein Kommentar kostete 12 Cent, 1000 Likes 4 bis 9 Dollar. Und siehe da: Die lukrativen Aufträge prasselten nur so rein.

Es kann also sein, dass der Resonanzraum hinter den Bildern vollkommen leer ist. Dass das ganze Unternehmen so hohl ist wie es aussieht. 

Allerdings widersprechen dem die kreischenden Bibidagi-Kinder. Die jetzt eine Zukunftsvision gefunden haben, welche noch deutlich unter jener der «Germany's Next Topmodel»-Kandidatinnen liegt. Die wollen wenigstens noch was: Die Welt sehen, an Schauen laufen, «Editorials shooten», sich hoch arbeiten, ähm ... Und die Influencer? Auf dem Bett liegen und einen neuen Glitzer-Lockenstab in die Kamera halten? Please!

Das sind die meistgelikten Bilder auf Instagram

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Bitte sei einfach keiner dieser Selfie-Typen!

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

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74 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Barracuda
16.08.2017 17:32registriert April 2016
Unerträglicher als Influencer sind wahrscheinlich nur Internetportale, die diesen Individuen regelmässig eine Plattform bieten und selber jeden Mückenfurz aus den sozialen Medien weiterverbreiten ;-)
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dillinger
16.08.2017 16:44registriert Januar 2015
Das problematische bei Bibi, Dagi und wie die Gören sonst noch heissen, ist ja dass ihre Follower vor allem sehr junge Mädchen sind. Die wurden quasi erwachsen mit deren Videos und glauben ihnen halt einfach alles. Und wenn dann Bibi ihren lächerlichen "Bilou" Duschschaum mit Donut Geschmack auf den Markt bringt, fühlen die sich fast gezwungen das zu kaufen. Da kann man dann getrost von Abzocke reden, denn wer braucht einen Duschschaum mit Donut-Geschmack? Denen ist Ihre Verantwortung gegenüber ihrer jungen Followerschaft komplett egal und wenn Sie aufs Konto schauen gibt das ihnen noch Recht.
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Melsqy
16.08.2017 16:15registriert Mai 2017
Leitsatz aus dem Marketing: "Verstehst du es nicht, gehörst du nicht zur Zielgruppe".
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Okay, für Glühwein kann man an den Weihnachtsmarkt. Wo es kalt ist und viele Leute hat. Glühwein kann man aber auch woanders trinken. Zu Hause etwa. Jawohl – im Garten am Feuer oder in der Gemütlichkeit der eigenen vier Wänden lässt sich dieser Winterdrink perfekt geniessen. Hygge nennen es die Dänen, wenn man es sich im Winter zu Hause gemütlich macht. Mit viel Alkohol. Mit viel gløgg.

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