mint

Wenn einer mit der Kamera malt – wie Cartier-Bresson die Welt spiegelte

San Francisco, 1960. fondation Henri cartier-bresson 

Der wichtigste Fotograf des letzten Jahrhunderts ist zwar schon tot, seine Bilder werden aber noch lange überleben. 

17.07.17, 10:29 17.07.17, 18:27

Sein Vater war ein erfolgreicher Textil-Fabrikant. Dass Henri einmal den Betrieb übernehmen würde, schien klar. Also besuchte er eine weiterführende Schule, das Lycée Condorcet, um schliesslich, via einer der Eliteschulen in die Geschäftsleitung einsteigen zu können. Doch daraus sollte nichts werden ...

Gefühl für den Moment, Auge für das Bild.  gerhard steidl gmbh & co. ohg, göttingen

Ohne seinen Abschluss abzuwarten, studierte er stattdessen ein Jahr Malerei bei André Lhote, einem Anhänger des Kubismus. Ein Einfluss, der in seinem späteren Schaffen deutlich wurde, sich wahrnehmbar in Cartier-Bressons Empfinden und seiner Beobachtung für Bildkomposition niederschlug. 

Sifnos, Griechenland, 1961.  fondation henri cartier-bresson

Seinen Prozess des Fotografierens beschrieb er mal so: 

«Man nähert sich auf leisen Sohlen, auch wenn es sich um ein Stillleben handelt. Auf Samtpfoten muss man gehen und ein scharfes Auge haben. [...] Kein Blitzlicht, das versteht sich wohl, aus Rücksicht vor dem Licht, selbst wenn es dunkel ist. Andernfalls wird der Photograph unerträglich aggressiv. Das Handwerk hängt stark von den Beziehungen ab, die man mit den Menschen herstellen kann. Ein Wort kann alles verderben, alle verkrampfen und machen dicht.»

Cartier-Bressons vielleicht wichtigstes Werk: Bildband «Ein entscheidender Moment» – Der französische Originaltitel lautete: ‹Images à la Sauvette / Bilder im Vorübergehen› ...  umschlaggestaltung von henri matisse – gerhard steidl gmbh & co. ohg, göttingen

1930 machte sich Henri Cartier-Bresson auf zu seiner ersten Reise. Fast ein ganzes Jahr verbrachte er an der Elfenbeinküste. Kurz nach seiner Rückkehr entdeckt er dieses Bild von Martin Munkácsi in einer Ausgabe des Magazins Arts et Métiers Graphiques. 

Three Boys at Lake Tanganyika, Liberia, 1930. martin Munkácsi

«Plötzlich habe ich verstanden, dass die Fotografie durch den Moment die Ewigkeit berühren kann. Ich hatte nicht gedacht, dass sowas mit einer Kamera festgehalten werden könnte. Ich sagte, ‹verdammt nochmal›, nahm meine Kamera und ging auf die Strasse raus ...»

«Ein entscheidender Moment». gerhard steidl gmbh & co. ohg, göttingen

In den folgenden Jahrzehnten reiste Bresson durch die Welt. Niemals ruhend, aber auch niemals gehetzt. Er hielt explizit fest, dass die Bewegung keine Hast sei, dass der Akt des Reisens in sich Genuss darstelle. 

«Ein entscheidender Moment». gerhard steidl gmbh & co. ohg, göttingen

Seine Kamera legte er nicht mehr aus der Hand. Für manche seiner ikonischsten Bilder blieb er nicht mal stehen. Er nahm seine Umgebung stets mit voller Aufmerksamkeit wahr. So sehr, dass er Augenblicke erfasste, ohne das Gespräch zu unterbrechen und teils photographierte, ohne dass seine Umgebung das wahrnahm. 

«A Decisive Moment». gerhard steidl gmbh & co. ohg, göttingen

Mit seinem unnachahmlichen Gespür, seiner Sensibilität für seine Umgebung wurde Henri Cartier-Bresson innert Kürze zum wichtigsten Fotografen seiner Zeit. Seine Bildbände wurden zu «Bibeln» seiner Zunft.

«Ein entscheidender Moment». gerhard steidl gmbh & co. ohg, göttingen

Die Leica mit 35mm-50mm-Objektiv war sein Instrument der Wahl, da sie der natürlichen Wahrnehmung des menschlichen Auges am nächsten komme. Die glänzenden Teile des Apparates deckte er mit schwarzem Klebeband ab und bedeckte seine Hand oft noch mit einem Stofftaschentuch. All dies, um den Akt des Fotografierens noch unauffälliger zu gestalten. 

Henri Cartier-Bresson (links), 1974, Arles. wikimedia

Ende der 40er-Jahre gründete er mit einem Freund die Agentur Magnum, die die Rechte seiner Bilder in Zukunft verwaltete. Sie gilt heute als eine der wichtigsten der Branche.

Jegliche Entwicklungsarbeit überliess er stets den Mitarbeitern der Agentur. Da er seine Negative nie nachbearbeitete, jeweils den ganzen Ausschnitt entwickeln liess, gab es keinen Grund mehr, nachträglich noch einzugreifen. 

Andere blicken eher nach oben: 

Mehr mint gibt's hier:

Und zack ist deine Lieblingsserie abgesetzt! Oft aus den absurdesten Gründen

Wenn du genug von der Herbstsonne hast: 10 Kino- und Serientipps

Überraschung! 5 leckere Kuchen-Rezepte mit «Ohhh»-Ef­fekt

Polly Penrose und ihr Selbstauslöser oder: «Oh, guck, eine nackte Frau!»

Diese Stephen-King-Filme sind so schlecht, die musst du gesehen haben!

Fast Food muss nicht immer fettig sein: 5 Rezepte, die schnell und gesund sind

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst: 10 Filme nach wahren Begebenheiten

Ich war in «It» – und es war total herzig

9 Serien «von früher», die du wieder mal gucken solltest! (Nein, nicht «Friends»)

Entspann dich! Diese 12 Lebensmittel helfen gegen Stress

Wieso du Elisabeth Moss spätestens nach den Emmys kennen musst

Wie du einen Marathon läufst, ohne dir in die Hose zu machen

Inspiration ist etwas für Amateure! Wie du trotzdem kreativ bleibst

7 Dessert-Rezepte aus meiner Kindheit, die bestimmt auch dir schmecken werden!

Hier ruht der Krieg in Frieden: Erschreckend schöne Bilder vom Schrottplatz

Hopp, hopp! Diese 6 Wanderungen schaffst du noch, bevor es schneit 

Die liebsten Animationsfilme der watson-User, die du sehen musst!

Am besten ist immer noch selbstgemacht – heute: Kürbis-Tacos mit Avocado

Liebes jüngeres Ich, auf diese «schlechten» Freunde hättest du verzichten können

Ich war «Mother!» gucken und nach zwei Stunden mit den Nerven am Ende

Wer braucht schon das neue iPhone? So knipst du schöne Porträts ohne Topkamera

Botox für die Hoden: Der wahre Grund, warum die Menschheit untergehen wird

Reisst die Raufaser raus! Eine Abrechnung mit den hässlichsten Wänden dieser Welt

«Es knackt und knirscht, aber es lässt sich nicht schlucken» – Besuch beim Insekten-Brunch

«Herr Kawaguchi, warum vakuumieren Sie Pärchen in Ihrer Küche?»

Disneys Sexbotschaften oder Killer-Aliens – das sind die irrsten Verschwörungstheorien

Bibliothek watson: Das sind die Lieblingsbücher der Redaktion

Hört auf, mir beim ersten Date diese leidigen Fragen zu stellen!

Wer diese Regeln beachtet, kann fast alle Speisen problemlos wieder aufwärmen

Warum du keine Angst vor dem Tod haben musst

In Europa unterwegs? Ich hätte da ein paar Restaurant-Tipps. 15 an der Zahl.

Beef don't kill my vibe! So schmeckt der Burger beim fleischlosen Metzger

11 wundervolle Animationsfilme, die du unbedingt (wieder mal) sehen musst

Sag mir, wie du deinen Tag verbringst und ich sag dir, wer du bist!

Was hat das Internet nur aus unserem Liebesleben gemacht!

Essen mit und fürs Köpfchen: 12 Rezepte, die dein Gehirn auf Hochtouren bringen

Und jetzt heisst es ein Jahr warten: Eine Liebeserklärung an den Sommerabend

Für deinen nächsten Berlin-Besuch: Besseren Thai-Food wirst du nirgends finden!

Weil ihm Food-Videos zu langweilig waren, gibt's jetzt #foodfilm

Darum schauen wir lieber Katzenbilder an, als zu arbeiten

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3Alle Kommentare anzeigen
3
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Gelöschter Benutzer 19.07.2017 07:31
    Highlight Die Fotos sind doch alle gestellt und stundenlang eingeprobt.... Aber eben, wenn jemand hochgejubelt wird, dann aber richtig, und die dummen Menschen laufen dem Scheiss nach wie die dem Rattenfänger aus Hameln...
    0 2 Melden
    600
  • G. Del'Hermansvillare 17.07.2017 23:04
    Highlight Damals war es auch einfacher Fotos zu machen (abgesehen vom Film einlegen und entwickeln). Die Menschen haben sich besser gekleidet, die Gebäude schöner ausgesehen. Somit muss man nur noch zur richtigen Zeit abdrücken.
    0 10 Melden
    600
  • Rendel 17.07.2017 13:30
    Highlight Ich liebe seine Bilder und bewundere seine Arbeit. Im Museum Ludwig in Köln, gibt es bis zum 20. August eine Ausstellung.
    19 1 Melden
    600

Wie heisst ein Boomerang, der nicht zurückkommt? Stock. Zeit für den PICDUMP!

Guten Tag. Ich bin wieder da. An dieser Stelle noch ein herzliches DANKE an Loro. Er hat das sehr gut gemacht. (Zu gut ... 😒 )

Wie ich mit Bedauern allerdings feststellen musste, wird mein Lieblingsemoji (😒) mittlerweile inflationär genutzt. Weswegen ich nun ein neues Lieblingsemoji habe.

Und zwar dieses:

🥔

Hoch lebe die Kartoffel.

Dasselbe Schicksal ereilte leider auch die Umfragen, die keine sind. Auch für sie ist es Zeit zu gehen. RIP nordkoreanische Umfragen mit nur einer einzigen …

Artikel lesen