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Rund um Gsund

Ein Gespräch mit meiner 17-jährigen Tochter über blutige Tatsachen

Sie gehören zum Frausein dazu, aber niemand mag sie wirklich: die Regelblutungen. Wie sich der weibliche Zyklus im Laufe der Zeit ändert und welche Auswirkungen er auf uns hat, habe ich kürzlich mit meiner 17-jährigen Tochter besprochen.
24.09.2021, 08:06
Sandra Casalini
Sandra Casalini
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Ich: «Ich finds nicht ganz fair, dass du deinen Frust darüber, dass deine Periode in den Ferien gekommen ist, an mir auslässt. Ich kann nichts dafür.»

Sie: «Du bist doch auch ein Mädchen. Du musst mich doch verstehen.»

Ich: «Tu ich ja. Aber dich verstehen, heisst doch nicht, dass ich mich stundenlang von dir anschmollen und anmotzen lassen muss.»

Sie: «Du hättest an die Tampons denken müssen!»

Ich: «Was? Ich kann doch nicht wissen, wann du jeweils deine Monatsblutung hast.»

Sie: «Ich auch nicht. Die ist bei mir nicht so regelmässig wie bei dir.»

Ich: «Stimmt. Experten zufolge ist sie erst etwa sechs Jahre nach der Menarche, also der ersten Regelblutung, einigermassen stabil.»

Sie: «Wie lange würde das dann bei mir noch dauern, bis es einigermassen regelmässig ist?»

Ich: «Noch etwa ein Jahr. Du hattest deine erste Periode mit zwölf.»

Sie: «Ist das normal?»

Ich: «Total normal. 90 Prozent aller Mädchen haben sie erstmals zwischen 12 und 13 Jahren. Es ist übrigens ein Mythos, dass Teenager die Periode immer früher haben. Diese Zahl ist seit 1960 ziemlich konstant.»

Stress, Übergewicht und Fernreisen sorgen für Unregelmässigkeit

Sie: «Und warum kommt sie bei mir manchmal gar nicht und dann wieder in kürzeren Abständen?»

Ich: «Weil es extrem lange dauert, bis sich dein Körper ans hormonelle Auf und Ab gewohnt hat. In deinem Alter hat man auch mal Zyklen ohne Eisprung. Solltest du allerdings mehr als 90 Tage mal keine Blutung haben, müsste man das abklären lassen.»

Sie: «Was könnten die Gründe sein – ausser Schwangerschaft?»

Ich: «Sehr viel Sport, sehr viel Stress, Magersucht, starkes Übergewicht, hormonelle Störungen oder Fernreisen, welche deinen Zyklus durcheinanderbringen. So bist du übrigens entstanden.»

Sie: «Was?»

Ich: «Ich war beruflich zwei Wochen in den USA und habe auf dem Rückflug meine Regelblutung bekommen. Mehr oder weniger direkt nach der Periode wurde ich mit dir schwanger. Das ist eigentlich nicht möglich.»

Sie: «Warum?»

Ich: «Weil man nur rund um den Eisprung schwanger werden kann, und der ist gut zwei Wochen nach dem ersten Tag der Monatsblutung.»

Sie: «Und warum bist du trotzdem schwanger geworden?»

Ich: «Entweder hatte ich in dem Monat einen zweiten Eisprung oder du warst das langlebigste Spermium der Welt! Wobei dein Bruder noch mehr Durchsetzungsvermögen hatte als du.»

Sie: «Warum?»

Ich: «Ihn gibt's, obwohl ich verhütet habe. Ich weiss bis heute nicht wirklich, wie das passiert ist. Ich vermute, mein Hormonhaushalt war durch die Schwangerschaft mit dir, das Stillen, dann wieder Pille, so durcheinander, dass die Hormone nicht mehr wirklich funktionierten.»

Sie: «Ha! Du hast ihn gar nicht gewollt!»

Ich: «Doch. Aber hätte ich auf einem Bestellformular ankreuzen können, hätte ich ihn ein Jahr später genommen. Aber bei Kindern hat das Unplanbare ja etwas Schönes. Im Gegensatz zur Regelblutung.»

Sie: «Ich find die im Allgemeinen mega mühsam.»

Ich: «Da bist du nicht allein. Fast 60 Prozent der Mädchen zwischen 15 und 19 finden das auch, und möchten etwas dagegen tun.»

Sie: «Was denn?»

Ich: «Die Pille nehmen. Sie stabilisiert den Zyklus und drosselt die Hormonproduktion, so sind die Blutungen meist milder und weniger mit Schmerzen verbunden.»

Sie: «Soll ich das machen?»

Ich: «Wenn du jeweils wirklich heftige Schmerzen hast, würd' ich's mir überlegen. Man muss sich einfach bewusst sein, dass es sich um ein Medikament handelt. Und die können immer Nebenwirkungen haben.»

Sie: «Welche zum Beispiel?»

Ich: «Am meisten Angst haben die Leute vor Thrombose. Aber das Risiko ist relativ gering, obwohl Studien zeigen, dass die Kombination von Rauchen, Übergewicht und Pille das Thromboserisiko tatsächlich erhöht. Aber depressive Verstimmungen oder Gewichtszunahme kommen als Nebenwirkungen öfter vor. Gut, ersteres ist ja auch bei der Mens an und für sich der Fall. Da hat aber eine Studie einer polnischen Uni herausgefunden, dass es gar nicht unbedingt mit den Hormonen zu tun hat.»

Sie: «Sondern?»

Ich: «Mit dem Verlust von Eisen im Blut.»

Wechseljahre im Anmarsch

Sie: «Ja. Ich hab jeweils das Gefühl, ich verliere sicher einen Kubikliter Blut pro Monat.»

Ich: «Es sind gerade mal rund 50 Milliliter. Entsprechend gering ist auch der Eisenverlust. Trotzdem scheint es, als ob dies für Stimmungsschwankungen, Motivations- und Konzentrationsverlust ausreichen würde.»

Sie: «Na, siehst du?»

Ich: «Das ist ganz bestimmt kein Grund, sich jeden Monat einmal vom Sportunterricht abzumelden, junge Dame.»

Sie: «Aber ich bin da so voll unmotiviert. Und kann voll nichts dafür. Alles nur wegen der Natur

Ich: «Nun, falls es dich beruhigt, steht mir etwas Ähnliches, wie du es gerade durchmachst, in nicht allzu ferner Zukunft bevor: die Wechseljahre.»

Sie: «Was passiert da?»

Ich: «Rein körperlich gesehen das Umgekehrte der Pubertät. Die Eierstöcke produzieren weniger Geschlechtshormone, der Eisprung bleibt immer öfter aus und schliesslich bleibt er dann ganz weg. Das ist dann die Menopause. Dann hört der monatliche Shizzle endlich auf. Die Zeit davor ist allerdings mehr oder weniger wieder gleich wie ganz am Anfang: mehr Schmerzen, unregelmässige Blutungen. Das Positive: Ich muss nicht mehr so lange wie du.»

Sie: «Super, das macht meine Laune jetzt auch nicht besser. Hättest du nicht mal an die Tampons für mich denken können, Alte?»

Wie wirkt sich euer Zyklus auf euch und euer Leben aus? (oder auf das der Frauen in eurem Leben)? Eine Tortur oder super easy? Was hilft gegen Schmerzen und schlechte Laune? Teilt es mit uns in den Kommentarspalten.

PS: Wer Toni den Tampon nicht kennt, hat sein Leben verpennt

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Wer Toni den Tampon nicht kennt, hat sein Leben verpennt
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Menstruationsprodukte verursachen riesige Abfallberge

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Über die Autorin:

Sandra Casalini schreibt über mehr oder weniger alle und alles, was ihr über den Weg läuft – immer gnadenlos ehrlich und mit viel Selbstironie. Genau so geht sie auch den Blog «Rund um Gsund» an, der ab sofort alle zwei Wochen auf watson erscheinen wird. Bei dem Thema Gesundheit verhält es sich bei Sandra gleich wie mit der Kindererziehung: Sie ist keine Expertin, aber kommt mit beidem irgendwie klar. Manchmal mit Hilfe, manchmal ohne.

Casalinis Texte erscheinen regelmässig im Elternmagazin «Fritz und Fränzi» und der «Schweizer Illustrierten». Bei der SI gewährt sie zudem wöchentlich Einblick in ihr Leben mit pubertierenden Kids im Blog «Der ganz normale Wahnsinn».

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