Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Warum Roadtrips nerven und ich sie trotzdem liebe

Die S.S. Maheno wurde vor langer Zeit auf Fraser Island angespült und bietet seither Kulisse für Touristen-Föteli wie dieses. alle bilder: gregor stäheli

21.07.17, 20:39


Ob «Easy Rider», «Thelma & Louise» oder «Dumm & Dümmer» – Roadtrips haben mich von klein auf schon fasziniert. Solche Filme und Geschichten haben eine Sehnsucht genährt: Der Wunsch danach, als König von endlosen, einsamen Strassen durch die Weiten verschiedener Landschaften fahren zu können.

Ein Unterfangen, das in der Schweiz nur schwer möglich ist. So sehr ich unsere Landstrassen liebe – insbesondere für Töff-Touren muss ich weiter weg reisen, um die lange Fahrt ins Nirgendwo erleben zu können. Insgesamt über 15’000 Kilometer habe ich in den USA wegen dieser Faszination bereits zurückgelegt.

Ist also nur logisch, dass ich jetzt, nach meinem Austauschsemester in Perth, erneut eine Tour mache. Hierfür miete ich ein Auto, um von Sydney nach Fraser Island zu fahren.

Meine Route: 

bild: google maps

Während der Reise fällt mir einiges auf, was ich nach den letzten Trips bereits wieder vergessen hatte: Die Vorstellung dieser erwähnten Fahrer-Freiheit liegt manchmal doch einige Querstrassen von der Realität entfernt. Ich versuche die Erkenntnisse hier einmal aufzulisten:

Reisebeginn

Hier fängt der Roadtrip an: Sydney. Das Opernhaus und die Harbour Bridge während eines Sonnenuntergangs. Hach ist das nicht schön.

Vorstellung

Am Anfang war das Wort. Und das Wort war «Euphorie». Das Urlaubsziel gewählt, die Koffer gepackt, die Route mehr oder weniger abgesteckt. Was soll dem grossen Abenteuer also noch im Weg stehen? Hingehen, einsteigen, losfahren!

Realität

Falsch gedacht ... zuerst kommt der Online-Booking-Marathon: Erst muss ein Auto gefunden werden, jetzt mal davon ausgehend, dass man am besagten Ort keins besitzt. Stunden um Stunden klicke ich mich durch Vermieter- und Vergleichsseiten. Die Preise unterscheiden sich jeweils um hunderte, wenn nicht tausende Dollar. Zudem kenne ich von den meisten Anbietern Stories von Freunden, die wegen eines kleinen Kratzers um ein halbes Vermögen gebracht wurden. Darum werden auch ausnahmsweise alle AGBs dieser Scharlatane gelesen. Danach geht der ganze Spass mit den Unterkünften weiter. Da ist es immer ein Wählen zwischen komfortabel oder günstig ... bzw. zwischen «davon könnt ich mir eine halbe Playstation kaufen» und Rattenloch.

Unterwegs zum nächsten Halt in The Entrance noch die Pelikanfütterung geschaut. Also glaubs. Hab eher die Touristen gesehen, welche die Fütterung schauten.

Umgang mit Mietwagen

Die Dünen des Worimi National Park in Port Stephens bieten sich gut fürs Quadbike-Fahren an. Mal etwas anderes als Freeway.

Vorstellung

Der neue Wagen rollt frisch gewaschen und poliert beim Vermieter aus der Ausfahrt. Es ist einer dieser Hollywood-Momente. Die Sonne spiegelt sich im richtigen Winkel auf der Haube, die Zeit steht kurz still und irgendwo summt eine Gruppe Engel irgendwas von Hans Zimmer: «Dich werde ich hegen und pflegen bis sich unsere Wege trennen müssen, meine Liebste.»

Realität

Die Liebe vergeht schnell. Du kennst das vielleicht vom neuen Handy. Am Anfang bleibt sogar die Schutzfolie der Verpackung drauf, damit dem edlen Gerät nichts passiert. Es wird überall hin auf dem Samtkissen getragen. Und dann nach ein paar Wochen wirfst du es aus der Hüfte lässig aufs Bett ... aus der Küche ... um die Ecke. Gleich passiert es auch im Auto, speziell während des Roadtrips, wenn jeden Tag gefahren wird. Die Rückbank wird zum Kleiderschrank, der Boden darunter zum Abfallkorb und die Fussmatte in der Fahrerkabine verschwindet unter einem Sandkasten.

Newcastle gibt nicht viel her, find ich. Das Fort Scratchley ist recht spannend und der Rathausturm, dessen Uhr aus irgendeinem Grund rot ist. Gruselig.

Freiheit im Auto

Vorstellung

Alleine auf stundenlangen Fahrten kann ich endlich machen, wonach mir ist. Ich kann Podcasts hören, fragwürdige Selbstgespräche führen und lauthals zu Shakira mitsingen, ohne dass mich irgendwer stört.

Realität

Exakt so!

Unterwegs nach Coffs Harbour lohnt sich der Abstecher in den Regenwald des Dorrigo National Park mit dieser Aussicht.

Coffs Harbour – Die Muttonbird Insel ist via Steg erreichbar und bietet eine schöne Aussicht auf das unaufgeregte Städtchen. Noch ein Sonnenuntergang. Doppelschön.

Gesellschaft im Auto

Vorstellung

Endlich Ruhe von Menschen. Endlich Zeit für mich! Die Flucht vor der Zivilisation auf die Landstrasse wird mir die Möglichkeit geben, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Ich kann reflektieren und über die Welt nachdenken. Darum auch lieber Einzelzimmer als Hostel-Massenschlag.

Realität

So ist es auch ... für die ersten paar Tage. Doch dann fängt die Einsamkeit an zu wirken. Ich habe mich selbst mittlerweile mehr reflektiert, als es mir lieb ist. Deshalb geh' ich in Coffs Harbour gerne wieder ins Hostel. Zufällig treffe ich da drei Engländer: Josh, Max und noch ein Josh.

Josh und ich in Surfers Paradise. Wir posieren zwar mit Anfängerboards, aber nur, weil wir nicht angeben wollen.

Auch sie haben sich erst in Sydney kennengelernt und sind mit dem Greyhound-Bus unterwegs. Da sie nicht danach aussehen, als könnten sie am nächsten Morgen um 5 Uhr für diesen aufstehen, biete ich an, sie mitzunehmen. Schliesslich wollen sie ebenfalls am nächsten Tag nach Byron Bay. Aus einem Tag bzw. einer Destination werden zwei, drei und so weiter. Max und Josh kommen bis nach Brisbane. Mit dem zweiten Josh reise ich noch einige Tage weiter.

Aus Byron Bay habe ich leider kein gutes Foto. Dass ich keine Zeit zum Fötelen hatte, spricht aber für den Ort. Gefunden habe ich allerdings die wohl australischste Vermisstenmeldung überhaupt.

Freiheit auf der Strasse

Vorstellung

Als Regent der Strassen kann ich, wie damals auf der Route 66, ganz alleine über den Asphalt brettern, die Natur geniessen und in Frieden entspannen. Nichts wird meiner Freiheit im Weg stehen.

Realität

Während die Westküste Australiens wohl mit diesem «On the Road Again»-Freiheitsgefühl der US-amerikanischen Landstrassen mithalten kann, ist die Ostküste ein reiner Hürdenlauf. Die Baustellen-Dichte ist vermutlich noch höher als zuhause in der Schweiz. Radarfallen und Polizisten verstecken sich selbst auf abgelegenen Strassen hinter jedem dritten Bäumchen. Und unzählige Australier fahren, als hätten sie Eukalyptus auf den Augen. Trotz leeren Spuren dicht auffahren und eine Handbreite vor der Nase wieder ohne zu blinken reindreschen. Nur um dann wieder 20 km/h unter das Limit runter zu bremsen. Schnell wird aus der erhofften Entspannungs-Fahrt ein nervenaufreibender Mad-Max-Showdown.

Nach zwei Wochen praktisch ununterbrochener Fahrt ist die Luft langsam raus, die Schulter verspannt und die Augen von den abertausenden Metern Asphalt sattgesehen. Noch anderthalb Wochen in Cairns und dann geht es schon wieder zurück in die Schweiz. Dort freue ich mich wieder auf Tagesausflüge und Interrail. Trotzdem möchte ich diese Touren nicht missen.

Im Koala Hospital in Port Macquarie werden verletzte Tiere wieder gesundgepflegt. Um 15 Uhr findet jeweils eine interessante Tour statt.

In kleinen Propellerflugzeugen kann die Insel von oben betrachtet werden. Ebenfalls sieht man das Meeresleben. Hier ein Wal mit Kalb.

Spätestens nächstes Jahr werde ich diese Pros und Contras wieder vergessen haben und die nächste Fahrt planen.

Du fährst übers Wochenende kurz weg? Na dann «Stau zäme»

Video: watson/Lya Saxer

Roadtrip statt Chemo – Die Reise der verstorbenen «Driving Miss Norma»

Seine Lehrer sagten früher: «Wenn du ständig überall deinen Senf dazugeben musst, wird nie etwas aus dir.» Diese Herausforderung nahm er dankend an. Heute ist Gregor Stäheli als Slam Poet vor allem auf Bühnen anzutreffen. Ein Austauschsemester in Perth zwingt ihn, diese für ein halbes Jahr zurückzulassen. Da er es dennoch nicht bleiben lassen kann, sich ständig mitteilen zu müssen, nutzt er diese Reise, um für mint zu schreiben. Seien dies Erlebnisse, Begegnungen mit Schweizern, Gespräche mit Freunden oder grundsätzliche Themen, die ihm unterwegs in den Sinn kommen. Das ist KEIN Reiseblog. Deshalb solltest du ihn nicht zu ernst nehmen – das tut er nämlich selbst schon nicht.

Stalke Gregor auf Facebook oder auf seiner Homepage.

Mehr von Gregor Stäheli liest du hier:

Diese 6 Typen triffst du garantiert in jedem Hostel (und ich bin einer davon)

Eine Woche im Leben eines Studenten – während der Prüfungsphase. Ahhh

WG-Typen from Hell – bis auf den Einen, aber den gibt's vermutlich eh nicht

Eine Nacht mit Fremden – darum liebe ich es, alleine zu reisen

Es hat auch seine Vorteile, der einzige Schweizer auf dem Campus zu sein

11 Schweizer Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie vermissen werde

Herzliche Grüsse aus der Zukunft! Die Zeitverschiebung und ihre Tücken ...

Ich und mein betrunkenes Ich – eine Hassliebe

Auf Umwegen zum Traumberuf – wie wird man eigentlich Reiseleiter?

Ein Trip mit Luxuskindern: Vom Campieren und Resignieren

Wie würde die Welt ohne Internet aussehen? Eine Horrorvision in 10 Teilen

Willkommen im Jammertal: Gedanken eines chronischen Singles

«Ich gehe nach Australien!» – mit diesem Satz erntet in der Schweiz niemand mehr Beifall

Warum wir alle ein bisschen mehr wie Dennis sein sollten

Über den Wolken... Muss die Blödheit der Menschen wohl grenzenlos sein

Ich habe Zürich und Singapur verglichen – rate mal, wer gewinnt ...

Aus den Memoiren eines dummen Jungen

Party mit 19-Jährigen? Ich bin zu alt für diesen Scheiss

Alle Artikel anzeigen

Mehr mint gibt's hier:

Natural-Bodybuilder Patrick Reiser: «Ich will 130 Jahre alt werden»

Erkennst du alle Filme an nur einem Bild? Wer weniger als 7 hat, muss GZSZ* gucken!

9 Situationen, die jeder kennt, der mit dem Zug in die Ferien fährt

Die EU will der Sommerzeit an den Kragen – 5 Dinge, die du wissen musst

«Seine sexuelle Vergangenheit verfolgt mich»

Dieses Haus in New York versorgt sich selbst

Hole mindestens 7 Punkte im Auktions-Quiz, sonst versteigern wir dein Hab und Gut!

12 nützliche Gratis-Apps, die im Sommer nicht auf deinem Smartphone fehlen dürfen

Du entdeckst gerne neues Essen? Dann ist das für dich die wohl beste Website der Welt

«Who is America?» – 7 Fakten über die neue Skandal-Show von Sacha Baron Cohen

Beantworte diese 10 Fragen und wir sagen dir, wohin du in die Ferien sollst!

Mit diesem Food-Test erfährst du, wer Weltmeister wird! 

Bei diesem Spiel musst du aufpassen, dass du deine guten Manieren nicht vergisst

Monstermeister und Kultregisseur David Cronenberg könnten wir stundenlang zuhören

Eine Zahnärztin liest im TV über eine sexsüchtige Zahnärztin. Das schlägt Wellen

Belauscht: Männer über «Bitches», «Brüste» und MDMA-Bowlen

7 Rezepte für Eis am Stiel, die du ganz einfach selber zaubern kannst

präsentiert von

«Sie schüttete ihr Getränk über mich» – 7 Leute berichten von ihren schlimmsten Dates

Bilderrätsel Teil II: Welche Filme stecken hinter diesen 22 Zeichnungen?

Viel mehr als nur eine Beilage: Diese 7 Grillbrote musst du dieses Jahr ausprobieren! 🤤

präsentiert von

Serbische Make-up-Künstlerin legt nach: Nun schminkt sich Kika ganz weg

Netflix recycelt «Sabrina, total verhext!» 5 Dinge, die du darüber wissen musst

Bye bye, Hotel Mama? Nicht mit uns! Das sind die grössten Nesthocker Europas

Süchtig nach der Schweiz? Diese 13 Instagrammer stecken dich garantiert an

präsentiert von

Geht doch: Das Gurtenfestival verzichtet auf Tabak-Geld

Mit diesen 5 Spielen machst du in der Badi immer eine gute Figur

Nur böse Zungen nennen «Mamma Mia! 2» auch «Ein Shit wird kommen» ...

Von wegen «nuttig»! Hört endlich auf, Frauen wegen Klamotten zu beleidigen

Ab ins Nachbarland! 5 Ausflüge, die du in nur einem Tag unternehmen kannst

WAS zum Geier ist denn DAS? Hier kommt das grosse internationale WÄH-Quiz!

RTL kotzt in sein eigenes Sommerloch und nennt dies «Sommerhaus der Stars»

Rye Whiskey, Leute – nicht ungefährlich, aber so was von gut!

Lo & Leduc geben Geheimkonzert auf der kleinen Bühne – und der Gurten dreht durch

Die ultimative Wegwerfliste der Leihräder

Frauen, die sich trennen, sind keine Opfer – verdammt!

Wer nur einmal in seinem Leben wandern war, kennt diese 7 Situationen nur allzu gut

«Stranger Things»: Kryptisches Video verrät neue Details zur 3. Staffel

«Nur no ä halbs Minipic»: Lara Stoll steckt für 127 Stunden mit dem Finger im Abfluss fest

Nach diesen 5 Dokus wirst auch du deine Ernährung hinterfragen

7 originelle Rezepte, um Sirup ganz einfach selbst zu machen

präsentiert von
Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Ein Fischer schneidet einen Hai auf – und zeigt, was mit unseren Meeren falsch läuft

In New South Wales in Australien hatte sich ein Tigerhai in einem Fischernetz verheddert. Das Tier soll aufgedunsen und krank ausgesehen haben, weshalb sich der Fischer Jason Moyce dazu entschied, es zu töten und zu untersuchen. Er schnitt ihm den Bauch auf und filmte anschliessend den erschreckenden Mageninhalt. 

(cta)

Artikel lesen