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Warum entfreundet man jemanden auf Facebook? – 6 Personen, 6 Storys

bild: shutterstock
Love hurts. Freundschaft auch. 
11.10.2017, 20:0012.10.2017, 09:56

Dass es bei der digitalen Freundschaftspflege genauso wie im «Real Life» auch mal zu Streit oder Missverständnissen kommen kann, ist normal. Seltsam wird es erst, wenn jemand nach einer Kommunikationsschwierigkeit entfreundet, statt mit dem Konflikt konfrontiert wird. Oder, worst case: der Entfreundung erst gar kein Konflikt zuvorgekommen ist und sie als beidseitige Übereinkunft des nicht mehr vorhandenen Interesses gewertet werden darf. Wenn «Freunde» spurlos verschwinden, in den losen Gewinden zwischenmenschlicher Verbindungen. 

Wir wollten wissen, warum Menschen das letzte Mal jemanden auf Facebook entfreundet haben oder selbst entfreundet wurden.

Marie-Claire, 24

bild: zvg

Wann wurde dir das letzte Mal online die Freundschaft gekündigt?
Meistens merkt man das ja gar nicht. Vor einem Jahr ist mir aber aufgefallen, dass mich mein ehemaliger Sitznachbar aus der Schule entfreundet hat. Wir waren jahrelang in der gleichen Klasse, nannten uns BFFs, haben gemeinsam gelacht, geweint und getrunken. Und das Schlimmste: sein Vater ist der Tierarzt meiner Katze. Wir sind, beziehungsweise waren, also mehr als nur Bekannte.

Was denkst du, war der Grund?
Er meinte, dass er Facebook-Freunde abbauen wollte. Unser Kontakt hat sich nach dem Schulabschluss etwas verlaufen und da wir uns kaum noch gesehen haben, hat er mich entfernt. Es war ihm ein «bisschen wenig von beiden Seiten». Ich hab dann aber gesehen, dass wir noch immer sehr viele gemeinsame Freunde haben, mit denen er zumindest damals nichts zu tun hatte. Deshalb glaube ich, dass da schon mehr dahinter war.

Wie hast du dich dabei gefühlt?

Ich hab es sehr persönlich genommen.

Bei einer lockeren Bekanntschaft wäre mir das egal gewesen. Ich war und bin aber davon überzeugt, dass wir damals echt gut befreundet waren. Er hat meine Schulzeit auf jeden Fall stark geprägt, deshalb interessiert es mich schon, was er so treibt.

Hast du ihn darauf angesprochen?
Ja, ich war total überrascht und deshalb habe ich ihn einfach aus dem Affekt heraus gefragt, warum er mich entfernt hat. Auf seine Antwort habe ich aber nicht reagiert, irgendwie war es mir dann unangenehm. Das zeigt vielleicht auch, dass mir selbst doch nicht ganz so viel an der Freundschaft lag, wie ich ursprünglich dachte. Es ist aber mittlerweile schon zu viel Zeit vergangen, um das irgendwie zu retten. Durch das Entfreunden habe ich das Gefühl, dass er mich auf der Strasse nicht grüssen würde. Jetzt hoffe ich bei jedem Besuch in der Heimat darauf, dass ich ihn nicht sehe.

Dom, 28

bild: zvg

Wann wurde dir das letzte Mal online die Freundschaft gekündigt?
Um die Jahre 2010/11 herum war mein Uni-Stundenplan so dick und mein Arbeitspensum so gross, dass ich einen Grossteil meines Tages entweder in der Bibliothek verbrachte, um meine To-Do-Listen einzuholen, oder in Bars, um vor meinen To-Do-Listen zu fliehen.

Dazwischen verlor ich das Händchen und Feingefühl, eine ganz normale Beziehung zu führen: Ich versetzte meine damalige Freundin immer wieder, agierte passiv und war ihr gegenüber verschlossen. Ich wusste zwar, dass da gerade irgendetwas gründlich schief lief, aber so richtig klar wurde mir das erst, als sie mich auf Facebook entfreundete – so dumm das auch klingen mag:

Das war für mich ein deutliches aber auch sehr spätes Zeichen, dass ich etwas falsch gemacht hatte.

Was denkst du, war der Grund?
Die Beziehung war von ihrer Seite aus beendet, ein grosses, digitales «Auf Nimmerwiedersehen!». Gleichzeitig signalisierte mir diese Entscheidung auch, dass sie keinerlei Interesse an einem Gespräch hatte oder meine Perspektive verstehen wollte. 

Wie hast du dich dabei gefühlt?
Zum einen fühlte ich mich überrumpelt und war auch ein wenig wütend, dass mir dieser Weg der Kommunikation genommen wurde. Sie hatte eine Grenze gezogen, die ich nicht mehr überschreiten durfte und das zu akzeptieren fiel mir anfangs nicht leicht. 

Die Entfreundung war ein klares Zeichen, ein symbolisches «Stopp»!

Ich hatte das Gefühl, dass ich um meine Mitsprache betrogen wurde – andererseits war das wohl auch einfach nur fair, wenn ich mich daran zurück erinnere, wie ich sie so behandelt habe. Den symbolischen Schlussstrich habe ich schliesslich akzeptiert.

Isabel, 30

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Wann hast du das letzte Mal jemanden auf Facebook entfreundet?
Ich habe eine gute Bekannte entfreundet, die mich mit ihren Äusserungen wirklich verletzt hatte. Streit online und Streit bei einer Begegnung würde ich für mich nicht trennen. In diesem Fall hatte es sich schon bei Treffen angebahnt und endete dann mit einem bösen Erguss auf meiner Timeline. Ich habe ihre Worte als privat-übergriffig empfunden, als ungerecht und herablassend. Es wäre wohl unklug gewesen, jemandem weiterhin Zugriff auf das Profil zu geben, der sich in der digitalen Öffentlichkeit nicht im Griff hat.

Was war der Grund?
«Kein Interesse mehr» ist für mich tatsächlich der Hauptgrund, jemanden zu entfreunden. Und wenn es weh tut, Updates des Anderen zu sehen. In diesem Fall wollte ich einfach nichts mehr von ihr hören, sehen oder lesen.

In welchem Fall würdest du trotz Streit und Funkstille auf Facebook trotzdem befreundet bleiben?
Wenn wenig Emotionen im Spiel sind, kann ich bedenkenlos verknüpft bleiben. Dann stört mich die Person ja nicht. Vermutlich würde ich es auch nicht machen, wenn wir viele gemeinsame Freunde haben. Oder ich noch hoffe, den Streit in absehbarer Zeit klären zu können. Meistens geht man bei Meinungsverschiedenheiten ja nicht gleich auseinander.

Stefan, 24

bild: zvg

Wann wurde dir das letzte Mal online die Freundschaft gekündigt?
Bei mir geht's auf Facebook meist um Politik. Das hat mit der Zeit auch dazu geführt, dass sich Leute – auch ohne Kommentar – verabschieden. Das letzte Mal war es ein früherer Bekannter, der mittlerweile bei einer politischen Partei angeheuert hat. Er schickte mir ohne Kommentar einen Link, in dem stand, dass ein Kanzlerkandidat doch früher so wahnsinnig viel verdient hatte. Ich antwortete, dass er mich doch bitte mit Wahlkampfbotschaften in Ruhe lassen sollte, ich kriege sie auch ohne den Facebook-Messenger mit. Seine Antwort war nicht begeistert. Irgendwas mit «deshalb hasse ich Linke».

Gab es noch eine Reaktion seinerseits? 
Zwei Wochen später schrieb er mir – öffentlich, für alle sichtbar – «Du bist eine Schande für Österreich.» Ohne Kontext. Ich habe ihm ein Fragezeichen geschrieben und keine Antwort mehr gekriegt. Darauf veröffentlichte ich einen Screenshot davon auf Facebook und Twitter. Sein Twitter-Account ist jetzt geschützt, und er hat mich entfreundet. Ich habe auch schon gemerkt, dass mich Leute einfach so entfreunden, ohne etwas zu sagen. Manchmal glaube ich, dass das was mit politischen Postings von mir zu tun hat. Manchmal schicke ich ihnen einfach wieder eine Freundschaftsanfrage, vielleicht wollen sie mir ja sagen, was war.

Sofija, 23

bild: zvg

Wann hast du das letzte Mal jemanden auf Facebook entfreundet?
Das letzte Mal fand beim alljährlichen «Ausmisten» meiner Freundesliste statt; vor etwa 3 bis 4 Wochen. Obwohl ich über die Zeit behut- und achtsamer mit Freundschaftsanfragen umgehe, passiert es doch mal, dass ich gewisse Leute entweder über Freunde oder den Beruf aus Nettigkeit beziehungsweise sozialen Zwang in meine Liste aufnehme, denen ich gar nicht so viel Privatsphäre gewähren möchte, seien es auch nur Urlaubsfotos oder der ein oder andere Musiktrack.

Was war der Grund?
Aus einer gewissen Illusion heraus, glaube ich dadurch eine Art Privatsphäre für mich und einen exklusiveren Freundschaftskreis zu schaffen und bewahren zu wollen, obwohl mir Facebook nicht als sicheres Sozialnetzwerk scheint. So scheine ich für Aussenstehende diskret zu bleiben. Wer es allerdings darauf anlegt, zu erfahren, wo ich das letzte Mal in den Ferien war, wird seine Wege finden.

Würdest du trotz Streit und Funkstille auf Facebook befreundet bleiben?
Ja, wenn ich mit der Person schon lange «In Real Life» in Kontakt stehe, die Erinnerungen mit dieser wertvoll sind und wenn diese überwiegen. Dass man aufgrund des Alltags(-stresses) und anderer Kuriositäten nicht dazu kommt, über längere Zeit einander zu schreiben, passiert hin und wieder. Echte Freunde werfen einem Funkstille aber nicht vor, verstehen es dann auch und nehmen es nicht persönlich.

Yanni, 23

bild: zvg

Wann wurde dir das letzte Mal online die Freundschaft gekündigt?
Wann genau habe ich bei einer damaligen sehr guten Freundin gar nicht richtig bemerkt (via Instagram). Ich hatte zwar keinen Kontakt mehr zu ihr, wollte diesen letzten dünnen Faden aber irgendwie nicht loslassen und habe daher an den online Verknüpfungen nichts geändert. Über Facebook ist das soweit ich weiss noch nicht passiert.

Wie hast du dich dabei gefüht?
Ich fühle mich nicht wohl dabei, obwohl wir über Facebook noch befreundet sind. Das hatte ich sofort nach der Instagram-Erkenntnis gecheckt. Auch wenn ich meinen Teil dazu beigetragen habe, finde ich es sehr schade, wie die Dinge sich so entwickelt haben.

Hast du sie darauf angesprochen?
Nein. Ich habe ein wenig Angst vor der Reaktion und argumentiere wild mit mir selbst, ob es mir wirklich um den Kontakt geht oder das Nicht-Akzeptieren von Distanz/Desinteresse oder gar Ablehnung.

Was würdest du dir wünschen, dass anders verlaufen wäre?
Ich bereue keinen der bisherigen Kontaktabbrüche, da sie in 99% der Fälle für mich eine klare Sache waren. Nur diese eine Freundin, bei der ist es ein bisschen anders. Generell wünsche ich mir aber sehr, dass es wieder wahre Auseinandersetzungen gibt. Weg mit dieser Tinder-Mentalität. Ein Wisch und alles weg. Es braucht wieder reale Wertschätzung, mehr Verantwortung fürs eigene Handeln und vor allem auch diesen intensiven Moment in dem sich zwei Menschen gegenüber stehen und sich sagen, was sie denken. Schwarze Zeichen auf leuchtenden Displays sind grössere Waffen als man denkt. 

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Zerschmetterling
11.10.2017 20:30registriert Mai 2017
Ha.... Ha..... Ha..... Probleme die gar keine sind, sag ich da nur.
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giandalf the grey
11.10.2017 20:46registriert August 2015
Ich hatte eine Freundin die überhaupt nicht streiten konnte. Gab es einen Konflikt (und derer gab es bei ihrem Temperament mind. einmal jährlich einen Katastrophalen) blockierte sie mich stets überall und ging dem Streit so aus dem Weg. Nach einigen Tagen oder Wochen kam sie dann jeweils wieder und tat so als sei nichts gewesen. Das habe ich mehrere Jahre lang so hingenommen bis es mir im Frühling dieses Jahres gereicht hat und ich ihr ihre Strategie jedes mal vorgehalten habe wenn sie wieder kam und so tat als wäre nichts. Jetzt haben wir keinen Kontakt mehr. Ist zwar Schade aber besser so.
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der_senf_istda
11.10.2017 20:23registriert Juni 2017
Da fällt mir spontan Deichkind ein...
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