International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06296464 A Spansih flag waves as thousands of Catalan pro-union people march along the Paseo de Gracia avenue in Barcelona during a protest called by the Societat Civil Catalana (lit: Catalan Civil Society) under the slogan 'We all are Catalonia

Bild: EPA/EFE

«Puigdemont ins Gefängnis!»: Ein Marsch für die Einheit Spaniens



In der katalanischen Hauptstadt Barcelona haben am Sonntag Hunderttausende Menschen für den Verbleib der autonomen Region bei Spanien demonstriert. Nach der Unterstellung Kataloniens unter die Zwangsverwaltung der Zentralregierung bemühten sich beide Seiten am Wochenende, den Unabhängigkeitsstreit nicht weiter anzuheizen.

Nach Angaben der Polizei gingen in Barcelona rund 300'000 Unabhängigkeitsgegner auf die Strasse, die Organisatoren gaben die Zahl der Teilnehmer mit über einer Million an. Es war eine der grössten Kundgebungen für die Einheit des Landes seit Beginn des Streits.

epa06296663 Participants pose during a protest called by the Societat Civil Catalana (lit: Catalan Civil Society) under the slogan 'We all are Catalonia

«Wir sind alle Katalonien» Demonstranten in Barcelona. Bild: EPA/EFE

Die Gegner einer Abspaltung von Spanien schwenkten spanische und katalanische Fahnen und riefen in Sprechchören: «Viva España!» und «Puigdemont ins Gefängnis!» Viele waren in spanische Fahnen gehüllt.

Man wolle dafür arbeiten, dass es zu einer Versöhnung zwischen Unionisten und Separatisten kommt und in der Region im Nordosten Spaniens künftig Besonnenheit und ein friedliches Zusammenleben herrschen, teilte die pro-spanische Sociedad Civil Catalana (SCC) mit, die zu der Kundgebung unter dem Motto «Wir sind alle Katalonien!» aufgerufen hatte.

«Unsere Zukunft ist besser innerhalb Spaniens und innerhalb Europas. Deswegen sind wir heute hier», sagte die Sprecherin der liberalen Ciudadanos, Inés Arrimadas. Die Partei war 2006 in Katalonien als Gegenbewegung zu separatistischen Gruppen der Region gegründet worden und ist inzwischen die viertstärkste Kraft im Madrider Parlament.

Puigdemont ruft zu Widerstand auf

Regionalpräsident Carles Puigdemont hatte die Katalanen am Samstag zum friedlichen «demokratischen Widerstand» gegen die Zwangsverwaltung durch die Zentralregierung in Madrid aufgerufen. In einer Fernsehansprache versicherte er, weiter für den Aufbau eines «freien Landes» zu kämpfen.

FILE- In this Friday, Oct. 27, 2017 file photo, Catalan President Carles Puigdemont sings the Catalan anthem inside the parliament after a vote on independence in Barcelona, Spain. Pro-independence Catalans are cheering the regional parliament's declaration of secession from Spain, a country they don't regard as their own. (AP Photo/Manu Fernandez, File)

Carles Puigdemont mit Anhängern. Bild: AP/AP

Scharf kritisierte Puigdemont die Entscheidung des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, für den 21. Dezember Regionalwahlen anzusetzen. In einer demokratischen Gesellschaft könnten «nur Parlamente Regierungschefs bestimmen und entlassen.» Die schriftliche Fassung der Ansprache war unterzeichnet mit «Carles Puigdemont, Präsident der Generalitat (Regierung) Kataloniens».

Die spanische Generalstaatsanwaltschaft kündigte ein Verfahren gegen Puigdemont wegen «Rebellion» an. Die Behörde wird demnach in den kommenden Tagen Anklage erheben. Auf «Rebellion» steht eine Höchststrafe von 30 Jahren Haft. Puigdemont sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einer «verrückten» Drohung.

Alle sollen an die Urne

Der frühere Präsident des EU-Parlaments, Josep Borrell, rief die Menschen derweil auf, sich in grosser Zahl an der geplanten Neuwahl zu beteiligen. «Dies ist die goldene Gelegenheit. Diesmal sollte niemand Zuhause bleiben».

An dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum hatten sich nur 43 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Nach der Verkündung der Unabhängigkeit Kataloniens durch das Regionalparlament am Freitag hatte die Zentralregierung umgehend die dortige Regierung abgesetzt und Neuwahlen angesetzt.

Massendemo in Barcelona – gegen die Unabhängigkeit

Einer Umfrage für die Zeitung «El Mundo» zufolge könnten die Separatisten bei der Wahl ihre Mehrheit im Parlament in Barcelona knapp verlieren. Sie erreichen demnach 42,5 Prozent der Stimmen, ihre Gegner 43,4 Prozent. Umfragen haben bislang immer wieder gezeigt, dass eine Mehrheit der 5,3 Millionen Wahlberechtigten in Katalonien gegen eine Loslösung der wirtschaftlich starken Region von Spanien ist.

Zwangsverwaltung umgesetzt

Die spanischen Behörden begannen unterdessen mit der Umsetzung der Zwangsverwaltung, welche am Freitag von der Zentralregierung beschlossen worden war. Mit einer Bekanntmachung im Amtsblatt wurden Puigdemont und sein Vize Oriol Junqueras am Samstag offiziell abgesetzt.

Die spanische Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría übernahm formell die Kontrolle über die Verwaltung in Katalonien. Auch der katalanische Polizeichef Josep Lluis Trapero wurde für abgesetzt erklärt, ebenso laut Presseberichten bis zu 150 ranghohe Verwaltungsbeamte.

Umfrage

Soll Katalonien von Spanien unabhängig werden?

  • Abstimmen

3,221

  • Ja, wenn das katalonische Volk das will.58%
  • Nein, Katalonien ist ein Teil Spaniens.26%
  • Ich kann mich nicht entscheiden. Ich will nur das Resultat sehen.16%

Der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido appellierte an die nationalen und katalanischen Polizeieinheiten zu kooperieren, um einen reibungslosen Ablauf der Wahl im Dezember zu gewährleisten, wie die Nachrichtenagentur Europapress berichtete.

Die grösste Separatisten-Gruppe in Katalonien Assemblea Nacional Catalana (ANC) hatte am Freitag die Mitarbeiter der Verwaltung in der Region aufgerufen, Anordnungen aus Madrid nicht zu befolgen. Die Bediensteten sollten mit «friedlichem Widerstand» reagieren.

Die Gewerkschaft CSC hat für Montag zu einem Streik aufgerufen, der bis zum 9. November dauern soll. Die Regionalregierung hatte daraufhin erklärt, sie werde einen Notdienst aufrecht erhalten.

Asyl für Puigdemont

Der belgische Einwanderungsminister Francken warf der spanischen Zentralregierung am Samstag im flämischen Sender VTM «Unterdrückung» der Katalanen vor.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen in Spanien sei es «nicht unrealistisch», dass Belgien Puigdemont Asyl gewähren könne, sagte der Politiker aus der belgischen Region Flandern. Francken gehört der Neu-Flämischen Allianz (N-VA) an, die sich für die Unabhängigkeit Flanderns von Belgien einsetzt.

Die spanische Staatsanwaltschaft bereitet gegen Puigdemont eine Klage vor, in der ihm «Rebellion» zur Last gelegt werden soll. Darauf steht eine Höchststrafe von 30 Jahren Haft. (sda/reu/afp/dpa)

Katalonien

Carles Puigdemont bleibt vorerst in Haft – «Fluchtgefahr»

Link zum Artikel

«Deutschland muss Puigdemont ausliefern»

Link zum Artikel

Tausende protestieren in Barcelona gegen Festnahme Puigdemonts – über 50 Verletzte

Link zum Artikel

Vom Nobody zum Schrecken Spaniens – das ist Carles Puigdemont

Link zum Artikel

An dänischer Grenze: Deutsche Polizei verhaftet katalanischen Ex-Regierungschef Puigdemont

Link zum Artikel

Carles Puigdemont kommt in die Schweiz 

Link zum Artikel

Puigdemont verzichtet auf Amt des Regionalpräsidenten in Katalonien

Link zum Artikel

Haftbefehl gegen geflohene katalanische Separatistin – Schweiz will sie nicht ausliefern

Link zum Artikel

Puigdemont will zurück nach Katalonien: «Ich bin der Präsident – und ich werde es bleiben»

Link zum Artikel

König Felipe warnt katalanische Abgeordnete vor neuer Konfrontation

Link zum Artikel

Die Wahlen in Katalonien zeigen: Die Mächtigen in Madrid haben keine Ahnung von der Region

Link zum Artikel

Wahl gewonnen – und jetzt? 4 Antworten zu Katalonien

Link zum Artikel

Puigdemont bleibt vorerst in Brüssel

Link zum Artikel

Belgischer Richter lässt Puigdemont wieder frei – aber unter Auflagen

Link zum Artikel

Puigdemonts soll nur zur Wahl antreten dürfen, wenn er nach Spanien zurückkehrt

Link zum Artikel

Razzia der Guardia Civil im Hauptquartier der katalanischen Polizei

Link zum Artikel

Diese Frau hat den härtesten Job Europas

Link zum Artikel

Staatsanwaltschaft klagt Puigdemont an – dieser setzt sich nach Belgien ab

Link zum Artikel

Warum gerade Belgien? Die 8 wichtigsten Fragen und Antworten zu Puigdemonts Flucht

Link zum Artikel

«Das ist eine Kriegserklärung!» – spanische Beobachter warnen vor «katalanischem Maidan»

Link zum Artikel

Auf Youtube ist die Propaganda-Schlacht um Katalonien entbrannt

Link zum Artikel

Kein Showdown in Barcelona: Es kehrt Ruhe ein im Epizentrum des Katalonien-Konfliktes

Link zum Artikel

Keine Einigung in Sicht: Kataloniens Behörden wollen Weisungen aus Madrid nicht folgen

Link zum Artikel

Wie weiter in Spanien? 5 Dinge, die du wissen solltest

Link zum Artikel

Ganz Katalonien fragt sich: Was versteht Spanien unter «die notwendigen Mittel ergreifen»?

Link zum Artikel

Spanien bereitet Machtübernahme in Katalonien vor – und will im Januar Neuwahlen

Link zum Artikel

Ruft er die Unabhängigkeit Kataloniens aus, droht Puigdemont Festnahme

Link zum Artikel

Haftbefehl gegen Separatistenführer entzürnt Katalonien: «Das ist Barbarei!» 

Link zum Artikel

Spanien schraubt wegen Katalonien-Krise Wachstumsprognosen herunter

Link zum Artikel

Streit um Unabhängigkeit: Spanien setzt Katalonien letzte Frist

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

11
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Upsi 30.10.2017 07:57
    Highlight Highlight Wer sich fragt weshalb die Zentral- und die Regionalregierung Kataloniens es so weit haben kommen lassen, sollte mal zurückblicken und sich darüber informieren was das Hauptthema in den Zeitungen war bevor diese Situation eskalierte: die Korruptionsskandale der beiden Regierungsparteien. Beide hatten also interesse daran, dass ein anderes Thema die Schlagzeilen dominiert.
  • Samy Kulturattentat D 30.10.2017 06:39
    Highlight Highlight Während dieser Demo wurde mindestens ein Menschtätlich angegriffen, weil er Ausländer ist.
    https://www.facebook.com/joanmanel.munoz/posts/1461716257217190
  • a-n-n-a 30.10.2017 00:18
    Highlight Highlight Das ist doch (gaaanz vereinfacht gesagt), als würde sich der Kt. ZH von der Schweiz lossagen, nur weil sie den NFA nicht gut finden..

    Katalonien ist Spanien.
  • pamayer 29.10.2017 23:15
    Highlight Highlight Spanien führt die Franco Tradition weiter.

    https://www.woz.ch/1740/katalonienkrise/spaniens-autoritaeres-erbe
  • Philipp55 29.10.2017 22:20
    Highlight Highlight Franco lässt grüssen!
    Mariano Rajoy trägt als direkter Franco Nachfolger mit seiner PP den Hauptteil der Verantwortung für die aktuelle Situation. Er war es schliesslich, der das gültige Autonomiestatut Kataloniens durch anrufung der Gerichte torpediert hat! Deshalb: Franco lässt grüssen!
  • dä dingsbums 29.10.2017 22:17
    Highlight Highlight Puigdemont ist irgendwie die falsche Person um jemanden zu belehren, was in einer demokratischen Gesellschaft erlaubt ist und was nicht.

  • Str ant (Darkling) 29.10.2017 22:14
    Highlight Highlight Gibt es UNO Beobachter die eine faire und unverfälschte Wahl sicherstellen
  • Spooky 29.10.2017 22:04
    Highlight Highlight Alles Angsthasen!
    • Enzasa 29.10.2017 22:25
      Highlight Highlight Alles Menschen die nach vorne schauen
    • Zeezoo 29.10.2017 23:43
      Highlight Highlight Wieso Angsthasen? Vielleicht erheben nun diese ihre Stimmen, welche lange geschwiegen haben?
    • Spooky 30.10.2017 18:55
      Highlight Highlight "....welche lange geschwiegen haben?"

      Wenn sie vorher geschwiegen haben, werden sie auch nachher schweigen. Kanonenfutter für Faschisten!

Ein Toter und drei Verletzte durch Schüsse vor Disco in Melbourne

Nach Schüssen aus einem fahrenden Auto heraus auf eine Menschenmenge vor einer Diskothek in der australischen Stadt Melbourne ist ein 37-Jähriger an seinen Verletzungen gestorben. Der Türsteher war von den Kugeln im Gesicht getroffen worden, starb später im Krankenhaus, wie die Medien berichteten. Drei weitere Verletzte wurden noch im Krankenhaus behandelt. Der Tatort wurde weiträumig abgeriegelt, Experten der Polizei sicherten Spuren.

Ein Unbekannter hatte am frühen Sonntagmorgen aus einem …

Artikel lesen
Link zum Artikel