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Gesundheit: Löst Vegetarismus Depressionen aus? Oder umgekehrt?

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bild: shutterstock
Rund um Gsund

Löst Vegetarismus Depressionen aus? Oder umgekehrt? Ein Gespräch

Ich gehe mal wieder mit meinem alten Freund Philipp essen. Er ist seit Ewigkeiten Vegetarier. Und obwohl wir uns immer vornehmen, das Thema zu umfahren, landen wir mehr oder weniger von Anfang an genau dort. Diesmal wegen einer aktuellen Studie, die sagt, Vegetarier seien häufiger depressiv als Fleischesser.
29.07.2022, 08:19
Sandra Casalini
Sandra Casalini
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Philipp: «Wie fest Hunger hast du? Wollen wir uns eine Vorspeise teilen?»
Ich: «Grünzeug für zwei?»
Er (die Ruhe selbst, weil er meine Sprüche zur Genüge kennt): «Bruschette.»
Ich: «Damit kann ich leben. Obwohl, so ein Lachstatar … Fisch isst du auch immer noch nicht, oder?»
Er: «Nein. Ich esse nichts, was ein Gesicht hat.»
Ich: «Das kann ich aus ideologischen Gründen nachvollziehen. Aber gesund ist es nicht. Auch psychisch nicht.»
Er: «Sagt wer?»
Ich: «Eine aktuelle Studie. Der Typ, der sie durchgeführt hat, ist Psychologe und Uni-Professor und selbst Vegetarier. Die Studie sagt, Vegetarier seien häufiger depressiv als Fleischesser.»
Er: «Ich liebe es ja, wenn ihr Journalistinnen aus solchen Studien so zugespitzte Aussagen rausquetscht.»
Ich: «Und ich liebe es, wenn du immer wieder mit deinem Psychologie-Studium plagiierst, das du vor gefühlten hundert Jahren mal angefangen hast. Jedenfalls kannst nicht mal du als Fast-Psychologe behaupten, psychische Gesundheit habe gar nichts mit der Ernährung zu tun. Dass es da einen Zusammenhang gibt, haben schon x Studien herausgefunden.»

«Studien sagen zum Beispiel, dass Vegetarier ein geringeres Risiko haben, an Übergewicht, Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken.»

Er: «Dem widerspreche ich ja auch nicht. Aber es ist nur ein ganz kleiner Faktor in einem komplizierten Zusammenspiel, bei dem zum Beispiel Genetik, Umgang mit Stress oder das Sozialleben eine weitaus wichtigere Rolle spielen als die Ernährung. Abgesehen davon, dass ich nicht wüsste, warum der Verzicht auf Fleisch Depressionen auslösen sollte.»
Ich: «Weil seelische und körperliche Gesundheit zusammengehören und vegetarische Ernährung zum Beispiel zu Mangel an Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B12 und Mineralstoffen wie Eisen, Kalzium oder Jod führen kann?»
Er: «Bist du jetzt Ernährungsexpertin, weil du so einen Blog auf watson schreibst? Immer die alte Leier. Wer darauf achtet, sich ausgewogen zu ernähren, leidet nicht an irgendwelchen Mängeln, egal ob Vegetarier oder nicht.»
Ich: «Aber Studien sagen …»
Er (fällt mir ins Wort): «Studien sagen zum Beispiel, dass Vegetarier ein geringeres Risiko haben, an Übergewicht, Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken.»
Ich: «Und ich sage, diese Studien kannst du im wahrsten Sinne des Wortes rauchen, weil die meisten Vegis grundsätzlich Gesundheitsfanatiker sind, die weniger Alkohol trinken und rauchen und sich mehr bewegen als andere Leute. Deshalb sind sie gesünder.»
Er (nimmt ein Schluck aus seinem Weinglas und drückt die Zigi im Aschenbecher aus): «Ja, klar!»

«Könnte es nicht sein, dass ein Mensch, der eine solche Diagnose erhält, sich überlegt, Dinge im Leben und im Alltag umzustellen und so darauf kommt, dass eine fleischlose Ernährung eventuell gut für ihn oder sie sein könnte?»

Kellner: «Haben Sie sich für eine Vorspeise entschieden?» Philipp: «Bruschette, eine halbe Portion bitte.»
Ich: «Ich nehme das Lachstatar. Für meine psychische Gesundheit.»
Er: «Hast du dir schon mal überlegt, dass es auch umgekehrt sein könnte?»
Ich: «Wie, umgekehrt?»
Er: «Was ist zuerst da – der Vegetarismus oder die Depression?»
Ich (überlege): «Oh …»
Er: «Abgesehen davon, dass sich etwa dreimal so viele Frauen vegetarisch ernähren wie Männer und Frauen ein fast doppelt so hohes Risiko haben, an einer Depression zu erkranken wie Männer – sagen übrigens ebenfalls Studien –, was schon mal einen Teil deiner so gern zitierten Studie erklärt: Könnte es nicht sein, dass ein Mensch, der eine solche Diagnose erhält, sich überlegt, Dinge im Leben und im Alltag umzustellen und so darauf kommt, dass eine fleischlose Ernährung eventuell gut für ihn oder sie sein könnte? Kommt dazu, dass, wenn man seinen Fokus auf so ein ‹Projekt› legt, das von anderen Dingen ablenkt.»
Ich: «Das kann natürlich sein. Auf der anderen Seite neigen wohl Menschen, die einen Hang zu Depressionen haben, auch eher zu Perfektionismus und haben hohe Ansprüche an sich selbst. Dass sie diese auch ernährungstechnisch haben – ob das nun die Gesundheit betrifft oder die Ethik, ist sekundär –, wäre ja noch nachvollziehbar.»
Er: «Löst Vegetarismus Depressionen aus oder umgekehrt? Wer weiss.»
Kellner: «Ihr Lachstatar.»
Philipp: «Es schaut dich an. Mit grossen, toten Augen. Also ich würde wohl eher bei dem Anblick depressiv werden.»
Ich: «Halt die Klappe und iss dein Grünzeug. Än Guätä!»

Ernährt ihr euch vegetarisch? Aus welchen Gründen? Oder warum mögt ihr nicht auf Fleisch verzichten? Und glaubt ihr, dass eure Ernährung einen Einfluss hat auf eure psychische Gesundheit? Teilt es mit uns in der Kommentarspalte.

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Sandra Casalini, bei sich zu Hause in Thalwil, am 04.12.2018, Foto Lucian Hunziker
bild: Lucia Hunziker

Über die Autorin:

Sandra Casalini schreibt über mehr oder weniger alle und alles, was ihr über den Weg läuft – immer gnadenlos ehrlich und mit viel Selbstironie. Genauso geht sie auch den Blog «Rund um Gsund» an, der ab sofort alle zwei Wochen auf watson erscheinen wird. Bei dem Thema Gesundheit verhält es sich bei Sandra gleich wie mit der Kindererziehung: Sie ist keine Expertin, aber kommt mit beidem irgendwie klar. Manchmal mit Hilfe, manchmal ohne.

Casalinis Texte erscheinen regelmässig im Elternmagazin «Fritz und Fränzi» und der «Schweizer Illustrierten». Bei der SI gewährt sie zudem wöchentlich Einblick in ihr Leben mit pubertierenden Kids im Blog «Der ganz normale Wahnsinn».

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53 Kommentare
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HeforShe
29.07.2022 08:50registriert November 2016
Was ist denn das für ein Hafenkäse?

In der Schlussfolgerung der verlinkten Studie steht:
"However, there was no evidence for a causal role of vegetarian diet in the etiology of mental disorders."

...Journalisten sind wichtig, um wissenschaftliche Erkenntnisse allgemeinsprachlich zu kommunizieren.

Aber solche "Journalisten" schaden einfach nur dem Vertrauen in die Wissenschaft. Hatten wir bei Covid-19, geht nahtlos weiter.
Das Gespräch ist sowas von inhalts- und belanglos.
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HeforShe
29.07.2022 09:02registriert November 2016
Ich verstehe auch nicht, wieso man einer Nicht-Expertin Raum für unqualifizierte Aussagen zu einer KRANKHEIT gibt, die nach wie vor stigmatisiert und wie viele psychologische Erkrankungen, unterschätzt wird. Es ist einfach Humbug und unhilfreicher als unhilfreich. Muss man jedem eine Stimme geben?

Depressionen haben soziale, psychologische, genetische, biologische Ursachen. Meist ist eine neurologische Störung vorhanden. Man isst sich keine Schizophrenie an, genauso wenig wie Depressionen.

Obendrauf sind Essstörungen ein häufiges Merkmal von Depressionen - in beide Richtungen.
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Else
29.07.2022 09:05registriert August 2017
Wow, 2022 und kein Bisschen weiter. Ist das Journalismus? Ein paar Sätze über eine Studie gelesen (und nicht aus einer Studie), ein Titel mit ein paar Fragezeichen (weil man die Antwort nicht kennt) und Vegi-Fleischesser Sprüche klopfen? Schade, wäre nämlich schon ein interessantes Thema.
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