Leben
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So rassistisch berichtet das ZDF über das Royal Wedding – aber kein «Sorry» vom Sender

bild: ap/ watson

Ja, wir haben's geschnallt! Meghan ist schwarz. Schwarz, schwarz, schwarz, schwarz! Wann reden wir endlich wieder über die lustigen Hütchen?



Weil sie ja schliesslich niemals Königin und König werden, «können wir uns auch mal so ein exotisches Paar leisten.» So sagt es Norbert Lehmann, der Moderator der die royale Hochzeit im deutschen Staatsfernsehen kommentiert.

OMG, ja! Die US-amerikanische Schauspielerin Meghan Markle hat eine afroamerikanische Mutter. Sie ist damit die erste Person mit einem nicht ausschliesslich weissen Familienhintergrund, die in die britische Königsfamilie hineingeheiratet hat. Und es ist klar, dass man über dieses Faktum sprechen kann, will, muss. Aber sollte man dabei wirklich Dinge sagen, wie ...

« ... als Garanten der zukünftigen Monarchie dürfen sich William und Kate natürlich nicht so viele Extravaganzen erlauben.» 

Julia Melchior, Adelsexpertin

In der Tat ist die kleine Runde aus Monarchiefetischisten, die die Hochzeit von Meghan und Harry im ZDF kommentierten, durch und durch unsensibel, was das Thema Rassismus betrifft. So wurde die Hautfarbe und die Herkunft der Braut zum ausgeschlachteten Dauerthema der Spezialsendung. Und wir fragen uns: Seit wann ist Schwarzsein extravagant? Mehr dazu im Video!

Moderator Norbert Lehmann fragt seine Gäste immer wieder, was sie denn von diesem speziellen Paar halten würden. Und die Gäste, unter denen eine Adelsexpertin, die Unterhaltungschefin der «Gala»-Zeitschrift und ein Journalist der Zeitung «Die Welt» sitzen, machen alles nur noch schlimmer. Auf eine Frage von Lehmann antwortet der Welt-Journalist: «Es ist nicht ungewöhnlich für England, dass die ungewöhnlichen Paarungen passieren. Dies ist schliesslich eine sehr gemischte Gesellschaft inzwischen.»

Die Adelsexpertin fügt an: «Aus Marketinggründen ist so eine Meghan natürlich genial!» Denn, wie sie später anfügt, tritt mit Meghan auch «dieses afroamerikanische Esprit» in die britische Krone mit ein. Das sei sehr wertvoll. Aber eben schon nur weil es ja Harry ist, der sie heiratet. Der, der eh niemals König wird. 

Über 100 Jahre mit den britischen Royals – und jetzt angeblich noch mit «afroamerikanischem Esprit»! Wir Medien-Schaffenden freuen uns ungemein!

Auch bei der Nachbesprechung der Zeremonie zeigt Moderator Lehmann keine Scheu, seine grosse Freude über all diese unglaublich «schwarzen» Vibes während der Festlichkeiten zu teilen. Er sagt: «... also ‹Stand by Me› mit diesem Gospelchor – allein weil er fantastisch schwarz und so toll schwarz gesungen war. Und Allgemein soviel Schwarzes ...»

Eine kleine Auseinandersetzung mit einer über 400 Jahre alten Kolonialgeschichte – mitbestimmt von ebenjener Königsfamilie, die sich gerade einen Gospelchor zur multikulturellen Unterhaltung einer Hochzeit angeheuert hat – findet in keinem Moment statt. 

Auch Sexismus wurde zum Thema gemacht

Dafür aber sind die Kommentare des ZDF-Ründchens nebst dem augenscheinlichen Rassismus auch gespickt mit einer ordentlichen Portion Sexismus. Harry habe sich mit Meghan einen ganz ungewöhnlichen Typ Frau ausgewählt, erläutert beispielsweise die Adelsexpertin: «Sie ist älter als er und hat auch selber irgendwie was geleistet – aus eigener Kraft.» Damit ist wohl gemeint, dass Meghan eine Schauspielkarriere hatte. Oder vielleicht auch schon nur, dass sie als Frau überhaupt eine Karriere hatte? Als arme, afroamerikanische Frau? So genau können wir nicht sagen, was in den Köpfen der vier Talk-Gäste vorgeht.

Schliesslich werden auch am laufenden Band unkritisch und unhinterfragt irgendwelche Leute zitiert, die angeblich Dinge sagten wie: «Frauen sind wie Teebeutel. Sie wissen gar nicht, wie stark sie sind, bevor sie ins heisse Wasser kommen.» Lehmann kann es sich in einem Moment dann auch nicht verkneifen, dem sechs Millionen Publikum mitzuteilen, dass «Irgendjemand mal gesagt» habe, dass – «ich sag jetzt hier nicht Nanny – aber einer sagte, dass man sich eine solche Frau früher als Mätresse gehalten habe.»

Keine Entschuldigung vom ZDF

So richtig bewusst geworden ist dem ZDF seine hochproblematische Berichterstattung wohl bis jetzt noch nicht . Der Ausland-Radiosender Deutsche Welle (der wie das ZDF zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehört) hat den Fernsehsender auf die Kritik angesprochen. Das ZDF antwortet daraufhin, dass sie «Fragen sowie Lob und Kritik zu unterschiedlichen Aspekten der Übertragung» erhalten haben und dass all diese Statements gleich ernst nehmen würden. Mehr nicht.

Und wir fragen uns zum Schluss: Können wir nicht wieder mehr über all diese verrückten Hütchen sprechen?

Hier sind sie: Die Hüte der Gäste an der Hochzeit von Harry und Meghan

Übrigens: Statt der «Heiratsstrafe» kommt jetzt die «Konkubinatsstrafe»

Video: srf/SDA SRF

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38 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Sir Konterbier
22.05.2018 13:07registriert April 2017
Die ist eh weisser als Micheal Jackson in seinen Fünfzigern. Hätte gar niemand gerafft wenn sie es nicht so aufgeblasen hätten😒
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MacB
22.05.2018 13:35registriert October 2015
Ich habs auf ZDF ebenfalls mitverfolgt und fand das viel unkritischer als hiuer beschrieben. Die Extravaganz bezieht sich ja auch darauf, dass Sie Amerikanerin ist, nicht Anglikanerin ist, Hollywoodschauspielerin ist, aus schwierigen Familienverhältnissen kommt, keine Adlige ist, schon 37 ist (schon ein Risiko, wenn noch Kinder fürs Königshaus hermüssen).
Für das britische Königshaus ist das nicht ohne, wenn man z. Bsp. Edward den VIII. nimmt, der die Krone aufgeben musste, um eine Nicht-Anglikanerin heiraten zu können. (diese Regel gilt seit 2011 aber nicht mehr).
33348
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Zwerg Zwack
22.05.2018 14:36registriert April 2016
Ach, bauscht das Ganze doch nicht so auf. Das verlinkte Youtube-Video ist ein 2-minütiger Zusammenschnitt aus einer mehrstündiger Sendung in welcher permanent gestusst werden muss. Dass die Herkunft der Braut ein Thema ist, ist doch klar, und dass sie "halbschwarz" ist, ist halt nunmal etwas, was es bis jetzt in der britischen Königsfamilie noch nicht gegeben hat. Darf man darüber etwa gar nicht reden, weil wir doch im achso aufgeklärten 2018 leben?
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