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Und plötzlich werden alle lesbisch: Chinas beste Boyband besteht aus fünf jungen Frauen

Bild: acrush
Die Wirtschaft hat Androgynität schon lange als Vermarktungsstrategie entdeckt. Ein chinesisches Musiklabel treibt das Ausschlachten dieses Schönheitsideals nun aber komplett auf die Spitze.
31.03.2017, 17:4701.04.2017, 09:10

«Husbands Exhibitions» – so nennt der chinesische Internetriese «Tendance» den Event, bei dem hübsche Jungs aus der Musikbranche ihren verrückten Fans vorgestellt werden. «Husband» ist in China ein gängiger Begriff für hübsche Burschen im Teenie-Alter, die von den Groupies derart geliebt werden, dass sie – ja, ihr vermutet es richtig – sich vorstellen, ihre Idole ehelich an sich zu binden. Ach, du schön-verrückte asiatische Popkultur!

Die neue Boyband Acrush ist seit letztem November «Husband-Material» für Millionen chinesischer Teenie-Mädchen. Obwohl die Band noch kein einziges Musikvideo veröffentlicht hat, zählen sie in den chinesischen Social Media bereits gleich viele Fans wie Katy Perry. Und die ist mit einer Million Followern auf weibo, dem chinesischen Twitter-Pendant, eine wahre Grösse im populationsreichsten Land der Welt.

bild: acrush
Androgynität 
Das Wort Androgynität (auch Androgynie) bildet sich aus den beiden altgriechischen Termen andros (der Mann) und gyne (die Frau). In der Biologie wird es synonym für Zwitter verwendet. Kulturell und umgangssprachlich verwendet man den Begriff für ein Aussehen (oder einen Look), das geschlechtlich nicht eingeordnet werden kann. 

Per Post erhält das Management von Acrush Liebesbriefe und (gebrauchte) Unterwäsche en masse. Doch was die Absenderinnen der erotisch aufgeladenen Briefe und Pakete bis vor kurzem, an ebendiesem «Husband Event», noch nicht wussten: Ihre Boy-Stars sind eigentlich fünf unkonventionell gekleidete Frauen.

Das Management verbietet den Bandmitgliedern, über ihre sexuelle Orientierung zu sprechen.
Das Management verbietet den Bandmitgliedern, über ihre sexuelle Orientierung zu sprechen.bild: acrush

Seit Jahren sei man in China auf der Suche nach einer «androgynen Pop-Band», erklärt Zhou Xiaobai, Manager von Acrush, gegenüber dem Internetportal Quartz. Lange Zeit wurde die weibliche Seite der chinesischen Popmusik stark von J-Popbands beeinflusst. Alle Sängerinnen traten optisch gleich auf: Kniesocken, Röckchen, verspielter Pony-Haarschnitt und barbiehaftes Make-up. Seit jedoch die knabenhafte Sängerin Li Yuchun 2005 die Casting-Show «Super Girl» gewann, wisse man, dass Androgynität eine Nische bildet, die es in der chinesischen Musikbranche zu füllen gilt.

Japanische Modestyles der 90er und 00er

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Japanische Modestyles der 90er und 00er
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Li Yuchun, Gewinnerin von «Super Girl 2005». 
Li Yuchun, Gewinnerin von «Super Girl 2005». bild: whatsonweibo

Bis Acrush auf den Beinen stand, verging ein ganzes Jahr. Hunderte von Frauen castete Xiaobai in dieser Zeit, bis er mit Lu Keran, An Junxi, Peng Xichen, Min Junqian und Lin Fan die perfekte weibliche Boygroup zusammengezimmert hatte.

Im Interview mit Quartz behaupten die fünf Sängerinnen, dass sie vom Management keinen Style aufgezwungen bekamen. Alle fünf würden den «androgynen Tomboy-Style schon seit ihren Kinderjahren rocken.» Dass die wahre Geschlechtsidentität der neuen Teenie-Stars zuerst verschwiegen wurde, sei zwar schon auch ein ausgeklügelter Mediengag gewesen, aber es steckt gleichzeitig auch eine feministische Botschaft dahinter. Das Motto der Band lautet demnach:

«Kein Rahmen kann unsere Freiheit eingrenzen!»
bild: acrush

Dennoch schwingt bei der Geschichte ein Hauch von unbehaglichem Kommerz mit. Offiziell lautet der Name der Band nämlich «FCC-Acrush». FCC («Fantasy Football Confederatio») ist der Name einer grossen Fussballmarke, die derzeit viele Bands und andere «coole» Personen des öffentlichen Lebens unter Vertrag stellt. Jegliche Figuren, die mit FCC assoziiert werden, sind vertraglich gezwungen, Fussball-Unterricht zu nehmen, um den Sport landesweit bekannter zu machen. 

Das Konzept scheint letztlich perfekt zu funktionieren. Auch nach der grossen Geschlechtsenthüllung von Acrush steigt die Anzahl ihrer weiblichen Fans, die bis jetzt nicht aufhören, die fünf Sängerinnen als ihre «zukünftigen Ehemänner» zu bezeichnen.

Ob sich all diese Mädchen nun Noppenschuhe und Schienbeinschoner kaufen werden, wird sich wohl noch zeigen. Auf jeden Fall lässt sich auf die Schnelle kein Acrush-Song im Internet finden, was doch schwer darauf hinweist, dass es sich bei der Geschichte weniger um Musik als um eine geschickte Vermarktungsstrategie handelt.


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Wisst ihr, wer sich auch schon mal in die Mitglieder einer Boyband verliebt hat und später herausfand, dass die Jungs eigentlich Mädchen waren?

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