DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Arbeitgeberverbands-Präsident Valentin Vogt, Christa Markwalder (FDP), Thomas Minder (parteilos) und Juso-Präsidentin Tamara Funiciello mit Moderator Jonas Projer. bild: screenshot/srf

Minder knabbert in der Managerlöhne-«Arena» an der Karotte und Markwalder ist «hässig»

13 Millionen für CS-Chef Tidjane Thiam, 14 Millionen für UBS-Boss Sergio Ermotti – Managerlöhne: Gier oder Neid? fragte die Arena unschuldig, wohlwissend, dass die Antwort, wie immer bei derartigen Fragestellungen, wohl irgendwo in der Mitte liegt.



Die Managerlöhne sind wieder einmal Thema in diesem Land. Oder sie werden zum Thema gemacht. In der Woche, in der die grösste Partei des Landes im grössten Kanton des Landes eine so totale Bruchlandung hinlegte, dass das gesamte Wahlkampfteam auf sanften Druck hin den Bettel warf, und in der die Klimakrise den grünen Parteien einen Höhenflug sondergleichen beschert hatte, diskutierte man in der «Arena» also über die Gehälter von CS-Chef Tidjane Thiam und UBS-Boss Sergio Ermotti.

Warum nicht einmal antizyklisch agieren, wird sich Moderator Jonas Projer gedacht haben. Nun, so ganz ging der Plan nicht auf, soviel vorweg.

Nicht, dass das Thema keine Arena rechtfertigen würde. Nur hatte man das Gefühl, die Protagonistinnen und Protagonisten würden selber eigentlich ganz gerne über etwas anderes reden. FDP-Nationalrätin Christa Markwalder etwa sah die meiste Zeit so aus, als würde ihr die blosse Anwesenheit im Leutschenbach-Studio physische Schmerzen bereiten.

13 Millionen Franken sind ziemlich viele Packungen Toilettenpapier und einige Netflix-Familienabos. Mit anderen Worten, das Problem an diesen Zahlen ist, dass sie eben für die allermeisten Fantasiezahlen sind und bleiben werden. Ein ehemaliger CS-Mitarbeiter und Publikumsgast brachte es auf den Punkt: «Für einen normalen Menschen ist ein solches Gehalt unverständlich», Thiam sei gemessen am Lohn ein «Ausserirdischer». Und wer sich unter diesen 13 Millionen wirklich konkret etwas vorzustellen vermag, ist vielleicht nicht der ideale Kandidat, um objektiv und unvoreingenommen darüber zu diskutieren.

Das demonstrierte etwa Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt, der sich wenig Mühe gab, nicht den Eindruck zu erwecken, dass er hier eigentlich seine Zeit verschwendet. Ja, es habe Ausreisser bei den Löhnen gegeben, aber die habe man mittlerweile im Griff. Und wenn doch einmal etwas schief laufe, gebe es ja immer noch das Korrektiv Volksinitiative: Problem gelöst.

Aber eben, welches Problem überhaupt? Es geht uns ja gut, brummte Vogt bei jeder Gelegenheit. Es geht uns ja gut, wiederholte Christa Markwalder gebetsmühlenartig. Die Schweizer Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahlen sind tief. Grosse, multinational tätige Unternehmen seien eminent für das Steueraufkommen, eine Beschränkung der Spitzengehälter, wie es etwa die 1:12-Initiative der Juso gefordert hatte, würde diesen Wohlstand gefährden, weil Grosskonzerne nicht mehr das Spitzenpersonal rekrutieren könnten und Abwanderungsgelüste verspürten.Oder glauben Sie etwa, so Vogt höhnisch in Richtung Funiciello, man würde jemanden finden, der die Roche für 600'000 Franken zu führen bereit wäre?

Für Juso-Präsidentin Tamara Funiciello hingegen war klar: Ein Lohn, wie in Thiam oder Ermotti einstreichen, ist niemals gerechtfertigt. Und ganz so gut gehe es eben nicht allen in diesem Land. «Wenn man an Prämien denkt und an die Mieten, muss man sehen: Heute haben die Schweizerinnen und Schweizer weniger Geld im Sack als früher.» Es beschäftige sie auch, dass eine Million Menschen im Land armutsgefährdet seien und dass alleinerziehenden Mütter sich bei ihr meldeten, die die Zahnarztrechnung der Kinder nicht mehr stemmen könnten.

Dann gab es auch noch Thomas Minder, eigentlich sogar zwei, allerdings waren beide nicht wirklich überzeugend. Der erste stand neben Juso-Präsidentin Tamara Funiciello und hätte die Juso-Präsidentin sekundieren sollen, war aber bis zur Hälfte der Sendung mehrheitlich damit beschäftigt, sich gegen den Projers Vorwurf zu verteidigen, sein Husarenstück, die Abzockerinitative, hätte ihre Versprechen nicht eingelöst.

Der zweite Minder war dann vor allem darum bemüht deutlich zu machen, dass er von der Sendungsleitung falsch platziert wurde und eigentlich ja eher auf der Seite von Vogt und Markwalder stehe. Das war zwar ganz unterhaltsam, lieferte allerdings keinen grossen Mehrwert.

Wie wohltuend war es da jedes Mal, wenn die Kamera auf Experte Ueli Mäder schwenkte. Nicht, weil Mäder mit irgendwelchen überraschenden Erkenntnissen aufwartete. Der Armutsforscher und Grandseigneur der Soziologe lieferte solide Einschätzungen, die man mitunter aus seinen verschwurbelten Sätzen herausfiltern musste. Zum Beispiel, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Gefahr sei bei solchen exorbitanten Löhnen. Oder dass die Orientierung am Geld in unserer Gesellschaft Leute nach oben schwemme, die eigentlich gar nicht geeignet seien für solche Posten.

abspielen

Video: streamable

Die eigentliche Freude aber war Mäder dabei zuzuschauen, wie er, die Hände in den Hosentaschen, so unangestrengt-zerstreut vor sich hin dozierte, als ob er auf dem Nachhauseweg vom Institut beim Fliederbusch an der Ecke für ein Plauderstündchen mit einem alten Bekannten hielte.

Vogt, dessen Mundwinkel im Ruhezustand eine perfekte Kuznets-Kurve beschreiben, war anderer Meinung als Mäder: «Wir haben eine viel gerechtere Verteilung in diesem Land als zum Beispiel in Deutschland oder in den USA, die Einkommensschere ist in den letzten Jahren zurückgegangenen», das müsse auch mal gesagt werden. Das sei der Wirtschaft zu verdanken, ein Argument, mit dem Funiciello erwartungsgemässnicht ganz einverstanden war.

abspielen

Video: streamable

So richtig in die Gänge kam diese «Arena»-Ausgabe aber nie. Das lag vor allem an der Tatsache, dass exorbitante Managerlöhne den Puls der Bevölkerung in letzter Zeit kaum höher schlagen lassen. Das musste schon die Juso schon bei der 1:12-Initiative feststellen. Die Empörung, die Funiciello im Volk spüren will und vor der Mäder warnt, ist zwar vorhanden, sie richtete sich bislang praktisch immer gegen eine politische und kulturelle Elite. Eine Elite zu der Wirtschaftsführer mit exorbitanten Gehältern selten zugerechnet werden. Die Linke hat noch immer nicht das Zaubermittel gefunden, um Wirtschaftsexzesse politisch angemessen auszuschlachten.

Kurz vor Schluss gab es noch etwas Aufregung, weil Markwalder und Funiciello sich ineinander verkeilten. Auslöser war eine etwas bizarre Idee zur Armutsbekämpfung, die Markwalder seltsamerweise voller Stolz präsentierte. Sie geht ungefähr so: Menschen, die in einen finanziellen Engpass geraten, also zum Beispiel die Zahnarztrechnung nicht bezahlen können, weil sie zuvor nicht gespart haben, sollten unter günstigen Konditionen Aktien kaufen können.

Funiciello meinte daraufhin, das sei ein «Hohn» und das mache sie jetzt ziemlich «hässig», worauf Markwalder ihrerseits «hässig» wurde, weil sie ihren «grossartigen» Anti-Armuts-Plan irgendwie fürchterlich verkannt sah. Der Streit mündete in einer Diskussion um Sozialleistungen, wobei es sich Markwalder nicht nehmen liess, die Sozialhilfeschmarotzer-Karte auszuspielen.

abspielen

Video: streamable

Projer wanderte dann noch einmal zum Experten rüber und wollte von Mäder etwas Gescheites zur Frage nach der Kapitalbesteuerung hören. Mäder aber hatte jetzt endgültig den Faden verloren, was vielleicht auch daran lag, dass er die Hände nicht mehr in den Hosentaschen hatte. Daraufhin gestand auch Projer, den Faden verloren zu haben und bat Minder, doch bitte noch etwas Substanzielles beizusteuern.

abspielen

Video: streamable

Die beiden Minders blieben allerdings stumm, woraufhin Projer einen Korb mit Schokolade hervorzauberte und mit dem wunderbaren Fussmatten-Spruch «Geld macht nicht glücklich, aber Schokolade» der Sendung ihren wohlverdienten Feierabend gönnte.

Am Schluss blieben einige Fragen offen, wobei diese am meisten irritierte: Warum nahm Minder das schokoladenfreie Rüebli, wenn es doch noch Ragusa, Branchli und Toblerone in Projers Naschkorb hatte?

abspielen

Video: streamable

Wer genauer wissen will, wie das mit dem Geld und dem Glück funktioniert:

Unsere «Arena»-Berichterstattung

AHV-«Arena»: Erst die letzte Frage des Moderators gibt etwas Hoffnung

Link zum Artikel

Pfister schimpft mit SVP-Chef in der «Arena»: «Das träufelt Gift in die Gesellschaft!»

Link zum Artikel

«Güselsack!»: In der Burka-«Arena» lockt SVP-Rüegger Moderator Brotz aus der Reserve

Link zum Artikel

Karin Keller-Sutter faxt in der E-ID-«Arena» Programmier-Nerd Mäder die Leviten

Link zum Artikel

Palmöl-«Arena» ist, wenn SP-Molina in die Mitte rückt und damit Juso-Jansen ärgert

Link zum Artikel

Feminismus-«Arena»: Steffi Buchli wird sauer und SVP-Steinemann gibt die Anti-Feministin

Link zum Artikel

Jugend-«Arena» – oder wie eine 16-Jährige gestandene Nationalräte in die Mangel nimmt

Link zum Artikel

In der Iran-«Arena» tanzt Markus Somm aus der Reihe – bis dieser Rentner ihn stoppt

Link zum Artikel

Atom-Zoff: In der Mühleberg-«Arena» vermag ein Teilnehmer alle anderen zu überstrahlen

Link zum Artikel

Der Islam und das SVP-Sünneli: So verlief die neuste Burka-«Arena»

Link zum Artikel

In der Bundesrats-«Arena» gibt Moderator Brotz den Schmutzli – und drischt auf alle ein

Link zum Artikel

12 Sätze, wie gemacht für die SRF-«Arena» – oder das Weihnachtsessen von watson

Link zum Artikel

In der SRF-«Arena» lügen sie wohl alle – nur einer bleibt dem Geschehen ganz fern

Link zum Artikel

Drogen-«Arena»: Kokser Anton Kohler verzweifelt an SVP-Abstinenzlerin Geissbühler

Link zum Artikel

Freysingeroskar und die Biolügie – die Gegner der Homo-Ehe im «Arena»-Dickicht

Link zum Artikel

Die «Arena» war ein Schlachtfeld – und alle stürzen sich auf Veganerin Meret Schneider

Link zum Artikel

Er poliert, sie politisiert: Wie Toni Brunner die Frauen-«Arena» crasht

Link zum Artikel

Jetzt weht ein anderer Wind in Bern: Rytz steckt in der Spezial-«Arena» ihr Revier ab

Link zum Artikel

«Ueli, es wird nicht wahrer, wenn du schreist» – alle gegen den SVP-Polteri in der «Arena»

Link zum Artikel

Sündenbock Rösti, dann die EU: So buhlten die Parteichefs in der «Arena» um letzte Stimmen

Link zum Artikel

Ronja Räubertochter und die jungen Milden – das war die Jungparteien-«Arena»

Link zum Artikel

Roger Köppel sprengt die Zürcher Ständerats-«Arena» – zumindest fast

Link zum Artikel

Gesundheits-«Arena»: Im Lobbyismus-Streit verzichtet SP-Frau Gysi glatt auf das Kamera-Sie

Link zum Artikel

Klima-«Arena»: SP-Frau verblüfft mit Flugscham-Aussage, SVP-Mann leugnet den Klimawandel

Link zum Artikel

Symbolik mit dem Vorschlaghammer und ein denkwürdiger Satz – das war die EU-«Arena»

Link zum Artikel

Bei der SVP ist der Wurm drin: In der Wahlkampf-«Arena» schiessen alle gegen Rösti

Link zum Artikel

«Das ist eine Frechheit»: Juso-Jansen liest in der AHV-«Arena» den Männern die Leviten

Link zum Artikel

«Das ist eine Katastrophe» – Fisch-Forscher eröffnet Pestizid-Arena mit einem Hammer

Link zum Artikel

Vier Frauen für ein Halleluja? Das war die Frauenstreik-«Arena»

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Verkehrs-«Arena»: SVP-Imark attackiert Klimajugend und Rytz windet sich beim Benzinpreis

Link zum Artikel

SVP-Rutz schiesst in der «Arena» ein Eigentor – dann eilt diese junge CVPlerin zur Hilfe

Link zum Artikel

Ein kleiner Patzer und ein Maurer-Witz – der Einstand von Sandro Brotz in der EU-«Arena»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Offen gesagt

«Lieber Herr Berset, sehr stilvoll ist das nicht ...»

Der Bundesrat präsentiert einen Drei-Phasen-Öffnungsplan, der auf der Durchimpfungsrate der Erwachsenen beruht. Die Jugend kann sich auf Durchseuchung einstellen.

Lieber Herr Berset

Sie haben heute im Namen des Bundesrates den Drei-Phasen-Öffnungsplan entlang der Durchimpfungsrate vorgestellt.

Dabei sind Sie gefragt worden, ob damit nicht alle jene «bestraft» würden, die sich nicht impfen lassen wollen. Weil sie dann an vielen Orten und vielen Anlässen unerwünscht sein werden.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Darauf haben Sie das einzig Richtige geantwortet. Nämlich, dass es kein persönlicher Entscheid ist, ob man sich impfen lässt oder …

Artikel lesen
Link zum Artikel